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Hay cart near Zabljak
Heuwagen nahe Zabljak. Foto: Alan Grant

Zabljak ist eines der kleineren Tourismuszentren in Montenegros Norden. Die steilen und tiefgezogenen Dächer der Häuser erzählen von bitteren Wintern. Die wenigen sozialistischen Hotels sind in schlechtem Zustand, die meisten Skilifte der sozialistischen Ära stehen verwahrlost. Die Veränderungen, die man im Süden und in der Hauptstadt Podgorica begutachten kann, kommen nur langsam nach Zabljak.

Ungefähr ein Drittel von Montenegros Bevölkerung - wenig mehr als 200.000 Menschen - leben hier im Norden. Andererseits trägt der Norden nur 18 Prozent zum Bruttosozialprodukt von Montenegro bei (1990 waren es noch 25,5 Prozent). Im Mai 2007 fand eine Zeitung heraus, dass das Budget der Küstengemeinde Budva mit nur 16.000 Einwohnern (44 Millionen Euro) höher war als die Budgets aller 11 nördlichen Gemeinden zusammen (42,5 Millionen Euro).

Der Norden Montenegros war über Jahrhunderte besonders abgekapselt. Die osmanischen Truppen, die die mittelalterlichen Balkanstaaten im 14. und 15. Jahrhundert eroberten, machten wenig Anstrengungen, um ihrer Herrschaft über diese arme und dünn besiedelte Region Nachdruck zu verleihen und ließen die Bevölkerung ihre inneren Angelegenheiten weitgehend allein regeln. Die Gesellschaft war in Stammesverbänden organisiert, die jeweils ein bestimmtes Territorium beherrschten - ähnlich wie im schottischen Hochland. Unterhalb der Stammesebene existierten kleinere Einheiten von Familien, die ihre Abstammung von einem gemeinsamen Vorfahren ableiteten ("Clan" genannt oder auch bratstvo - Bruderschaft). Ein Clan konnte bis zu 250 Mitglieder umfassen, und wurde üblicherweise von dem ältesten Mitglied geführt. Jeder Stamm hatte seinen Anführer und eine Versammlung von Ältesten.

Es dauerte bis in die Mitte des 19. Jahrhundert, dass die montenegrinischen Herrscher in Cetinje die Stämme des Nordens unter ihre direkte Kontrolle brachten. Allerdings blieb der nördliche Teil von Montenegro bis in das 20. Jahrhundert weiterhin abgelegen und unzugänglich. Während des Zweiten Weltkrieges fanden hier bittere Kämpfe statt.

Zabljak ist immer noch eine der ärmsten Gemeinden von Montenegro. Langsam macht sich der Norden mit seinen Bergen, Schluchten und den traditionellen Dörfern einen Namen als Reiseziel. Die Einwohner von Podgorica genießen es, vor der Sommerhitze der Hauptstadt in den gebirgigen Norden zu fliehen und sich an der Ruhe des Dorflebens zu erfreuen. Ausländische Touristen haben gerade erst begonnen, die Wälder, die idyllischen Seen und die Bergpfade zu erkunden.

Die Abenteurer unter ihnen genießen die Rafting-Touren durch die Tara-Schlucht. Mit 82 Kilometern ist dies die zweitlängste Schlucht der Welt und wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Sie ist Teil des Durmitor Nationalparks.

April 2008

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