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Qefser Qahili
Qefser Qahili

Qefser Qahili und seine Familie teilen sich ein Haus mit fünf Räumen mit seinem Bruder, dessen Ehefrau und seinen sechs Söhnen und einer Tochter. Sein Bruder arbeitet als Lehrer in der örtlichen Grundschule in Lubishte. Qefser selbst hat zwei Söhne und eine Tochter. Um die Studien der zwei Söhne seines Bruders zu finanzieren, muss Qefser jetzt härter denn je arbeiten. Auf den fünf Hektar Land, die die Familie besitzt, können sie genug Mehl produzieren, um Brot für 10 Monate im Jahr zu haben. Für den übrigen Bedarf arbeitet Qefser als Landarbeiter für andere Familien. Ihm fehlen die finanziellen Mittel, um zusätzliches Land zu kaufen, das er bräuchte um mit der Landwirtschaft auszukommen.

"Wenn uns der Staat preiswerteren Sprit beschaffen könnte, wäre es schon besser. Oder wenn man die Möglichkeit hätte, einen Kredit aufzunehmen. Aber wir können das nicht, weil bei uns in der Familie keiner ein festes Einkommen hat. Mein Bruder hat nur einen auf ein Jahr befristeten Arbeitsertrag und ein zu kleines Einkommen."

Dies ist nicht das Leben, das er sich erhofft hat. Sein größter Wunsch war immer gewesen, eine Ausbildung zu machen und bezahlte Arbeit zu finden.

"In meiner Jugendzeit war mein Wunsch, als erstes die Schule abzuschließen. Nach der Ausbildung irgendwo Arbeit zu bekommen, das war das Erste. Aber aufgrund der finanziellen Umstände konnte ich das Studium nicht abschließen, ich habe nur ein Jahr Physik studiert. Dann musste ich aufhören und Landwirtschaft betreiben … Als ich 1981 mit dem Studium angefangen hatte, ist im Februar mein Vater gestorben. Als mein Vater gestorben war, musste ich aus familiären Gründen mein Studium abrechen, weil ich keinen zuhause hatte. Dort waren nur zwei alte Mütter."

Keiner von Qefsers Familie lebt und arbeitet im Ausland. Ohne Überweisungen aus dem Ausland ist das Leben hart.

"Das Geld, das aus der Emigration kommt, hat eine große Bedeutung, d.h. die Schüler, deren Eltern im Ausland sind, werden ausgebildet. Weil die anderen niemanden im Ausland haben, kann es passieren, dass sie ohne Ausbildung bleiben. Wir haben viele Beispiele hier in der Schule, wo aufgrund des Geldes bzw. der finanziellen Lage die Ausbildung abgebrochen werden muss.

Qefser träumt noch immer von einem eigenen Haushalt, davon, sich von seinem Bruder zu trennen. Es ist keine freie Wahl, sondern eine Notwendigkeit, dass die beiden Familien zusammen leben. Vor kurzem hat Qefser mit dem Bau eines zweiten Hauses begonnen. Wenn die zwei Häuser fertig sind, dann werden er und sein Bruder sich trennen. Sie werden die fünf Hektar Land aufspalten und von da an werden die beiden Familien als getrennte Einheiten wirtschaften.

Qefsers Erwartungen an die Zukunft sind pragmatisch. "Für meine eigene Generation," sagt er, "ist es zu spät."

"Wenn es ein unabhängiger Staat wird, dann werden im Kosovo für die Jugend neue Perspektiven eröffnet, weil es für meine Generation jetzt schon zu spät ist. Aber in der Zukunft erwarten wir eine bessere Perspektive für die Jugend, und es wird hier vielleicht vom Westen, von der Europäischen Union und von Amerika investiert. Diese Staaten, die uns während des Krieges geholfen haben, ich glaube, sie werden uns auch heute nach dem Krieg und auch in der Zukunft mehr helfen, um Wachstum im Kosovo zu schaffen. Und wenn es im Kosovo dann Wachstum gibt, dann werden die jungen Leute Arbeit finden, und die finanzielle Lage der Familien sowohl in den Dörfern als auch in der Stadt wird sich verbessern."

May 2008

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