Back Zajas - Next 
Zajas
Zajas. Foto: Panoramio/Ardian Arifi

Zajas ist ein albanisches Dorf einige Kilometer nördlich von Kicevo. Es ist das Heimatdorf von Ali Ahmeti, des Führers der Nationalen Befreiungsarmee (NLA) während des Konflikts 2001. In einem ländlichen Ort wie Zajas werden die Forderungen der albanischen Gemeinschaft und die Notwendigkeit der im Ohrider Abkommen vereinbarten Bestimmungen klarer.

Während der Industrialisierung des sozialistischen Jugoslawiens verließen viele ethnische Mazedonier ihre Dörfer in der Region, um in den Fabriken von Kicevo zu arbeiten. Für die Menschen in albanischen Dörfern wie Zajas war dies viel schwieriger. Die kommunistischen Behörden hatten Bedenken gegen die Albaner, die im Krieg mit den Deutschen kollaboriert hatten, und zögerten, sie einzustellen. Die Albaner blieben deshalb in ihren Dörfern oder emigrierten, überwiegend nach Westeuropa und Amerika. Die Gemeinde schätzte 2002, dass fast jeder Haushalt in Zajas mindestens einen Verwandten im Ausland hat. Der Rebellenführer Ali Ahmeti bildet keine Ausnahme. Im Jahr 1986 beantragte er politisches Asyl in der Schweiz und lebte dort bis zu seiner Rückkehr 2001.

Die Diaspora von Zajas unterstützt ihre Verwandten im Dorf. Einige der Auswanderer haben große Häuser gebaut, Symbole des im Ausland erworbenen Wohlstands, aber viele dieser Häuser stehen leer. Die Auslandsüberweisungen sind eher eine Art Unterstützung als eine produktive Investition. Nach wie vor gibt es kaum Jobs im Dorf. 2002 hatte die größte private Firma in Zajas nicht mehr als zwölf Angestellte. Laut offizieller Statistiken gab es 155 registrierte Geschäfte, ein Restaurant, ein Motel sowie eine Bäckerei. 135 Menschen arbeiteten als Lehrer in den Grundschulen von Zajas. Diese Zahlen lassen die Schlussfolgerung zu, dass bei der großen Mehrheit der 2.000 Haushalte in Zajas niemand eine reguläre Arbeit hatte. Nach der Volkszählung von 2002 gab es in Zajas 4.127 Frauen über 15; aber nur 48 von ihnen hatten offiziell Arbeit.

Die Entwicklung des Privatsektors in Zajas wird aufgrund des niedrigen Ausbildungsniveaus behindert. Eine Studie kam 2002 zu dem Schluss, dass 87,5 Prozent der Bevölkerung eine Ausbildungsstufe hatte, die unter der Hochschulreife (Abitur) stand. Dieser Umstand und die frühere systematische Diskriminierung verhinderten Beschäftigungen im öffentlichen Dienst.

Eine der wichtigsten Bestimmungen des Abkommens von Ohrid ist die Dezentralisierung der Regierung. Ein Zentralisierungsschub nach der Unabhängigkeitserklärung in den frühen 90er Jahren hatte Dörfer wie Zajas von staatlichen Zahlungen und Dienstleistungen abgeschnitten. Diese Isolierung wurde besonders nach den Kommunalverwaltungsreformen 1996 akut, als sich die Zahl der Gemeinden von 34 auf 123 erhöhte. Gemeindegrenzen sind ein heikles Thema, weil sie darüber entscheiden, ob eine Stadt oder ein Bezirk überwiegend ethnisch mazedonisch oder albanisch ist.

Zajas ist eine der vier neuen ländlichen Gemeinden, die aus der ehemaligen sozialistischen Gemeinde Kicevo hervorgegangen sind. Diese neuen Gemeinden fanden sich vom traditionellen Verwaltungszentrum, der Stadt Kicevo, abgetrennt. Sie hatten nur wenige oder keine öffentlichen Institutionen und Infrastruktur. 2002 hatte die Gemeinde Zajas sieben Angestellte, die in einer Baracke, nur so groß wie eine Familienwohnung, arbeiteten. Der Kommunalhaushalt betrug €54.000, rund €5 pro Einwohner. Die Gemeinde beherbergte 19,3 Prozent der Bevölkerung des Kicevo-Gebiets, erhielt aber zwischen 1997 und 2001 nur 1,9 Prozent der Gelder für das Wasserversorgungs- und Abwasserprogramm. Man kann sagen, dass der mazedonische Staat kaum präsent war.

Das Abkommen von Ohrid beinhaltete einen Plan für neue Gesetze zur Kommunalverwaltung, die die lokalen Kompetenzen stärkten und die finanziellen Mittel erhöhten. Außerdem wurden einige Gemeindegrenzen neu gezogen.

Das Kicevo-Gebiet war einer der umstrittensten Fälle. Die Grenzen von 1996 hatten für 20.000 Albaner zwei völlig ländliche Gemeinden, Zajas und Oslomej, geschaffen, damit die Stadt Kicevo eine ethnisch mazedonische Mehrheit haben konnte. Albaner wollten nun, dass die ländlichen Gebiete mit der städtischen Kicevo-Gemeinde wiedervereinigt werden, während ethnische Mazedonier dagegen waren.

Der Kompromiss, der 2004 zwischen den regierenden Sozialdemokraten und ihrem albanischen Partner DUI ausgehandelt wurde, sah vor, dass Kiveco nicht sofort, sondern 2008 (mittlerweile auf 2009 verschoben) wiedervereinigt würde. Doch dies rief vor Ort große Proteste hervor. Ein "Komitee zur Rettung Kicevos" mit lokalen SDSM-Vertretern wurde geschaffen. Im Sommer 2004 gab es zahlreiche Demonstrationen, die unter anderem an Wochenenden die Hauptstraße nach Ohrid blockierten, was riesige Verkehrsstaus verursachte. Nach ein paar Wochen wurde es jedoch ruhiger, und bei den Gemeindewahlen, die weniger als ein Jahr später stattfanden, war die Wiedervereinigung kein Thema mehr.

Der Eintrag unter "Gemeinde Zajas" im Verzeichnis mazedonischer Gemeinden belegt, dass sich die öffentliche finanzielle Lage etwas verbessert hat. Der vorläufige Haushalt für 2005 betrug umgerechnet €183.000 oder €16 pro Einwohner. Die Zahl der Angestellten in der Gemeinde war auf 10 gestiegen.

Rifat Huseini ist der Bürgermeister von Zajas, des Dorfs, in dem Ahmeti geboren wurde. Er sieht eine Verbesserung der Lage für die Einwohner von Zajas, seitdem das Abkommen von Ohrid unterzeichnet wurde. Spannungen sind fast völlig verschwunden.

"Vor 2002 arbeiteten nur zwei Albaner in der Polizeistation von Zajas. Heute sind von 23 bis 24 Polizisten 17 Albaner, und es herrscht Respekt zwischen der Polizei und der Bevölkerung. Die Zusammenarbeit ist viel besser geworden. Das ist das Resultat des Abkommens von Ohrid und der Ereignisse 2001. Seitdem sind die Albaner in der Verwaltung besser repräsentiert."

May 2008

 Back Zajas - Next