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Tara Bridge. Photo: flickr/daninho_ibk
Tara Brücke. Foto: flickr/daninho_ibk

Vor der Unabhängigkeit fragten sich viele Beobachter, ob ein unabhängiges Montenegro überhaupt lebensfähig sein könne. So sagte Dejan Corovic, Vize-Bürgermeister der Küstenstadt Herceg Novi, zu Balkan Insight: "Da die Wirtschaftsmacht Montenegros als unabhängiger Staat unsicher ist, wäre es sinnvoller, Partner eines wirtschaftlich stärkeren Serbiens zu bleiben." Auch Andrija Mandic, Anführer der Serbischen Koalitionsliste, ist überzeugt, dass für das Wachstum das Zusammenbleiben Montenegros mit Serbien erforderlich ist.

Tatsächlich hat Montenegros Wirtschaft in der kurzen Phase seiner Unabhängigkeit einen Aufschwung erlebt. In den letzten drei Jahren lag die Inflationsrate bei 3 % oder darunter. Die öffentlichen Finanzen der letzten Jahre waren stabil. Die allgemeinen Staatsschulden verringerten sich von 88% des BIP in 2002 auf 36% des BIP in 2006.

Die Wirtschaft profitierte von Reformen im Bankensystem und von Steuersenkungen. Die Regierung führte eine einheitliche Körperschaftssteuer von 9% ein und eine einheitliche Einkommenssteuer von 15%, die bis 2010 auf 9% gesenkt werden soll. Damit ist Montenegro unter den führenden Steuerreformern, zusammen mit den baltischen Staaten und der Slowakei.

Trotz der beachtlichen Steuersenkungen erzielte das allgemeine Regierungsbudget von 2006 einen Überschuss von 1,3%. Die offizielle Arbeitslosenquote verringerte sich um die Hälfte in den letzten vier Jahren auf 14,7%. Die große Zahl von ausländischen Arbeitskräften im Tourismus und im Bausektor deutet auf eine wachsende Nachfrage hin.

Jahr

BIP reales Wachstum (%)

Netto Auslands-investitionen (Mio €)

2000

3,1

n/a

2001

-0,2

10,6

2002

1,7

86,9

2003

2,3

43,8

2004

3,7

51,8

2005

4,1

374,7

2006

6,5

466,7

Quelle: Weltbank, Zentralbank Montenegro

2005 und 2006 erreichten die ausländischen Direktinvestitionen Rekordhöhen, wodurch Montenegro ein großes Leistungsbilanzdefizit finanzieren konnte (29% der BIP in 2006). Während die Exporte im ersten Quartal 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 27% anstiegen, war der Zuwachs der Importe noch schneller.

Gleichzeitig hat sich die industrielle Produktion Montenegros seit 2005 kaum entwickelt. Die Produktion von vorwiegend Aluminium, Stahl und Strom ist in den beiden großen Städten Podgorica (Aluminium) und Niksic (Sitz der Stahlfabrik und der einzigen Bierfabrik) konzentriert. Der Anteil der verarbeitenden Industrie am BIP beträgt nur 8,3%, genauso viel wie der Anteil der Landwirtschaft.

"Montenegro durchlebt eine spannende Zeit", so der IWF in einem Bericht im Februar 2008: 'Nach den mutigen Reformen in den späten 90er Jahren und einer finanziellen Stabilisierung, hat die Wirtschaft durch große Kapitalzuflüsse Rückenwind bekommen und war 2007 das am schnellsten wachsende internationale Tourismusziel. Was Auslandsinvestitionen angeht, liegt Montenegro unter den ost- und südosteuropäischen Ländern an erster Stelle."

Laut der Montenegro Times lagen "die direkten Auslandsinvestitionen in Montenegro 2007 über €1 Billion". Internationale Gelder, teilweise fragwürdiger Herkunft, fließen für den Kauf von Immobilien in das Land. "Immobilienkäufe entlang der Küste waren 2007 kein seltenes Phänomen."

Richard Cowper schreibt weiter in der Montenegro Times: "'Es scheint, dass jeder Engländer oder Russe, der eine Million Euro auf der Bank hat, und der einmal in Montenegro war, sich in dieses Land verliebt hat. Er möchte dann in einer Yacht zurückkehren, sich eine große Steinvilla oder ein Bauernhaus mit Blick auf die Bucht von Kotor kaufen', so der Berater einer führenden ausländischen Immobilienfirma im Land."

April 2008

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