Centraal Station

Für die Niederlande ist dies eine Zeit der Selbstfindung. Der 11. September 2001, der Mord eines niederländisch-marokkanischen Extremisten an dem Regisseur Theo van Gogh 2004 und die Aufdeckung eines extremistischen islamistischen Netzwerks trugen zur derzeitigen Islamdebatte in den Niederlanden bei. Die Zurückweisung der EU-Verfassung in einem Referendum am 1. Juni 2005 warf ebenfalls Fragen nach dem Grad der Unterstützung der europäischen Integration auf.

Bis jetzt konnten jedoch weder die Islamdebatte noch die neue EU-Debatte die niederländische Unterstützung für die EU-Erweiterung und den türkischen Beitritt mindern.

Seit Oktober 2005 hat sich ESI intensiv mit den Niederlanden befasst, um zu analysieren, wie sich die jüngsten Ereignisse auf die nationale niederländische Debatte zur Erweiterung und zur Türkei niedergeschlagen haben.

An dieser Stelle bieten wir eine unfassende Zusammenschau der Debatte: Niederländische Stimmen zur Türkei und Hintergrunddokumente.

Ein vollständiger ESI Bericht über die niederländische Debatte zur Türkei und EU erschien am 24. April 2006.

Zitate aus der niederländischen Debatte
  • Atzo Nicolaï

    "Wenige Mitgliedsstaaten haben den Erweiterungsprozesses so aktiv wie die Niederlande unterstützt. Wir werden an unseren europäischen Zusagen festhalten. Sie können auf uns zählen. Es ist uns sehr ernst, Sie zum Vorteil aller sicher an Bord zu bringen. Ebenso ernst ist uns die Konditionalität. Wir werden an unseren europäischen Zusagen festhalten, doch ebenso an den europäischen Kriterien. Auch hier können Sie auf uns zählen."

    Atzo Nicolaï, April 2006

  • Ayaan Hirsi Ali

    "Ich bin hinsichtlich der Veränderungen in der Türkei zuversichtlich. Ich bin sicher, dass die Türkei - wie Europa - eines Tages einer Kultur, die Frauen unterdrückt, den Rücken kehren und sich der Gleichstellung der Geschlechter zuwenden wird. … "

    Ayaan Hirsi Ali, April 2004

  • Jan Erik Zürcher

    "Der angebliche uneuropäische Charakter der Türkei ist ein Konstrukt, basierend auf einer unklaren Definition einer europäischen oder "westlichen" Zivilisation und einen unzureichenden Verständnis der türkischen Realität. (Gesamter Text in The European Union, Turkey and Islam)

    Erik Jan Zürcher, 2004

  • Wim Duisenberg

    "Für mich stellt die Integration der muslimischen Türkei in die politische Union Europas dieselbe Art von Friedensfrage dar [die die Grüner der EU] erfolgreich bewältigten. […] Heute bedarf Europa des Friedens unter den Kulturen ebenso wie es des Friedens unter den Nationen bedurfte und aus diesem Grund müssen wir die Türkei in unserer Mitte willkommen heißen."

    Wim Duisenberg (†), August 2004

  • Jan Peter Balkenende

    "Die Entscheidung [zur Türkei] muss ehrlich gefunden werden … Wir können die Regeln nicht während des Spiels ändern. … Wir dürfen es nicht zulassen, von Furcht vor z.B. dem Islam geleitet zu werden. Das Aufrichten von Barrieren für eine bestimmte Religion ist mit den gemeinsamen europäischen Werten nicht vereinbar. (Vollständiger Text der Rede vor dem Europäischen Parlament am 21. Juli 2004)

    Jan Peter Balkenende, Premierminister

Berichte
  • Netherlands Scientific Council for Government Policy (WRR), The European Union, Turkey and Islam, Amsterdam University Press, 2004 (includes survey, Searching for the Fault-Line, by E.J. Zürcher and H. van der Linden).
  • Dutch Ministry of Foreign Affairs, Turkey and the EU – From Association to Accession. Record of the High-level Round Table Conference, 6-7 November 2003, Amsterdam, The Netherlands. The Hague: Ministry of Foreign Affairs Forward Strategy Unit, 2003. Book from this conference available at www.minbuza.nl, inquiries dges-fsu@minbuza.nl.
  • A.M. Lejour, R.A. de Mooij, C.H. Chapel, The economic implications of Turkish accession, Netherlands Bureau of Economic Policy Analysis, CPB Nr. 56, March 2004. Download report at www.cpb.nl or here.
  • Turkey in the European Union. Consequences for Agriculture, Food, Rural Areas and Structural Policy, 1 December 2004. Research undertaken by the Agricultural Economics and Rural Policy Group, AEP, and the Agricultural Economics and Research Institute, LEI, at Wageningen University.
Türkeidebatte in den Niederlanden