Zurück Themen: Das Vermächtnis des Kommunismus - Weiter 
Legacies of Communism
Sturz der Statue Enver Hoxhas auf Tiranas Skanderbegplatz am 20. Februar 1991.

Am 11. Januar 1946 erklärte Enver Hoxha Albanien zur Volksrepublik und gab damit das Startsignal für eine vierzigjährige Phase der Unterdrückung, Isolation und Misswirtschaft. Zum Zeitpunkt des Todes des Diktators 1985 hatte Albanien ungefähr 2.000 PKWs und 700.000 befestigte Betonbunker - im Durchschnitt einen pro Familie.

Der Aufstieg des Kommunismus begann während des zweiten Weltkrieges. Kommunistische Partisanen engagierten sich in einer Widerstandsbewegung zuerst gegen die italienische, dann gegen die deutsche Okkupation. Enver Hoxha, der 1941 die albanische Kommunistische Partei (später Arbeiterpartei) gegründet hatte, war Anführer der Nationalen Befreiungsarmee. Nachdem Albanien von den Deutschen befreit worden war, wurde er der Führer des neu geschaffenen kommunistischen Staates. Die Legitimierung des Regimes lag zum Teil in seinen Wurzeln als Partisanenbewegung. Diese wurden von der Partei zelebriert, indem sie zum Beispiel auf allen öffentlichen Plätzen Statuen für jeden gefallenen Helden errichtete. Hoxha nutzte den albanischen Nationalismus genauso sehr wie die Furcht vor aggressiven Nachbarstaaten.

Hoxhas repressives Regime erlaubte weder eine Infragestellung seines Machtanspruchs, noch seiner stalinistischen Ideen. 1961 brach Hoxha mit Albaniens engstem Verbündeten, der Sowjetunion, weil sich Chruschtschow von den Lehren Stalins abwandte. Danach wurde die Volksrepublik China engster Verbündeter Albaniens. Als aber China wiederum 1978 diplomatische Verbindungen zu den Vereinigten Staaten aufnahm, wandte sich Hoxha auch von China ab und entschied sich für eine Politik der Selbstgenügsamkeit. Albanien wurde das Nordkorea Europas, der am meisten isolierte kommunistische Staat der Welt. Am Ende besaß Albanien die letzten Stalin-Monumente Europas außerhalb von Stalins Heimatstadt in Georgien.

Enver Hoxhas Albanien war wie eine Festung - ein Staat bedroht von angeblich unzähligen Feinden im In- und Ausland. Regelmäßige Säuberungswellen führten zu tausendfachen Hinrichtungen von erklärten politischen Feinden oder Feinden des Kommunismus. Gegner des Regimes wurden in Gefängnissen wie Tepelena inhaftiert oder zur Zwangsarbeit in Kupferminen wie der in Spac gebracht. Als Enver Hoxha 1985 starb, hatte Albanien drei Millionen Einwohner. Es war das ärmste Land Europas. Vicker und Pettifer beschrieben das Albanien dieser Periode in ihrem Buch "The Albanian Question – Reshaping the Balkans" als

"eine Insel steigender Armut und Demoralisierung, mit einer rapide verfallenden Infrastruktur, bröckelnden Gebäuden, schlecht ernährten und ärmlich bekleideten Arbeitern und Bauern, die nur primitive landwirtschaftliche Geräte hatten, und ständig umgeben waren von Slogans, die sie daran erinnerten , dass die Partei über allem stand. (Partia mbi te gjith)."

Die Nachfolge Enver Hoxhas trat sein Zögling Ramiz Alia als Führer der Kommunisten an. Alia teilte Hoxhas marxistisch-leninistischen Ansichten, sah sich aber einer immer frustrierteren Bevölkerung und zunehmendem Druck aus dem Ausland ausgesetzt. Schritt für Schritt machte er Zugeständnisse hinsichtlich der politischen Kontrolle und der Menschenrechte. Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 erfassten die Veränderungen anderer kommunistischer Länder Mittel- und Südosteuropas auch Albanien.

Der erste massive anti-kommunistische Protest fand im Juli 1990 statt. Kurz danach führte das kommunistische Regime einige kosmetische Veränderung in der Wirtschaftspolitik durch. Doch da war es schon zu spät: Mangel an Ersatzteilen, veraltete Maschinen, Dürre und die steigende Unzufriedenheit brachte die Wirtschaft zum Stillstand. Ende des Jahres 1990, nach Studentenprotesten und einer unabhängigen Gewerkschaftsbewegung, musste das Regime einem Mehrparteiensystem zustimmen. Hoxhas vergoldete Statue auf dem Skanderbeg-Platz in Tirana wurde von Aufständischen am 20. Februar 1991 gestürzt.

Dies bedeutete keineswegs eine sofortige Abkehr von kommunistischen Ideen. Die Bevölkerung war mit kommunistischer Poesie in den Schulen groß geworden und hatte das "Im Namen der Partei - Allzeit bereit!" mitgerufen. Wer die regionalen Strukturen der Parteikommittees kennt, wundert sich nicht, dass es in den Wirren der 90er Jahre in einigen Gebieten weiterhin Unterstützung für das ehemalige Regime gab. Vickers und Pettifer schrieben in ihrem Buch 'The Albanian Question - Reshaping the Balkans':

"Nur wenige Ausländer verstehen die tatsächliche Beschaffenheit des albanischen Staates, wie sie sich unter Enver Hoxhas Kommunismus herausgebildet hat. Dieser Staat war mit schierer Gewalt durchgesetzt worden … und Teile davon blieben intakt bis 1997 … In Süd-Albanien gab es fast überall eine aktive Unterstützung für den Kommunismus und in einigen wenigen Orten unterstützte noch 1997 eine klare Mehrheit den Kommunismus, zumindest in manchen Aspekten des alten Regimes."

Die Spuren, die der Kommunismus hinterlassen hatte, mussten überwunden werden, nicht wegen der Statuen oder Bunker, sondern wegen des Mangels an Institutionen, der maroden Wirtschaft und wegen des Vertrauensmangels in eine friedliche Art der demokratischen Mitwirkung.

May 2008

 Zurück Themen: Das Vermächtnis des Kommunismus - Weiter