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Independance is better than having electricity
"Unabhängigkeit ist besser als Elekrizität". Foto: flickr/Shkumbin

Die kosovarische Unabhängigkeitsbewegung ist ein Phänomen, das erst seit kurzem besteht. Es wurde erst, nachdem Slobodan Milosevic 1989 die Autonomie des Kosovo abschaffte und dann im Verlauf der Repressionen des Milosevic Regimes, ein allgemeines Ziel der kosovo-albanischen Gesellschaft.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war der Kosovo ein integraler Bestandteil des osmanischen Reiches. Das erste nationale Erwachen der Albaner fand seinen Ausdruck in einem historischen Treffen von albanischen Führern 1878 in Prizren (die Liga von Prizren). Allerdings dauerte es bis 1912, dass überhaupt ein unabhängiger Staat Albanien auf der europäischen Landkarte erschien, und der schloss viele von Albanern besiedelte Gebiete aus, genauso auch den Kosovo.

Um das Gebiet des heutigen Kosovo wurde im 1. Balkankrieg von 1912 gekämpft. Montenegro nahm sich einen kleineren Teil im Westen des Kosovo, Serbien nahm sich den Rest. Die Serben im Kosovo betrachteten dies als Befreiung, die Albaner im Kosovo aber als Eroberung.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Kosovo ein Teil des neuen Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. Albanische Aufständische widersetzten sich der Integration des Kosovo in den serbischen Staat bis Mitte der 1920er Jahre. Die serbischen Regierungsorgane siedelten Serben und Montenegriner im Kosovo an, verboten das Albanische als offizielle Sprache und als Unterrichtssprache. Mehrere Aufstände der Albaner wurden unterdrückt. Es wird geschätzt, dass zwischen den beiden Weltkriegen und in den 1950er Jahren bis zu 150.000 Türken, muslimische Slawen und (am meisten) Albaner aus dem Kosovo in die Türkei emigrierten.

Mit dem 2. Weltkrieg wendete sich das Schicksal erneut: der Kosovo wurde von den Achsenmächten Deutschland, Italien und Bulgarien erobert. Dies wurde zumindest anfänglich von den Kosovoalbanern begrüßt, die es als eine Gelegenheit zur Revanche gegen das serbische Regime ansahen. Mit der Niederlage Nazideutschlands und seiner Verbündeten wurde der Kosovo erneut von Serbien annektiert und somit ein Teil des sozialistischen Jugoslawien.

Das kommunistische Establishment betrachtete die Albaner vor allem als Kollaborateure des ehemaligen Feindes. Erst als der sehr brutale Innenminister und Chef des Geheimdienstes Alexander Rankovic 1966 abgesetzt wurde, verbesserte sich die Situation. Mit der neuen jugoslawischen Verfassung von 1974 erhielt der Kosovo das Recht auf Selbstbestimmung. Der Status des Kosovo war (zusammen mit der Vojvodina) de facto dem der sechs konstitutiven Republiken (Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Mazedonien) in allem außer im Namen gleichgestellt. Die Provinz ernannte jetzt ihre höchsten Vertreter, hatte einen Präsidenten und eine Regierung und sogar einen Sitz im kollektiven Bundesrat Jugoslawiens. Das erste Mal bekam der Kosovo seine eigene Universität, eine Zentralbank und eine unabhängige Polizeitruppe. Der Kosovo erhielt aber auch das Recht, Gesetze, die das serbische Parlament beschlossen hatte und die die Provinz betrafen, abzulehnen.

1981, ein Jahr nach dem Tod Titos, kam es im Kosovo zu massiven Studentenprotesten und Demonstrationen. Was als ein Protest gegen das schlechte Essen in der Kantine der Universität von Prishtina begann, verwandelte sich in eine politische Demonstration, die die "Republik Kosovo" forderte. Die kommunistische Führung – davon die meisten selbst Albaner – schlug die Bewegung nieder und schickte Spezialpolizei und Panzer. Die Beziehung zwischen Albanern und der serbischen Bevölkerung begann sich in der Folge zu verschlechtern.

1988/89 verschaffte sich der serbische Führer Slobodan Milosevic die Kontrolle über den Kosovo. Im März 1989 stimmte das Parlament des Kosovo, umgeben von Panzern und Polizei, der Abschaffung der Autonomie der Provinz zu. Streiks, vor allem die der Bergarbeitern in Mitrovica, hatten dies nicht verhindern können. Die Kosovosektion des "Bundes der Kommunisten", wie sich die kommunistische Partei in Jugoslawien nannte, wurde gesäubert. Öffentliche Bedienstete wie Beamte, Lehrer, Krankenhausangestellte und Industriearbeiter wurden gezwungen, Loyalitätserklärungen gegenüber Milosevics Serbien abzugeben. Zehntausende, die dies verweigerten, wurden entlassen. Im Frühjahr 1990 löste die serbische Regierung das Parlament des Kosovo auf.

Daraufhin erklärte das albanische Rumpfparlament die "Republik von Kosova". Eine albanische Schattenregierung wurde nun von der "Demokratischen Liga des Kosovo" gebildet. Unter der Führung von Ibrahim Rugova, einem Literaturprofessor, wurde der Widerstand gegen das Milosevic-Regime fast ein Jahrzehnt lang mit friedlichen Mitteln geführt. Doch gegen Ende der 1990er verlor dieser friedliche Ansatz immer mehr an Unterstützung. Der Zusammenbruch des benachbarten Albaniens im Jahr 1997 machte Waffen überall zugänglich. Im Jahr 1998 begann die UCK – die kosovarische Befreiungsarmee – die serbische Polizei offen anzugreifen. Die folgenden Zusammenstöße zwischen der UCK und der serbischen Polizei, später unterstützt von der Armee, führten 1988/89 zur Vertreibung von 300.000 albanischen Dorfbewohnern, und lösten im Frühjahr 1999 den NATO-Angriff auf Serbien aus.

Nach dem Kosovokrieg mussten die jugoslawische Armee und die serbische Polizei abziehen. Der Kosovo kam unter die Verwaltung der UN.

May 2008

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