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Ben Crampton
Ben Crampton

Ben Crampton, ein britischer Diplomat, lebte und arbeitete für viele Jahre auf dem Balkan.

“Ich bin aufgewachsen umgeben von Informationen und Diskussionen über den Balkan, und war immer fasziniert von den Büchern im Regal meines Vaters, deren Titel ich nicht lesen konnte, weil sie in Kyrillisch geschrieben waren. Mein Vater ist ein Historiker mit Schwerpunkt Balkan (Richard Crampton) und wir lebten in Bulgarien als ich noch ein Baby war. Als ich die Schule abgeschlossen hatte wandte ich mich dem Balkan zu, und verbrachte 1991 neun Monate in Sofia. Meine Liebesbeziehung zum Balkan begann dort und hält bis heute an; meine Frau ist aus Montenegro.”

Nachdem Crampton als wissenschaftlicher Mitarbeiter des britischen Aussenministeriums für den Balkan zuständig war, ging er als Berater des EU Repräsentanten zur Umsetzung des Ohrid Friedensabkommens von 2001 nach Mazedonien. Ben beschreibt das beschränkte und fokusierte Mandat der internationalen Mission in Mazedonien:

 “Der tatsächliche Erfolg der internationalen Beteiligung war, dass die Verantwortung für die Umsetzung des Friedensabkommens bei den lokalen politischen und parlamentarischen Führern aller Parteien und aller ethnischen Gruppen lag. Dies ist anders als in Bosnien, wo die Umsetzung des Dayton Abkommens die Hauptaufgabe der internationalen Gemeinschaft war. Die Umsetzung des Ohrid Abkommens zeigt, dass mit dem richtigen Ansatz – dem konkreten Versprechen der Euro-Atlantischen Integration – ein Friedensvertrag durch die betroffenen Parteien umsetzbar ist. Für mich ist das ein Hoffnungszeichen – auch für den Kosovo und für den Balkan.  Es ist auch ein Zeichen des besonderen Einflusses der europäischer Integration als Mittel für dauerhafte Veränderungen auf dem Balkan, so wie schon zuvor in Zentral- und Osteuropa.”

Ben Crampton kam 2004 als Berater des ehemaligen UNMIK Chefs (SRSG) Soeren Jessen-Pedersen, nach Pristina. Als 2007 unser Dokumentarfilm gedreht wurde war Ben Crampton Stellvertretender Leiter des EU-Planungsstabes in Pristina, arbeitete am Entwurf des Ahtisaari Plans und bereitete damit den Boden für die internationale Mission, die der Unabhängigkeitserklärung folgen sollte.

“Mein grösstes Erfolgserlebnis war es, am Ahtisaari Prozess mitzuarbeiten. Der Plan enthält eine Fülle von Vorschlägen, die die Kontinuität und die Weiterentwicklung des Lebes der Serben im Kosovo garantieren würden, und zwar mit bedeutender administrativer und sozialer Autonomie.   Ich bin besonders stolz darauf, das Anglo-irischen Abkommen 1922 als Beispiel verwendet zu haben, um spezifische Klauseln im Ahtisaari Plan zu rechtfertigen, die die Wahlrechte der Serben im Kosovo garantieren würden, unabhängig davon, ob sie die kosovarische Staatsbürgerschaft annehmen oder nicht.”

Ben Crampton sieht UNMIK als einen Erfolg, auf dem man weiter aufbauen kann.

“Trotz des starken Stimmungsumschwungs gegen die UNMIK während der letzten Jahre ist auffallend, was die UNMIK in dieser Zeit alles erreicht hat –  eine funktionierende Verwaltung, ein funktionierendes Parlament, eine funktionierende und ethnisch ausgewogene Polizei, eine ganze Serie von fairen und freien Wahlen, die Lösung einer grossen Zahl von Eigentumsstreitigkeiten und der Beginn der Privatisierung. Auf der anderen Seite ist es gerechtfertigt zu fragen, ob die Mission tatsächlich in dieser Groesse erforderlich war, und ob es sinnvoll war, dem SRSG so viele Machtbefugnisse zu belassen, und er bis zum Schluss ‚der starke Mann’ war.”

“Die Befugnisse der neuen internationalen Gemeinschaft in der Zukunft sind viel geringer als die des SRSG und auch weniger umfassend als in Bosnien. Das sollte der Politik im Kosovo auch eine normalere Entwicklung in der Zukunft ermöglichen. Aber es muss einen Zeitpunkt geben, wo diese Mission endgültig abzieht, und ich hoffe sehr, dass wir nicht noch 12 Jahren nach Ende des Kosovo-Krieges darauf warten werden, wie es in Bosnien heute der Fall ist.’’

Trotzdem gibt es innerhalb der internationalen Organisationen immer auch eine problematische Beziehung zwischen den ‘Lokalen’ und den ‘Internationalen’.

“Das ist ein Problem. Das Problem ist bürokratischer Natur und liesse sich innerhalb der internationalen Institutionen lösen. Solange ein Kosovare keine hierarchisch höhere Position über einem ‚Internationalen’ einnehmen kann – unbeachtet wie gut gebildet oder erfahren ersterer, und wie unerfahren letzterer ist, wird es innerhalb der internationalen Organisationen nicht den gehörigen Respekt gegenüber einheimischen Mitarbeitern geben. Und solange ‚Lokale’ innerhalb der Organisationen nicht voll respektiert werden, werden sie auch ausserhalb nicht völlig respektiert werden.”

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Die Notwendigkeit weiterer Arbeitsmigration. © 2008 pre tv. All rights reserved.

Crampton verliess den Kosovo kurz vor dessen Unabhängigkeit, aber arbeitet beim Europäischen Rat weiterhin am Kosovo. Er macht sich Sorgen über Pristinas Zukunft:

’Der Schein trügt in Pristina. Viel von dem scheinbaren Reichtum basiert auf der Präsenz der internationalen Gemeinschaft. Doch wenn man sich die internationale Gemeinschaft und das Geld wegdenkt, welches durch ihre Präsenz ins Land fliesst, würde die Wirtschaft von Pristina anders aussehen.

Trotz vieler offensichtlicher Probleme gab es Fortschritt. Grund zum Optimismus ist für Ben Crampton die transformative Kraft des zukünftigen Erweiterungsprozesses. Auf die Frage, was er auf dem Balkan gelernt hat, antwortet er lächelnd: “Ein Sopska Salat und ein Rakij sind die beste Vorspeise vor jedem Essen in der Welt. Und es ist eine Freude die Früchte und das Gemüse der Saison Frisch vom Markt zu essen – ausser im Februar and März.’

May 2008
ESI

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