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Remzi Lani
Remzi Lani

Remzi Lani ist Direktor des albanischen Medieninstituts. Er war Chefredakteur der zweimal wöchentlich erscheinenden albanischen Zeitung "Zeri i Rinise" (1983-1992) und arbeitete als Korrespondent für die spanische Tageszeitung "El Mundo" und die kosovo-albanische Tageszeitung "Zeri". Lani war Mitautor der Bücher "Mein Albanien bei Ground Zero" und "Meister der humanistischen Philosophie". Lani ist einer der bekanntesten Persönlichkeiten der Medienszene auf dem Balkan.

1999 beschrieb Lani den schwierigen Weg der Befreiung vom Kommunismus und die Unsicherheit der Albaner über die Zukunft ihres Landes.

"Albanien ist wahrscheinlich das ex-kommunistische Land, das sich am meisten verändert hat. In der Tat, jeder Vergleich mit dem brutalen kommunistischen Regime wäre lächerlich. Von allen osteuropäischen Völkern haben die Albaner am wenigsten Grund, der Epoche vor dem Fall der Berliner Mauer nachzutrauern…. Neun Jahre später kann der albanische Bürger mit einem Reisenden an einem Busbahnhof verglichen werden, der sein Reiseziel nicht kennt. Das winzige Balkanland kann nicht als ein Hoffnungsland betrachtet werden. 'Der Austritt aus dem Kommunismus' war nicht so rosafarben und festlich, wie es schien."

(Albanien: Neun Jahre sp?ter, albanisches Medienzentrum, 16. Dezember 1999)

2004 analysierte Remzi die widersinnige Medienlandschaft Albaniens:

"Die albanischen Medien sind seit dem Ende der kommunistischen Ära weit gekommen. Sie haben die einst existierende Landschaft der Parteimedien in einen überbordenden Markt von Print- und elektronischen Medien verwandelt. Im Augenblick beläuft sich die Zahl der Medien in Albanien auf 255. Diese Zahl umfasst 19 Tageszeitungen, 35 Wochenzeitungen, fünf alle zwei Wochen erscheinende Zeitungen, 24 Monatszeitungen, neun alle zwei Monate erscheinende Zeitungen, 19 'andere' Zeitungen, fünf Wochenmagazine, 18 Monatsmagazine, acht alle zwei Monate erscheinende Magazine, 14 vierteljährliche Magazine und zehn 'andere' Magazine. Zusätzlich zu all diesen gedruckten Medien gibt es 46 lizenzierte Radio- und 64 lizenzierte Fernsehstationen.

Politisch gesehen deckt das Pressespektrum in Albanien die ganze Bandbreite von links nach rechts ab. Aber nur wenige dieser Zeitungen und Rundfunkstationen erreichen eine größere Anzahl von Menschen. Zum Beispiel verkauft sich die größte Tagezeitung schätzungsweise weniger als 20.000 Mal, und das in einem Land von fast drei Millionen Menschen.

Obwohl die Zahl der Tageszeitungen von zwei im Jahr 1991 auf 19 im Jahr 2003 gestiegen ist, ist die Auflage all dieser 19 Tageszeitungen zusammen nicht höher als die des ersten Oppositionsblattes 1991…. Weniger als die Hälfte der Bevölkerung kann Zeitungen in ihrem Wohnort kaufen.

Das Abonnementssystem ist andererseits sehr schwach und wird kaum genutzt. Beispielsweise liegt das durchschnittliche Einkommen eines Lehrers bei 10.000 Lek (ungefähr 75 Euro), und er müsste 13% seines Einkommens für eine Zeitung ausgeben - das lässt die Zeitung natürlich ziemlich teuer erscheinen…. Ein weiteres Problem der albanischen Printmedien ist ihr Sitz: all diese Medien haben auch weiterhin ihren Sitz in der Hauptstadt. Keine einzige Tageszeitung wird außerhalb der Hauptstadt herausgegeben….

Hinsichtlich seiner Mediengesetzgebung gehört Albanien zu den Ländern mit einer allgemein fortschrittlichen Gesetzgebung im Medienbereich, aber die Umsetzung ist nach wie vor problematisch. Doch das ist kein seltenes Problem auf dem Balkan - dass Gesetze im Einklang mit europäischen Standards geschrieben werden, aber bei ihrer Anwendung Balkanstandards gelten."

May 2008

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