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Mitrovica bridge
Brücke von Mitrovica. Foto: flickr/nicoland

Die Brücke von Mitrovica über den Ibar-Fluss ist zum Symbol ethnischer Spannungen im Nachkriegskosovo geworden. Die derzeitige Teilung der Stadt in einen serbisch bestimmten Norden (ca. 16.400 Einwohner) und einen albanischen Süden (ca. 66.000 Einwohner) wie auch die anhaltende Gefahr einer Teilung des Kosovo entlang des Flusses haben Mitrovica zum umstrittensten Gebiet des Landes gemacht.

Vor nicht allzu langer Zeit war Mitrovica eine stolze Bergbaustadt, in der Albaner und Serben Seite an Seite in der Mine und in den Fabriken des Metallurgie-Giganten Trepca arbeiteten, einem der größten Unternehmen des sozialistischen Jugoslawiens. Wahrscheinlich war es die „jugoslawischste“ Stadt im Kosovo. In keiner anderen städtischen Region sprachen so viele Serben Albanisch. Es gab keine Teilung entlang ethnischer Linien; Nord-Mitrovica hatte schon immer eine albanische Mehrheit und die serbisch orthodoxe Kirche und der Friedhof lagen schon immer im Süden.

Heute ist Mitrovica eine sterbende Stadt. Der beinahe vollständige Kollaps der Firma Trepca reduzierte Mitrovica in eine Stadt ohne Industrie und ohne Arbeitsplätze. Zwei Drittel der monatlichen Einkommen in Nord-Mitrovica kommen in Form von Überweisungen, Rentenzahlungen und Gehältern direkt aus Belgrad. Die Universität und das Krankenhaus von Nord-Mitrovica sind die größten Arbeitgeber. So wie der Norden politisch und wirtschaftlich von Entscheidungen aus Belgrad abhängig ist, so ist der Süden verarmt; das durchschnittliche monatliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt gerade einmal 38 Euro. Industrieller Niedergang in einem solchen Ausmaß heizt ethnische Spannungen zusätzlich an.

Einen Monat nach der Unabhängigkeitserklärung kam es am 17. März 2008 zum jüngsten Gewaltausbruch. Als UNO-Polizisten und KFOR-Truppen das UN-Gerichtsgebäude stürmten, das illegal von serbischen Randalierern besetzt worden war, gerieten sie unter schweres Feuer. Ein 25-jähriger ukrainischer Polizist wurde getötet und 42 internationale Polizisten und 22 KFOR-Soldaten wurden schwer verwundet, als sie von den Randalierern mit Handgranaten beworfen wurden.

Die Märzunruhen im Jahr 2004 brachen ebenfalls in Mitrovica aus und breiteten sich danach über den ganzen Kosovo aus. Dieser schlimmste Gewaltausbruch, den der Kosovo seit 1999 erlebte, kostete 19 Menschen, darunter 8 Serben, das Leben und vertrieb ca. 3.000 Serben aus ihren Häusern.

Mitrovica – Chronik eines angekündigten Todes? (ESI-Film von 2003)

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Mitrovica – Chronik eines angekündigten Todes? © 2003 ESI. All rights reserved.

Trepca Hüttenwerk (Nord-Mitrovica)

Hauptquartier der Trepca-Minen (Nord-Mitrovica)

   


Bergarbeiterhügel (Nord-Mitrovica)


Das Dorf Kiqiq (Süd-Mitrovica) ? ein von der finanziellen Unterstützung der Diaspora abhängies Dorf

   


"Die guten alten Tage " - Erinnerungen an die Zeit, als der Fußballverein von Mitrovica in der ersten Liga Jugoslawiens spielte


Bergarbeiter in Trepca (Süd-Mitrovica)

 


Die Märzunruhen von 2004 - zerstörtes serbisches Haus in Svinjare (Süd-Mitrovica)

May 2008

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