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Rramush RrahmaniZema Rrahmani
Rramush Rrahmani

Das Dorf Acareva liegt ungefähr 60 Kilometer nordwestlich von Prishtina in der Gemeinde Skenderaj, die als eines der ärmsten und am geringsten entwickelten Gebiete des Kosovo gilt. Acareva ist auch das Zuhause der Rrahmani Familie. Zwei Brüder leben hier, zwei weitere sind Gastarbeiter in Deutschland und in Österreich. Mit dem Geld, das die Brüder nach Hause schicken, kommt die Familie in Acareva über die Runden.

In der Ferne zu arbeiten, ist für die Männer der Familie eine lange Familientradition. Der Ehemann von Zema Rrahmani, der Mutter des Haushalts, arbeitete über 30 Jahre in Österreich. Als seine Witwe erhält sie immer noch die österreichische Rente. Mit ihrer eigenen kosovarische Rente würde sie kaum einen Laib Brot am Tag bezahlen können. Das Leben war hart für Frauen wie Zema, die in eine Familie hineinheiratete und zurückbleiben musste, als ihr Ehemann ins Ausland ging.

"Als mein Mann nach Österreich ging, waren nur seine beiden alten Eltern hier, sonst habe ich hier nichts vorgefunden. Er sagte zu mir, schau her Frau, ich nehme meine Tasche und werde ins Ausland verschwinden, ich habe hier nichts. Er nahm seine Tasche und ging. Ich habe acht Kinder gehabt, drei sind gestorben und fünf leben noch, so war es."

"Es ist vorgekommen, dass er zu Neujahr gar nicht gekommen ist, sondern erst im Juli zur Getreideerntezeit kam, um zu helfen und die Wiesen zu mähen. Erholen konnte er sich nie, sondern er hat seinen Urlaub aufgespart für die Sommermonate, um uns zu helfen, so war es."

Für die Kinder war die Abwesenheit des Vaters auch schmerzlich. Rramush Rrahmani, der vor kurzem Direktor der Acareva Grundschule wurde, erinnert sich an das lange Warten auf die Rückkehr des Vaters.

"Sehen Sie, wir waren kleine Kinder, wir lebten allein mit der Mutter und den Großeltern, unser Vater besuchte uns alle sechs, sieben Monate und manchmal auch noch länger nicht. Es hat uns sehr geschmerzt, ihn für sechs Monate und länger nicht zu sehen. Und damals gab es kein Telefon, keine andere Informationsquelle, und so kommunizierten wir nur durch Briefe."

Für viele Familien wie den Rrahmanis ist das Leiden der Migration der Preis, den sie für ihr wirtschaftliches Überleben zu zahlen haben. Wo es keinen Sozialstaat gibt, ohne Arbeitslosengeld, ohne effektive Krankenversorgung und mit schmalen Renten, sind die Überweisungen aus dem Ausland für viele Familien das einzige Rettungsseil.

"Sie helfen uns ein wenig, und sie würden noch mehr helfen, wenn sie nicht selbst so hohe Ausgaben hätten, denn dort ist das Leben teuer. Das Geld, das sie uns senden, verwende ich für die Erziehung der Kinder und für den Bruder, der im Kosovo lebt und in Prishtina Medizin studiert. Würden sie nicht dort oben arbeiten, der Bruder könnte nicht studieren. Ja, wirklich, die Arbeiter in der Fremde (die Diaspora) spielen eine wichtige Rolle, für unsere Familie und für all die anderen Familien; für den gesamten Kosovo. Würden sie uns nicht das Geld geben, wir würden noch mehr leiden … Sogar meine Kinder wollen emigrieren."

May 2008
ESI

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