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Fojnica
Fojnica

Fojnica ist eine kleine malerische Stadt in Zentralbosnien. Sie ist berühmt für ihr 700 Jahre altes Franziskanerkloster "Heiliger Geist", gelegen auf einem Hügel über der Stadt, in dem ein wichtiger Teil des bosnischen Kulturerbes verwahrt wird. Osmanische Dokumente erzählen, dass Fojnica schon zu Zeiten der mittelalterlichen bosnischen Könige eine Kirche und ein Kloster besaß.

Nach 8 Jahren Renovierungszeit hat das Kloster seine Bibliothek, in der es 50.000 Bücher aufbewahrt, wiedereröffnet. Das Archiv der Bibliothek verfügt über mehr als 3.000 Dokumente aus osmanischer Zeit. Das Museum verwahrt auch das "Wappenbuch", das - auf 1304 datiert - wohl das älteste Buch der Region ist und historische Wappen aus den Ländern des Balkans und von prominenten bosnischen Familien enthält.

Das Klostermuseum verwahrt auch die "Ahd-Namah", einen Firman (Anordnung) des Sultans Mehmed II. "des Eroberers". In ihr sicherte er den Franziskanern nach der Eroberung von Bosnien Sicherheit und Religionsfreiheit zu. Diese Anordnung sicherte das Überleben des bosnischen Katholizismus über die nächsten Jahrhunderte. Der Sultan proklamierte:

"Ich, Sultan Khan der Eroberer, erkläre hiermit vor aller Welt, dass die bosnischen Franziskaner mit diesem Firman des Sultans unter meinen Schutz gestellt werden. Ich befehle hiermit:

Niemand darf diese Menschen und ihre Kirchen stören oder verletzen! Sie sollen in Frieden in meinem Staat leben. Diese Menschen, die Emigranten geworden sind, sollen Sicherheit und Freiheit genießen. Sie können in ihre Klöster zurückkehren, die sich in den Grenzen meines Landes befinden.

Niemand soll sie beleidigen, den Besitz oder die Kirchen dieser Menschen in Gefahr bringen oder sie angreifen!

(Ahd-Namah, Sultan Mehmet II, Mai1463)


Ahd-Namah

Die bosnischen Franziskaner genießen wegen ihres Lokalpatriotismus auch bei der bosniakisch-muslimischen Gemeinschaft hohes Ansehen. Die bosnischen Franziskaner weisen gerne auf ihren Wahlspruch "Im Zuwendung zu Gott und Bosnien" hin. Nach dem Zerfall Jugoslawiens und inmitten der wachsenden Gewalt traten die Franziskaner von Fojnica mutig und offen für die Unabhängigkeit und die Bewahrung des bosnischen Territoriums und seiner ethnischen Vielfalt ein. Dennoch bezahlten sie in diesem Krieg einen hohen Preis.

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Vater Mirko Majdancic, Abt des Franziskanerklosters vom Heiligen Geist

In Fojnica wurden in der Folge des Massakers von Ahmici im April 1993, große Anstrengungen unternommen, um den Frieden zu wahren. Es wurde ein Stadtrat mit der gleichen Anzahl von Kroaten und Muslimen gebildet. Chuck Sudetic von der New York Times berichtete:

"Als die Spannungen wuchsen, schlug [der Abt des Klosters] Pater Milicevic vor, dass die Vereinten Nationen die Stadt zu einer "Oase des Friedens" erklären sollten, und dass in den lokalen Krankenhäusern ein Rehabilitationszentrum für muslimische und kroatische Kriegsverletzte eingerichtet werden sollte."

(New York Times, 31. Dezember 1993)

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Diese Versuche blieben jedoch erfolglos. Fojnicas friedlich gesinnte kroatische Führer wurden von den Hardlinern der bosnisch-kroatischen Führung überstimmt. Die kroatischen bewaffneten Truppen, die HVO, begannen sich auf den erwarteten Angriff der bosnischen Regierungstruppen vorzubereiten. Als die bosnische Armee die bewaffneten kroatischen Einheiten vertrieb, floh im Juli 1993 fast die gesamte kroatische Bevölkerung. Nur 80 Kroaten blieben in Fojnica, 50 von ihnen suchten Schutz im Kloster.

Als kroatische Truppen vier Monate später am 10. November versuchten, die Stadt wieder einzunehmen, verbreitete sich das Gerücht, dass das Kloster als Waffenlager diente. Vier bosniakische Soldaten kamen am 13. November in das Kloster. Der Abt, Pater Nikica Milicevic, und sein Vertreter, Pater Leon Migic, stellten sich ihnen am Eingang des Klosters in den Weg. Der jetzige Abt, Pater Mirko Majdandzic, erzählt, wie sein Vorgänger ermordet wurde:

"… Vier Soldaten der Armee von Bosnien und Herzegowina kamen. Am Eingang schossen sie dem Abt des Klosters in den Rücken. Er brach zusammen und verstarb hier. Einige der Kugeln gingen durch seinen Körper und die Einschlaglöcher sind hier noch erhalten. Das war eine Tragödie für das Kloster. Aber trotz allem blieben die Fratres hier im Kloster, und ich denke, dass dies ein mutiger Schritt war."

Nach der Mordtat gingen Pater Mirko und der Bischof gemeinsam zum bosnischen Präsidenten Alija Izetbegovic in Sarajewo. Ihnen wurde versichert, dass die Behörden, alles unternehmen würden, um die Mörder dingfest zu machen. Der Haupttäter, ein Soldat der bosnischen Armee, Miralem Cengic, wurde im September 1994 für die Ermordung der zwei Priester zu 11 Jahren Haft verurteilt. Sein Strafurteil wurde später sogar auf 15 Jahre verlängert. Vier weitere Soldaten wurden zu jeweils sechs Monaten Haft verurteilt.

In den Nachkriegsjahren haben sich die interethnischen Beziehungen in Fojnica Schritt für Schritt verbessert. Viele der kroatischen Bewohner sind zurückgekehrt. Laut jüngsten Schätzungen leben heute wieder 4,300 Kroaten in Fojnica, gemeinsam mit 8.900 Bosniaken.

June 2008

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