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Poverty in Albania
Spielende Kinder

"Wir sind so glücklich, dass Albanien ein sozialistisches Landwirtschafts- und Industrieland geworden ist, mit einer modernen Industrie, einer kollektiven Landwirtschaft und einer fortschrittlichen Kultur."

Stell. Premierminister Chen Yi, 29 November 1961, Peking

Während der gesamten zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Albanien einer der ärmsten Staaten Europas. Der Wandel von einem kommunistischen Staat in eine Demokratie und Marktwirtschaft war zunächst von einem beeindruckenden Wachstum begleitet, wenngleich von einem niedrigen Ausgangspunkt. Obwohl Albanien seit 1990 laut Weltbank schnell gewachsen ist (World Bank 2006) ist es mit einem BIP von $5.300 pro Kopf (Kaufkraftparität) immer noch einer der ärmsten Länder Europas:

2005 BIP pro Kopf (Kaufkraftparität, US$)

Schweiz 35.600
Frankreich 30.400
Griechenland 23.400
Slowenien 22.300
Polen 13.800
Kroatien 13.000
Bulgarien 9.000
Bosnien-Herzegowina 7.000
Albanien 5.300
Philippinen 5.100
Armenien 5.000

Albaniens Kindersterblichkeitsrate ist die höchste in Südosteuropa (im Jahr 2006 19 von 1.000, WGO). Die Müttersterblichkeitsrate ist auf dem Balkan nur in Rumänien höher. Beschränkter Zugang zu sauberem Wasser und schlechte Gesundheitsversorgung sind weitere Risiken.  Weniger als 20% der ländlichen Haushalte haben zu Hause Fliesswasser, und nur 41% haben ein WC.  Nur die Hälfte aller Bürger haben laut Weltbank (2006) Zugang zu Abfallbeseitigung. Albanien ist mit nur 1,3 Ärzten pro 1.000 Einwohner auch hier das Schlusslicht auf dem Balkan. Laut WGO ist die Zahl der Ärzte und Krankenschwestern seit Mitte der 90er Jahre sogar zurückgegangen (Weltbank 2006)

Mit dem Rückgang der öffentlichen Bildungsausgaben ist auch die Zahl der Schüler im Sekundarschulwesen (höhere Schulbildung) von 78,5% im Jahr 1989 auf 43,6% im Jahr 2002 gefallen. Der Schulbesuch in diesen Schulen ist auf dem Land um 15% niedriger (IMF PRSP 2006).

Laendliche Gebiete und der Nordosten Albaniens zaehlten lange Zeit zu den aermsten Gebieten Europas. Der Landwirtschaftssektor wuchs zunaechst nach dem Ende des Kommunismus, teilweise durch die Privatisierung der Staatsfarmen, aber seitdem verlangsamte sich das Wachstum. Der Sektor leidet unter der geringen Groesse der Bauernhöfe, dem Mangel an Infrastruktur und dem problematischen Zugang zu den Maerkten. Viele entlegene Regionen sind isoliert in einem Land, in dem "nur 12% der Strassen asphaltiert und nur 8% der Strassen als 'gut' bezeichnet werden können." (World Bank 2006).

In den letzten 15 Jahren gab es Landflucht in großem Umfang. Gezim Nohemi, der sein Dorf Theth im Norden verließ, erklärt, warum so viele Dorfbewohner ihre Heimat verlassen haben:

"Wir waren sehr, sehr arm, Es gab keine Einkünfte, wie sollten wir unseren Lebensunterhalt bestreiten? Durch Rinderzucht? Es fuehrte keine Strasse zum Dorf und es gab keine Arbeit. Wir mussten wegziehen."

Von der durchschnittlichen Wachstumsrate in den letzten Jahren profitierten auch die Armen. Ein neuer Weltbankbericht spricht von "einer massiven Reduzierung der Armut" zwischen 2002 und 2005:

"Hohe Wachstumsraten des BIP gingen mit einer Verringerung der Armut einher…. im Jahr 2002 konnten von anfangs  800.000 armen Menschen an die 235.000 der Armut entkommen."

Allerdings stellte der Weltbankbericht auch fest, dass Armut in den Städten wesentlich schneller zurückging als auf dem Land. Insbesondere Tirana erlebte einen Einkommensanstieg. Dies deutet darauf hin, dass die Abwanderung vom Land in die Städte anhalten wird.

May 2008

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