Mord in Anatolien. Christliche Missionare und türkischer Ultranationalismus
12 January 2011
Berlin
Click here to view this document as a PDF file in A4 format. To download the PDF file to your computer, right-click here, select "Save Link/Target As..." in the contextmenu and choose a destination on your hard disk. If you are having problems opening this PDF file, please click here for help. Please note that the PDF version of this document also contains footnotes that are not used in its web version.
Beerdigung des deutschen Missionars Tilmann Geske auf dem armenischen Friedhof vom Malatya, 27. April 2007
Beerdigung des deutschen Missionars Tilmann Geske auf dem armenischen Friedhof vom Malatya, 27. April 2007

Diese Untersuchung wurde von der ERSTE Stiftung unterstützt und ist Teil des ESI-Projekts zur Zukunft der europäischen Erweiterung. Die geäußerten Meinungen sind die der Autoren allein.

Die Übersetzung dieses Berichts wurde mit Mitteln der Europäischen Union finanziert

DIE BETEILIGTEN

Die Opfer (ermordet am 18. April 2007)

Necati Aydin Necati Aydin Uğur Yüksel
Aydin – Geske – Yüksel

Necati Aydin war ein christlicher Konvertit aus İzmir. Im November 2003 zog er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern nach Malatya und wurde Generaldirektor des christlichen Verlagshauses Zirve. Seit 2005 arbeitete er als Pfarrer für eine kleine protestantische Gemeinde in Malatya.

Tilmann Geske war ein deutscher Missionar und arbeitete als Pastor für eine protestantische Freikirche in Deutschland. 1997 zog er nach Adana (Südtürkei) und 2002 zusammen mit seiner deutschen Frau und seinen drei Kindern nach Malatya. Er unterrichtete Englisch, übersetzte und predigte in der ortsansässigen Gemeinde.

Uğur Yüksel entstammte einer alevitischen Familie aus Elazığ, einer Provinz östlich von Malatya. Er studierte im Westen der Türkei (İzmit), wo er mit der dortigen protestantischen Gemeinde in Kontakt kam und zum Christentum konvertierte. Seit 2005 arbeitete er mit Necati Aydin für den Zirve Verlag in Malatya.

Die Hauptverdächtigen (angeklagt seit November 2007)

Emre Günaydın Varol Bülent Aral
Günaydın – Aral

Am 18. April 2007 überfielen fünf Männer das Büro des christlichen Verlagshauses Zirve und töteten Necati Aydin, Uğur Yüksel und Tilmann Geske. Sie wurden noch an Ort und Stelle festgenommen.

Emre Günaydın ist der mutmaßliche Anführer der Gruppe. Er wurde 1988 in Malatya geboren. Laut den anderen Tatverdächtigen hatte Emre Günaydın enge Verbindungen zur Polizei von Malatya und seine Familie hatte Kontakte zu allseits bekannten ultranationalistischen Figuren aus dem organisierten Verbrechen.

Salih Gürler, Hamit Çeker und Cuma Özdemir bereiteten sich auf die Aufnahmeprüfung für die Universität vor. Sie lernten Emre Günaydın Anfang 2007 kennen und behaupten, dass er sie einschüchterte und bedrohte, damit sie bei dem Verbrechen mitmachten. Abuzer Yildirim traf Emre 2005. Vor dem Mord arbeitete er in der Baumwollspinnerei von Malatya.

Varol Bülent Aral, der sich als mittelloser Tagelöhner beschreibt, lernte Emre Günaydın im Herbst 2006 kennen. Emre sagte aus, dass ihm Aral von der Bedrohung durch die christliche Missionsarbeit erzählt hatte und dass "sie ihm staatliche Unterstützung garantieren" würden, falls Emre etwas gegen sie unternahm. Arals Notizbuch enthielt die Telefonnummern des ultranationalistischen Anwalts Kemal Kerinçsiz (siehe unten). Im Oktober 2010 behaupteten zwei Zeugen (Orhan Kartal und Erhan Özen, siehe unten), dass Aral das Verbrechen im Namen des Nachrichten- und Terrorabwehrdienstes der Gendarmerie (JİTEM) organisierte und mit dem mutmaßlichen Gründer von JİTEM, Veli Küçük (siehe unten), in Kontakt sei.

Hauptzeugen

Ruhi Abat ist Wissenschaftler an der theologischen Fakultät der Universität Malatya. Zusammen mit einem großen Team an hiesigen Wissenschaftlern stellte er seit 2005 Untersuchungen zur Missionsarbeit an. Er stand in enger Verbindung zur Gendarmerie von Malatya: Die Polizei ermittelte, dass es zwischen Ruhi Abat und der Gendarmerie vor den Morden 1.415 Telefonanrufe gegeben hatte.

Metin Doğan ist ein Gefängnisinsasse, der vor Gericht 2008 aussagte, der Anführer des Ablegers der ultranationalistischen Organisation Ülkü Ocaklari (Graue Wölfe) von Malatya habe ihm 2005 Geld geboten, um "jeden in Zirve", dem christlichen Verlagshaus, umzubringen. Ein früherer Parlamentarier der MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung) aus Malatya und ein Militärangehöriger waren angeblich ebenfalls dabei, als das Angebot gemacht wurde. Metin Doğan wurde später für den Mord am Mörder seines Bruders in einem anderen Vorfall eingesperrt, und er behauptet, dass aus diesem Grund der Auftrag für den Mord an den Missionaren an Emre Günaydın übergeben wurde. Doğan sagte dem Gericht außerdem, dass er Emre gut von den Ülkü Ocaklari kannte.

Orhan Kartal trat der kurdischen Terrororganisation PKK 1990 bei. Zwischen Oktober und Dezember 2008 teilte er sich mit Varol Bülent Aral (siehe oben) in Adiyaman eine Gefängniszelle. Aral soll Kartal erzählt haben, dass er eine "führende Kraft hinter dem Zirve-Verlagshaus-Vorfall sei, dass er mit gewissen staatlichen Kreisen in Verbindung stehe, dass einer von ihnen der JİTEM-Anführer Veli Küçük sei (siehe unten)."

Erhan Özen, zurzeit inhaftiert, arbeitete zwischen 1997 und 2005 für JİTEM. Özen gab an, dass die Operation in Malatya vom Nachrichten- und Terrorabwehrdienst der Gendarmerie (JİTEM) durchgeführt wurde, "um die Voraussetzungen für einen Staatsstreich zu schaffen". Dem Gericht gegenüber sagte er außerdem, dass Varol Bülent Aral (siehe oben) eine Schlüsselrolle darin spielte und dass alles von drei pensionierten Militärs koordiniert wurde, Veli Küçük, Levent Ersöz und Muzaffer Tekin (siehe unten). Erhan Özen machte auch während des Verfahrens um den Mord an Hrant Dink im Mai 2010 eine Aussage. Er gab an, dass er von Plänen zur Ermordung Dinks seit 2004 gewusst habe.

Veysel Sahin wurde im Mai 2008 in Malatya verhaftet, als die Polizei Handgranaten und Sprengstoff in seinem Haus fand. Er ist ein ehemaliger Informant des Militärs, der später Leiter des Büros der Iraqi Turkmen Front (ITF, Irakisch-Turkmenischen Front) in Malatya wurde, der größten turkmenischen politischen Partei in Irak. Er gab an, Mehmet Ülger (siehe unten), den Leiter der Gendarmerie in Malatya, im März 2006 kennengelernt zu haben. Ülger wollte den Vertrieb aller Bibeln monopolisieren, um Kontrolle darüber zu haben, wer sie bekommt, und soll Mitarbeiter der Gendarmerie angeblich angeordnet haben, den christlichen Verlagshäusern zu drohen. Ülger soll mutmaßlich auch den Kontakt zwischen Sahin und Doğu Perinçek (siehe unten) hergestellt haben, dem Anführer der ultranationalistischen Arbeiterpartei, der später als Mitglied eines mutmaßlichen Terrornetzwerks namens Ergenekon, das die Regierung unterminieren wollte, verhaftet wurde.[1]

Mehmet Ülger war von Januar 2006 bis Juli 2008 Befehlshaber der Gendarmerie in Malatya. Er wurde in zwei anonymen Briefen belastet. In einem vom Sommer 2007 wird behauptet, das Verbrechen sei von der Gendarmerie und dem Universitätsforscher Ruhi Abat (siehe oben) geplant worden. Ülger bestätigte, dass er 2006 Kontakt zu Abat hatte. In einem weiteren detaillierten Brief von 2009 behauptete ein angeblicher (anonymer) Geheimdienstoffizier der Gendarmerie der Provinz Malatya, dass Ülger von dem Angriff wusste, den Präsidenten des Aufsichtsrats der Gendarmeriezentrale wenige Wochen vor den Morden unterrichtete, wobei er "detailliert über die später Ermordeten und ihre Aktivitäten berichtete", und außerdem höchstpersönlich die SIM-Karte eines der Verdächtigen beseitigte. Ülger wurde am 12. März 2009 in Ankara verhaftet, von einem Staatsanwalt des Ergenekon-Prozesses verhört und anschließend freigelassen.

Huseyin Yelki ist ein christlicher Konvertit, der im Juni 2002 getauft wurde. 2009 wurde er von Emre Günaydın als Anstifter des Angriffs belastet, gemeinsam mit Varol Bülent Aral. Emre sagte gegenüber der Staatsanwaltschaft, dass "Yelki uns behilflich war, mit etwas Geld zu fliehen." Später widerrief Emre seine Aussage. Die Anklage wurde fallengelassen.

Ergenekon-Verdächtige mit mutmaßlichen Verbindungen nach Malatya

Levent Ersöz ist ein pensionierter Brigadegeneral und ehemaliger Gendarmeriebefehlshaber, der zwischen 2002 und 2004 als Anführer der JİTEM in Şırnak und Diyarbakır stationiert war. Er ist außerdem ein ehemaliger Leiter des Nachrichtendienstes der Gendarmerie. Als eine Schlüsselfigur in den Ergenekon-Ermittlungen wurde er im Januar 2009 verhaftet und angeklagt, eine Verschwörung gegen die Regierung angezettelt zu haben und versucht zu haben, einen bewaffneten Aufstand zu provozieren. Erhan Özen (siehe oben) bezeichnete ihn als einen derjenigen, die zusammen mit Veli Küçük und Muzaffer Tekin einen Angriff in Malatya planten.

Şener Eruygur ist ein pensionierter General und ehemaliger Leiter der türkischen Gendarmerie von August 2002 bis August 2004 und als solcher ebenfalls verantwortlich für die Operationen der JİTEM, die nach zwei Zeugenaussagen hinter den Morden steckt. Nach seiner Pensionierung war er von 2007 bis 2010 Präsident der ultranationalistischen Ataturk Thought Association(Ataturkcu Dusunce Dernegi). 2008 wurde er verhaftet und angeklagt, weil er 2003/2004 beabsichtigte, einen Militärputsch zu inszenieren, indem er entsprechende Bemühungen mit ultranationalistischen Bürgergruppen und Universitätsrektoren koordinierte.

Fatih Hilmioğlu war von 2000 bis 2008 Rektor der Inonu Universität in Malatya. Hilmioğlu wurde am 13. April 2009 verhaftet und in der dritten Ergenekon-Anklage beschuldigt, bei den Vorbereitungen für eine militärische Machtergreifung unter der Führung des Befehlshabers der Gendarmerie, General Şener Eruygur (siehe oben), mitgeholfen zu haben. Hilmioğlu war außerdem ein führendes Mitglied der konservativen Ataturk Thought Association, die nach 2007 von Şener Eruygur (siehe oben) angeführt wurde. Der Zeuge Erhan Özen (siehe oben) sagte aus, dass Hilmioğlu die Überwachung der Missionare in Malatya durch Universitätsmitarbeiter unterstützte, und dass er mit Muzaffer Tekin (siehe unten), dem pensionierten Hauptmann der türkischen Streitkräfte und Ergenekon-Verdächtigen, in Kontakt stand.

Muzaffer Tekin ist ein pensionierter Hauptmann der türkischen Streitkräfte und Mitglied der ultranationalistischen Arbeiterpartei von Doğu Perinçek (siehe unten). Er wurde in der ersten Welle der Ergenekon-Verhaftungen verhaftet, weil er eng in Verbindung zu Oktay Yildirim stand, der in einem Haus in Ümraniye (Istanbul) Granaten versteckt hatte. Yildirim und Tekin wurden unter anderem für den Angriff auf den Staatsrat in Ankara angeklagt, bei dem 2006 ein Richter getötet wurde. Der Zeuge Erhan Özen (siehe oben) sagte im Oktober 2010 aus, dass Tekin auch Aktionen gegen Minderheiten plante und dass er oft nach Malatya kam.

Veli Küçük ist ein pensionierter Gendarmeriegeneral und laut einer weiteren Anklage aus dem Jahr 2008 einer der Gründer von JİTEM. Küçük nahm zwischen 2005 und 2006 an zahlreichen antichristlichen Demonstrationen teil, einschließlich solcher gegen das ökumenische Patriarchat und Hrant Dink. Er wurde am 22. Januar 2008 im Rahmen der Ergenekon-Ermittlung verhaftet und steht momentan in Istanbul unter Anklage. Er wird schon lange mit ultranationalistischen Kreisen in der Türkei in Verbindung gebracht. Der Zeuge Özen (siehe oben) sagte aus, dass er eine führende Rolle bei den Vorbereitungen der Malatya-Morde gespielt habe.

Die antichristliche Kampagne der Türkei (2001-2009)

Sinan Aygün ist der Vorsitzende der Handelskammer in Ankara. Er ist ein unverblümter Gegner der Regierung, der EU und der Arbeit von christlichen Missionaren, über die die Kammer einen Sonderbericht ausfertigte. Aygün wurde im Juli 2008 verhaftet und beschuldigt, einer Verschwörung zum Umsturz der Regierung anzugehören. Die Polizei fand 2,5 Millionen Euro in seinem Haus. Mit dem Geld sollten mutmaßlich Aktivitäten des Ergenekon-Netzwerks finanziert werden. Aygün hatte Kontakt zu Veli Küçük (siehe oben), dem pensionierten Gendarmeriegeneral und mutmaßlichen Mitbegründer von JİTEM. Er besuchte regelmäßig hochrangige Generäle, einschließlich des Leiters der Gendarmerie, Şener Eruygur (siehe oben).

Sevgi Erenerol ist der Sprecher des türkisch-orthodoxen Patriarchats, einer Institution mit einer langen Geschichte ultranationalistischen Aktivismus‘, die von keiner anderen Kirche anerkannt wird. Die von der Familie und ohne Kongregation geführte "Kirche" war stets äußerst feindselig gegenüber allen anderen Christen, einschließlich des griechisch-orthodoxen Patriarchats. In den vergangenen Jahren wurde die türkisch-orthodoxe Kirche zu einem Treffpunkt für viele Ultranationalisten, die später beschuldigt wurden, dem Ergenekon-Terrornetzwerk anzugehören. Zusammen mit Ergün Poyraz (siehe unten) schuf Sevgi Erenerol im Oktober 2006 die ultranationalistische Ayasofya Dernegi (Hagia Sophia Association). Auf Konferenzen warnte sie oft davor, dass die "Missionsarbeit in der Türkei mehr als nur religiöse Ziele hat." Erenerol unterrichtete 2006 auch führende Militärs von der "Gefahr durch Missionare". Im Januar 2008 wurde sie als Mitglied des mutmaßlichen Ergenekon-Netzwerks verhaftet.

Kemal Kerinçsiz war Ergün Poyraz' Anwalt und seit ihrer Gründung im April 2006 Leiter der ultranationalistischen Juristenvereinigung Buyuk Hukukcular Birligi ("Großer Juristenverband"). Er erhob die meisten Anklagen im Rahmen des Artikels 301 Strafgesetzbuch über die Verunglimpfung des Türkentums, indem er Klagen gegen Orhan Pamuk (Nobelpreisträger 2006), die Schriftstellerin Elif Şafak, Hrant Dink und andere führte. Zusammen mit anderen Beschuldigten, die das Ergenekon-Netzwerk ausgemacht haben sollen – Veli Küçük, Muzaffer Tekin und Sevgi Erenerol (alle: siehe oben) – hat er Demonstrationen gegen das ökumenische Patriarchat und türkische Armenier organisiert. Außerdem führte er die juristische Kampagne gegen zwei türkische protestantische Konvertiten, die im Oktober 2006 verhaftet und der Verunglimpfung des Türkentums beschuldigt wurden und anschließend fast vier Jahre vor Gericht standen. Kerinçsiz wurde im Januar 2008 verhaftet und beschuldigt, dem Ergenekon-Terrornetzwerk anzugehören.

Tuncer Kılınç ist ein pensionierter General. Von August 2001 bis 2003 war er Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats (NSC). 2001 warnte ein für den NSC erstellter Bericht, das wahre Ziel der Missionsarbeit sei die "Spaltung der Türkei". Kılınç wiederholte diese Behauptung immer wieder öffentlich. In einer Rede im Jahr 2002 beschuldigte er die EU, diese sei ein "Christenverein, eine neokolonialistische Macht, und entschlossen, die Türkei zu teilen." Er besuchte außerdem Versammlungen der türkisch-orthodoxen Kirche. Auch Sevgi Erenerol (siehe oben) besuchte Kılınç in Ankara. Im Januar 2009 wurde er im Rahmen der dritten Ergenekon-Anklage beschuldigt, Verbindungen zu Mitgliedern von Ergenekon zu pflegen und dem Schriftsteller Ergün Poyraz (siehe unten) geheime Dokumente zukommen zu lassen.

Ergün Poyraz ist ein ultranationalistischer Schriftsteller, der 2001 das Buch "Six Months among the Missionaries" (Sechs Monate unter den Missionaren) veröffentlichte. Als christlichenfeindlicher, AKP- und EU-feindlicher Bestsellerautor wurde er 2007 wegen seiner Verbindungen zum mutmaßlichen Ergenekon-Netzwerk verhaftet und beschuldigt, die Unterminierung der Regierung zu planen. In seinem Haus fand man zahlreiche geheime Militärakten. Bei einer Durchsuchung des Büros der Arbeiterpartei in İzmir fand man ein Dokument, das darauf schließen lässt, dass auch er von der JİTEM bezahlt wurde.

Die Anwälte der Familien der Opfer

Orhan Kemal Cengiz Erdal Doğan
Cengiz – Dogan

Ein ganzes Team angesehener Menschenrechtsanwälte beobachtet für die Familien der Opfer die Gerichtsverhandlung in Malatya. Zwei der auffälligsten und freimütigsten sind Orhan Kemal Cengiz und Erdal Doğan. Cengiz aus Ankara ist der Rechtsbeistand der Protestant Association, Kolumnist und einer der Gründer von Amnesty International Türkei. 2003 erschuf er die Human Rights Agenda Association (HRAA). Erdal Doğan aus Istanbul vertrat schon Hrant Dink und seine Familie über viele Jahre. Weitere Anwälte sind unter anderen Sezgin Tanrıkulu, der aus Diyarbakır anreiste, wo er kurdische Opfer von Menschenrechtsverletzungen vertreten hatte, Hafize Çobanoğlu aus İzmir, Ergin Cinmen und Fethiye Cetin, die die Dink-Familie während des Hrant-Dink-Mordprozesses vertraten.

  • Ankara (Mord an Staatsratsrichter, Mai 2006) 
  • Istanbul – Besiktas (Verhandlung des Hrant-Dink-Mordprozesses seit 2. Juli 2007)
  • Istanbul – Poyrazkoy (Waffenfund im April 2009, verknüpft mit der Cage-Plan-Anklage) 
  • Istanbul – Sisli (Mord an Hrant Dink vor seinem Büro, 19. Januar 2007)
  • Istanbul – Ümraniye (Waffenfund im Juni 2007, Beginn der Ergenekon-Ermittlung)
  • İzmir (Zuhause des Opfers Necati Aydin)
  • Malatya (Mord an den Missionaren, April 2007)
  • Semdinli (Ermordung von Zivilisten während einer Operation durch Einheiten des Gendarmerienachrichtendienstes, November 2005)
  • Silivri (verschiedene Verfahren in Bezug zum mutmaßlichen Ergenekon-Netzwerk und Putschvorwürfen seit Oktober 2008)
  • Susurluk (Autounfall im November 1996, der enge Verbindungen zwischen Einrichtungen der Staatssicherheit und dem organisierten Verbrechen in der Türkei aufzeigte) 
  • Trabzon (Mord am katholischen Pfarrer Andrea Santoro, Februar 2006; Haus des Mörders von Hrant Dink) 
1. Einleitung

Im April 2007 ereignete sich in der zentralanatolischen Stadt Malatya ein grausamer Dreifachmord. Die Opfer, gefoltert, erstochen und erdrosselt, waren zwei Türken und ein Deutscher. Alle drei waren protestantische christliche Missionare, die kurz zuvor nach Malatya gezogen waren. Nur wenige Augenblicke nach dem Mord ertappte man fünf junge Männer am Tatort, mit Messern bewaffnet und blutüberströmt.

Was die Malatya-Morde von anderen gewöhnlichen Mordfällen unterschied, war die von Anfang an bestehende Vermutung, dass es sich hierbei nicht um die Einzeltat einer Gruppe nationalistischer Jugendlicher handelte. Im Laufe der Ermittlungen tauchten ernstzunehmende Fragen auf, die bis heute nicht beantwortet wurden. Waren regierungsfeindliche Elemente des türkischen Staates – um genauer zu sein, geheime Netzwerke innerhalb der türkischen Gendarmerie und damit verbundene Ultranationalisten – involviert? War der Mord an den Missionaren in Malatya eine Operation des so genannten "Tiefen Staats" der Türkei, um eine gewählte Regierung zu destabilisieren, indem man christliche "Feinde" der türkischen Nation zum Ziel nahm?[2]

Dies ist jedenfalls die Auffassung der Gruppe von Anwälten, ein Who-is-who der bedeutendsten Menschenrechtsverteidiger der Türkei, die seit Beginn der Verhandlungen in Malatya im November 2007 die Familien der Opfer vertreten. Von Anfang an lenkten diese Anwälte die Aufmerksamkeit auf die christen- und missionsfeindlichen Kampagnen in der Türkei, die von einer Reihe ultranationalistischer Vereinigungen und Schriftstellern unterstützt wurden und die in der Zeit vor den Malatya-Morden an Intensität zugenommen hatten. Sie betonten auch, dass die ermordeten Christen sogar unter ständiger Beobachtung der Gendarmerie gestanden hatten und dass der Hauptverdächtige am Mord, Emre Günaydın, enge Verbindungen zur Polizei hatte. Sie zeigten auf, dass die Gendarmerie Missionsarbeit in enger Kooperation mit Wissenschaftlern der Malatya Universität überwachten, deren Rektor ein unverblümter Ultranationalist war, und der sich regelmäßig mit Führungspersonen des türkischen Militärs traf.

Im Laufe des Malatya-Prozesses tauchten immer mehr Verbindungen zwischen den Morden in Malatya und Ultranationalisten in der übrigen Türkei auf, die seither für die Planung des Umsturzes der Regierung verhaftet wurden, wofür sie laut Vermutung der Staatsanwaltschaft ein Terrornetzwerk namens Ergenekon geschaffen hatten.[3] Zeugen in Malatya stellten die Morde an den Missionaren ausdrücklich in einen Zusammenhang mit einer berüchtigten und in den 1990ern in der Türkei heiß diskutierten – weil angeblich für eine Reihe mysteriöser Attentate verantwortlichen – Institution, der geheimen Abteilung Nachrichten- und Terrorabwehrdienst der Gendarmerie (Jandarma Istihbarat ve Terorle Mucadele, kurz JİTEM); ebenfalls als in Verbindung zu den Morden stehend wurde einer ihrer mutmaßlichen Gründer genannt, ein türkischer Ultranationalist und pensionierter General, Veli Küçük. Küçük spielte eine führende Rolle bei den christenfeindlichen Kampagnen in Istanbul, die dem Attentat auf den türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink vorausgingen.[4] Sowohl in Malatya als auch in Istanbul hatten außerdem die örtlichen Ableger der ultranationalistischen Jugendorganisation der Grauen Wölfe (Ülkü Ocaklari) Demonstrationen gegen Christen organisiert. 2008 wurden Veli Küçük und Levent Temiz, Leiter des Istanbuler Ablegers der Grauen Wölfe, der den Journalisten Hrant Dink persönlich bedroht hatte, verhaftet und unter der Anklage, Ergenekon anzugehören, vor Gericht gestellt.

Die Anwälte der Opferfamilien wiesen auch auf Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Angriffen auf Christen in den Jahren 2006 und 2007 hin. Hrant Dink wurde kurz vor den Morden in Malatya Anfang 2007 in Istanbul von einem weiteren jungen Ultranationalisten ermordet, der eigentlich unter permanenter Überwachung durch Gendarmerie und Polizei gestanden hatte. Der mutmaßliche Anstifter im Mordfall Hrant Dink, Yasin Hayal, der derzeit unter Anklage steht, hatte zahlreiche Verbindungen zur Gendarmerie. Yasin Hayal besuchte regelmäßig die Trabzoner Abteilung des Gendarmerienachrichtendienstes, dessen Abteilungsleiter Hayal angeblich als "einen gründlichen und makellosen Jungen" beschrieben hat, "der in Zukunft gute Arbeit leisten wird."[5] Und dies ungeachtet der Tatsache, dass Yasin Hayal im Jahr 2002 einen katholischen Pfarrer in der Santa Maria Kirche in Trabzon so schlimm verprügelte, dass der Pfarrer tagelang im Koma lag (2006 wurde der nachfolgende Pfarrer der Santa Maria Kirche, der Italiener Andrea Santoro, von einem weiteren ultranationalistischen Jugendlichen ermordet). Darüber hinaus war Hayals Schwager Informant der Gendarmerie, der 2006 seine Vorgesetzten in der Gendarmerie in Trabzon warnte, dass Hrant Dink ermordet würde.[6]

Die Anwälte der Familien der Malatya-Opfer erörterten im April 2010 in einem langen Brief an das Gericht, dass der Mordfall an den Missionaren mit einem der Ergenekon-Prozesse zusammengeführt werden müsse. Sie wiesen außerdem auf den Cage Operation Action Plan ("Kafes Operasyonu Eylem Plani”) hin, ein mutmaßliches Komplott von Teilen des türkischen Militärs, Nichtmuslime in der Türkei einzuschüchtern und zu ermorden, um Chaos zu stiften. Der Plan wurde 2009 an die Öffentlichkeit gebracht. Der erste Satz des Plans bezeichnet die Morde an Pfarrer Santoro (2006 in Trabzon), an Hrant Dink (2007) und jene in Malatya als "Operationen".[7] Die Richter in Malatya haben bezüglich der Anfrage durch die Anwälte noch keine Entscheidung getroffen.

Bisher hat es im Malatya-Prozess 30 Gerichtsverhandlungen gegeben. Bei der jüngsten Verhandlung im Dezember 2010 beschuldigte ein neuer Verteidiger der angeklagten Verdächtigen die ermordeten Christen erneut, "die Vernichtung unserer Religion geplant zu haben, unser Land aufteilen zu wollen, unser Volk zu bestechen und Terrororganisationen finanziell zu unterstützen." Er versuchte außerdem, das Gericht einzuschüchtern, indem er schrie "das ist ein protestantisches Gericht."[8] Die nächste Verhandlung findet am 20. Januar 2011 statt. Wenn man die Bedeutung der Vorwürfe betrachtet, ist es frappierend, wie wenig Aufmerksamkeit dem Malatya-Prozess in den letzten Monaten in den türkischen und internationalen Medien gewidmet wurde. Wer die heutige türkische Politik und die spektakulären Gerichtsverfahren verstehen möchte, die derzeit die dunkle Welt ultranationalistischer Vereinigungen und ihre Verbindungen zu den verschiedenen Teilen des Staatsapparates beleuchten, für den ist die Verhandlung der Malatya-Morde ein sehr guter Anfang.

2. Die Angst vor Christen
a. Eine Welle des Fanatismus?

Im Jahr 2006 ereignete sich eine ganze Reihe von scheinbar zufälligen Angriffen auf Christen in der Türkei. Am 8. Januar wurde Kamil Kıroğlu, ein protestantisches Gemeindeoberhaupt in Adana, von fünf jungen Männern verprügelt.[9] Am 5. Februar wurde der italienische katholische Pfarrer Andrea Santoro in der Santa Maria Kirche in Trabzon am Schwarzen Meer von einem 16-jährigen Jungen erschossen, der dabei "Gott ist groß" (Allah-u-akbar) rief.[10] Wenige Tage später griff eine Gruppe junger Männer einen katholischen Ordensbruder in İzmir an, die zuvor gedroht hatten, ihn umzubringen.[11] Am 12. März wurde der Kapuzinerpfarrer Henri Leylek in der Mittelmeerstadt Mersin angegriffen.[12] Am 2. Juli erstach man den katholischen Pfarrer Pierre Bruinessen in Samsun.[13] Im Dezember wurde der Pfarrer der Tepebasi Kirche in Eskişehir angegriffen.[14]

Es schien, als sei eine plötzliche Welle von extremer christenfeindlicher Stimmung aus dem Nichts über das Land hereingebrochen – umso erstaunlicher, als sie nur wenige Monate nach der endlich erfolgreichen Aufnahme der Beitrittsverhandlungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union im Oktober 2005 begann. Die kleine christliche Gemeinschaft in der Türkei lebte zunehmend in Angst. "Wir sind hier nicht mehr sicher", sagte er damalige apostolische Vikar für Anatolien Luigi Padovese.[15] Im November 2006 warnte die NGO Minority Rights Group, dass "die Christen nun die Hauptlast zunehmender religiöser Intoleranz tragen."[16] Felix Korner, ein deutscher Jesuit, den der Vatikan nach Ankara geschickt hatte, um einen christlich-islamischen Dialog anzuregen, bemerkte, dass sich "die Grundtendenz der christenfeindlichen Stimmung verstärkt hat."[17]

Für viele Beobachter in der Türkei wie im Ausland spiegelte diese Welle der Gewalt einen Anstieg des gewaltsamen Islamismus wider. Diese Angst wurde durch einen weiteren schockierenden Vorfall bestärkt. Am 17. Mai 2006 stürmte der Anwalt Alparslan Arslan[18] in den Staatsrat in Ankara (Danistay, das höchste Verwaltungsgericht der Türkei) und schrie "Ich bin der Krieger Gottes, Gott ist groß!"[19] Arslan schoss auf die in ihrer Kammer sitzenden Richter und tötete einen von ihnen.[20] Arslan gab später an, dass er dazu durch ein Gerichtsurteil vom Februar 2006 angeregt wurde, bei dem die Richter beschlossen hatten, eine Grundschullehrerin nicht zu befördern, weil sie außerhalb der Schule ein Kopftuch trug.[21] Am Tag des Begräbnisses des Richters, am 18. Mai 2006, demonstrierten in Ankara Zehntausende Menschen gegen die AKP-Regierung, der sie vorwarfen, solchen Angriffen Vorschub zu leisten. Die vorsitzenden Richter der wichtigsten Kammern (Verfassungsgericht, Staatsrat, Berufungsgericht), demonstrierten gemeinsam mit dem Präsidenten der türkischen Anwaltskammer und Staatsanwälten vor dem Atatürk-Mausoleum. Tausende begleiteten die Demonstrationen und riefen "Die Türkei wird nicht zum Iran, die Regierung ist der Mörder" und "Die Türkei ist säkular und bleibt es auch."[22] "Ein Opfer für den Säkularismus", lautete die Schlagzeile in der Milliyet, einer türkischen Tageszeitung.[23] Im September 2006 schrieb Der Spiegel, dass sich "in der türkischen Gesellschaft eine tiefe Kluft auftut" zwischen säkularen Upper-Class-Türken einerseits und den "Massen auf der Straße" andererseits. Oft, so schreibt der Autor, reicht ein Funke, "um ein fanatisches Lauffeuer zu entfachen."[24]

2007 wurde es nur noch schlimmer. Am 19. Januar wurde Hrant Dink, Gründer und Chefredakteur der Wochenzeitung Agos und einer der Befürworter der türkisch-armenischen (Wieder-)Annäherung, vor seinem Büro im Istanbuler Stadtteil Sisli ermordet. Sein Mörder war, ebenso wie der Vater Andrea Santoros, ein 16 Jahre alter junger Mann aus der Stadt Trabzon am Schwarzen Meer.[25] Schließlich ereignete sich im April 2007 in der zentralanatolischen Stadt Malatya ein weiterer grausamer Angriff auf Christen.[26]

Am 18. April gegen 12.30 Uhr mittags traf der Grafikdesigner Gokhan Talas gemeinsam mit seiner Frau vor dem Büro von Zirve ein, einem christlichen Verlagshaus in Malatya, das er sich mit Necati Aydin, einem türkischen Pfarrer, und Uğur Yüksel, beides zum Christentum konvertierte Türken, teilte. Beim Versuch, das Gebäude zu betreten, bemerkten Talas und seine Frau, dass die Türe von innen verschlossen war. Sie wurden misstrauisch und riefen die Polizei. Als die Polizisten am Tatort erschienen und das Büro betraten, fanden sie drei Männer – Necati Aydin, Uğur Yüksel und Tilmann Ekkehart Geske, ein deutscher Missionar – in einer Blutlache, übersät mit Stichwunden, ihre Kehlen durchschnitten, an Händen und Füßen mit Seilen gefesselt. Geske und Aydin wurden am Tatort für tot erklärt. Yüksel starb kurz nach der Ankunft im Krankenhaus.

Die Polizei musste nicht lange nach Verdächtigen suchen. Drei junge Männer, Hamit Çeker, Salih Gürler, und Cuma Özdemir, wurden noch am Tatort verhaftet, sie waren blutüberströmt. Abuzer Yildirim fand man auf einem Balkon ein Stockwerk tiefer beim Fluchtversuch. Ein fünfter Mann, Emre Günaydın, war aus dem dritten Stock gefallen und lag verletzt auf der Straße vor dem Gebäude.[27] Emre Günaydın stellte sich als der mutmaßliche Anführer der Gruppe heraus. Alle Verdächtigen waren zwischen 19 und 20 Jahre alt.

Die Morde in Malatya schockierten das ganze Land. Sollte dies ein weiterer schreckenerregender Fall von religiös motiviertem Fanatismus sein? Auf den ersten Blick sieht es ganz danach aus.[28] Der britische Türkeiexperte Gareth Jenkins beschrieb den Malatya-Fall 2009 als einen "brutalen Mord an drei christlichen Missionaren durch islamistische Jugendliche."[29] Ein amerikanischer Dokumentarfilm über die Morde berichtete, dass Emre Günaydın Necati Aydin während der tödlichen Begegnung befahl, zu wiederholen, dass "es keinen Gott gibt außer Allah." Als Aydin seinen christlichen Glauben verteidigte, "explodierte die Gewalt" laut dem Film.[30] Die fünf Verdächtigen hatten identische Nachrichten hinterlassen, die sie offenbar nach Emre Günaydıns Vorschlag geschrieben hatten:[31]

"Wir sind Brüder. Wir gehen in den Tod, vielleicht kehren wir nicht zurück. Wenn wir sterben, werden wir zu Märtyrern. Die am Leben bleiben, sollen sich behilflich sein. Gebt uns Euren Segen. Wir fünf sind Brüder, wir gehen in den Tod, vielleicht kehren wir nicht zurück."[32]
b. Die "Missionarsarmee" der EU

1999 erlangte die Türkei von der Europäischen Union den offiziellen Kandidatenstatus und verpflichtete sich im Gegenzug, unter anderem ihre Menschenrechte zu reformieren. Das bedeutete auch, die rechtliche Situation vieler Minderheiten in der Türkei zu stärken, einschließlich ihrer winzigen christlichen Gemeinde (weniger als 150.000 bei einer Bevölkerung von 72 Millionen), sowie den Kurden kulturelle Rechte einzuräumen und die Befugnis der allmächtigen türkischen Streitkräfte einzuschränken.

Die Minderheiten in der Türkei werden seit langem vom Staat, einschließlich dem Militärapparat, als mögliche Gefahr für die nationale Einheit betrachtet. Das National Security Policy Document (NSPD or Milli Guvenlik Siyaseti Belgesi; Akte zur nationalen Sicherheitspolitik) ist ein vom Nationalen Sicherheitsrat der Türkei entworfenes geheimes Dokument.[33] Im Laufe der Jahre führte jede Ausgabe des NSPD eine Liste mit den internen und externen Feinden des türkischen Staates auf. Diese beinhalteten Armenier und Griechen, traditionelle Zielscheiben von Ärger und Argwohn; Kurden, die seit dem Beginn der Republik als separatistische Bedrohung gesehen werden; Linke und Kommunisten, insbesondere während des Kalten Krieges; sowie, seit dem Niedergang des Kommunismus, Islamisten und religiöse "Reaktionäre". All diese internen Feinde sollen wegen ihrer externen Unterstützer noch gefährlicher sein: die türkisch-griechischen Bürger fanden sie angeblich in Griechenland; die Armenier in ihrer Diaspora; Kurden in benachbarten Ländern; Kommunisten in der Sowjetunion; und Islamisten in Iran. Erst in der jüngsten Überarbeitung der Akte zur nationalen Sicherheitspolitik, die im November 2010 verabschiedet und von der Regierung selbst ausgearbeitet wurde, hat man die meisten internen Feinde von der Liste gestrichen.[34]

Jahrzehntelang wurden die Protestanten vom Nationalen Sicherheitsrat nicht als ernsthafte Gefahr betrachtet. Ihre Zahl ist gering: etwa 3.000 bei einer Bevölkerung von 72 Millionen Menschen in der Türkei. Es gibt viel mehr Buddhisten in Österreich (etwa 10.400 bei einer Gesamtbevölkerung von 8 Millionen) als protestantische Christen in der Türkei.[35] Zudem war die Türkei für Missionare nie einfaches Terrain. Statistiken zu Taufen der Zeugen Jehovas geben für 2008 folgende Zahlen an: 643 in Griechenland, über 3.600 in Deutschland, über 6.000 in der Ukraine aber nur 91 in der Türkei. Ein paar Dutzend Missionare bei etwa 3.000 Protestanten schienen für den nationalen Sicherheitsapparat der Türkei kein Grund zur Besorgnis zu sein – zumindest bis 2001.

2001 veröffentlichte der türkische Autor Ergün Poyraz Sechs Monate unter den Missionaren ("Misyonerler Arasinda 6 ay”), eine Denkschrift über ein Netzwerk zwischen den mutmaßlichen Feinden der Türkei. Laut Poyraz seien Missionare eine ernsthafte Bedrohung für sein Land, zumal sie die Unterstützung einer gefährlichen fremden Macht genossen: der Europäischen Union. Für Poyraz waren die von der EU geforderten Reformen selbst schon Anlass zur Aufregung. Der erste Satz in Poyrazs Buch macht das deutlich: "In diesem Buch betrachte ich den Wunsch von christlichen und jüdischen Missionaren, sich die Gebiete unseres Landes anzueignen … mittels eines unbewaffneten Kreuzzuges."[36] Ihren Kreuzzug führen sie mit "Büchern, Schulen, Hospitälern, Filmen, und allen möglichen Propagandamethoden. Eine riesige Armee der Missionare ist in unser Land eingefallen."[37] Dabei ist es wichtig, zu wissen, dass Missionierung in der Türkei legal ist.

Poyraz veröffentlicht seit den 1990ern Bücher zu Themen, die sich mit den Angelegenheiten des türkischen nationalen Sicherheitsapparates beschäftigen.[38] 1998 wurde sein Buch Refah's Real Face (Das wahre Gesicht der Refah) in einem Gerichtsverfahren gegen die Refah-Partei (Wohlfahrtspartei) verwendet, das mit der Auflösung der Partei endete.[39] 2007, unmittelbar vor einem weiteren Auflösungsverfahren – diesmal gegen die regierende AKP – schrieb er Children of Moses: Tayyip und Emine ("Musa'nin Cocuklari: Tayyip ve Emine"), einen Bestseller über Ministerpräsident Erdogan und die angebliche Gefahr für die Türkei durch seine Partei (und seine Frau Emine, die Kopftuch trägt).[40] Poyraz beschuldigte Erdogan und seine konservativen Verbündeten, sie seien in Wahrheit Juden mit geheimen Verbindungen zu den konspirativen Kräften des "globalen Zionismus."[41]

In seinem Buch über Missionare von 2001 malt Poyraz eine bekannte nationalistische Geschichte aus: Wie westliche Missionare die osmanischen Armenier anstifteten, sich während des Ersten Weltkriegs gegen die Türken zu erheben; wie später in den 1980ern christliche Missionare erneut den "Kurden die Hand reichten, und sie zur Rebellion anstifteten."[42] Weshalb die Missionare heute so gefährlich seien, macht Poyraz deutlich: "der wichtigste Grund, weshalb den Missionaren unbegrenzte Freiheiten in ihren Aktivitäten eingeräumt wurden, ist die Europäische Union."[43] Weiter schreibt er: "Wie Sie wissen, hat der Westen es nicht verkraftet, dass die Türken Istanbul eroberten und Byzanz vernichteten, denn Istanbul und Anatolien sind für Christen heiliges Land."[44] In den 1920ern, bemerkt Poyraz, wurde die Türkei von Atatürk geführt und war Dank des Vertrags von Sèvres in der Lage, sich gegen die Pläne der westlichen Mächte, die Türkei zu teilen, zu verteidigen.[45] Heute, so warnt Poyraz, müssen sich die Türken auf einen neuen antikolonialistischen Kampf vorbereiten. Er beendet sein Buch mit einer Drohung,

"Ich halte es für sinnvoll, die Missionare an Folgendes zu erinnern: Dieses Land ist seit Tausenden von Jahren türkisch. Sein Preis wurde mit Blut bezahlt. Wer davon träumt, diese Gebiete zurückzubekommen, muss damit rechnen, diesen Preis zu bezahlen."[46]

Poyrazs Analyse wurde 2001 vom Nationalen Sicherheitsrat (NSC) aufgegriffen, damals allgemein als die mächtigste Institutionen in der Türkei angesehen. Der Generalsekretär der NSC war General Tuncer Kılınç, einer der freimütigsten Gegner der EU-Bestrebungen der Türkei, der die EU wiederholt und öffentlich bezichtigt hat, sie bereite die Teilung der Türkei vor und unterstütze zu diesem Zweck kurdische Terroristen. Im Dezember 2001 verwies ein Artikel in der Tageszeitung Sabah unter dem Titel "Missionarsalarm" auf einen für die Versammlung des Nationalen Sicherheitsrats angefertigten Sonderbericht:

"Missionsarbeiten wurden auf das Versammlungsprogramm des Nationalen Sicherheitsrats für den Dezember gesetzt. Ein für den NSC angefertigter Bericht warnte davor, dass das wahre Ziel von Missionsarbeit nicht religiöse Propaganda, sondern die 'Teilung der Türkei' sei. [Der Bericht] betonte, dass rechtmäßige Maßnahmen nicht ausreichend seien, um diese Aktivitäten zu unterbinden."[47]

Der an den Nationalen Sicherheitsrat überreichte Bericht behauptete, dass in den letzten drei Jahren 8 Million Bibeln kostenlos in der Türkei verteilt worden seien. Er hob insbesondere die gefährliche Rolle christlicher Verlagshäuser und ihre Verbindungen zur terroristischen PKK hervor. "Obwohl diese Verlagshäuser separatistische Karten der Türkei veröffentlichen, wurde nichts gegen sie unternommen", hieß es im Bericht. "Allein im vergangenen Jahr wurden 19 Kirchen in Istanbul eingeweiht."[48] Tuncer Kılınç, der Generalsekretär des NSC, warnte in einer öffentlichen Rede im Jahr 2002, die EU sei "ein Christenverein, eine neokolonialistische Macht, und entschlossen, die Türkei zu teilen."[49]

Im Dezember 2004 gab man der Türkei ein Datum für die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen in einem Jahr. Auffallend war, dass dies zusammenfiel mit einer umso aggressiveren Kampagne gegen christliche Missionare. 2004 wurde Poyraz' Buch von einem nationalistischen Verlagshaus neu aufgelegt.[50] Im selben Jahr fertigte die Handelskammer in Ankara ihren eigenen Bericht über Missionare an.[51] Sinan Aygün, der die Kammer in Ankara seit 1998 führt, warnte öffentlich davor, dass die von der EU geforderten Reformen den Missionierungen zuträglich seien. Wie Aygün auf der Website der Kammer erklärte:

"Die Türkei wird in diesem Augenblick von Missionaren angegriffen. In der Hauptstadt Ankara kann man sie an jeder Ecke finden. Sie gewinnen Sympathisanten mit sozialen Veranstaltungen wie Picknicks und Hausbesuchen, sowie mit bildungserzieherischen Maßnahmen wie Gottesdiensten, Winterschulen, Seminaren und Konferenzen … Sie nutzen Religion als Waffe. Was braucht Ihr mehr? Es gibt ein berühmtes afrikanisches Sprichwort: 'Als die Christen nach Afrika kamen, hatten die Afrikaner ihr Land und die Christen hatten ihre Bibel. Die Christen hielten uns an, mit geschlossenen Augen zu beten. Als wir unsere Augen öffneten, hatten sie unser Land und wir ihre Bibeln.' Lasst uns vorsichtig sein, um so eine Situation nicht auch in der Türkei zu erleben."[52]

Der Bericht der Kammer ist gespickt mit vielen überraschend präzisen Details. Er gibt zum Beispiel an, dass im Jahr 2003 15 Menschen der Kurtulus Kirche in Ankara beitraten und so die Gemeinde auf 130 anwuchs.[53]

Dann stimmte Ilker Cinar, ein türkischer Konvertit, der über zehn Jahre als protestantischer Missionar in der Türkei gearbeitet hatte, in den Refrain mit ein. 2005 kehrte Cinar dem Christentum den Rücken und erläuterte im Fernsehen – nachdem er öffentlich erklärt hatte, wie wundervoll es sich anfühle, zum muslimischen Glauben zurückzukehren – die wahren Absichten der türkischen Protestanten: Die Christen wollten "das heilige Land zurückerobern" und mit der kurdischen PKK zusammenarbeiten.[54] 2005 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel "Ich war ein Missionar, der Code ist entschlüsselt – der frühere Bischof Ilker Cinar berichtet" (Ben bir misyonerdim, sifre cozuldu – Eski Baspapaz Ilker Cinar anlatiyor). Darin beschreibt er, wie Missionare versuchen, die Türkei zu zerstören.

2007 wurde der Autor Ergün Poyraz wegen angeblicher enger Verbindungen zu einer Gruppe von Ultranationalisten verhaftet, die in Istanbul Granaten versteckt hielten und der die Staatsanwaltschaft einen Mord an einem Richter in Ankara im Jahr 2006 vorwarf, ein Täuschungsmanöver, das wie ein islamistisches Verbrechen aussehen sollte (siehe Seite 4). Bei der Verhaftung Poyraz' fand die Polizei in seinem Haus zahlreiche geheime Militärdokumente mit Informationen, die er für seine Bücher nutzte.[55] Laut Originalunterlagen, die in der Ergenekon-Anklage verwendet wurden, bekam er außerdem Geld von JİTEM, dem geheimen Nachrichten- und Terrorabwehrdienst der Gendarmerie.[56] Der Leiter der Handelskammer von Ankara, Sinan Aygün, wurde ebenfalls verhaftet. Er hatte engen Kontakt zu Ergenekon-Hauptverdächtigen[57], einschließlich General Şener Eruygur, dem Leiter der Gendarmerie, der mutmaßlich 2003-2004 einen Militärputsch durchführen wollte.[58] Die Polizei fand 2,5 Millionen Euro in bar in Aygüns Haus, die laut Staatsanwaltschaft zur Finanzierung von Aktivitäten dieses ultranationalistischen Netzwerks dienen sollten.[59]

Tuncer Kılınç, der europafeindliche frühere Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats, wurde ebenfalls 2008 verhaftet und angeklagt, Mitglied des gleichen konspirativen Netzwerks zu sein. Die Staatsanwaltschaft fand heraus, dass er an zahlreichen Treffen mit anderen mutmaßlichen regierungs- und christenfeindlichen Verschwörern in der Istanbuler türkisch-orthodoxen Kirche teilgenommen hatte, wo viele der Verbrechen mutmaßlich besprochen wurden. Mitglieder eben jener Gruppe hatten eine entscheidende Rolle in der Hasskampagne gegen Christen und insbesondere gegen den armenischen Journalisten Hrant Dink gespielt.[60]

2008 schließlich stellte sich heraus, dass Ilker Cinar gar kein echter Konvertit war. Er wurde seit 1992 vom türkischen Militär bezahlt, selbst als er sich als protestantischer Pastor ausgab und die kleine türkische protestantische Gemeinschaft infiltrierte.[61] Tatsächlich wurde während der Verhandlungen in Malatya deutlich, dass das immense Interesse von Teilen des Staates, insbesondere der Gendarmerie, an den Aktivitäten der christlichen Missionare diese kleine Gruppe zu einer der am genauesten beobachteten Gruppen im Land gemacht hatte.

3. MALATYA
a. Das Leben von Missionaren

Malatya ist eine der ältesten Städte Anatoliens und geht zurück bis auf die Hethiter (1180 – 800 v. Chr.). Sie liegt auf einer fruchtbaren Ebene an einem Nebenfluss des Euphrats am Fuße des Taurusgebirges.[62] Die Region ist berühmt für Aprikosen und produziert 95 Prozent der getrockneten Aprikosen der Türkei (die Türkei ist der weltweit größte Aprikosenproduzent). Die Bevölkerung der Stadt beläuft sich auf etwa 400.000.

Das alte Malatya hat verschiedene historische Sehenswürdigkeiten. Eine davon ist eine auf einem frühzeitigen arabischen Fundament gebaute Seljuk-Moschee (Ulu Camii). Eine andere ist eine Karawanserei aus dem 13. Jahrhundert. Die Stadt hat auch eine lange christliche Tradition. "Bis Anfang 1900 gab es 33 armenische Kirchen in der Provinz, von denen sich 10 im Stadtkern befanden", erinnerte sich kürzlich ein Bewohner.[63] Es gab auch viele armenische Schulen.[64] Nach dem Ersten Weltkrieg und den Deportationen und Morden an den Armeniern gab es fast keine Christen mehr in Malatya. Die wenigen, die noch übrig waren, zogen in den 1960ern nach Istanbul. Einer von ihnen war Hrant Dink, der 1954 in Malatya geboren wurde. Zu der Zeit, als Dink mit seinen Eltern 1961 nach Istanbul zog, war das christliche Leben in Malatya am Aussterben.

Das änderte sich 2002, als eine kleine Gruppe ausländischer Missionare in Malatya ankame und zwei protestantische Verlagshäuser, Kayra und Zirve, aufbaute. Der Deutsche Tilmann Geske zog 2002 mit seiner Frau und drei Kindern nach Malatya. Geske hatte in Deutschland Theologie studiert. Er kam aus Lindau, einer idyllischen Stadt am Bodensee, wo er seine Zeit auf eine Arbeitsstelle in einem Lager und seine Verpflichtungen als Pfarrer für die Freikirche "Neues Leben" aufteilte. In der Kirche lernte Tilmann seine Frau Susanne kennen, die drei Jahre lang in einer Bibelschule in der Schweiz studiert hatte. Wie sie sich später erinnerte, stellte sie Tillmann verschiedene Bedingungen, als er um ihre Hand anhielt:

"Du willst mich heiraten? Gut. Ein möglicher Ehemann muss drei Kriterien erfüllen. Erstens muss er Christ sein. Zweitens muss er schon länger Christ sein, als ich es bin. Und drittens möchte ich in einem muslimischen Land leben."[65]

Tilmann nahm an. Bevor sie als Missionare ins Ausland gingen, besuchten sie Seminare in Großbritannien und Deutschland. Tilmann ließ sich als zertifizierter Englischlehrer ausbilden. 1997 zog die junge Familie nach Adana, wo Tilmann ein Übersetzungsbüro namens "Silk Road" anmeldete. Die Geskes lernten Türkisch. Wie Susanne Geske später erzählt, war es ihre Absicht, das "Unerreichbare zu erreichen, weiter nach Osten zu ziehen, ins türkische islamische Landesinnere."[66] Als sie 2002 mit ihren Kindern nach Malatya zogen, war das für Susanne eine "noch größere Herausforderung."[67] Noch bevor die Geskes ankamen, waren sie auf den Titelseiten der Lokalpresse zu sehen. Ein südafrikanischer Missionar, der 2002 vor ihnen in Malatya angekommen war, um das Kayra Verlagshaus dort zu führen, sagte zu ihnen:

"Gratulation! Ihr habt es auf die Titelseiten einer Lokalzeitung hier geschafft … so weiß man, dass Christen gefährlich sind und nach Malatya kommen."[68]

In Malatya unterrichtete Tilmann Englisch, übersetzte und predigte zu einer protestantischen Gemeinde von etwa 15-20 Erwachsenen.[69]

Necati Aydin war ein christlicher Konvertit aus İzmir. Er zog mit seiner Frau und den drei Kindern im November 2003 nach Malatya und wurde Generaldirektor des Zirve Verlagshauses (das auch Büros in Istanbul, Ankara, İzmir und Van unterhält). Necati konvertierte, nachdem er sich in Semse verliebt hatte, eine orthodoxe Christin aus Antakya (das frühe Antiochia), die selbst zum Protestantismus konvertiert war. Der deutsche Missionar Wolfgang Hade, der mit Semses Schwester verheiratet war, erinnerte sich später an Semses Reaktion, als Necati zunächst Zweifel über die Konvertierung äußerte: "Sie sagte: 'Es ist aus! Ich sprach mit Necati am Telefon und er sagte mir, dass er ein Moslem bleiben möchte. Wenn Gott ihn nicht zurückbringt, dann ist die Geschichte zu Ende.'"[70]

Das Paar heiratete 1997. Ein Jahr später leitete Necati eine Gruppe von Konvertiten in İzmir. Die Gruppe, die ihre Treffen auf den zwei unteren Stockwerken eines Wohnhauses abhielten, hatte Probleme mit den Behörden. Eines Sonntagmorgens im September 1999 wurden die meisten der Christen von der Polizei verhaftet. Sie wurden noch am selben Abend wieder freigelassen. Am 1. März 2000 wurden Necati und ein weiterer Kollege von der Gendarmerie verhaftet, nachdem sie Bibeln und christliche Literatur in einer kleinen Stadt nahe İzmir verteilt hatten. Als der Fall vor Gericht kam, zogen sämtliche von der Anklage aufgerufenen Zeugen ihre vorherigen Aussagen zurück und gaben zu, dass "Leute der Gendarmerie sie dazu gedrängt hätten, falsche Aussagen" gegen Necati und seinen Kollegen zu tätigen. Die zwei wurden nach insgesamt 30 Tagen Gefängnis entlassen.[71]

Die Dinge änderten sich nicht nach Necatis Ankunft in Malatya. Auch hier wurde er wiederholt von der Polizei angehalten, als er auf dem Land christliche Literatur verteilte. Die Lokalpresse startete eine Hasskampagne gegen Christen. Im Februar 2005 behauptete die Lokalzeitung Bakis, dass es 48 "Heimatkichen" über "die gesamte Stadt verteilt" gäbe.[72] Am 19. Februar 2005 gab der Leiter des Kayra Verlagshauses eine öffentliche Mitteilung heraus: "In Malatya wird öffentlich Hetze gegen Christen und Ausländer betrieben. Obwohl es keine Beweise dafür gibt, dass in der Türkei lebende Christen den [kurdischen] Separatismus fördern, hören diese Anschuldigungen nicht auf."[73]

Am 5. Dezember 2005 demonstrierte eine Gruppe junger Ultranationalisten vor dem Büro einer Transportfirma, die eine Ladung Bibeln nach Kyra geliefert hatte. Eine Tageszeitung berichtete, dass Burhan Coşkun, der Anführer des Malatya Ablegers der Ülkü Ocaklari – einer nationalistischen Jugendorganisation, allgemein bekannt als Graue Wölfe – an der Demonstration teilgenommen hatte. "Leben wir etwa in England?" soll er gebrüllt haben.[74] Die Lokalzeitungen stimmten mit ein. "Jetzt ist die Vertretung des Vatikans dran" lautete eine der Schlagzeilen und spielte damit auf den Versuch Mehmet Ali Agcas – selbst aus der Provinz um Malatya stammend und den Grauen Wölfen nahestehend – an, 1981 Papst Johannes Paul II. zu töten.[75] Das Büro in Kayra wurde 2005 geschlossen. [76]

Das dritte Opfer, Uğur Yüksel, zog 2005 nach Malatya. Uğur entstammte einer alevitischen Familie aus der Provinz Elazığ nahe Malatya. Er studierte Ingenieurwissenschaften in der Westtürkei, wo er zum Christentum konvertierte. Nachdem ihn finanzielle Schwierigkeiten zum Abbruch des Studiums gezwungen hatten, zog er zurück in die Heimat und versuchte dort, mit einem Telefonladen Geld zu verdienen. Fast ein Jahr lang war er "der einzige Christ in der Region, ohne christliche Gemeinde, noch nicht einmal einer Gruppe von Christen, die beteten oder zusammen die Bibel lasen."[77] Uğur zog nach Malatya, wo er Arbeit im Zirve Verlagshaus fand. Wolfgang Hade beschrieb seine Sorgen so:

"Er wollte schon seit langem heiraten. Aber es tauchten immer dieselben Probleme auf: Geld, Religion und das Einverständnis der Eltern. Necati und Semse sagten ihm manchmal scherzhaft, 'Du wirst im Himmel heiraten.'"[78]
b. Emres Welt

Emre Günaydın, der mutmaßliche Anführer der für die Morde verantwortlich gemachten Gruppe, wurde 1988 in Malatya geboren. Er lebte bei seinem Vater Mustafa, der als Techniker an der Universität Malatya arbeitete. Mustafa Günaydın besaß außerdem ein Kampfsportzentrum. Der Vater sagte später gegenüber dem Gericht,

"In Malatya kennt man mich für meine ulkucu [ultranationalistischen] Ansichten. Aber das war zu meiner Jugendzeit. Heute habe ich keine Verbindungen mehr."[79]

Emre beendete 2006 die Schule. Er wollte Anwalt werden. Nachdem er zweimal durch das besonders leistungsorientierte Aufnahmeverfahren der Universität gefallen war, überredete Emre seinen Vater, ihm einen Platz in einem privaten Wohnheim für Studenten von außerhalb Malatyas zu besorgen. Das würde ihm helfen, sich für den dritten Versuch vorzubereiten, wie er sagte.[80] Laut Mustafa Günaydın sagte ihm sein Sohn:

"Im Wohnheim gäbe es Studenten mit guten Noten. Wenn er mit ihnen studierte, wäre das hilfreich. Deshalb habe ich ihn im Januar 2007 für das Wohnheim der Ihlas Foundation eingeschrieben. Das Wohnheim hat er sich selbst ausgesucht. Nach anderthalb oder zwei Monaten rief mich der Direktor des Wohnheims an und sagte mir, dass sich Emre nicht an die Regeln hielt, dass er nachts laut sei, das Licht anmache, und dass ich ihn aus dem Wohnheim nehmen solle, was ich tat."[81]

Die anderen drei Verdächtigen, Salih Gürler, Hamit Çeker und Cuma Özdemir, lebten im selben Wohnheim. Salih Gürler war im Dezember 2006 in das Wohnheim eingezogen und kam aus einer kleinen Stadt etwa 60 km entfernt von Malatya.[82] Hamit Çeker und Cuma Özdemir kamen ebenfalls aus benachbarten Regionen.[83]

Emre sagte später gegenüber der Staatsanwaltschaf, dass er das erste Mal im Herbst 2006 während eines Praktikums bei einer Lokalzeitung von Missionsarbeit gehört hatte.[84] Dort lernte er einen geheimnisvollen Mann kennen, Bülent Varol Aral, der nur für wenige Tage bei der Zeitung arbeitete. Emre erzählte der Staatsanwaltschaft:

"[E]r wusste fast alles, es gab kein Thema, in dem er sich nicht auskannte … Er sagte, das Christentum und Missionierung seien schlecht und dass sie Verbindungen zur PKK hätten … Er erläuterte, dass das Ziel des Christentums und der Missionierung die Zerstörung des Landes seien. Darauf sagte ich, 'Dem muss jemand Einhalt gebieten', und er antwortete 'Dann tu das'. Als ich sagte, 'Wie soll das ablaufen?', sagte er 'Wir garantieren dir staatliche Unterstützung.'"[85]

Daraufhin konsultierte Emre eine christliche Internetseite, wie er der Staatsanwaltschaft sagte, um zu erfahren, ob es in Malatya Christen gäbe. Emre hinterließ seine Mobiltelefonnummer. Ein paar Tage später wurde er von Necati Aydin angerufen.[86] Emre besuchte Necati von nun an regelmäßig und schützte Interesse vor, Christ werden zu wollen. Sechs mal trafen sie sich im Zirve-Büro. Emre erzählte der Staatsanwaltschaft später über seine Pläne zu diesem Zeitpunk: "Meine Recherchen ließen mich zu dem Schluss kommen, dass es auf das, was sie taten, eine Antwort geben müsse. So kam ich auf die Idee, sie als Geiseln zu nehmen und zu ihren Aktivitäten zu befragen, um mehr Informationen zu bekommen."[87]

Emre begann außerdem, seine Pläne ausführlicher mit Salih, Hamit und Cuma zu besprechen.[88] So sagte Hamit gegenüber der Staatsanwaltschaft,

"Etwa vier Monate [vor den Morden im April 2007] bestellte Emre Günaydın uns, Salih, Cuma und mich, in den Raucherraum des Wohnheims, um uns von zunehmender Missionsarbeit zu berichten … Emre war für die Planung zuständig und wir führten aus."[89]

Abuzer Yildirim, der einzige nicht im Wohnheim lebende Verdächtige, hatte Emre bereits 2005 kennen gelernt. Er arbeitete in der Baumwollspinnerei in Malatya. In seiner Aussage heißt es:

"Emre erzählte uns, dass die Missionstätigkeiten zahlreich und gefährlich seien, dass es allein in Malatya 50 Kirchen gäbe und dass sie bereits zwei Moscheen gekauft hätten, um sie in Kirchen umzuwandeln. Wenn wir sie nicht aufhielten, würden wir unsere Religion verlieren und sie würden unsere Kinder umbringen. Diese Worte beeindruckten mich sehr und machten mich traurig. Emre sagte, er plane diejenigen zu eliminieren, die in unserem Land missionierten, aber dass er es eher alleine tun würde."[90]

Abuzer Yildirim sagte der Staatsanwaltschaft außerdem, dass Emre fest entschlossen war, Wolfgang Hade, den deutschen Missionar, der Necatis Schwager war und in der Westtürkei lebte, umzubringen.

"Emre sagte uns, er würde nach Konya fahren und Wolfgang umbringen, den er uns gegenüber als den Anführer der Missionsarbeit in der Türkei ausgab. Nach den Aussagen von Emre waren die Missionskirchen insgeheim in Terroraktivitäten verstrickt und würden den Terrorismus unterstützen."[91]

Das letzte Mal vor den Morden traf Emre Mitglieder der christlichen Gemeinde Malatyas zu einer Osterfeier im Hotel Altin Kayisi (Golden Apricot) am 8. April 2007. An der Tür wurde er von Uğur Yüksel und Tilmanns Frau Susanne begrüßt. Ein paar Tage darauf kaufte er Handschuhe, Seile und drei Pistolen und mietete ein Auto. Am 16. April traf Emre Hamit, Salih und Abuzer im Eftelya Kaffeehaus. Einige hatten ebenfalls Pistolen dabei. Cuma Özdemir sagte er Staatsanwaltschaft später, dass er eigentlich aussteigen wollte:

"Vor der Tat rang ich schwer mit mir, ihnen zu sagen, dass ich nicht mitmachen würde und ich versuchte sogar, sie davon abzubringen. Emre wies meinen Vorschlag scharf zurück und drohte damit, mich zu erschießen, falls ich gehen würde. Er drohte außerdem, Mitglieder meiner Familie, Verwandten und Bekannten umzubringen. Auch Hamit bedrohte er so."[92]

Am 18. April, ein Mittwoch, stand Emre früh auf. Später erzählte er der Staatsanwaltschaft:

"Um sieben Uhr morgens am Tag der Tat traf ich mich mit Cuma, Hamit, Abuzer und Salih zum Frühstück in einem Café nahe dem Zirve-Verlagshaus. Abuzer und ich gingen zum Verlagshaushoch, aber es war geschlossen. Dann gingen wir ins Sportzentrum meines Vaters. Weil ich dachte, uns könnte etwas zustoßen, sagte ich, 'Ich schreibe meinen Verwandten einen Abschiedsbrief.' Die Freunde schrieben ebenfalls etwas; dann beteten wir und gingen erneut zum Verlagshaus. Abuzer und ich gingen hoch. Abuzer hatte ein Messer und eine Pistole, ich hatte ein Messer. Wir klingelten und jemand öffnete; drinnen waren Necati, Uğur und der Deutsche."[93]
4. DER PROZESS NIMMT SEINEN LAUF
a. Eine kleine Terrorgruppe?

Die erste Verhandlung war am 22. November 2007 in einem überfüllten Gerichtssaal in Malatyas Drittem Obersten Strafgerichtshof. Der vorsitzende Richter saß auf einem Podest.[94] Neben ihm saßen die beiden Staatsanwälte, die die 47-seitige Anklageschrift verfasst hatten, die am 5. Oktober 2007 eingereicht worden war.

Laut Anklageschrift starben die Opfer an mehreren Wunden, die durch einen scharfen Gegenstand verursacht wurden, wodurch Venen, Arterien und innere Organe durchbohrt wurden und es zu inneren und äußeren Blutungen kam. Einer von ihnen, Necati Aydin, wurde außerdem mit einem Seil stranguliert.[95]

Anfangs standen sieben Personen unter Anklage. Die Anklage warf den fünf Hauptverdächtigen die Gründung einer "bewaffneten Terrororganisation" vor.[96] Alle fünf – Emre, Salih, Hamit, Cuma und Abuzer – wurden beschuldigt, "im Rahmen der Tätigkeiten der Terrororganisation mehr als eine Person ermordet zu haben."[97] Emre wurde zudem beschuldigt, der Gründer und Anführer der Organisation zu sein.[98] Die Staatsanwaltschaft forderte für jeden der fünf Angeklagten dreimal lebenslänglich in Einzelhaft ohne Aussicht auf Bewährung.[99]

Die anderen beiden Personen wurden unter Anklage gestellt, aber nicht verhaftet. Einer von ihnen war Kürşat Kocadağ, der für Emre eine Pistole aufbewahrte. Kocadağ sollte ursprünglich an dem Überfall teilnehmen, hatte aber, wie er behauptet, vier Monate vor den Morden einen Rückzieher gemacht.[100] In seiner Aussage gibt Kocadağ zu Protokoll, dass Emre Leuten erzählte, "dass sie [die Christen] planten, drei von fünf Kindern zu ermorden und dass er [Emre] sie umbringen würde, nachdem er sie besser kennen gelernt hätte. Als er mich fragte, ob ich dabei sein würde, sagte ich Nein."[101] Der siebte Angeklagte war Mehmet Gökçe, der mutmaßlich die Festplatte des Computers im Zirve-Büro kopieren sollte. Kürşat Kocadağ und Mehmet Gökçe wurden beide der Unterstützung einer Terrororganisation angeklagt.[102]

Bei der Eröffnungsverhandlung saßen die sieben Angeklagten den Richtern gegenüber, begleitet von der Gendarmerie. Die Anwälte der Angeklagten kamen ursprünglich alle aus Malatya und waren vom Gericht als Pflichtverteidiger eingesetzt. Hinter den Beschuldigten saßen Freunde und Verwandte der Opfer, Journalisten, nationale und internationale Beobachter und Vertreter aus dem Ausland.

Auch 17 Anwälte als Vertreter der Opferfamilien waren anwesend.[103] Die Association of Protestant Churches (Vereinigung der Protestantischen Kirchen) hatte sich an ein paar Anwälte gewandt, die für ihr Engagement für Minderheitenrechte bekannt waren. Das in Malatya versammelte juristische Team wurde zu einem Who-is-who der türkischen Menschenrechtsverteidiger. Da war Orhan Kemal Cengiz aus Ankara, der Rechtsbeistand der Protestant Association (Protestantischen Vereinigung) und Kolumnist für die türkische Tageszeitung Zaman und die englischsprachige Today's Zaman. Sezgin Tanrıkulu kam aus Diyarbakır, wo er kurdische Opfer von Menschenrechtsverletzungen verteidigt hatte. Ergin Cinmen und Erdal Doğan, die die Dink-Familie im Hrant-Dink-Mordprozess vertraten, kamen aus Istanbul. Ebenso Fethiye Cetin, ein weiterer der Dink-Familie nahestehender Menschenrechtsanwalt und eine führende Stimme in der Debatte um die Versöhnung der Türkei mit ihrer Vergangenheit.[104]

Die Anwälte der Opferfamilien sahen darin keinen gewöhnlichen Mordfall; ihrer Meinung nach stand weit mehr auf dem Spiel.

b. "Sie sind nur Marionetten"

Da er bereits für die Association of Protestant Churches (Vereinigung der Protestantischen Kirchen) als Anwalt gearbeitet hatte, schrieb Orhan Kemal Cengiz den ersten von der Vereinigung in Auftrag gegebenen Bericht im Jahre 2002.[105] Er untersuchte darin die Diskriminierung der Christen in der Türkei.[106] Später schrieb er ein Handbuch über die korrekte Dokumentation und Prozessführung von Verfahren wegen Folter, eine Anleitung für Richter und Ankläger, wie man gegen Folter vorgeht, und eine Broschüre über Gedankenfreiheit, Gewissen und Religion.[107] 2003 erschuf er die Human Rights Agenda Association (HRAA; Vereinigung zu Menschenrechtsansichten).[108] Währenddessen verteidigte er die Rechte der griechisch-orthodoxen Gemeinde, von Kriegsdienstverweigerern, von türkischen Armeniern und von Kurden nicht nur in Gerichtssälen sondern auch in seinen Zeitungskolumnen.[109]

Für Cengiz war der Malatya-Fall etwas Persönliches. Wie er in seinem ersten Gastkommentar nach den Morden schrieb, "Necati Aydin war die vergangenen sieben Jahre mein Klient gewesen und ich weiß sehr genau, was für ein netter, liebenswerter Mensch er war." Gleichzeitig betrachtete Cengiz das Verbrechen in Malatya als einen Wendepunkt für die gesamte türkische Gesellschaft:

"Die Türkei sieht sich, wie zu keinem anderen Zeitpunkt in ihrer Geschichte zuvor, einer großen Bedrohung ausgesetzt … Diese Bedrohung ist die zunehmende und noch nie dagewesene Intoleranz und Unfähigkeit der Türkei, andere zu akzeptieren … Wir wissen, dass dies nicht der letzte Vorfall gewesen sein wird. Aber wir hoffen aus tiefstem Herzen, dass es hier endet."[110]

In einer weiteren Kolumne vom 1. Mai 2007 schreibt er:

"Lange Zeit habe ich befürchtet, dass etwas passiert … Es gab Anzeichen dafür. Christen wurden verprügelt, ihre Kirchen wurden mit Steinen beworfen und angezündet und sie wurden jeden Tag bedroht. Jeden einzelnen Tag wurde in den lokalen und nationalen Nachrichten und im Fernsehen über die verräterischen Pläne der Missionare berichtet … Über einen langen Zeitrum wurde die Saat der Intoleranz, des Rassismus‘ und der Feindseligkeit gegen das Christentum in der Türkei gelegt. Nun wird die Ernte dieser Saat Stück für Stück eingeholt. Die Mörder von Vater Santoro, Hrant Dink und dem Malatya-Massaker sind auf gewisse Weise miteinander verbunden."

Cengiz hob hervor, dass die Sicherheitskräfte in der Lage gewesen sein müssten, diese Verbrechen zu verhindern:

"In allen Fällen hatten die Sicherheitskräfte Geheiminformationen und Kenntnisse über die Straftäter und ihre Pläne, gingen den Signalen und Warnungen aus irgendeinem Grund aber nicht nach."[111]

Am 22. November 2007, dem ersten Verhandlungstag, wiederholte Cengiz seinen Vorwurf:

"Wenn Staatsbeamte jeden Tag davon sprechen, die Türkei ei in unmittelbarer Gefahr, dass es interne Feinde dieses Landes gäbe, dass Missionare im Auftrag ausländischer Staaten handelten und versuchten, die Türkei auseinanderzubrechen und so weiter, sind solche schrecklichen Verbrechen unausweichlich."[112]

Einige der anderen Anwälte vermuteten, dass staatliche Einrichtungen eine direktere Rolle bei den Ermordungen spielten. Erdal Doğan, ein in Istanbul arbeitender Anwalt, der auch Hrant Dink verteidigt hatte, vermutete von Anfang an eine Verbindung zum "Tiefen Staat". "Ich las die ersten Akten über den Prozess, die Anklage, die Aussage der Verdächtigen", sagte er. "Wer eine normale Intelligenz besitzt, erkennt, dass etwas Größeres dahinter steckt."[113] Im November 2009, nach zwei Jahren der Gerichtsverhandlungen, kam Cengiz zu einer ähnlichen Schlussfolgerung:

"Es ist völlig klar. Es gibt eine viel größere Strategie und viel komplexere Verbindungen. Alles war geplant, aber nicht von ihnen, von anderen. Sie sind nur Marionetten."[114]
c. "Ich habe niemanden erstochen"

Die Vernehmung der Verdächtigen vor Gericht begann am 14. Januar 2008. Alle Beschuldigten bestritten, dass sie die Absicht gehabt hätten, jemanden zu töten – obwohl sie Pistolen und Messer bei sich trugen –, als sie das Zirve-Büro betraten. Am 9. Juni 2008 bestritt sogar Emre eine direkte Beteiligung an den Morden. "Ich habe niemanden gefesselt", sagte er. "Die drei Getöteten wurden von Cuma und Hamit gefesselt. Ich habe niemanden erstochen." Emre behauptete außerdem, er wüsste nicht, weshalb die anderen Informationen aus dem Zirve-Büro wollten.

"Abuzer und Salih sagten, sie bräuchten die Informationen aus dem Verlagshaus für sich selbst, Cuma und Hamit sagten, sie würden sie an die Presse weiterreichen. Ich fragte sie nicht, warum sie sie benötigten."[115]

Die Beschuldigten sagten gegenüber dem Gericht, dass die Opfer vor der Ermordung zugegeben hätten, mit kurdischen Terroristen zusammenzuarbeiten und dass sie vorhätten, "Muslime zu töten". Emre lieferte der Staatsanwaltschaft eine Darstellung des Gesprächs, das sich im Zirve-Büro unmittelbar vor dem Dreifachmord zugetragen hatte:

"Wir begannen zu reden. Necati sagte schlimme Dinge über den Islam. Er sagte, das Christentum sei gut und würde von der PKK gepriesen. Was er sagte, machte mich wütend … Uğur sagte, dass Amerika und Israel hinter ihm stehen würden und dass das Ziel sei, den Koran loszuwerden. Er sagte: 'Wir haben den Irak erobert, wir werden uns Syrien holen. Kurdistan wird unabhängig werden; und drei von fünf neugeborenen türkischen Kindern werden getötet'."[116]

Auch Abuzer gab Uğur Yüksel die Schuld, ihn und die anderen provoziert zu haben.

"Uğur sagte, sie würden unsere Schwestern und Mütter vergewaltigen und dann töten. Emre sagte, 'Wir werden sehen, wer hier wen umbringt', und lief auf ihn zu. Uğur fluchte weiter. Ich schlug Uğur ins Gesicht. Ich war voller Blut. Mein Magen rebellierte. Ich ging auf die Toilette. Kurze Zeit darauf kam Emre. Seine Hand und sein Messer waren blutig. Er wusch seine Hände. Sie hätten unsere Kinder getötet. Er fragte mich, 'Was für ein Mann bist du?' Ich verstand nicht. Als ich zurückkam, sah ich Necati in seinem Blut liegen. Als ich Emre fragte, 'Was ist das?', sagte er, dass sie anstelle unserer Kinder sterben müssten … Später ging ich ins Zimmer nebenan. Ich glaubte, mein Leben sei zu Ende und weinte und legte die CDs auf den Tisch. Als ich in das Zimmer mit meinen Freunden zurückkehrte, drückte Emre dem Ausländer mit der einen Hand ein Handtuch ins Gesicht, in der anderen hielt er ein Messer. Das Messer war voll Blut. Ich ging ins Zimmer nebenan. Dort legte ich sämtliche CDs in die PC-Tasche. Ich sagte zu Emre 'Ich habe alles, lass uns abhauen!'"[117]

Salih erzählte dem Gericht eine ähnliche Geschichte:

"Emre ging wieder zur Toilette. Als er zurückkam, sagte er Necati, dass er das Falsche täte, indem er das Land teile. Necati sagte zu Emre, 'Fick dich, du Schwuchtel!' Da holte Emre sein Messer raus und befahl ihnen, sich auf den Boden zu legen und drohte ihnen damit, sie umzubringen, falls sie es nicht täten. Er drückte das Messer an den Hals des Deutschen. In diesem Moment holten wir ebenfalls spontan unsere Messer hervor. Dann legten sich alle hin. Als Necati am Boden lag, sagte er zu Emre dass er seine Mutter und seine Schwester ficken würde. Daraufhin fesselte Cuma Necatis Hände auf seinen Rücken und dann die des Deutschen. Emre fesselte Uğur."
"Emre gab mir ein Seil und zeigte auf Necati und befahl mir, ihn zu töten … Weil ich Angst vor Emre hatte, legte ich das Seil um Necatis Hals. Ich würgte ihn ein wenig. Dann sagte ich, dass ich es nicht tun könne und hörte auf. Da ging Emre auf Necati zu. Ich stand auf und versuchte, Emre zurückzuhalten. Ich sagte ihm, er solle sich beruhigen. In diesem Moment schnitt das Messer in Emres Hand meine Hand. Da hielt Emre inne. Ein wenig später fluchte Necati erneut. Während Necati fluchte, stach Emre auf seinen Hals ein. Nach kurzer Zeit sprang Emre dem Deutschen auf den Kopf. Später sah ich, wie Emre dem Deutschen in Rücken und Hals stach."[118]

Während der Gerichtsverhandlung behaupteten Emres Gefährten alle, sich nicht darüber im Klaren gewesen zu sein, dass Emre die Christen umbringen wollte. Laut Salih sagte Emre, "dass die Seile notwendig seien, um Leute zu fesseln, damit sie leichter Informationen preisgaben, und dass wir die Messer zu unserem eigenen Schutz bräuchten."[119] Cuma trug seine Darstellung des Tags vor den Morden bei:

"Ich fragte sie, warum wir Messer kauften. Sie sagten, sie würden die Messer zum Drohen benutzen. Als ich Emre fragte, wozu wir die Waffen bräuchten, sagte er mir, er würde das später erklären. Nachdem wir den Baumarkt verlassen hatten, parkte Salih den Wagen. Ich sah eine Pistole, ein Seil und Handschuhe im Kofferraum. Ich fragte, was das solle und wozu sie gut seien. Er sagte, er würde sie dazu benutzen, um ihnen Angst einzujagen und ich solle mir keine Sorgen machen."[120]

Abuzer sagte aus, dass "Emre sagte, am Montag würden wir zum Zirve Verlag fahren, dass wir dort Informationen von den Missionaren holen würden, und dann zu Wolfgang [Hade] nach Konya fahren würden, um das mit den Verbindungen zur PKK zu klären."[121] Die Zeugenaussagen der Verdächtigen vor Gericht stimmten jedoch nicht mit ihren zuvor getätigten Aussagen überein. Kurz nach ihrer Verhaftung im April 2007 hatte Hamit der Staatsanwaltschaft gegenüber gesagt:

"Nach dem was Emre uns erzählt hatte, verstand ich, dass sein Kampf gegen diese Gruppe sehr entscheidend sei und, falls notwendig, bis zum Tod oder ihrer Beseitigung führen würde. … Er sagte, dass das eigentliche Ziel nach den Morden in Malatya die Ermordung von Wolfgang [Hade] sei und dass er das falls nötig auch alleine tun würde. Er fügte hinzu, dass uns das große finanzielle Vorteile bringen würde … Immer wieder erzählte uns Emre von seinen Plänen, wie er die Missionare töten und ausschalten wollte. Wir wollten diese schädliche Gruppe aus Liebe zu unserem Land und unserer Nation beseitigen."[122]
d. "Ich hatte Angst vor den Mächten hinter ihm"

Die anderen vier Verdächtigen beschrieben Emre allesamt als sehr aggressiv. Cuma sagte dazu, dass Emre jeden von Anfang an einschüchterte:

"Wir sagten [Emre], dass wir sein Angebot nicht annehmen würden und dass wir zum Studieren nach Malatya gekommen waren. Es sagte uns, es gäbe kein zurück; andernfalls würde er uns eine Kugel in den Kopf jagen und unsere Familien töten. Er sagte, wir würden sterben. Er bedrohte uns. Ich habe ihn nie mit einer Pistole gesehen, aber er trug ein Messer bei sich. Ein kleines Messer mit einem hölzernen Griff. Emre sprach unfreundlich und schrie."[123]

Sie beschrieben Emre außerdem als jemanden mit guten Kontakten zur örtlichen Polizei. Hamit sagte gegenüber dem Gericht:

"Wenn ich seine Einladung nicht angenommen hätte, ich glaube, er hätte mir und meiner Familie etwas zuleide getan … Wir überlegten uns, wegen dem, was Emre uns erzählt hatte, zur Polizei zu gehen. Aber Salih sagte mir, dass Emre mit dem Polizeidirektor eng befreundet sei. Deshalb haben wir es nicht getan."[124]

Alle Verdächtigen erzählten dem Gericht über Emres Immunität vor einer Überprüfung durch die Polizei vor den Morden. Abuzer sagte der Staatsanwaltschaft, dass er "sich nicht traute, die Polizei zu informieren, weil Emre eng mit dem Polizeidirektor befreundet war und Hilfe nach der Messerstecherei erhalten hatte."[125] Er bezog sich auf einen Vorfall im Februar 2007, den Salih während der fünften Verhandlung beschrieb:

"Emre kam einmal zu uns, nachdem er einen Mann niedergestochen hatte, den er zusammen mit seiner Freundin sah. Er erzählte uns von der Messerstecherei. Er wechselte schnell die Kleidung, ging zum Barbier für eine Rasur und ging dann zusammen mit mir und Cuma zur Polizei von Sumer. Dort sprach er an der Türe mit einem Polizisten. Der ging hinein und kam schnell wieder heraus. Dann kam er zu uns rüber. Der Polizist sagte zu Emre, dass sie nicht wissen würden, was er getan hat und dass die Akte geschlossen würde, als ob der Angreifer unbekannt sei. Sie sagten zu ihm, 'Wenn sie eine Fahndung rausgeben und herausfinden, dass du es warst, geben wir dir Bescheid.' So erzählte es uns Emre. Deshalb sagten wir der Polizei nicht, was Emre plante."[126]

Cuma erinnerte sich an denselben Vorfall:

"Salih, Emre und ich gingen zur Polizei von Sumer. Wir warteten gegenüber dem Revier und Emre ging hinein. Er [Emre] sagte, er kenne dort ein paar Polizisten und er habe die Situation unter Kontrolle und der Fall sei abgeschlossen."[127]

Einen Monat später, im März 2007, stach Emre auf einen Studenten im Wohnheim ein. Hamit, der damals im Wohnheim war, gab später zu Protokoll:

"Ich sah, wie Emre und ein anderer Student, Fatih, Onur runter ins Studierzimmer mitnahmen. Ich hörte, dass Onur sich von anderen Studenten Geld geliehen hatte und seine Schulden nicht zurückbezahlt hatte. Später hörte ich Onur weinen und schreien. Als ich reinkam, sah ich, wie Emre Onur mit einem Brotmesser ins Gesicht und Fatih ihn mit der Faust schlug. Emre stach mehrmals auf seinen Körper ein und Onur fiel zu Boden. Emre und Fatih flohen … Dieser Vorfall kam nie vor Gericht. Nach diesem Vorfall war mir klar, dass Emre Gewalt anwenden würde, wenn man nicht das tat, was er wollte. Nach diesem Vorfall wurde Emre aus dem Wohnheim geworfen."[128]

Emre hatte insgesamt zwei Monate in dem Wohnheim verbracht.

Nach der zweiten Verhandlung am 14. Januar 2008 wies Orhan Kemal Cengiz auf Verbindungen zwischen Emre und dem Polizeichef von Malatya hin.

"Wie gut vorbereitet auch immer die Aussagen der Beschuldigten waren, so war es doch stets möglich, Einzelheiten wie die enge Bekanntschaft zwischen Emre Günaydın und dem Polizeichef zu erfahren. Natürlich stellt sich dennoch die Frage, ob wir trotz dieser Informationen mehr über die Hintergründe herausbekommen werden."[129]

Allerdings waren Emres persönliche Verbindungen zur Polizei nicht die einzigen Sorgen seiner Gefährten. Wie Salih, der aus demselben Dorf (Doğansehir) wie Emres Familie stammte, dem Gericht gegenüber erzählte,

"Emre sagte auch, dass es bei der Polizei sieben Akten über ihn gäbe, dass er schon im Gefängnis war und dass sein älterer Bruder einer von Sedat Pekers Leuten sei. [Emres] Onkel gehörten zu den führenden Mafiagruppierungen in der Türkei. Ich hörte in Doğansehir, dass seine Onkel in der Mafia sind. Nachdem er ins Wohnheim kam, fing ich an, dorthin zu gehen, wohin auch immer Emre ging. Ich widersprach nicht, weil ich Angst hatte. Wenn wir nein sagten, schrie er uns an."[130]

Sedat Peker, geboren 1971, ist ein in der Türkei allseits bekannter Name, da er zu einer der berühmtesten und auffälligsten Persönlichkeiten des organisierten Verbrechens seiner Generation geworden war. Zwischen 1988 und 2002 hatte Peker über zwei Jahre im Gefängnis für Anklagen verbracht, die von organisiertem Verbrechen bis zu bewaffnetem Raubüberfall reichten. 2004 wurde er erneut verhaftet und drei Jahre später zu 14 Jahren Haft wegen Verstrickungen in das organisierte Verbrechen verurteilt.[131] Peker soll angeblich in den 1990ern zusammen mit Veli Küçük, einem pensionierten General und mutmaßlichen Gründer des geheimen Nachrichten- und Terrorabwehrdienstes der Gendarmerie (JİTEM), in der Gendarmerie in Kocaeli gedient haben.[132] Der für seinen Panturkismus bekannte Peker hat unter den ultranationalistischen türkischen Grauen Wölfen viele Förderer. Er betreibt eine Website, auf der viele Hundert Nachrichten seiner Fans seit 2008 zu lesen sind. Auf seiner Facebook-Seite sind mehr als 25.000 Freunde aufgelistet. 2008 wurden sowohl Veli Küçük als auch Sedat Peker (wegen eines anderen Verbrechens bereits in Haft) der Angehörigkeit der mutmaßlichen Terrorgruppe Ergenekon angeklagt.

Hamit Çeker sagte der Staatsanwaltschaft auch, dass

"Emre keine Angst hatte, dass wir geschnappt würden. Er sagte stets, dass man uns nicht kriegen würde, aber falls man uns schnappen würde, würde er alle Schuld auf sich nehmen und dass insbesondere sein Onkel, dessen Namen ich nicht mehr weiß und der Kontakte zur Mafia hat, uns behilflich sein würde, und diese Aussagen überzeugten uns."[133]

Abuzer Yildirim behauptete außerdem, dass er "keine Angst vor Emre hatte, sondern vor den Mächten hinter ihm."

"Am Samstag vor dem Vorfall saß ich im Rainbow Teehaus, als Emre kam. Er sagte, wir würden am Montag zum Zirve Verlagshaus gehen und uns Informationen von den Missionaren holen … Als ich sagte, dass das nicht passieren würde, sagte er, 'Das ist kein Angebot an dich. Du hast die Pflicht. Der Staat kennt deine Familie. Wenn du nicht kommst, werden deiner Familie Dinge zustoßen, die du dir gar nicht vorstellen kannst.'"[134]
e. "Ich sollte sie umbringen"

Am 5. Februar 2008 schickte ein 24-jähriger Insasse namens Metin Doğan von einem Gefängnis in Südanatolien aus einen Brief an den Staatsanwalt in Malatya.[135] Doğan saß eine 16-jährige Strafe wegen Mordes ab. In dem handgeschriebenen Brief stellte er sich als jemand vor, der Emre Günaydın aus der gemeinsamen Zeit bei den Grauen Wölfen (Ülkü Ocaklari) kannte, einer ultranationalistischen Jugendorganisation, die der nationalistischen Partei der Nationalistischen Bewegung (Milliyetci Hareket Partisi, MHP) nahesteht.[136]

"Seit meiner Jugend wuchs ich in der Organisation der Grauen Wölfe (Ülkü Ocaklari) von Malatya auf. Ich war sehr aktiv. Ich übernahm Aufträge. In den Augen der Organisation war ich daher der Vertrauenswürdigste, die Nummer eins."[137]

Doğan schrieb, dass Burhan Coşkun, der Anführer des Malatya-Ablegers der Ülkü Ocaklari ihn 2005 in das örtliche Büro der MHP bestellte.[138] Dort trugen Coşkun und andere anwesende Doğan auf, die Christen im Zirve-Büro zu töten.

"Namik Hakan Durhan, das ehemalige Parlamentsmitglied der MHP in Malatya, sagte zu mir 'Ruf das Zirve Verlagshaus an und drohe ihnen.' Ich rief an, Adnan von Zirve antwortete und ich drohte ihm.[139] Nachdem ich ihm gedroht hatte, hängte ich auf."
"'Das ist genau der richtige Job für dich, mein Löwe, du wirst ihn erledigen. Du wirst jeden bei Zirve umbringen', [sagten sie zu mir]. Dann sagte der Mann, der sich als Generalmajor vorgestellt hatte, wir werden dich retten, mach dir keine Sorgen. Namik Hakan Durhan erklärte, wie ich den Job beenden sollte und dass ich am Ende 300.000 USD von ihnen erhalten würde. Er sagte, dass sie mir Ort und Zeitpunkt des Mordes mitteilen würden."[140]

Während einer Verhandlung im Mai 2008 bestritt Emre, überhaupt jemals von Metin Doğan gehört zu haben.[141] Trotzdem rief das Gericht Doğan als Zeugen auf.[142] Am 4. Juli sagte er aus:

"Ich bin recht eng mit Emre befreundet. Wir waren zusammen in der Ülkü Ocaklari. Auch ich bin Athlet. Ich habe Tae-Kwon-Do gemacht, Emre Kickboxen. Er lügt. Er kennt mich. Ich weiß viel über den Vorfall. Ich war darin verwickelt, als es Emre noch nicht war. Ich bin in der Ülkü Ocaklari groß geworden."[143]

Vor Gericht beschrieb Doğan erneut das Treffen, auf dem er angeblich dazu aufgefordert wurde, die Christen zu töten:

"Burhan Coşkun, der Präsident von Ülkü Ocaklari Malatya, rief mich im August 2005 auf meinem Mobiltelefon an. Er sagte, ich solle ins MHP-Gebäude [das Büro der Partei der Nationalistischen Bewegung] kommen. Ich ging hin. Der Regionalpräsident der MHP Ekici, das ehemalige Parlamentsmitglied Namik Hakan Durhan (MHP) und ein 50-55 Jahre alter Mann namens Hikmet Çelik, der sich als ein Generalmajor vorstellte und den ich nie zuvor gesehen hatte, und Burhan Coşkun waren dort. Ich setzte mich. Wir hatten die Verteilung von Bibeln und die Täuschung der Jugend schon einmal in der Ülkü Ocaklari diskutiert … Ich sollte mir zwei starke Jugendliche holen und mit ihnen das Verlagshaus überfallen, aber diese Jugendlichen sollten sie nicht kennen. Sie befahlen mir, sie nicht aus der Ülkü Ocaklari zu rekrutieren. Sie sagten mir, ich solle welche in Taštepe [ein Viertel im Nordosten von Malatya] suchen.
Sie sagten, wir sollten Waffen für den Überfall benutzen. Ich fragte, was wir machen sollten, falls noch andere Personen anwesend sein sollten … Sie sagten mir, wir sollten sie ebenfalls töten. Sie sagten, dass ich nicht geschnappt würde, wenn ich auf sie hören würde, aber falls ich nicht auf sie hören würde und man uns schnappen würde, würden wir innerhalb von zwei Jahren freigelassen. Später sollte ich die zwei Jugendlichen nach Santral Hill bringen und sie ebenfalls töten."[144]

Doğan erläuterte, dass darauf ein zweites Treffen mit dem ehemaligen Parlamentsmitglied Namik Hakan Durhan und Burhan Coşkun, dem örtlichen Präsidenten der Ülkü Ocaklari folgte. "Sie sagten, dass sie mich die Sache erledigen lassen würden: Alle Welt würde glauben, dass sie es gewesen sind, doch niemand könnte es beweisen", sagte er dem Gericht.[145] Anderthalb Monate nach diesen Treffen ging Metin Doğan nach Mersin, wo sein Bruder zufällig in einem anderen Vorfall getötet wurde. Doğan tötete den Mörder seines Bruders und landete im Gefängnis. Er erzählte dem Gericht von einer Nachricht, die er im Januar 2007 von einem Gefängniswächter überbracht bekam:

"Dieser Wächter trat an mich im Gefängnis in Mersin heran. Er sagte, dass Namik [Hakan Durhan, das ehemalige Parlamentsmitglied der MHP] mir Grüße ausrichten lasse und fragte, ob ich irgendetwas bräuchte. Er sagte mir auch, dass er und Namik keine Geheimnisse hätten und dass der Auftrag, den ich ausführen sollte, nun von Emre Günaydın erledigt würde und ich Stillschweigen bewahren solle."[146]

Metin Doğan behauptet, dass Emres Onkel "in der Provinz um Malatya bekannt wären. Sie waren eine Art kriminelle Bande."[147] (Als er darum gebeten wurde, konnte sich Doğan jedoch nicht mehr an ihre Namen erinnern.[148]) Doğan behauptete auch, dass die Ülkü Ocaklari und die Polizei "eng miteinander verbunden wären. Viele Polizisten kommen und gehen. [Burhan] Coşkun sagte mir, ich solle die Morde mit einem Messer begehen, weil es zu schwierig würde, die Dinge mit der Polizei zu arrangieren, wenn es mit einer Pistole gemacht würde."[149]

Das ehemalige Parlamentsmitglied Namik Hakan Durhan wurde später von der Staatsanwaltschaft Malatyas befragt. Der Inhalt seiner Aussage ist nicht Teil der Gerichtsakten.[150] Im Mai 2008 reagierte Durhan auf Metin Doğans Anschuldigungen in einem offenen Brief:

"Ich war nicht in Malatya, als diese Unterhaltung stattgefunden haben soll … Diese Informationen entbehren jeglicher Grundlage und sind falsch. Das ist eine Diffamierung meiner Person und meiner Partei, der ich angehöre."[151]

Bisher wurde niemand von der Ülkü Ocaklari Malatya zur Aussage vor Gericht berufen.

f. "Ich bin die Nummer eins von Ergenekon"

Emre Günaydın berichtete der Staatsanwaltschaft das erste Mal 2007 von Varol Bülent Aral, einem mysteriösen Mann, über den wenig bekannt ist. Emre, der Aral kennenlernte, als beide im Sommer 2006 für die Zeitung Birlik in Malatya arbeiteten, behauptete, dass Aral ihn aufgefordert habe, den Aktivitäten der christlichen Missionare, die das Land zerstören wollten, ein Ende zu machen. "Gib dir einen Ruck und sag Nein", soll Aral angeblich zu Emre gesagt haben. "Wir garantieren dir staatliche Unterstützung."[152] Als er anschließend dazu vor Gericht befragt wurde, zog Emre seine frühere Aussagen zurück, aber es reichte, um Aral als Zeugen vor Gericht zu laden.[153]

Zum Zeitpunkt der Malatya-Morde saß Varol Bülent Aral im Gefängnis. Im Februar 2007 war er wegen illegalen Besitzes einer Kalaschnikow verhaftet worden. Nach seiner Freilassung wurde er erneut in Adiyaman, etwa 130 Kilometer von Malatya entfernt, verhaftet, weil er den Polizeichef von Adiyaman beleidigt und bedroht hatte.

Aral sagte als Zeuge im Malatya-Prozess am 16. Oktober 2008 aus:

"Ich kenne Emre Günaydın von der Zeitung Birlik in Malatya, wo wir im Herbst 2006 für drei Tage arbeiteten. … Wie sprachen etwa eine halbe Stunde über die PKK. Es gab keine Unterhaltung über Missionare oder die Opfer."[154]

Zu seiner jüngsten Verhaftung sagte Aral, er habe die Kalaschnikow "in der Tasche eines zehn Jahre alten Jungen gefunden, der ihm auf einem Parkplatz in Adiyaman verdächtig vorgekommen war. Ich wollte sie aufs nächste Polizeirevier bringen, aber da ich Probleme mit einem der Polizisten [in Ayiyaman] hatte, wollte ich sie nicht dorthin bringen. Ich wollte sie auf einem weiter entfernten Revier abgeben."[155]

Selbst zum heutigen Zeitpunkt ist wenig bekannt über Arals Leben. Aral beschrieb sich selbst als jemand, der unter schlechter Gesundheit und Depressionen leide und der, da er "keine feste Adresse habe", mit "vielen Menschen" verkehre und als Tagelöhner von nur 10 TL (EUR 5) am Tag lebe.[156] Eine Anklage beschrieb Aral als Werbefachmann ("reklamci"), der kurzzeitig für die Zeitung Birlik in Malatya gearbeitet hatte.[157]

Vor Gericht wurde Aral auch zu seinem Notizbuch befragt, das am 30. Januar 2008 im Busbahnhof von Malatya gefunden wurde und das die Namen zahlreicher Ultranationalisten enthielt, einschließlich den Kemal Kerinçsiz', einer der Verdächtigen im Ergenekon-Fall. Kerencsiz ist ein ultranationalistischer Anwalt, der sich auf das Verklagen von Christen und türkischen Liberalen wegen der Verunglimpfung des Türkentums spezialisiert hat. "Diese Notizen sind Recherchen für ein Buch mit dem Titel 'Teferruat' [Details], das ich schreibe", erklärte Aral.[158] "Ich bin kein Informant"[159], behauptete er außerdem. "Ich begreife immer noch nicht, wie Emre so etwas tun konnte. Emre und die anderen sind viel zu unerfahren."[160] In derselben Verhandlung wurde Emre gefragt, ob Aral ihn überredet hatte, die Morde zu begehen. Er nahm sein Recht zur Verweigerung der Aussage wahr und schwieg.

Am 2. Februar 2009 jedoch änderte Emre seine Meinung und machte der Staatsanwalt gegenüber eine Aussage und belastete Aral und eine zweite Person, den christlichen Konvertiten Huseyin Yelki, der mit den Missionaren in ihrem Büro gearbeitet hatte; beide hätten den Überfall auf das Zirve-Büro angestiftet. Emre gab an, dass Aral ihm Huseyin Yelki vorgestellt habe und dass er Yelki mehrfach getroffen habe, nachdem Aral die Malatya-Provinz im Oktober 2006 verlassen hatte.

Huseyin Yelki erzählte Emre mutmaßlich, dass die Missionare das Land zerstören wollten und dass "Bruder Bülent [Aral] mit ihnen einen Kampf austrägt."[161] Nach Arals Abreise aus Malatya sagte Yelki angeblich zu Emre, er solle ins Zirve-Büro eindringen und sämtliches Material einsammeln, das er finden könne.[162] Laut der Anklageschrift gegen Aral und Yelki wies Yelki Emre einen Monat vor den Morden an, mit den Christen von Zirve in Kontakt zu treten. Obwohl Yelki zu diesem Zeitpunkt selbst für Zirve arbeitete, wollte er nicht als Mittelsmann fungieren. "Finde einen anderen Weg, um mit Necati und den anderen bei Zirve in Kontakt zu treten", sagte er Emre. "Ich sollte diesen Kontakt besser nicht herstellen. Ich darf mit diesem Vorfall nicht in Verbindung gebracht werden."[163] Das erklärt, wie die Staatsanwaltschaft nun behauptet, warum Emre Necati Aydin in einem christlichen Chatroom kennen lernte.

"Wer immer in dem Büro ist, du wirst keine Beweise hinterlassen", soll Yelki Emre angeblich ein paar Tage vor den Morden angewiesen haben.[164] Emre behauptete außerdem, dass Yelkis Bruder ihm Anfang April 2007 gesagt habe, dass "der Auftrag vom 16. auf den 18. [April] verlegt wurde."[165] Schließlich sagte Emre der Staatsanwaltschaft, dass auch die anderen vier Verdächtigen Huseyin Yelki kennen gelernt hätten.[166] Emre sagte aus, dass im Falle, dass "die Polizei nach ihnen suchen würde, Yelki ihnen mit etwas Geld bei der Flucht behilflich wäre. Falls sie geschnappt würden, sollten sie auf staatliche Unterstützung durch Bülent Varol Aral warten."[167]

Die Anklage gegen Aral und Yelki wurde am 9. April 2009 verlesen und beide wurden in Gewahrsam genommen. Ozkan Yucel, ein Anwalt der İzmir Rechtsanwaltskammer, der die Opferfamilien vertritt, war begeistert:

"Wir waren von Anfang an der Meinung, dass diese Morde nicht von fünf jungen Männern verübt wurden, die sich eines Morgens nach dem Aufstehen dazu entschlossen, sondern dass sie von anderen dazu angestiftet wurden und vom Staat geschützt wurden oder ihnen das zumindest weisgemacht wurde. Das ist ein Schritt nach vorne. Es gibt weitere Leute, die mit Aral in Verbindung stehen."[168]

Die Anklage beschuldigte Aral und Yelki der Anstiftung zu "mehrfachem Mord und Entführung im Rahmen einer Terrororganisation."[169]

Als Varol Bülent Aral im Februar 2009 mit diesen Anschuldigungen konfrontiert wurde, stritt er sämtliche von Emres Behauptungen ab. Er gab an, Huseyin Yelki nicht zu kennen.[170] Yelki bestritt ebenfalls, Aral zu kennen und sagte gegenüber der Staatsanwaltschaft, dass er mit Christen, sowohl türkischen als auch ausländischen, seit 2001 in Kontakt sei.[171] Er wurde im Juni 2002 getauft und im selben Jahr wurde ihm eine Arbeitsstelle im christlichen Verlagshaus Kayra in Malatya angeboten. Als Kayra 2005 das Geschäft aufgab, nutzte Yelki das Zirve-Büro weiter, um christliche Literatur zu verbreiten.[172]

Am 21. Mai 2009 sagte Yelki vor Gericht aus, inzwischen als Verdächtiger. "Die Anschuldigungen entbehren jeglicher Grundlage", erklärte er. "Ich kenne Emre Günaydın und die anderen nicht."[173] Später stand Emre während der Verhandlung auf und sagte zur Überraschung der Staatsanwaltschaft, "Huseyin Yelki ist unschuldig, er sitzt grundlos im Gefängnis." Als die Richter ihn aufforderten, zu erklären, warum er Yelki dann zuvor belastet hatte, sagte Emre, "Weil Yelki ein christlicher Missionar ist."[174] Yelki wurde noch am selben Tag entlassen. Die Anschuldigungen gegen ihn wurden fallengelassen.[175]

Aral sagte am 21. August 2009 als Tatverdächtiger aus. Erneut widerrief Emre seine zuvor getätigten Aussagen:

"Ich habe Varol Bülent Arals Namen genannt, um mein Strafmaß zu reduzieren. Er hat mit den Vorfällen nichts zu tun."[176]

In einem bizarren Moment unterbrach Aral Emre theatralisch, und schrie "Ich bin die Nummer eins von Ergenekon und ich habe diese Morde veranlasst! Möge Jesus dich beschützen."[177]

Das Gericht entschied, die Anschuldigungen gegen Aral fallenzulassen, welcher daraufhin ins Adiyaman-Gefängnis zurückkehrte, um seine Strafe abzusitzen. Es sah ganz danach aus, als sei dies das Ende seiner Rolle im Malatya-Prozess gewesen. Niemand rechnete damit, dass Aral ein Jahr später erneut zu einem Hauptverdächtigen werden würde.

g. "Ich bereue einige Dinge, die ich getan habe"

In seiner ersten Aussage gegenüber der Staatsanwaltschaft nach seiner Verhaftung behauptete Emre, wenige Monate vor den Morden einen mysteriösen "Forscher" kennen gelernt zu haben.

"Ende 2006 oder Anfang 2007, glaube ich, war da eine Person, deren Namen ich vergessen habe, aber der sich als Forscher vorstellte. Im Sportzentrum meines Vaters sprach er über Christentum und Missionsarbeit. Er sagte, es gäbe Kirchen in Malatya und dass diese finanziell stark seien. Ich kenne diese Person zwar nicht, aber vielleicht mein Vater."[178]

Wer war dieser Forscher? Im Sommer 2007 wurde in einem per E-Mail verschickten anonymen Brief behauptet, dass Malatyas Protestanten seit langem von der örtlichen Gendarmerie und von Wissenschaftlern des Strategischen Forschungszentrums (Stratejik Arastirma Merkezi) der Inonu Universität in Malatya streng überwacht würden.[179] Die E-Mail war an die Association of Protestant Churches gerichtet, die ihn an die Staatsanwaltschaft weiterleitete.[180] Sie war mit einem Pseudonym unterzeichnet. Der unbekannte Autor behauptete, für die Gendarmerie in Malatya zu arbeiten. Im Brief hieß es, dass

"die Person, die Emre Günaydın anstiftet und führt, ist Ruhi Abat, Mitglied der theologischen Fakultät, der wiederum von unserem [Gendarmerie-] Befehlshaber Mehmet Ülger geführt wurde. Ruhi Abat hat 4-5 Monate mit unserem Stabsoffizier Mehmet Ülger gearbeitet."[181]

Der anonyme Autor lieferte keine weiteren Informationen – er behauptete, Angst vor der Identifizierung zu haben. Die E-Mail wurde in der Anklageschrift vom Oktober 2007 nicht berücksichtigt.

Am 12. Mai 2008 bestritt Emre, jemanden namens Ruhi Abat zu kennen.[182] Sein Vater sagte später jedoch aus, dass "Ruhi Abat 2003 über einen Zeitraum von etwa eineinhalb Monaten ins Sportzentrum [das Kampfsportzentrum von Emres Vater] kam. Später kamen zwei seiner Kinder dorthin." Emres Vater erläuterte jedoch, dass seiner Meinung nach "Ruhi Abat meinen Sohn nie in der Sporthalle gesehen hat. Emre war damals [2003] 14-15 Jahre alt."[183]

Wie sich herausstellte, war Abat tatsächlich Forscher mit einem besonderen Interesse für Missionsarbeit. Das wurde deutlich, als Abat am 13. April 2009 als Zeuge aussagte, und seine Arbeit über Missionare in Malatya als Forschung beschrieb, "die ich wegen religiöser und nationaler Werte und zum Zweck der Einheit der Nation und des Landes für wichtig erachte."[184] Laut Abat war seine Forschung Teil eines landesweiten Projekts, das angeblich von der Stiftung für Geschichtsforschung (Tarihi Arastirmalar Vakfi) durchgeführt wurde.[185] In Malatya wurde es von einem Team von nicht weniger als sieben Forschern durchgeführt,[186] jeder von ihnen Wissenschaftler an der Malatya Universität. "Ich habe für diese Arbeit kein Geld erhalten. Die Teilnehmer taten es freiwillig", sagte Abat dem Gericht.[187] In seiner Zeugenaussage blieb Abat unklar über den Inhalt seiner Forschung:

"Ich unternahm keine unabhängigen Studien zu Missionsarbeit. Es gab zwei oder drei Gruppenstudien. Jeder Theologiefachbereich erfasste die Missionsarbeit in seiner Region … Wir versuchten, mehr über Missionsarbeit in Malatya und Adiyaman herauszubekommen."[188]

Er verweigerte seine Meinungsäußerung darüber, ob Missionsarbeit ein Verbrechen sei oder nicht. "Ein einfaches Ja oder Nein als Antwort ist nicht möglich", sagte er dem Gericht.[189]

Abat gab zu, ebenfalls in Kontakt mit der Gendarmerie von Malatya gewesen zu sein, einschließlich ihres Leiters Mehmet Ülger. Er bestand jedoch darauf, dass "die meisten dieser Gespräche [mit Ülger] sich darum drehten, Unterstützung zu erhalten, um die Schließung des Theologiefachbereichs [der Universität Malatya] zu verhindern."[190] Abat behauptete, Angst vor dem Verlust seines Arbeitsplatzes bei der Universität gehabt zu haben und wandte sich an Ülger in der Hoffnung, so Druck auf den Rektor auszuüben, den Fachbereich zu erhalten.[191] Abat behauptete außerdem, den Bereichsbefehlshabern der Gendarmerie einen Vortrag über "Missionsarbeit im 19. und 20. Jahrhundert" gegeben zu haben. Nach dem Vortrag, so sagte er, hätten ihn "sowohl die Polizei als auch die Gendarmerie am Telefon zu meinen Studien befragt oder sie sind bei mir im Büro vorbeigekommen."[192]

Mehmet Ülger war von Januar 2006 bis Juli 2008 Kommandant der Gendarmerie in Malatya. Er machte seine Aussage am selben Tag wie Ruhi Abat und sagte dem Gericht, dass er Abat 2006 bei einem Workshop über Missionsarbeit kennen gelernt habe. Ülger erklärte, dass seine Kontakte zu Abat mit dem Seminar und der Vorbereitung einer Konferenz zu tun gehabt hätten. Ülger behauptete, er habe Abat angerufen, um ihn wegen eines Dokuments zu befragen, das er gefunden hatte und das auf Arabisch geschrieben war.[193] Er erklärte: "Meine Geschäftstreffen dauern 24 Stunden am Tag an. Ich erinnere mich nicht, ob ich mit Ruhi Abat vom Büro oder von zu Hause aus sprach. Es konnte vorkommen, dass er mich abends um 23:30 Uhr anrief."[194] Die Anwälte der Opferfamilien waren nicht überzeugt. Die Polizei hatte ermittelt, dass es innerhalb weniger Monate 1.415 Anrufe zwischen Abat und der Gendarmerie gegeben hatte.[195] Weshalb so viele Anrufe? Ülger erklärte, dass die Gendarmerie viele Anrufe tätigte, "um von einem Fachbereichsmitglied Informationen zu erhalten."[196]

Mehmet Ülger beschrieb auch das allgemeine Interesse der Gendarmerie an der Missionsarbeit:

"Innerhalb der Gendarmerie wird Missionsarbeit laut der allgemeinen Beschreibung als 'extrem rechts' eingestuft. Sie wird nicht als Verbrechen behandelt. Das Interesse der Gendarmerie an Missionsarbeit ist dasselbe wie an anderen rechtslastigen oder islamistischen Aktivitäten."[197]

Ülger sagte, dass er von Missionsarbeit in der Türkei gehört habe, aber nicht einmal wüsste, "ob es welche in Malatya gäbe."[198] Er behauptete, dass es "während dieses Zeitraums keine Forschung zu Missionsarbeit gegeben hat."[199] Über Ruhi Abat sagte Ülger dem Gericht in Malatya, "Nein, er ist kein Informant. Es wurden keinerlei Zahlungen an ihn geleistet."[200]

Anschließend wurde Ülger auch zu der Aussage eines weiteren Zeugen, Veysel Sahin, befragt. Sahin war im Mai 2008 verhaftet worden, nachdem in seinem Haus Handgranaten und Sprengstoff gefunden worden waren.[201] Sahin hatte der Staatsanwaltschaft in Malatya im Dezember 2008 gesagt, dass er im November 2005 nach Malatya gezogen sei, um ein Büro der Irakisch-Turkmenischen Front zu eröffnen.[202] Er behauptete, Mehmet Ülger im März 2006 im Büro der Irakisch-Turkmenischen Front kennen gelernt zu haben. Ülger, so erinnerte er sich, kam in Zivilkleidung. Sahin erinnert sich außerdem, dass sich Ülger als Geschäftspartner des Malatya Arena Book Cafes vorstellte.

"Er wollte den Vertrieb von Bibeln im Osten und Südosten in die Hände einer einzigen Firma geben und er erklärte, das solle die Arena Company sein – eine Firma, an der er beteiligt war –, damit er an die Namen derjenigen käme, die diese Bücher erhielten."[203]

Laut Veysel Sahin hatte Ülger Mitglieder der Gendarmerie persönlich angewiesen, den anderen Verlagshäusern, Zirve und Kayra, zu drohen.[204] Ülger soll Veysel Sahin auch die Verbindungen von Doğu Perinçek gegeben haben, dem wohlbekannten Anführer der ultranationalistischen Arbeiterpartei in der Türkei.[205] Nach Ülgers Empfehlung traf sich Sahin mit Perinçek. Die Ermittlungen seiner Telefonate bestätigten, dass er mit Perinçeks Fahrer in Kontakt stand.[206] Perinçek wurde 2008 verhaftet wegen Zugehörigkeit zum Ergenekon-Terrornetzwerk. Vor Gericht erklärte Ülger, dass er Veysel Sahin kannte, der zwar ein Informant war aber nie Informationen geliefert hatte. Ganz im Gegenteil sogar wurde er verhaftet, weil er ein Verbrechen plante. Nach seiner Verhaftung, so sagte Ülger dem Gericht, drohte Veysel Sahin ihm.[207]

Drei Monate nach den Aussagen von Ülger und Abat vor Gericht wurde ein weiterer anonymer Brief verschickt, diesmal an den Istanbuler Staatsanwalt Zekeriya Öz, einen der Staatsanwälte im Ergenekon-Prozess, und an den Staatsanwalt von Malatya, Seref Gurkan. Sein Autor gab einen Hinweis in Richtung Geheimdiensteinheit der Gendarmerie der Malatya-Provinz:

"Ich will versuchen, Ihnen zu erklären, was ich über das Verbrechen an den Missionaren in der Malatya-Provinz und Oberst Mehmet Ülger weiß, der dieses Verbrechen persönlich in Gang brachte. Ich habe diese Informationen, weil ich der Geheimdiensteinheit der Gendarmerie der Malatya-Provinz (JIT) angehöre … Im März 2007 gab Oberst Mehmet Ülger der Auskunftsstelle der Gendarmerie in Kayseri [eine Stadt in Zentralanatolien zwischen Ankara und Malatya] und dem Präsidenten des Aufsichtsrats der Gendarmeriehauptverwaltung eine Unterweisung.[208] Etwa anderthalb Monate nach dieser Unterweisung wurden die Missionare in Malatya ermordet. In der Unterweisung lieferte Mehmet Ülger detaillierte Berichte über die Personen, die später ermordet wurden, und über ihre Aktivitäten."

In dem anonymen Brief wurde behauptet, dass die Gendarmerie für die Ermittlungen zu Missionsarbeit viele Ressourcen bereitstellte und dass sie eng mit Wissenschaftlern zusammenarbeite, insbesondere mit Ruhi Abat.[209]

"Ruhi Abat, Fachbereichsmitglied der Inonu Universität, stattete dem Gendarmeriebüro vor und nach dem Vorfall beinahe zwei- oder dreimal wöchentlich einen Besuch ab und sprach dabei stundenlang mit Mehmet Ülger in dessen Büro. Die Besuche Ruhi Abats in der Gendarmerie jedoch wurden nie registriert … Mehmet Ülger persönlich hatte die Anweisung gegeben, diese Person direkt in sein Büro zu schicken, ohne ihn warten zu lassen und ohne Registrierung. Das kann vom wachhabenden Personal bestätigt werden.
2007 gab die Gendarmerie in Malatya mehr als 40.000 YTL [etwa 20.000 Euro] des Aufklärungsetats des Gendarmeriehauptsitzes aus … Fast all diese Gelder wurden für [die Ermittlung von] Missionsarbeit ausgegeben. Von diesem Geld leistete Mehmet Ülger etliche Zahlungen an Ruhi Abat persönlich, insbesondere vor den Morden. Aber man kann es unmöglich beweisen. Auf den Lohnabrechnungen stehen keine Namen, es werden nur Decknamen verwendet."

Der anonyme Autor bestätigte, dass Ülger auch die SIM-Karte aus einem Mobiltelefon eines der Verdächtigen im Zirve-Mordfall ausgetauscht hatte:

"Nach dem Vorfall nahm Mehmet Ülger die SIM-Karte aus einem der Mobiltelefone eines der Verdächtigen im Gefängnis an sich. Er besuchte das Gefängnis. Der Gefängnisbehörde wurde mitgeteilt, dass Informationen auf der Karte benötigt würden, um Licht in [die Zirve-Morde] zu bringen. Tags darauf wurde der Gefängnisbehörde eine neue SIM-Karte mit derselben Nummer gegeben. Das wissen auch Abdulkadir Seri und Ismail Sert von der Gefängnisgendarmerie sowie Aytekin Küt, Kamil Coşkun und Hüseyin Karakuş vom Gefängnispersonal. Wenn dieses Verbrechen in den Aufgabenbereich der Polizei fällt, warum haben Mehmet Ülger … und Unteroffiziere und Spezialisten der Gendarmerie daran ein so großes Interesse?"

Der Brief schließt mit:

"Ich weiß noch mehr, aber wenn ich sage, was ich weiß, werde ich identifiziert. Ich schicke diesen Brief an die beiden Staatsanwälte, weil ich auch einige Dinge bereue, die ich getan habe. Ich hoffe, dass ich etwas bei der Aufdeckung dieses schlimmen Verbrechens geholfen habe."

Im Februar 2010 brachte der Anwalt der Opfer, Erdal Doğan, ein fünfseitiges Dokument vor, das anonyme Zahlungen durch die Gendarmerie in Malatya identifizierte.[210] Die Lohnabrechnungen waren ursprünglich an die Tageszeitung Hurriyet geschickt worden. Doğan hatte sie sich beschafft und übergab sie an die Staatsanwälte in Malatya. Er erläutert dazu:

"Auf den Abrechnungen finden sich keine echten Namen, es werden nur Decknamen verwendet. Wir wissen daher nicht, welcher Deckname zu wem gehört. Das 2. Militärkommando von Malatya hat Ermittlungen eröffnet, um herauszufinden, von wem diese Informationen kamen, weshalb man davon ausgehen darf, dass die Dokumente echt sind."[211]

Mehmet Ülger wurde nicht mehr vorgeladen, um zu den in dem anonymen Brief gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen Stellung zu nehmen.

h. Der Tiefe Staat in Malatya?

Die 29. Gerichtsverhandlung fand am 15. Oktober 2010 statt. Mit den Aussagen von Orhan Kartal und Erhan Özen nahm der Prozess erneut eine dramatische Wendung.

Orhan Kartal, ein früheres PKK-Mitglied, teilte sich von Oktober bis Dezember 2008 in Adiyaman mit Varol Bülent Aral eine Gefängniszelle. In seiner Stellungnahme im Oktober 2010 sagte er aus, dass Aral ihm gesagt habe, "eine führende Kraft hinter dem Zirve-Verlagshaus-Vorfall zu sein, dass er Verbindung zu gewissen staatlichen Kreisen habe, dass ein Kontaktmann JİTEM-Oberhaupt Veli Küçük sei, und dass er nicht alleine sei."

"[Aral] sagte, dass er ein paar Jugendliche organisiert hatte; dass er den Vorfall im Zirve Verlagshaus psychologisch vorbereitet hatte; [und] dass er später nach Adiyaman gekommen war."[212]

Kartal sagte dem Gericht: "Neben Veli Küçük erwähnte [Aral], wenn ich mich richtig erinnere, auch eine Person namens Muzaffer."[213] Kartal gab an, dass Aral sich absichtlich in Adiyaman verhaften ließ, indem er offen die Kalaschnikow trug, damit er während der Malatya-Morde im Gefängnis sein würde.[214]

Varol Bülent Aral, der auf Geheiß des Richters im Saal anwesend war, begann am Ende von Kartals Aussage herumzuschreien. Er wurde mit Gewalt aus dem Gerichtssaal entfernt.[215] Der Richter ordnete Arals Verhaftung an. Aral war wieder ein Tatverdächtiger.[216]

Erhan Özen, der der Staatsanwaltschaft von Malatya gesagt hatte, dass er von 1997 bis 2005 als informeller Nachrichtenoffizier für den geheimen Nachrichten- und Terrorabwehrdienst der Gendarmerie (JİTEM) tätig war, sollte als nächster aussagen. Özen, bereits Zeuge im Hrant-Dink-Mordprozess, ist derzeit Gefängnisinsasse im Iskilip Gefängnis (in der Çorum-Provinz). Seine Aktivitäten bei JİTEM, hatte er ausgesagt, wurden vom ehemaligen Gendarmeriegeneral Veli Küçük und dem ehemaligen Gendarmeriegeneral Levent Ersöz koordiniert, beide später im Rahmen des Ergenekon-Falls angeklagt.[217] Levent Ersöz war von 2002 bis 2004 Gendarmeriebefehlshaber in der kurdischen Region der Türkei und ehemaliger Leiter des Gendarmerienachrichtendienstes.[218]

Laut Özen, "wurde die Malatya-Operation durchgeführt, um die Gegebenheiten für einen Staatsstreich zu schaffen."[219] Varol Bülent Aral hat seiner Aussage zufolge eine Schlüsselrolle dabei gespielt.

"Ich weiß, dass Varol Bülent Aral mit Veli Küçük in Verbindung stand und Anweisungen [von ihm] erhielt. Ich möchte nicht erklären, woher ich das weiß … Von Veli Küçük, Muzaffer [Tekin], Siran und Yusuf [beides Decknamen] hörte ich den Namen Varol Bülent Aral in Malatya. In diesen Gesprächen hieß es, dass er denen in Malatya behilflich sei." [220]

Während seiner Aussage gegenüber der Staatsanwaltschaft am 13. Oktober 2010, zwei Tage vor der Gerichtsverhandlung, bezeugte Özen auch, dass es Pläne gab, das Ansehen der Regierung zu beschädigen.

"Während meiner inoffiziellen Arbeit für JİTEM, war mir bewusst, dass Muzaffer Tekin und Personen mit den Decknamen Yusuf und Siran Pläne schmiedeten, die Regierung in eine schwierige Lage zu bringen und sie zu schwächen. Die Pläne deuteten darauf hin, dass die Missionsarbeit in Malatya zunahm und dass Operationen stattfinden würden."[221]

Muzaffer Tekin, ein pensionierter Hauptmann und Mitglied der ultranationalistischen Arbeiterpartei, spielte eine führende Rolle bei der Organisation von Protesten gegen Christen und liberale Schriftsteller in Istanbul in den Jahren 2006 und 2007, gemeinsam mit dem ehemaligen Gendarmeriegeneral Veli Küçük und anderen Ultranationalisten. Er wurde mit den Handgranaten in Verbindung gebracht, die 2007 in Istanbul an einem Ort gefunden wurden, der einem seiner engen Gefährten gehörte, einem weiteren pensionierten Militär namens Oktay Yilidirm. Tekin wurde beschuldigt, den Angriff im Jahr 2006 in Auftrag gegeben zu haben, bei dem ein Richter in Ankara getötet wurde (siehe SeiteIII). Tekin wurde im Rahmen der ersten Ergenekon-Anklage 2008 angeklagt.

Özen behauptete, hochrangige Persönlichkeiten der Militärhierarchie zu kennen. "Als ich 1997 in Balikesir-Edremit Infanteriesoldat war, war Hakan Korkmaz mein Kommandant. Wir gingen zusammen aus. Bei einer dieser Gelegenheiten trafen wir Muzaffer Tekin. Bis Ende 2005 habe ich Muzaffer Tekin viele Male getroffen."[222] Während eines dieser Treffen hörte er von konkreten Anschlagsplänen, gab Özen zu Protokoll.

"Ich weiß, dass die Operationen bezüglich Hrant Dink und Malatya seit 2004 immer konkreter wurden. Es gab Diskussionen, dass es in Malatya und der Umgebung Missionsarbeit gäbe. Ich hörte auch, dass Anstrengungen unternommen wurden, die momentane Regierung in Misskredit zu bringen. Ende 2004 traf ich Veli Küçük, Levent Ersöz und Muzaffer Tekin im Istanbuler Sariyer Officers' Club zusammen mit Personen mit den Decknamen Siran und Yusuf. Ich war nicht im Zimmer. Nach dem, was Siran und Yusuf mir erzählten, würde es eine Operation gegen Missionare in Malatya geben, um die Regierung zu diskreditieren. Die Bestrebungen wurden konkretisiert und obwohl für die Operationen noch kein Datum festgelegt wurde, begannen die Vorbereitungen."[223]

Wenige Monate darauf organisierten die Ülkü Ocaklari von Malatya Demonstrationen gegen ortsansässige Christen.

Was die Aktivitäten von JİTEM anging, erklärte Özen:

"Das System arbeitete in Zellverbänden von 3, 4 oder 6 Personen. Die höheren Ränge (ustler) ordneten eine Operation an. Die Planung übernahmen Levent Ersöz, Muzaffer Tekin und Veli Küçük. Bei der Durchführung wurden Leute aus verschiedenen Zellen verwendet. Das entschieden die Kommandanten."[224]

Özen behauptete auch, dass der Rektor von Malatyas Inonu Universität, Fatih Hilmioğlu, diese Aktivitäten und die Überwachung von Missionaren in Malatya durch seine Mitarbeiter unterstützte.

Hilmioğlu wurde bereits im April 2009 verhaftet und in Verbindung mit dem Ergenekon-Prozess angeklagt. Er war enger Weggefährte des ehemaligen Leiters der Gendarmerie der Türkei, Şener Eruygur, der angeklagt ist, in den Jahren 2003-2004 den Sturz der Regierung geplant zu haben. Laut Özen stattete Muzaffer Tekin dem für seine strengen ultranationalistischen Überzeugungen bekannten Rektor oft Besuche ab.[225]

"Ich weiß, dass sich Muzaffer Tekin und der Rektor der Inonu University in Istanbul zu persönlichen Gesprächen trafen. Die Region Malatya unterlag vollständig der Kontrolle der JİTEM. Die für JİTEM-Aktivitäten in Malatya verantwortliche Person war ein Hauptmann. Ich erinnere mich nicht mehr an seinen Decknamen. Ich kam zusammen mit Muzaffer Tekin und Siran und Yusuf (Decknamen) nach Malatya. Es war der Sommer 2005 … In Malatya trafen wir uns mit der Nationalist Action Party Ülkü Ocaklari."[226]

Nach Özens Verhör rief der Anwalt Erdal Doğan das Gericht an, den Malatya-Prozess mit dem andauernden Ergenekon-Prozess in Istanbul zusammenzuführen.[227] Er wiederholte damit eine Forderung, die die Anwälte bereits im April 2010 in einem Brief an das Gericht geäußert hatten.

Eine gespannte Atmosphäre bestimmte die 30. Gerichtsverhandlung am 3. Dezember 2010, zu der die Zusammenführung der Prozesse wieder zur Sprache kam. Der Anwalt von Abuzer Yildirim, Mert Eryilmaz, war strikt dagegen. Er las einen vorgefertigten Text, den er dem Richter zur Aufnahme in die Gerichtsakten vorbrachte,

"Da es bis heute keinen eindeutigen Beweis für die Existenz und die Aktivitäten der Ergenekon-Organisation gibt, wäre die Annahme der Forderungen der Anwälte der Kläger bezüglich der Zusammenführung der Prozesse eine höchst rechtswidrige Entscheidung."

Dann wandte er sich den Familien der Opfer zu: der Mutter des ermordeten Uğur Yüksel, die in der ersten Reihe saß, gleich hinter den fünf Mordverdächtigen, und leise weinte, und der Witwe von Tilmann Geske neben ihr. Obwohl er vom Richter wiederholt dazu aufgerufen wurde, seine Stimme zu senken, hielt Eryilmaz eine Hassrede: Die Christen seien eine "Bedrohung der Unabhängigkeit unseres Landes", "die Tatverdächtigen wurden von provokativen separatistisch-destruktiven und verräterischen Aktivitäten der Evangelisten und anderer Missionare in der gesamten Türkei provoziert." Er schrie, dass "das Zirve-Verlagshaus und die mit ihm in Verbindung stehende Protestant Churches Federation die terroristische PKK offen unterstützen." Das Ziel der Missionare sei es nicht, den christlichen Glauben in der Türkei zu verbreiten, sondern

"die Jugend zu verraten, sie von ihrer islamischen Religion zu distanzieren und sie mit Hassgefühlen gegenüber dem Staat und der Nation zu indoktrinieren … Das grundlegende Ziel des Zirve-Verlagshauses und von anderen Missionsgruppierungen in unserem Land ist es, unser Heimatland zu einer Kolonie der christlichen westlichen Länder zu machen."

Inzwischen schrie er mit zitternder Stimme und ignorierte die Maßregelungen des Richters:

"Die Opfer, die für den Zirve-Verlag in Malatya gearbeitet haben, planten die Vernichtung unserer Religion, unser Land aufzuteilen, und unser Volk zu bestechen. Darüber hinaus gaben sie Terrororganisationen in unserem Land finanzielle Unterstützung."

Nach diesen Ausführungen ordnete der Richter Eryilmaz' Entfernung aus dem Gerichtssaal an. Während der von mehreren Polizisten rausgeschleppt wurde, schrie er, "Das ist ein protestantisches Gericht!"

5. FAZIT – DIE BEDEUTUNG VON MALATYA

Berücksichtigt man die Art des Verbrechens, die Verbindungen der Tatverdächtigen und die sie umgebenden Anschuldigungen, überrascht es wenig, dass es viele widersprüchliche Informationen und Desinformationen gibt und Verwirrung herrscht. Es gibt einen Hauptverdächtigen, der seinen Gefährten angeblich erzählte, er habe engen Kontakt zu einer der berüchtigtsten Persönlichkeiten des organisierten Verbrechens der Türkei. Kann man ihnen trauen, oder ihm? Es gibt einen weiteren Verdächtigen, der zum Zeitpunkt der Malatya-Morde bereits im Gefängnis saß, weil er eine Kalaschnikow durch die Gegend getragen hatte. Ein Zeuge sitzt im Gefängnis wegen früherer Mitgliedschaft in der PKK; ein zweiter wegen bewaffneten Raubüberfalls; ein dritter wegen Mordes; ein vierter wegen Versteckens von Waffen und Sprengstoff. Es gibt drei Briefe, die detaillierte Angaben zum Verbrechen liefern: Einer wurde von einem verurteilten Mörder abgeschickt und zwei stammen aus anonymen Quellen, die behaupten, in der Gendarmerie zu arbeiten. Die Frage, wem man Glauben schenken kann, ist nicht nur für Richter ein Dilemma; es ist auch ein Dilemma für jeden, der diesem Prozess folgt (und anderen, ähnlichen und sogar noch komplizierteren Prozessen, die Anschuldigungen beinhalten, dass der so genannte "Tiefe Staat" oder hochrangige Generäle in die Durchführung oder Planung illegaler Aktivitäten verwickelt sein könnten).

Dies ist jedoch kein neues Dilemma. Als im November 1996 in der Stadt Susurluk ein Mercedes und mit einem Lastwagen zusammenstieß, erfuhr die türkische Öffentlichkeit, dass Abdullah Çatlı, ein verurteilter und damals von der Polizei gesuchter Mafiakiller, zusammen mit einem Parlamentsmitglied und einem früheren stellvertretenden Polizeipräsidenten unterwegs war. Später stellte sich heraus, dass Abdullah Çatlı auch Verbindungen zu Gendarmeriebefehlshabern hatte, ebenso wie zu Ultranationalisten der Grauen Wölfe. Die Polizei ermittelte, dass die letzte Person, mit der Çatlı vor dem Unfall in Susurluk am Telefon gesprochen hatte, eine Person war, deren Name auch im Gerichtssaal in Malatya einige Male genannt wurde: Veli Küçük, der mutmaßliche Gründer des JİTEM. Zwei Berichte (einer vom türkischen Parlament und einer von einem durch den türkischen Ministerpräsidenten ernannten Sonderberichterstatter, Kutlu Savaş), die sich 1997 und 1998 nach dem Susurluk-Vorfall mit den Verbindungen zwischen Staat und Gruppierungen des organisierten Verbrechens befassten, behandelten ebenfalls diese düstere Organisation. Der Savaş-Susurluk-Bericht bemerkte, dass "obwohl vom Generalbefehl der Gendarmerie geleugnet, die Existenz der JİTEM nicht ignoriert werden kann."[228] Und dennoch erklärten der Generalbefehlshaber der Gendarmerie und der Generalstabschef JİTEM zu reiner Fiktion.[229]

Der türkische Menschenrechtsaktivist und Wissenschaftler Murat Belge, der den Medien erzählte, dass er nach dem Militärputsch 1971 von Veli Küçük gefoltert wurde, hielt JİTEM für den Inbegriff des türkischen "Tiefen Staats".[230] Dennoch war es bisher keiner Ermittlung gelungen, Licht ins Dunkel seiner Operationen zu bringen. Kürzlich erzählte ein früherer JİTEM-Agent namensAbdulkadir Aygantürkischen Zeitungen, dass "Veli Küçük einer der Gründer des JİTEM war." Aygan veröffentlichte 2004 ein Buch, das Dokumente enthielt, die die Existenz des JİTEM beweisen, und Informationen, die Ermittler auf die Körper von vermissten und von der Organisation umgebrachten Personen stießen ließen. Aygan erläuterte außerdem, wie gefährlich es war, als Unterstützer oder Sympathisant der PKK identifiziert zu werden und was passieren konnte:

"Personen, die mit der PKK in Verbindung standen oder sie ausrüsteten, wurden beim JİTEM denunziert. JİTEM hat dann seinen Job gemacht. Das bedeutete, eine Person außergerichtlich festzunehmen, sie zum JİTEM zu bringen, sie zu verhören und dann zu töten."[231]

Als PKK-Sympathisant identifiziert zu werden, konnte das Todesurteil bedeuten. Man beachte, dass es die bloße Behauptung war (wie tendenziös auch immer), dass Missionare Separatisten in der Türkei mehr als ihre eigenen Aktivitäten unterstützten, die der ultranationalistischen Kampagne gegen sie in den letzten Jahren zu Grunde lag.

Eine der wichtigsten und vielversprechendsten Veränderungen in der Türkei seit der Malatya-Prozess Ende 2007 begonnen hat, ist der Rückgang an offen christenfeindlichen Medienberichten. Es gab auch einen deutlichen Rückgang der Gewalt gegenüber Christen in der Türkei. Das lässt sich messen: In den vergangenen Jahren hat die Association of Protestant Churches der Türkei Jahresberichte über Menschenrechtsverletzungen gegenüber Protestanten herausgebracht. Laut dem jüngsten Bericht "stehen viele Kirchenleiter und der Rechtsbeistand der protestantischen Gemeinde weiterhin unter Polizeischutz, weil sie an Leib und Leben bedroht werden."[232] Es gibt jedoch einen ermutigenden Trend. Der Bericht von 2007 führt 19 körperliche Übergriffe auf, einschließlich der Malatya-Morde.[233] 2008 sank die Anzahl der Vorfälle auf 14, ohne dass jemand zu Tode kam.[234] 2009 führt der Bericht lediglich zwei Angriffe auf.[235] Für Orhan Kemal Cengiz gab es für den Rückgang der Angriffe zwei Erklärungen:

"Auf der einen Seite fand nach den Morden 2007 Selbstkontrolle in den nationalen Medien statt, nicht mehr auf Christen abzuzielen. Auf der anderen Seite hatten die Ergenekon-Verhaftungen einen Effekt. Der Bunker, in dem die Angriffe auf Christen vorbereitet wurden, ist schwer getroffen worden."[236]

Es bleibt anzuwarten, ob dieser Trend bestehen bleibt. 2010 schockierte ein weiteres Verbrechen die Türkei, als der katholische Bischof Luigi Padovese erstochen wurde; der Prozess zu diesem Mord soll später in diesem Jahr beginnen.[237]

Wird der Fortgang des Malatya-Prozesses die Hintergründe der ultranationalistischen Gewalt in der Türkei erhellen? Am 15. April 2010 schrieben die Anwälte der Opferfamilien einen Brief an den Vorsitz des Gerichts in Malatya,[238] in dem sie verlangten, dass die zahlreichen Verbindungen zwischen den Verdächtigen im Malatya-Fall und jenen in den Ergenekon-Prozessen sorgfältiger untersucht werden.[239] Eine Entscheidung, ob der Malatya-Prozess mit anderen derzeitigen Prozessen mit angeblichen Verbrechen durch den "Tiefen Staat" verknüpft wird, steht trotz wiederholter Anfragen der Anwälte noch aus.

Jeder, der in diesem Bericht genannt wird und derzeit in Malatya oder Istanbul vor Gericht steht, muss als unschuldig gelten, bis er von einem Gericht verurteilt wurde. Eines ist jedoch klar: Verbrechen dieser Art sind in der turbulenten jüngeren Geschichte der Türkei beileibe keine Ausnahme. Wie Orhan Kemal Cengiz in einem Gastkommentar kürzlich bemerkte:

"Die Türkei hat eine lange Geschichte von Morden, Massenprovokationen und Militärputschen. Hunderte Intellektueller wurden ermordet … allein in den letzten 50 Jahren gab es ein Dutzend Versuche, einen Militärputsch durchzuführen, wovon einige damit endeten, "erfolgreich" in das demokratische System einzugreifen. So gesehen ist die Geschichte der Türkei eine Geschichte über ungelöste Morde, und eine Geschichte über die völlige Straflosigkeit illegaler Strukturen innerhalb des Staatsapparates. Was die politischen Morde, Attentate und Massenprovokationen angeht, in die Elemente des "Tiefen Staates" involviert sind, wurde entweder bisher keiner gefasst oder die "Verdächtigen" wurden schlicht nach einem sehr kurzen Gefängnisaufenthalt wieder entlassen."[240]

Erst wenn diese Tradition der politischen Gewalt und Straflosigkeit ein Ende hat, kann man von der Türkei sagen, dass sie sich sicher und unumkehrbar auf einem demokratischen Weg befindet. Es bleibt abzuwarten, ob die türkischen Gerichte in der Lage sein werden, den Verbrechen gegen religiöse Minderheiten auf den Grund zu gehen; und ob die ultranationalistische Subkultur des Hasses endlich unter Kontrolle gebracht wird.

ANHANG – VERHANDLUNGEN IM MALATYA-PROZESS

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts sind insgesamt 27 Zeugen in 30 Gerichtsverhandlungen gehört worden. Die ersten Zeugen wurden während der 9. Gerichtsverhandlung am 4. Juli 2008 gehört.

1

22. Nov 2007

 

2

14. Jan 2008

Die Verdächtigen Kürşat Kocadağ, Hamit Çeker und Mehmet Gökçe werden gehört.

3

25. Feb 2008

 

4

17. Mär 2008

 

5

14. Apr 2008

Die Verdächtigen Cuma Özdemir, Abuzer Yildirim und Salih Gürler werden gehört.

6

-

 

7

12. Mai 2008

Die Verdächtigen Salih Gürler und Emre Günaydın werden gehört.

8

9. Jun 2008

Die Verdächtigen werden erneut vernommen.

   

Die Zeugenvernehmung beginnt

9

4. Jul 2008

OZAN DAGHAN COBANOGLU

Zum Tatzeitpunkt lebte er in der Provinz Kocaeli nahe Istanbul. Über eine christliche Website wurde er von Emre Günaydın kontaktiert und verwies ihn an Necati.

EMIN MIGI

Migi war der Buchhalter der von Tilmann Geske in Adana aufgebauten Firma (Silk Road). Am Tag des Vorfalls kam er nach Malatya, da Tilmann einige Dokumente unterzeichnen sollte. Am Morgen der Morde sah er Abuzer Yildirim im Zirve-Büro.

METIN DOGAN

Insasse im Gefängnis in Elbistan. Er behauptet, Emre vom Sportzentrum seines Vaters und von den Ülkü Ocaklari zu kennen, wo sie als Jugendliche beide aktiv waren. Laut der Aussage Doğans war er ursprünglich ausgewählt, die Morde zu begehen. Emre bestreitet, Doğan zu kennen.

OZGE TALAS

Ihr Ehemann teilte sich das Büro mit Zirve. Am Tag der Morde kam sie mit ihrem Mann gegen Mittag ins Büro.

GOKHAN TALAS

Talas, ein Grafikdesigner, teilte sich das Büro mit Zirve. Am Tag der Morde kam er ins Büro. Als er die Türe nicht öffnen konnte, rief er die Polizei.

RUHI POLAT

Ein Bahnarbeiter. Er kennt Emre aus dem Sportzentrum seines Vaters. Polat ist Mitglied im Provinzverband der nationalistischen MHP.

10

21. Aug 2008

HUSEYIN YELKI

Ein türkischer christlicher Konvertit, er arbeitete früher für den Kayra Verlag.

11

12. Sep 2008

ABDULLAH MAHMUT KUDAS

Kudas kennt Cuma Özdemir, Salih Gürler, Hamit Çeker und Emre Günaydın aus dem Wohnheim, in dem sie lebten.

TURNA ISIKLI

Sie kennt Emre Günaydın aus der Schule.

MEHMET ULUDAG

Er kennt Emre, Cuma, Hamit und Salih aus der Nachmittagsschule (dershane).

12

16. Okt 2008

VAROL BULENT ARAL

Aral kennt Emre von der Arbeit für die Lokalzeitung Birlik.

YILDIZ OZDEMIR kennt Emre, Abuzer und Salih aus der Nachmittagsschule.

EBUBEKIR OKTEM kennt Salih, Emre, Abuzer, Hamit und Kursat aus der Nachmittagsschule.

13

21. Nov 2008

 

14

16. Jan 2009

 

15

20. Feb 2009

 

16

13. Apr 2009

ONUR DULKADIR kennt Emre Günaydın, Abuzer Yildirim aus der Nachmittagsschule.

MUSTAFA GUNAYDIN

Vater von Emre Günaydın.

ZEKI DAG kennt Emre Günaydın von der Zeitung.

HAMIT OZPOLAT betreibt das Tempo Radio und die Zeitung Frekans in Adiyaman und kennt Bülent Aral Varol.

SALIH DEMIR kennt Emre von der Zeitung Birlik.

RUHI ABAT

Abat ist Wissenschaftler an Malatyas Inonu Universität. Es ist ausgebildeter Theologe. Zum Zeitpunkt der Morde arbeitete er im Strategischen Forschungszentrum für Missionsarbeit in Malatya.

MEHMET ULGER

Ülger war von Januar 2006 bis Juli 2008 städtischer Gendarmeriebefehlshaber in Malatya. In einem anonymen Brief wurde behauptet, dass er die Zirve-Morde initiierte.

17

21. Mai 2009

ERKAN YILMAZ kennt Emre Günaydın aus der Nachmittagsschule..

   

MEHMET COLAK

Colak arbeitete von 2003 bis 2007 in der Geheimdienstabteilung der Gendarmerie in Malatya. Seit 2007 ist er in Diyarbakır stationiert.

18

19. Jun 2009

 

19

17. Jul 2009

 

20

21. Aug 2009

BURCU POLAT

Burcu Polat kennt Emre Günaydın aus dem Sportzentrum, in das sie mit ihrem Vater Ruhi Polat ging.

21

16. Okt 2009

MURAT GOKTURK

Er arbeitete von 2004 bis Juni 2008 in der Gendarmerie in Malatya. Er wurde später nach Igdir delegiert. Er kennt Huseyin Yelki, von dem er eine Bibel auf Arabisch erhielt.

22

13. Nov 2009

 

23

25. Dez 2009

 

24

19. Feb 2010

 

25

15. April 2010

BURAK DOGAN kennt Varol Bülent Aral, den er im August 2006 kennen lernte. Aral sagte ihm, dass etwas gegen die Missionsarbeit unternommen werden musste und dass diejenigen, die etwas unternähmen, reich werden würden.

26

14. Mai 2010

 

27

25. Jun 2010

 

28

20. Aug 2010

 

29

15. Okt 2010

ORHAN KARTAL teilte sich mit Aral 2008 eine Gefängniszelle. Kartal behauptete, dass Aral ihm gesagt habe, Aral wäre in die Planung der Zirve-Morde verwickelt.

ERHAN OZEN

Özen behauptet, von 1997 bis 2005 für JİTEM gearbeitet zu haben. Er sagte aus, dass die Morde an Hrant Dink und an den Missionaren in Malatya von JİTEM geplant wurden.

30

3. Dez 2010

Es wurden keine Zeugen gehört.

31

20. Jan 2011

Der Prozess in Malatya geht weiter …

 


[1] Für Hintergrundinformationen zu Ergenekon, einem mutmaßlichen Terrornetzwerk, das plant, die Türkei zu destabilisieren und die türkische Regierung zu unterminieren, um Voraussetzungen für eine Militärintervention zu schaffen, siehe: ESI-Information Turkey's Dark Side (2008) - Ergenekon arrests 2008

[2] Zu den Machtkämpfen in der Türkei 2007-2008 siehe auch: ESI Briefing: Turkey's dark side. Party closures, conspiracies und the future of democracy, April 2008.

[4] 2006 stand Veli Küçük zusammen mit anderen aggressiven Ultranationalisten vor einem Gerichtssaal, in dem gegen Hrant Dink wegen der Verunglimpfung des Türkentums verhandelt wurde, und hielt ein Transparent hoch, das Dink beschuldigte, "der Sohn eines Missionars" zu sein. Siehe: Fethiye Çetin und Deniz Tuna, Third Year Report on Hrant Dink's Murder, S. 4. Um die Hintergründe des Mordfalls Hrant Dink zu verstehen, ist dieser jüngste Bericht besonders interessant: Fourth Year Report on Hrant Dink's Murder. Siehe auch die Zusammenfassung der Verhandlung durch das frühere Europaparlamentsmitglied Joost Lagendijk von 2009: Hrant Dink – A Victim of Intolerance und the Quest for Justice, Juli 2009. Mehr zu Hrant Dink finden Sie hier: http://www.esiweb.org/index.php?lang=en&id=311&film_ID=10&slide_ID=24.

[5] Fethiye Çetin und Deniz Tuna, Third Year Report on Hrant Dink's Murder, S. 8. 

[6] Mehr über die türkische Gendarmerie und den Fall Hrant Dink finden Sie in diesem ausgezeichneten Kapitel in einer neuen Veröffentlichung einer der führenden Denkfabriken der Türkei, Tesev: Almanac S. 180.

[8] Protokoll der 30. Gerichtsverhandlung, 3. Dezember 2010; Aussage des Anwalts Mert Eryilmaz.

[9] Compass Direct "Turkey: Convert Christian Beaten Unconscious" [Türkei: Christlicher Konvertit bewusstlos geschlagen], 20. Januar 2006, http://archive.compassdirect.org/en/display.php?page=news&lang=en&length=long&idelement=4175&backpage=archives&critere=Kamil%20Kıroğlu&countryname=&rowcur=0.

[10] Compass Direct, "Turkey: Catholic Priest Gunned Down" [Türkei: Katholischer Pfarrer erschossen], 7. Februar 2006, http://archive.compassdirect.org/en/display.php?page=news&lang=en&length=long&idelement=4207&backpage=archives&critere=Santoro&countryname=&rowcur=0.

[11] Annette Grossbongardt, "Fear Prevails after Priest's Murder" [Angst herrscht nach Mord an Priester], Spiegel Online, 4. Dezember 2006, http://www.spiegel.de/international/spiegel/0,1518,411043,00.html.

[12] Compass Direct, "Turkey: Intruder Threatens Catholic Priest und Youth" [Türkei: Eindringling bedroht katholischen Priester und Jugendliche], 16. März 2006, http://archive.compassdirect.org/en/display.php?page=news&lang=en&length=long&idelement=4267&backpage=archives&critere=Leylek&countryname=&rowcur=0.

[13] Compass Direct, "Turkey: Catholic Priest Knifed in North" [Türkei: Katholischer Priester im Norden erstochen], 5. Juli 2006, http://archive.compassdirect.org/en/display.php?page=news&lang=en&length=long&idelement=4450&backpage=archives&critere=Santoro&countryname=&rowcur=0.

[14] "Turkey: International Religious Freedom Report 2007", Website des US State Department, Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, http://www.state.gov/g/drl/rls/irf/2007/90204.htm.

[15] Annette Grossbongardt, "Fear Prevails after Priest's Murder" [Angst herrscht nach Mord an Priester], Spiegel Online, 4. Dezember 2006, http://www.spiegel.de/international/spiegel/0,1518,411043,00.html. Padovese selbst wurde am 3. Juni 2010 von seinem Fahrer getötet. Siehe Die Welt, "Der erschütternde Tod des Bischofs Luigi Padovese", 4. Juni 2010, http://www.welt.de/politik/ausland/article7909574/Der-erschuetternde-Tod-des-Bischofs-Luigi-Padovese.html.

[16] Nurcan Kaya, "Turkey's Christians und other religious minorities face discrimination und rights violations" [Christen und anderen religiöse Minderheiten in der Türkei sind Diskriminierung und Rechtsverletzungen ausgesetzt], Minority Rights Group International, 28. November 2006, http://www.minorityrights.org/676/press-releases/turkeys-christian-and-other-religious-minorities-face-discrimination-and-rights-violations.html.

[17] Annette Grossbongardt, "Trouble in Turkey, Fear Prevails after Priest's Murder", Der Spiegel, 4. Dezember 2006, http://www.spiegel.de/international/spiegel/0,1518,411043,00.html.

[18] Milliyet, "Dindar ve ulkucu bir kisi” [Eine religiöse und faschistische Person], 18. Mai 2006, http://www.milliyet.com.tr/2006/05/18/guncel/gun01a.html. In der Türkei ist es weiblichen Beamten nicht erlaubt, während der Arbeit das Kopftuch zu tragen. Die entsprechende Lehrerin nahm ihr Kopftuch ab, bevor sie die Schule betrat, trug es aber außerhalb der Schule.

[19] Hurriyet, "Allah'in askeriyim” dedi vurdu [Er sagte, ich sei Gottes Krieger und schoss], 18. Mai 2006, http://hurarsiv.hurriyet.com.tr/goster/haber.aspx?id=4432607&tarih=2006-05-18.

[20] Der Name des Richters war Mustafa Yücel Özbilgin.

[21] The Sunday Times, "Judge shot dead after blocking promotion of teacher who wore Muslim headscarf" [Richter erschossen nach Verweigerung der Beförderung einer Lehrerin, die das muslimische Kopftuch trug], 18. Mai 2006, http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/europe/article720515.ece.

[22] Hurriyet, "Ata'ya sikayet” [Beschwerde an Atatürk], 19. Mai 2006, http://hurarsiv.hurriyet.com.tr/goster/haber.aspx?id=4438801&tarih=2006-05-19 und BBC, "Turks protest over judge shooting" [Türken protestieren nach Erschießung eines Richters], 18. Mai 2006, http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/4993444.stm.

[23] Titelseite ganz abgedruckt in Mehmet Altan, Puslu Demokrasi, Etkilesim Yayinlari, 2009, S. 16.

[24] Dilek Zaptcioglu, "Goldenes Kreuz unter der Bluse", Spiegel Online, 17. September 2006, http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,437512,00.html.

[25] ESI-Briefing: "Turkey's Dark Side. Party Closures, conspiracies und the future of democracy", 2. April 2008, http://www.esiweb.org/index.php?lang=en&id=156&document_ID=104. Siehe auch: Sarah Rainsford, "Turkey's nationalist hotbed" [Die nationalistische Brutstätte der Türkei], BBC, 1. March 2007, http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/6403813.stm. Zu Nationalismus in der Schwarzen-Meer-Region siehe: Radikal, "Papazini vuran kent: Trabzon" [Eine Stadt erschießt ihren Priester: Trabzon], 19. Februar 2006, http://www.radikal.com.tr/ek_haber.php?ek=r2&haberno=5559.

[26] Eine Liste mit Übergriffen im Jahr 2007 bietet der Bericht der Association of Protestant Churches, http://www.protestankiliseler.org/index.php?option=com_content&view=article&id=1137&Itemid=459.

[27] Aus der Anklageschrift Nr. 2007/75, Malatya-Zirve-Prozess, S. 5.

[28] Viele irreführende Berichte bestärkten den Eindruck eines islamistischen Hintergrunds. In einem Bericht hieß es, dass "insbesondere das Abtrennen der Fingerkuppen Beobachter von der bewusst religiösen Motivation der Attentäter überzeugte. Die Täter schienen dabei den Anweisungen der Sure 8:12 aus dem Koran gefolgt zu sein. Dort heißt es 'In die Herzen der Ungläubigen werde Ich Schrecken werfen. Haut ihnen (mit dem Schwert) auf den Nacken und schlagt zu auf jeden Finger' … in der  Azhar und Ahmadeyya-Übersetzung heißt es 'schlagt ihnen die Fingerspitzen ab'." Tatsächlich aber waren laut Autopsiebericht niemandem die Finger abgeschnitten worden. Culture Watch, "Christian Martyrs und the Power of Forgiveness", 1. Mai 2007, http://www.billmuehlenberg.com/2007/05/01/christian-martyrs-and-the-power-of-forgiveness/, und in http://jmm.aaa.net.au/articles/19604.htm.

[29] Gareth Jenkins, "Between Fact and Fantasy", 2009, S. 27.

[30] Dokumentarfilm "Malatya", 2009. Website: http://malatyafilm.com.

[31] Protokoll der 5. Verhandlung, 14. April 2008, S. 5.

[32] Sabah, "Olume gidiyoruz' diye not biraktilar" [Sie hinterließen eine Nachricht, dass sie sterben würden], 19. April 2007, http://arsiv.sabah.com.tr/2007/04/19/haber,72F5B52E38DD439C890A042CA1526599.html.

[33] Bis vor kurzem wurde die Akte zur nationalen Sicherheitspolitik im Büro des Generalstabschefs angefertigt. Siehe: Ahmet Insel und Ali Baramoglu (Herausgeber), Almanac Turkey 2006 – 2008, Security Sector und Democratic Oversight, Tesev Publications, August 2010, S. 97. Gerassimos Karabelias, "Dictating the Upper Tide: Civil-Military Relations in the Post-Ozal Decades 1993-2003", Turkish Studies, Volume 9, Issue 3, September 2008, S. 460.

[34] CNN Turk, "Milli Güvenlik Siyaset Belgesi kabul edildi" (Die NSDP wurde angenommen), 22. November 2010, http://www.cnnturk.com/2010/turkiye/11/22/milli.guvenlik.siyaset.belgesi.kabul.edildi/597105.0/index.html. Zur Debatte über Armenier in der Türkei und die Rolle des Nationalen Sicherheitsrats in der jüngeren Vergangenheit siehe auch: http://www.esiweb.org/index.php?lang=en&id=156&document_ID=108.

[36] Ergün Poyraz, Misyonerler arasinda alti ay: dunden bugune Hiristiyanlik ve Yahudilerin analizi [Sechs Monate unter den Missionaren], Toplumsal Donusum Yayinlari, Istanbul 2004, S. 11.

[37] Ebd., S. 32 und 37.

[38] Weitere seiner Bücher u. a.: Amerika'daki Imam (Der Imam in Amerika, November 2009) über Fetullah Gülen, Tarikat, Siyaset, Ticaret und Cinayet Masonlarla El Ele (August 2009), Musa'nin Mucahiti (Juli 2007), Kanla Abdest Alanlar (March 2007), Patlak Ampul (March 2007), Musa'nin Gulu (2007), From the Kaliphate's Army to the Arab Kurdish Party (Hilafet Ordusundan Arap Kurt Partisine, 2005).

[39] Refah (Wohlfahrt) wurde 1996 unter Ministerpräsident Necmettin Erbakan die größte Partei. Die Koalitionsregierung wurde jedoch 1997 unter dem Vorwurf, eine islamistische Agenda zu verfolgen, vom Militär aus der Verantwortung gedrängt.

[40] Mustafa Akyol, "The Latest Jewish Conspiracy: 'Moderate Islam' & AKP", The White Path, 5. Mai 2007, http://thewhitepath.com/unveiling-turkey/the_latest_jewish_conspiracy_moderate_islam_akp/.

[41] Poyraz' jüngstes Buch vom August 2010 ist im November 2010 in den Buchläden der Türkei allgegenwärtig: Takunyali Fuhrer (Reaktionärer Führer), dessen Buchumschlag Erdogan als Adolf Hitler zeigt.

[42] Ergün Poyraz, Misyonerler arasinda alti ay: dunden bugune Hiristiyanlik ve Yahudilerin analizi [Sechs Monate unter den Missionaren], Toplumsal Donusum Yayinlari, Istanbul 2004, S. 31.

[43] Ebd., S. 38.

[44] Ebd., S. 204.

[45] Der Vertrag von Sèvres wurde von der besiegten osmanischen Regierung nach dem Ersten Weltkrieg 1920 unterzeichnet und hatte die Unterteilung Anatoliens in verschiedene Gebiete zur Folge, die von verschiedenen Verbündeten kontrolliert wurden – Griechenland, England, Frankreich und Italien –, sowie ein unabhängiges großes Armenien und eine autonome kurdische Region.

[46] Ergün Poyraz, Misyonerler arasinda alti ay: dunden bugune Hiristiyanlik ve Yahudilerin analizi [Sechs Monate unter den Missionaren], Toplumsal Donusum Yayinlari, Istanbul 2004, S. 448.

[47] Mehmet Çetingulec, "Misyoner alarmi" [Missionarsalarm], Sabah, 7. Dezember 2001, http://arsiv.sabah.com.tr/2001/12/07/p06.html.

[48] Ebd.

[49] Zitiert in Gamze Avci, "Turkey's Slow EU Candidacy: Insurmountable Hurdles to Membership or Simple Euro-skepticism?" Turkish Studies, S. 164.

[50] Toplumsal Donusum Yayinlari (social transformation publishing). Ihr Eigentümer Durmuş Ali Özoğlu wurde im März 2009 im Rahmen der Ergenekon-Ermittlungen angeklagt und beschuldigt, für die Ergenekon-Organisation Propaganda zu betreiben (Zweite Ergenekon-Anklageschrift S. 1.569 ff). Özoğlu war außerdem Sprecher der ultranationalistischen Vereinigung der Nationalen Kräfte (Kuvvai Milliye Dernegi, kurz KMD). Wer der KMD, die in der gesamten Türkei Gruppierungen hatte, beitreten wollte, musste einen Eid ablegen: "Wir sind bereit zu sterben, getötet zu werden und für unsere Sache zu töten." Die meisten ihrer Anführer, pensionierte Militärs, wurden verhaftet und im Rahmen der Ergenekon-Ermittlung 2008 angeklagt.

[51] Ankara Chamber of Commerce (Ankara Ticaret Odasi), "ATO'dan ‘Misyonerlik' Raporu" [Bericht über Missionare von der Handelskammer Ankara], 5. Juni 2004, http://www.atonet.org.tr/yeni/index.php?p=189&l=1.

[52] Ebd.

[53] Ebd. Der Bericht legt auch dar, die christliche Gemeinschaft  kontrolliere "über 300 Kirchen, viele Buchhandlungen, eine Bibliothek, 6 Zeitschriften, Dutzende von Stiftungen, Verlagshäuser, 5 Radiostationen, viele Mönchsklöster, 2 Kaffeehäuser, eine Agentur, 7 Firmen, ein Hotel, ein Übersetzungsbüro, 7 Zeitungen, 1 historisches Gebäude, 4 Ruinen, eine Festung und Dutzende Vereinigungen."

[54] Ilker Cinar auf Flash TV im Februar 2005; zitiert in Kai Strittmatter, "Falscher Christ wollte die Türkei retten", Tagesanzeiger, 16. Juni 2008, http://sc.tagesanzeiger.ch/dyn/news/ausland/890253.html.

[55] I. Ergenekon-Anklageschrift, S. 683, 684.

[56] I. Ergenekon-Anklageschrift, S. 667.

[57] Wie dem Sprecher der türkisch-orthodoxen Kirche, Sevgi Erenerol, dem ultranationalistischen Anwalt Kemal Kerinçsiz und dem pensionierten General Veli Küçük, einer der mutmaßlichen Gründer von JİTEM.

[58] II. Ergenekon-Anklageschrift, S. 1.063.

[59] II. Ergenekon-Anklageschrift, S. 1.063.

[60] III. Ergenekon-Anklageschrift, S. 626.

[61] Siehe auch Ilker Cinar, "Ben bir misyonerdim, sifre cozuldu", Ozan Yayincilik, 2005.

[62] Malatya Aktuel, "Malatya'nin Nufusu Azalmis" [Malatyas Bevölkerung schwindet], 21. Januar 2008, http://www.malatyaaktuel.com/inx/haber-3897-Malatya_nin_Nufusu_Azalmis.html.

[63] Wie Hosrof Köletavitoğlu von der Vereinigung der Armenier Malatyas im Oktober Agos gegenüber sagte, war die Region einst bekannt als "Kleinarmenien".

[64] Sahag Guryan, "Malatyali Ermeniler Dernegi kuruldu" [Vereinigung der Armenier Malatyas gegründet], AGOS, 29. Oktober 2010, S. 18.

[65] Jonathan Carswell und Joanna Wright, Susanne Geske: Ich will keine Rache, das Drama von Malatya, Brunnen Verlag, 2008, S. 40.

[66] Ebd., S. 60.

[68] Sein Name war Martin de Lange. Jonathan Carswell und Joanna Wright, Susanne Geske: Ich will keine Rache, das Drama von Malatya, Brunnen Verlag, 2008, S. 74.

[69] Wolfgang Hade, "Mein Schwager – ein Martyrer; eine Geschichte des türkischen Christen Necati Aydin, Neufeld Verlag, 2009, S. 92.

[70] Ebd., S. 35. Hade lebt in İzmit nahe Istanbul.

[71] Ebd., S. 54.

[72] Ebd., S. 81. Siehe auch: bianet, "Subat 2005te Hedef Gosterildiler" [im Februar 2005 wurden sie als Ziel dargestellt], 19. April 2007, http://www.bianet.org/bianet/insan-haklari/94780-subat-2005te-hedef-gosterildiler.

[73] Milliyet, "Provokator dun Malatya'daydi" [Der Provokateur war gestern in Malatya], 19. April 2007, http://www.milliyet.com.tr/2007/04/19/guncel/agun.html.

[74] Ebd.

[75] Hurriyet, "Malatya Katliami azmettiricisini ariyor" [Der Anstifter des Malatya-Verbrechens wird gesucht], 8. Juni 2008, http://www.hurriyet.com.tr/pazar/9125156.asp.

[76] Der Leiter des Kayra-Büros in Malatya, Martin De Lange konnte 2005 seine Arbeitserlaubnis nicht verlängern und kehrte zurück nach Südafrika. Als er im April 2007 für das Begräbnis der drei Missionare nach Malatya zurückkehren wollte, stand sein Name auf der schwarzen Liste. "South Africa: Barred Pastor: Church Complains", Aksie 1:8, 24. April 2007, http://www.aksie18.co.za/pdf/turkye_moorde.pdf.

[77] Wolfgang Hade, Mein Schwager – ein Martyrer; eine Geschichte des türkischen Christen Necati Aydin, Neufeld Verlag, 2009, S. 64-65.

[78] Ebd., S. 86.

[79] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 5.

[80] Emre Günaydıns Vater Mustafa im Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 3.

[81] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 4.

[82] Es ist die Stadt Doğansehir. Da Emres  Familie ebenfalls aus Doğansehir kommt, kannte Salih Emre seit mehreren Jahren. Protokoll der 5. Gerichtsverhandlung, 14. April 2008, S. 15.

[83] Protokoll der 2. Gerichtsverhandlung, 14. Januar 2008, S. 9.

[84] Malatya Birlik Newspaper.

[85] Malatya-Anklageschrift, S. 6.

[86] Malatya-Anklageschrift, S. 7.

[87] Malatya-Anklageschrift, S. 8.

[88] Salih Gürler im Protokoll der 5. Gerichtsverhandlung, 14. April 2008, S. 15.

[89] Malatya-Anklageschrift, S. 8.

[90] Abuzer Yildirim sagte der Staatsanwaltschaft außerdem: "Im März sagte mir Emre, er habe die Informationen von jemandem, der auch ins Sportzentrum ging und der für den Staat einen Bericht über Aleviten, Missionare und das Christentum schrieb. Er erwähnte den Namen Ruhi. Also machte ich den Witz, es müsse sich um Crazy Ruhi aus der Hayat TV Fernsehserie handeln, da sagte Emre, 'Nein, sein Name ist Ruhi Polat.'" Ruhi Polat war für die MHP Gemeinderatsmitglied in Malatya. Später stelle sich heraus, dass er und Emre in den Monaten vor den Morden auch am Telefon miteinander gesprochen hatten (Protokoll der 9. Gerichtsverhandlung, S. 14).

[91] Malatya-Anklageschrift, S. 26-27.

[92] Malatya-Anklageschrift, S. 16.

[93] Malatya-Anklageschrift, S. 9.

[94] In den Gerichtsprotokollen wird der vorsitzende Richter als "baskan” (Präsident, Leiter) und die anderen beiden Richter als "uye” (Mitglieder) geführt.

[95] Malatya-Anklageschrift, S. 36.

[96] Malatya-Anklageschrift, S. 41.

[97] Malatya-Anklageschrift, S. 2.

[98] Malatya-Anklageschrift, S. 2-5.

[99] Malatya-Anklageschrift, S. 43-44.

[100] Malatya-Anklageschrift, S. 32.

[101] Malatya-Anklageschrift, S. 14.

[102] Malatya-Anklageschrift, S. 44.

[103] Die Anwälte waren Ibrahim Kali, Oya Aydin, Murat Dinçer, Ali Koç, Ergin Cinmen, Orhan Kemal Cengiz, Nalan Erken, Abdulkaidr Güleç, Sezgin Tanrıkulu, Tahir Elçi, Ozkan Doğan, Fethiye Çetin, Ismail Cem Halavurdu, Hafize Çobanoğlu, Erdal Doğan, Serhat Eren, Ayşe Batumlu. Laut Artikel 236 und 237 türkisches Strafgesetzbuch darf jede bei einem Verbrechen geschädigte Person in der Verhandlung als Nebenkläger für zivilrechtliche Ansprüche wie Schadensersatz auftreten. Siehe:

 http://www.justice.gov.tr/basiclaws/Criminal_Code.pdf.

[105] Webseite der Association of Protestant Churches (Türkei) http://www.protestankiliseler.org/.

[106] Orhan Kemal Cengiz, "Rights Violations Experienced by Protestants in Turkey Evaluated in Light of Human Rights Law" [Rechtsverletzungen gegenüber Protestanten in der Türkei bewertet aus Sicht der Menschenrechtsgesetze], veröffentlicht von der Association of Protestant Churches (Türkei), 2002.

[107] Siehe Orhan Kemal Cengiz, Turkey and the World Around It, Liberte Publishing, Juli 2008, S. v-vi.

[108] Webseite der Human Rights Agenda Association http://www.rightsagenda.org/index.html.

[109] Für eine Sammlung seiner Artikel siehe Orhan Kemal Cengiz: "Turkey and the world around it – from a democracy and human rights perspective", 2008. Cengiz schreibt regelmäßig eine Kolumne für die englischsprachige Tageszeitung Today's Zaman. www.todayszaman.com Alle seine Artikel sind auf seiner Facebook-Seite zu finden.

[111] Orhan Kemal Cengiz, "Culture of Fear, Hate and Denial – Santoro, Dink, Malatya", Human Rights Agenda Association, 11. Mai 2007, http://www.rightsagenda.org/index.php?option=com_content&view=article&id=280:aliasculture-of-fear-hate-and-denial-santoro-dink-malatya&catid=79:aliasdiscrimination&Itemid=118.

[112] Orhan Kemal Cengiz, "What is going on in the Malatya Massacre Case?", Human Rights Agenda Association, 22. November 2007; http://www.rightsagenda.org/index.php?option=com_content&view=article&id=283:aliaswhat-is-going-on-in-the-malatya-massacre-case&catid=79:aliasdiscrimination&Itemid=118.

[113] ESI-Interview mit Erdal Doğan am 6. August 2010.

[114] Compass Direct, "Court Seeks Help to Link Murders in Turkey to 'Deep State'", 17. November 2009, http://www.compassdirect.org/english/country/turkey/11771/.

[115] Protokoll der 7. Gerichtsverhandlung, 12. Mai 2008, S. 9.

[116] Malatya-Anklageschrift, S. 9.

[117] Protokoll der 5. Gerichtsverhandlung, 14. April 2008, S. 11.

[118] Protokoll der 5. Gerichtsverhandlung, 14. April 2008, S. 16-17.

[119] Protokoll der 5. Gerichtsverhandlung, 14. April 2008, S. 16.

[120] Protokoll der 5. Gerichtsverhandlung, 14. April 2008, S. 3.

[121] Protokoll der 5. Gerichtsverhandlung, 14. April 2008, S. 5.

[122] Malatya-Anklageschrift, S. 11-12.

[123] Protokoll der 5. Gerichtsverhandlung, 14. April 2008, S. 2.

[124] Protokoll der 2. Gerichtsverhandlung, 14. Januar 2008, S. 12.

[125] Protokoll der 5. Gerichtsverhandlung, 14. April 2008, S. 13.

[126] Protokoll der 5. Gerichtsverhandlung, 14. April 2008, S. 15.

[127] Protokoll der 5. Gerichtsverhandlung, 14. April 2008, S. 3.

[128] Protokoll der 2. Gerichtsverhandlung, 14. Januar 2008, S. 12.

[129] Bianet, "Malatya Murders: More People Involved?" [Malatya-Morde: Mehr Personen involviert?], 16. Januar 2008, http://www.bianet.org/english/english/104194-malatya-murders-more-people-involved.

[130] Protokoll der 5. Gerichtsverhandlung, 14. April, 2008, S. 15.

[131] Sabah, "Sedat Peker'e 14 yıl" [14 Jahre für Sedat Peker], 31. Januar 2007, http://arsiv.sabah.com.tr/2007/01/31/gun107.html.

[132] Über Peker wurden einige Bücher geschrieben. 2004 veröffentlichte Hakan Turk das Buch "Sedat Peker Kimdir?" [Wer ist Sedat Peker]. 2006 wurde "Der Boss im Spiegel/ Das außergewöhnliche Leben des Sedat Peker" (Aynadaki Reis/Sedat Peker'in Siradisi Yasami) veröffentlicht. 2005 wurde er, während er vor Gericht stand, Vorsitzender des türkischen Fußballvereins Antalyaspor.

[133] Malatya-Anklageschrift, S. 12.

[134] Protokoll der 5. Gerichtsverhandlung, 14. April 2008, S. 9.

[135] Das Elbistan Gefängnis in Kahramanmaras.

[136] Homepage Ülkü Ocaklari, http://www.ulkuocaklari.org.tr/.

[137] Metin Doğans Brief an den Staatsanwalt von Malatya, 5. Februar 2008.

[138] Coşkun hatte an den Protesten gegen das christliche Verlagshaus Kayra in Malatya teilgenommen.

[139] Umut Şahin von der Vereinigung der Protestantischen Kirchen sagte ESI, dass laut dem Missionar Martin de Lange der Konvertit Huseyin Yelki [siehe Liste der Beteiligten] manchmal den Namen Adnan benutzte, wenn er im Zirve-Büro ans Telefon ging. ESI-Interview, 5. Oktober 2010. Martin de Lange arbeitete von 2003 bis 2005 mit Huseyin Yelki im Kayra-Büro in Malatya.

[140] Brief von Metin Doğan, 5. Februar 2008; Doğan sagte dem Gericht auch, warum er diese Information nicht schon früher mitgeteilt hatte: "Auf das Bauernhaus meines Verwandten Abdullah Sülük wurde wegen der Morde im Zirve Verlagshaus zweimal geschossen … Die Scheiben sind immer noch zerbrochen und es liegen Patronenhülsen auf dem Boden von den Schüssen in Wände und Türen … Ihr einziges Ziel ist es, zu drohen. Der Grund ist, dass Abdullah Sülük mein Verwandter ist und mich beschützt und ich ihm in seiner Gefängniszelle am nächsten bin." Abdullah Sülük war einer der führenden Namen in den Mafiakriegen der Türkei in den 90ern. Die Hurriyet nannte ihn 1998 einen "Mafia-Paten". Hurriyet, "Olum ucgeninde kelepceli infaz" [Hinrichtung in Handschellen im Todesdreieck], 14. August 1998, Die Milliyet nannte ihn 1999 eine "Todesmaschine". Milliyet, "Olum makinesinin cezasi onandi” [Strafmaß gegen die Todesmaschine bestätigt], 4. April 1999. http://www.milliyet.com.tr/1999/04/04/haber/hab09.html. Er war in 14 Morde und zahlreiche Körperverletzungen verwickelt. 1998 wurde er zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde schließlich in lebenslänglich umgewandet. http://webarsiv.hurriyet.com.tr/1998/08/14/61028.asp.

[141] Protokoll der 7. Gerichtsverhandlung, 12. Mai 2008, S. 11.

[142] Protokoll der 8. Gerichtsverhandlung, 9. Juni 2008, S. 10.

[143] Protokoll der 9. Gerichtsverhandlung, 4. Juli 2008, S. 6.

[144] Santral Hill liegt etwa 4 km nordöstlich vom Zentrum von Malatya.

[145] Protokoll der 9. Gerichtsverhandlung, 4. Juli 2008, S. 6-7.

[146] Protokoll der 9. Gerichtsverhandlung, 4. Juli 2008, S. 7.

[147] Protokoll der 9. Gerichtsverhandlung, 4. Juli 2008, S. 9.

[148] Protokoll der 9. Gerichtsverhandlung, 4. Juli 2008, S. 9.

[149] Protokoll der 9. Gerichtsverhandlung, 4. Juli 2008, S. 8.

[150] ESI-Interview mit Umut Şahin, Association of Protestant Churches, Ankara, 5. Oktober 2010.

[151] Ankara Haber Ajansi, "Eski Milletvekili Durhan Hakkindaki Iddialari Reddetti" [Früheres PM Durhan weißt die Anschuldigungen gegen ihn zurück], 14. Mai 2008, http://www.haberler.com/eski-milletvekili-durhan-hakkindaki-iddialari-haberi/.

[152] Malatya-Anklageschrift, S. 6.

[153] Protokoll der 7. Gerichtsverhandlung, 12. Mai 2008, S. 8.

[154] Protokoll der 12. Gerichtsverhandlung, 16. Oktober 2008, S. 1.

[155] Protokoll der 12. Gerichtsverhandlung, 16. Oktober 2008, S. 2.

[156] Protokoll der 12. Gerichtsverhandlung, 16. Oktober 2008, S. 4.

[157] Anklageschrift gegen Varol Bülent Aral und Huseyin Yelki, S. 2.

[158] Protokoll der 12. Gerichtsverhandlung, 16. Oktober 2008, S. 1-2.

[159] Protokoll der 12. Gerichtsverhandlung, 16. Oktober 2008, S. 4.

[160] Protokoll der 12. Gerichtsverhandlung, 16. Oktober 2008, S. 3.

[161] Anklageschrift gegen Varol Bülent Aral und Huseyin Yelki, S. 6.

[162] Anklageschrift gegen Varol Bülent Aral und Huseyin Yelki, S. 6.

[163] Anklageschrift gegen Varol Bülent Aral und Huseyin Yelki, S. 5, 6.

[164] Anklageschrift gegen Varol Bülent Aral und Huseyin Yelki, S. 6.

[165] Anklageschrift gegen Varol Bülent Aral und Huseyin Yelki, S. 6.

[166] Anklageschrift gegen Varol Bülent Aral und Huseyin Yelki, S. 6.

[167] Anklageschrift gegen Varol Bülent Aral und Huseyin Yelki, S. 6

[168] Bianet, "Aral Tutuklandi, Zirve Davasi ‘Ergenekon'a Dogru" [Aral verhaftet, Zirve-Prozess beschäftigt sich mit Ergenekon], 5. Februar 2009, http://bianet.org/bianet/azinliklar/112361-aral-tutuklandi-zirve-davasi-ergenekona-dogru.

[169] Anklageschrift gegen Varol Bülent Aral und Huseyin Yelki, S. 1.

[170] Anklageschrift gegen Varol Bülent Aral und Huseyin Yelki, S. 7.

[171] Anklageschrift gegen Varol Bülent Aral und Huseyin Yelki, S. 8.

[172] Anklageschrift gegen Varol Bülent Aral und Huseyin Yelki, S. 7-8.

[173] Protokoll der 17. Gerichtsverhandlung, 21. August 2009, S. 1.

[174] Compass Direct, "Efforts to Tie Malatya Murders to ‘Deep State' Fizzle in Turkey – Alleged ring-leader retracts testimony implicating suspected link to 'masterminds'" [Bemühungen zur Verknüpfung der Malatya-Morde mit dem 'Deep State' scheitern in der Türkei – Mutmaßlicher Anführer widerruft Aussagen, die auf  verdächtige Verbindung zu 'Drahtziehern' hindeuteten ; 28. Mai 2009,

http://www.compassdirect.org/english/country/turkey/4067/.

[175] Protokoll der 17. Gerichtsverhandlung, 21. Mai 2009, S. 9.

[176] Protokoll der 20. Gerichtsverhandlung, 21. August 2009, S. 5.

[177] Protokoll der 20. Gerichtsverhandlung, 21. August 2009, S. 5.

[178] Malatya-Anklageschrift, S. 6.

[179] Inonu Universitesi Stratejik Arastirmalar Merkezi, INUSAM. Es wird in seiner Gründungsverordnung  beschrieben (Yonetmeligi Kurulus): http://www.inonu.edu.tr/baglanti.php?sayfa=arsmerklink.

[180] Bis 2009 nannte sich die Association of Protestant Churches "Alliance" of Protestant Churches.

[181] Anonyme E-Mail an die Association of Protestant Churches im Sommer 2007.

[182] Protokoll der 7. Gerichtsverhandlung, 12. Mai 2008, S. 10.

[183] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 4.

[184] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 11.

[185] Die Stiftung tritt in den späten 1990ern als Herausgeber von Büchern auf. Sie hat keine eigene Website.

[186] Sukru Uslu, Suayip Özdemir, Yusuf Benli, Hamdi Onay, Hulusi Arslan und Ahmet Sinanoglu.

[187] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 11-12.

[188] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 10.

[189] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 10-13.

[190] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 11; Fatih Hilmioğlu, der Präsident der Universität Malatya, hatte Verbindungen zu General Eruygur [siehe Liste der Beteiligten]. Beide sind Verdächtige im Ergenekon-Prozess.

[191] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 10.

[192] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 10.

[193] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 15.

[194] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 15.

[195] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 15. Das Gericht hatte die Polizei beauftragt, die Telefonanrufe zwischen Ruhi Abata und der Gendarmerie von Malatya (Mehmet Ülger) zu ermitteln.

[196] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 15.

[197] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 14. Die Rolle der Gendarmerie betreffend schrieb der Kolumnist Ali Bayramoğlu: "Nach dem 28. Februar [1997] übernahm das Militär Posten, die traditionell von der Polizei und den Gouverneuren kontrolliert wurden. Die Gendarmerie zog von den ländlichen Gebieten in die Städte. Die Einheiten für Sicherheit und Öffentliche Ordnung (Emniyet Asayis Yardimlasma Birlikleri, EMASYA) erhielten Befugnisse oberhalb derer des Gouverneurs. Es hat sich eine innere Sicherheitsstruktur entwickelt, die die Gesellschaft selbst als größte Bedrohung betrachtet … Hinzu kommt, dass die Macht, geheime Informationen zu sammeln nicht in Händen des Militärs liegen sollte. Heute bestimmt die Militärbürokratie, welche Gefahren herrschen, und das Militär sammelt geheime Informationen und schätzt soziale Ereignisse ein und begründet seine Befunde mit internen Sicherheitsakten und nicht mit gesetzlichen Kriterien." Zitat in "Almanac Turkey 2005 – Security Sector and Democratic Oversight", DCAF-TESEV Series in Security Sector Studies, September 2006.

[198] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 16.

[199] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 14.

[200] Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, 13. April 2009, S. 16.

[201] Seit Dezember 2009 sitzt er eine Gefängnisstrafe von 29 Jahren wegen bewaffneten Raubüberfalls und illegalen Besitzes von Feuerwaffen und gefährlichen Materialien ab. Malatya Guncel, "Veysel Şahin'e ceza yagdi", 15. Dezember 2009, http://www.malatyaguncel.com/news_detail.php?id=33677&uniq_id=1289319512.

[202] Die Irakisch-Turkmenische Front ist die größte Partei der turkmenischen (türkischen) Minderheit in Irak.

[203] Brief der Anwälte der Opferfamilien vom 15. April 2010 an das Gericht in Malatya, S. 4.

[204] Şahin sagte gegenüber dem Staatsanwalt am 3. Dezember 2008 aus; zitiert im Brief der Anwälte der Opferfamilien an den Vorsitz des Dritten Obersten Strafgerichtshofes von Malatya, S. 4.

[205] Brief der Anwälte der Opferfamilien vom 15. April 2010 an das Gericht in Malatya, S. 4.

[206] Brief der Anwälte der Opferfamilien vom 15. April 2010 an das Gericht in Malatya, S. 4.

[207] Ülger sagte gegenüber dem Gericht: "Veysel Şahin hat eine kriminelle Vergangenheit. Er hat Dokumente gefälscht und andere Verbrechen begangen. Er ist keine vertrauenswürdige Person … Als er verhaftet wurde, schickte er mir eine Nachricht: "Falls ich in 40 Tagen nicht wieder draußen bin, ziehe ich dich zur Rechenschaft." Protokoll der 16. Gerichtsverhandlung, S. 14.

[208] In einem Brief vom 22. November 2010 an das Gericht in Malatya bestätigt die Gendarmerie von Kayseri, vom 25.-26. Mai 2006 ein Seminar über "exzessive rechtslastige und Missionsaktivitäten" gehalten zu haben, dem der Leiter der Gendarmerie von Malatya Mehmet Ülger ebenfalls beiwohnte (30. Gerichtsverhandlung in Malatya, 3. Dezember 2010; der Brief war Bestandteil der Gerichtsakten).

[209] Weitere Verbindungen zwischen der Gendarmerie und der Universität in Malatya wurden enthüllt, als Mehmet Çolak, der für die Geheimdienstabteilung der Gendarmerie in Malatya arbeitete, vor Gericht aussagte er habe 40 Mal mit Ruhi Abat von der Universität gesprochen (17. Anhörung am 21. Mai 2009).

[210] Erdal Doğan legte zur Anhörung am 19. Februar 2010 Beispiele von Zahlungen und deren Aufzeichnungen  vor.

[211] Anwalt Erdal Doğan in einer E-Mail an ESI am 3. November 2010.

[212] Protokoll der 29. Gerichtsverhandlung, 15. Oktober 2010, S. 2.

[213] Protokoll der 29. Gerichtsverhandlung, 15. Oktober 2010, S. 2.

[214] Protokoll der 29. Gerichtsverhandlung, 15. Oktober 2010, S. 3.

[215] Protokoll der 29. Gerichtsverhandlung, 15. Oktober 2010, S. 6.

[216] Protokoll der 29. Gerichtsverhandlung, 15. Oktober 2010, S. 7.

[217] Levent Ersöz ist ein ehemaliger Gendarmeriebefehlshaber in Şırnak und Diyarbakır als Leiter der JİTEM von 2002 bis 2004.

[218] Ahmet Insel und Ali Baramoglu (Herausgeber), Almanac Turkey 2006 – 2008, Security Sector und Democratic Oversight, Tesev Publications, August 2010, S. 182.

[219] Protokoll der 29. Gerichtsverhandlung, 15. Oktober 2010, S. 5.

[220] Protokoll der 29. Gerichtsverhandlung, 15. Oktober 2010, S. 5.

[221] Today's Zaman, "Witness in Malatya murders case says he worked for JİTEM" [Zeuge im Malatya-Mordfall arbeitete für JİTEM], 13. Oktober 2010, http://www.todayszaman.com/tz-web/news-224254-witness-in-malatya-murders-case-says-he-worked-for-JİTEM.html.

[222] Protokoll der 29. Gerichtsverhandlung, 15. Oktober 2010, S. 3.

[223] Protokoll der 29. Gerichtsverhandlung, 15. Oktober 2010, S. 4.

[224] Protokoll der 29. Gerichtsverhandlung, 15. Oktober 2010, S. 4.

[225] Bugun, "Gundemi sarsacak sok aciklama" [Schockierende Aussagen,  die alle Vorstellungen erschüttern], 15. Oktober 2010, http://www.bugun.com.tr/haber-detay/123103-gundemi-sarsacak-sok-aciklama-haberi.aspx.

[226] Protokoll der 29. Gerichtsverhandlung, 15. Oktober 2010, S. 4.

[227] Protokoll der 29. Gerichtsverhandlung, 15. Oktober 2010, S. 6.

[228] Doğan Gures war der Generalstabschef und Teoman Koman der Generalbefehlshaber der Gendarmerie. Tesev, Almanac 2005 – Security Sector und Democratic Oversight, S. 175.

[229] Tesev, Almanac 2005 – Security Sector und Democratic Oversight, S. 178.

[230] Safile Usul, "Veli Küçük bana işkence yaptı" [Veli Küçük folterte mich], gazeteport, 8. September 2008, http://arsiv.gazeteport.com.tr/NEWS/GP_280409?WebsiteSearch=true. Mehr über Murat Belge hier: http://www.esiweb.org/index.php?lang=en&id=311&film_ID=10&slide_ID=2.

[231] Nese Dusel, 27. Januar 2009, Taraf.

[232] Association of Protestant Churches, Report on Human Rights Violations 2009, 30. Januar 2010, http://www.protestankiliseler.org/index.php?option=com_content&view=article&id=1153&Itemid=471.

[233] Association of Protestant Churches (Turkey), Report On Human Rights Violations 2007, Januar 2008, http://www.protestankiliseler.org/index.php?option=com_content&view=article&id=1137&Itemid=459.

[234] Association of Protestant Churches (Turkey), Report On Human Rights Violations 2008, Januar 2009, http://www.protestankiliseler.org/index.php?option=com_content&view=article&id=1138&Itemid=460.

[235] Association of Protestant Churches (Turkey), Report On Human Rights Violations 2009, 30. Januar 2010. Luigi Padovese, ein römisch-katholischer Bischof wurde im Juni 2010 in der Hafenstadt Iskenderun am Mittelmeer erstochen.

[236] Association of Protestant Churches, Pressekonferenz in Ankara, 5. Oktober 2010.

[237] Zu den Parallelen zwischen dem Padovese-Mordfall von 2010 und vorhergehenden Angriffen siehe auch das Interview mit Anwalt Erdal Doğan in der türkischen Wochenzeitung Agos: Funda Tosun, "Asil plan Papa'nin oldurulmesi miydi?", AGOS Nr. 24, 18. Juni 2010. Englische Übersetzung: http://www.esiweb.org/pdf/Turkey%20-%20AGOS%2018%20June%202010%20Doğan%20on%20Padovese.pdf.

[238] Hafize Çobanoğlu, Nalan Erkem, Murat Dinçer, Ali Riza Kilic, Orhan Kemal Cengiz, Ozkan Yucel, Erdal Doğan, Ali Koç, Ismail Cem Halavut.

[239] Brief der Anwälte der Opferfamilien vom 15. April 2010 an das Gericht in Malatya, S. 22.

[240] Orhan Kemal Cengiz, "Why will unsolved murders remain unsolved?" [Weshalb bleiben ungeklärte Morde ungeklärt?], Today's Zaman, 31. Dezember 2010, http://www.todayszaman.com/columnist-231121-why-will-unsolved-murders-remain-unsolved.html.

Berlin, 12 January 2011
Click here to view this document as a PDF file in A4 format. To download the PDF file to your computer, right-click here, select "Save Link/Target As..." in the contextmenu and choose a destination on your hard disk. If you are having problems opening this PDF file, please click here for help. Please note that the PDF version of this document also contains footnotes that are not used in its web version.
Weitersagen: Was bedeutet das?