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Edi Rama
Edi Rama

Edi Rama ist seit 2000 Tiranas Bürgermeister und seit 2005 Vorsitzender der Sozialistischen Partei Albaniens. Der ehemalige Basketballspieler, Künstler und Bildhauer lebte und arbeitete in Paris, wurde später Kulturminister, der niemals eine Krawatte trug. Als Rama sein Amt als Bürgermeister antrat, war sein Budget bei weitem nicht ausreichend für seine ambitionierten Pläne für die Stadt. Also fand er Alternativen um Tirana zu verändern. Sein Projekt, alte Fassaden in bunten grellen Farben streichen zu lassen, machten ihn berühmt.

"Die Farben waren ein Instrument. Ich habe die Farben aus einer Notwendigkeit heraus ausgesucht. Es war kein ästhetisches oder künstlerisches Handeln. Die Farben waren ein politisches Zeichen dafür, dass Veränderung möglich war. Und die Menschen haben es verstanden."

Als das kommunistische Regime zusammenbrach, war Rama Professor an der albanischen Kunstakademie. Zunächst war er abschreckt von der politischen Szene, die sich Anfang 1990 formierte, und zog es vor, Politik von außen zu kommentieren. Während er Beiträge schrieb, setzte er seine Tätigkeit an der Kunstakademie fort. 1995 ging er mit einem Stipendium nach Paris. Als er 1997 für einen Besuch zurückkehrte, wurde er von Rowdies mit einer Metallstange attackiert und entging nur knapp dem Tod.

1998 kam Rama wieder nach Albanien, diesmal für das Begräbnis seiner Vaters. Der unerwartete Anruf des damaligen Premierministers Fatos Nano, der ihn mit 'Herr Kulturminister' ansprach, beendete sein Leben als Künstler. Er nahm das Angebot Nanos' an und trat dem Ministerrat bei, nicht jedoch der Sozialistischen Partei.

Im Oktober 2002 wurde Edi Rama zum Bürgermeister von Tirana gewählt. Die zehn Jahre andauernde Führung der Demokratischen Partei über die Stadt war damit zu Ende. Rama war als unabhängiger Kandidat mit Unterstützung der Sozialistischen Partei angetreten. Er übernahm eine Stadt, deren Infrastruktur zusammengebrochen war, Gesetze hatten keine Bedeutung, und die öffentlichen Parks der Stadt waren illegal bebaut worden. Rama erinnert sich heute:

"Die Stadt war wie ein Bahnhof, an dem jeder versucht, nicht lange bleiben zu müssen; den jeder mit allen Mitteln möglichst schnell verlassen wollte; an dem sich jeder nur um seinen eigenen Platz, nicht jedoch um seine Umgebung kümmerte; es war eine große Aufgabe, dieses Bewusstsein zu ändern."

Die sichtbarsten Ziele des neuen Bürgermeisters waren, das Stadtbild und dessen Atmosphäre zu verändern. Rama organisierte Studenten, um ganze Stadtviertel zu reinigen, Parks wurden erneuert, Bäume gepflanzt und Gehsteige instand gesetzt. Das 'Sanierungs- und Grün Projekt' schuf 96.000 qm Grünfläche. Aber nichts symbolisierte so klar den Bruch mit dem alten, grauen Tirana wie die strahlenden farbigen Gebäude.

"Das Land scheint die Jahre der kommunistischen Herrschaft durch das Bemalen der Häuser in den unvorstellbarsten Farbkombinationen überwunden zu haben. Sie sind lila und orange, grüngelb und weinrot, hellgrün und rot. Dies betrifft nicht nur vereinzelte Häuser. Ein achtstöckiges Wohnhaus wurde mit strahlendem Gelb und grünen Streifen bemalt, mit blauen und roten Vierecken an der oberen Kante. Neue Hochhäuser waren nicht weniger bunt, oft in fünf oder sechs verschiedenen Farben bemalt…"

(Michael Geller, Albania revels in freedom of colour chaos, 6. Oktober 2007)

Ramas Ziel war es, das Gefühl von Stolz und Identifizierung mit der Stadt wiederherzustellen:

"Nach dem Kommunismus und den Vorfällen 1997 haben die Menschen das Gefühl der Zugehörigkeit zu ihrem Land verloren. Es herrschte eine Wut gegen alle öffentlichen Gebäude, da sie als Eigentum des Feindes wahrgenommen wurden. …Wir versuchen den Menschen zu erklären, das alles öffentliche auch ihnen gehört."

(Edi Rama, zitiert in "You've got to tear this old building down", International Special Report Article)

Edi Rama
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Rama wurde zwar kritisiert, aber wegen der Unterstörzung der Bevölkerung von Tirana wurde er 2003 und 2007 wiedergewählt. Er wurde zum Weltbürgermeister 2004 gewählt und stand auf der Time Magazine Liste der Europäischen Helden 2005. Im Oktober 2003 trat er der Albanischen Sozialistischen Partei bei und übernahm nach der Wahlniederlage der Partei im Jahr 2005 deren Vorsitz als Nachfolger von Fatos Nano.

Edi Rama möchte zu einem neuen Bild Albaniens beitragen:

"Tirana ist die gute Nachricht Albaniens und hat das Image des Landes verändert. Menschen, die hierherkommen, sind sicher überrascht, weil ihr vorgefasstes Bild der Stadt sehr stark ist und der Realität nicht entspricht. Es ist schön zu sehen, wenn Ausländer kommen und überrascht, einfach verblüfft sind."

May 2008

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