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Former French embassy, now a library
Ehemalige französische Botschaft, heute eine Bibliothek. Foto: flickr/Nictalopen

Cetinje war die Hauptstadt des unabhängigen Staates Montenegro, der nach seiner internationalen Anerkennung auf dem Berlin Kongress 1878 bis 1918 existierte, als er in Serbien und anschließend im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (1929 umbenannt in Königreich Jugoslawien) aufging.

Außer den alten Regierungsgebäuden und Botschaften aus der Zeit des ersten montenegrinischen Staates erinnert den Besucher in der kleinen, verschlafenen Stadt von 15.000 Einwohner nichts mehr an eine ehemalige Hauptstadt. Tatsächlich hätte man dasselbe auch schon in der Zeit sagen können, als hier noch die Herrscher Montenegros residierten, und als die ausländischen Vertreter von 13 Konsulaten versuchten, Einfluss auf das politische Leben des kleinen Balkanstaates zu nehmen. Edith Durham, die im frühen 20. Jahrhundert den Balkan bereiste, beschrieb Cetinje als eine Spielzeugstadt, "mit der bisher noch niemand gespielt hatte".

Ein Spaziergang durch Cetinje zeigt uns die ehemaligen Konsulate als Zeugen dieser Staatstradition. Es gibt ein altes Krankenhaus (dem Verfall anheim gegeben), den Palast von König Nikola, und das alte Regierungsgebäude.

Trotz montenegrinischer Staatlichkeit und der langen Tradition des Widerstandes gegen die osmanische Herrschaft, hatte sich unter den Montenegrinern kein Nationalbewusstsein im modernen Sinne entwickelt. Wie auch seine Vorgänger und die meisten seiner Untertanen, betrachtete sich der letzte montenegrinische Herrscher Nikola I. (1841-1921) als Serbe.

Er betrieb eine Serbien-freundliche Politik und die zwei Staaten führten nie Krieg gegeneinander. Schon vor dem Ersten Weltkrieg genoss die Idee einer Union mit Serbien eine starke Unterstützung, doch aufgrund des Widerstandes von Österreich-Ungarn war das keine Option. Nikola I. war in dieser Hinsicht ebenfalls zögerlich, doch nach dem Ersten Weltkrieg - Nikola I. war noch im Exil in Frankreich - wurde Montenegro mit Serbien verschmolzen und sofort in den Staat der Serben, Kroaten und Slowenen integriert. Bis zum heutigen Tag ist die Legitimität dieses Schrittes stark umstritten.

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Cetinje – königliche Traditionen. © 2008 pre tv. All rights reserved.

Das Konzept der montenegrinischen Nation ist in Cetinje, seitdem es in der Zeit des sozialistischen Jugoslawiens wieder auflebte, sehr populär. Wenig überraschend war dies eine Hochburg der Befürworter der Unabhängigkeit, nachdem die Debatte über die Staatlichkeit Montenegros nach dem Zerfall des sozialistischen Jugoslawiens wieder auf die Tagesordnung kam.

In der sozialistischen Zeit erfuhr Cetinje - wie viele andere Städte in Jugoslawien - einen Industrialisierungsschub, hier vor allem durch die Firma "Obod", ein riesiges Unternehmen, das Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Kühlschränke produzierte.

Heute sind diese Firmen im Zerfall begriffen. Cetinje ist wieder eine Stadt ohne Industrie. Der gegenwärtige Boom in Montenegro hat Cetinje zum großen Teil nicht erreicht. Außer der Renovierung von historischen Gebäuden, die Tagestouristen von der Küste anziehen, gibt es nur sehr wenig Bautätigkeit. Die Menschen leben von der Arbeitsmigration zur Küste oder in die heutige Hauptstadt Podgorica, beide nicht mehr als eine halbe Stunde Fahrtzeit entfernt.

April 2008

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