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Mirko Majdandzic
Mirko Majdandzic

"Ich liebe Bosnien, aber Bosnien ist nicht nur mein Land – es ist ein Land für uns alle hier und es kann nicht geteilt werden!", sagt Mirko Majdandzic, der Abt des Franziskanerklosters in der zentralbosnischen Stadt Fojnica. Das Kloster stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist berühmt für seine kostbare Bibliothek, die auch die "Ahdname" aufbewahrt, einen Erlass des osmanischen Sultans Mehmet II von 1463, der den Franziskanern im osmanischen Bosnien erlaubte, aktiv zu sein.

Pater Mirko verbrachte den Großteil des Krieges im belagerten Sarajewo. Nach dem Krieg wurde er nach Bugojno geschickt, einer Stadt, aus der fast alle Kroaten, die hier vor dem Krieg gelebt hatten, vertrieben worden waren. Pater Mirko bedauert, wie die Beziehungen zwischen den Muslimen und Kroaten im Krieg zerstört wurden:

"Der Krieg – das ist meine Meinung – hat durch die großserbische Aggression begonnen. Also die Serben wollten – das ist meine Sichtweise – Serbien ein wenig vergrößern. Das ist nicht gelungen und der Krieg begann. Der größte taktische Sieg der Serben lag darin, dass wir Kroaten und Bosniaken auf einander losgingen. Das war der Erfolg der Serben."

Pater Mirko war eine der ersten öffentlichen Figuren, die im Bereich der "Minderheitenrückkehr" in Zentralbosnien aktiv wurden. In seinem Fall waren es Kroaten, die zurückkehrten, um in der mehrheitlich bosniakischen Gemeinde zu leben. In jener Zeit stieß er auf breiten Widerstand, nicht nur seitens der lokalen bosniakischen, sondern auch von der bosnisch kroatischen politischen Führung. Zunächst organisierte Pater Mirko eine Schule im Kloster für die Kinder der Rückkehrer.

"Der Direktor war der inzwischen verstorbene Stipo Šarić. Wir stellten ihm einen Raum zum Wohnen zur Verfügung. Es gab im Gebäude auch einen Raum für die Lehrer. Die Kinder machten ihre Gymnastikübungen im Kirchhof. Alles war sehr improvisiert, aber es war das einzige, was wir tun konnten. Anfangs hatten wir ca. 50 Kinder, doch die Schülerzahl wuchs in zwei Jahren auf 400. In diesen zwei Jahren gab es keinerlei Zwischenfälle."

Schließlich konnte eine Abmachung gefunden werden, das Schulgebäude in Bugojno gemeinsam zu nutzen. Pater Mirko organisierte bereits Ende der 1990er Jahre ein Fußballmatch zwischen dem ethnisch gemischten Team von Geistlichen und einem gemischten Team lokaler Politiker. Pater Mirko erinnert sich heute daran mit lächelndem Gesicht: "Fast jeder feuerte das gemischte Team der Geistlichen an." Heute ist Bugojno wie fast alle Gemeinden Zentralbosniens wieder ethnisch gemischt, Kroaten und Bosniaken leben wieder nebeneinander.

Pater Mirko hat nicht aufgehört, die Beziehungen zwischen den ethnischen Gruppen zu fördern. In Fojnica gründete er eine landwirtschaftliche Genossenschaft für kroatische und bosniakische Bauern und legt selbst Hand an bei der Ernte.

"Wenn jemand nach Medjugorje geht und behauptet, eine Erscheinung gehabt zu haben, ist das für mich kein Wunder. Für mich ist es ein Wunder, wenn zwei Menschen, die gegeneinander gekämpft haben, wieder zusammenleben."

"Die Menschen haben begonnen, zu vergeben, sie sprechen wieder miteinander. Die größte Schwierigkeit in Bosnien besteht jedoch darin, dass unsere Politiker ihre eigene Zukunft aufbauen, und nicht die Zukunft des Staates."

June 2008
ESI

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