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Ermira Mehmeti
Ermira Mehmeti

Ermira Mehmeti ist Pressesprecherin der Demokratischen Union für Integration (DUI), der größten albanischen politischen Partei Mazedoniens. Als junge, gut ausgebildete Frau in ihrer Position symbolisiert Ermira Mehmeti auch die in letzter Zeit eingetretenen Veränderungen der traditionellen albanischen Sozialstrukturen.

Ermira hat sich schon immer für Politik interessiert. Nach dem Kosovokrieg 1999 arbeitete sie als Übersetzerin am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien und für das Humanitäre Büro der Europäischen Kommission.

Während des Mazedonienkonflikts und der Friedensverhandlungen 2001 arbeitete Ermira für die Nachrichtenagentur Associated Press, half mit Kontakten, Recherchen und Übersetzung aus. Zu dieser Zeit traf sie auch Ali Ahmeti, den Anführer der Nationalen Befreiungsarmee (NLA), albanische Rebellen, die die mazedonischen Sicherheitskräfte herausforderten. Als Ahmeti die DUI Partei gründete und Parteipräsident wurde, bat er sie, mit Übersetzungen und Kontakten zu Journalisten auszuhelfen, da sie sowohl Englisch als auch Mazedonisch sprach. Mit der Zeit wurde die Zusammenarbeit intensiver.

"Auf eine Weise wurde ich informell freiwillige Mitarbeiterin während der ersten Wahlkampagne [2002]. Im Dezember 2002 fragte mich Herr Ahmeti, ob ich den Job [des Pressesprechers] übernehmen wollte. Für mich war das eine Überraschung. Erstens erwartete ich nicht, dass man mir, noch dazu als Frau, einen Job als Pressesprecherin anbot; in einer von Männern dominierten Organisation, die sich aus einer militärischen Struktur in eine politische verwandelt hatte.

Meine Einsetzung als Pressesprecherin galt auch auch als ein Zeichen dafür, dass diese militärische Organisation in Wahrheit gar nicht so schlimm war, und nicht so feindselig, wie sie schien."

Ermira beendete als eine der ersten Studenten ein Studium an der multi-ethnischen und mehrsprachigen Südosteuropäische Universität (SEEU) in Tetovo. Die Universität wurde 2001 aufgrund einer Bestimmung des Ohrid-Abkommens gegründet. Bis zum Jahr 2001 gab es in Mazedonien keine offizielle albanischsprachige Universität. Mehr als die Hälfte der eingeschriebenen Studenten auf der SEEU waren Frauen, zumeist Albanerinnen. Ermira erinnert sich:

"Es erwies sich als eine große Chance für Frauen, für junge albanische Mädchen, zu studieren. Es wurde zuerst als Neugier dargestellt, aber die Südosteuropäische Universität hatte mehr als 50 Prozent Studentinnen, dasselbe galt für die staatliche Universität Tetovo [eine albanischsprachige Universität, die illegal betrieben wurde und erst im Jahr 2004 anerkannt wurde]. Dies war ein Zeichen dafür, dass albanische Frauen nach Bildung strebten, aber es gab Faktoren, die den Frauen das Recht auf ordentliche Bildung vorenthielten."

Die Position der Frauen in der albanischen Gesellschaft ändert sich heute schrittweise.

"Die neue Generation trifft heute nicht wirklich auf negative Reaktionen. Ich glaube, junge albanische Männer sind auch Teil – oder werden Teil – der globalen Gesellschaft, und befreien sich davon, was wir als Vorurteile bezeichneten, die in unserer Gesellschaft so lange existierten. Für mich persönlich war es viel mehr eine Herausforderung, dass ich mit den Menschen zusammenarbeiten musste, mit denen ich arbeitete. Denn die meisten gehören immer noch zur alten Generation der albanischen Männer, die immer noch sehr traditionell sind. Insofern waren sie für mich eine größere Herausforderung als meine männlichen Kommilitonen an der Universität.

Ermira ist stolz auf den Fortschritt, den ihr Land seit 2001 gemacht hat. Eine erfolgreiche und stabile Zukunft ist für sie eng verbunden mit einer EU- und NATO-Mitgliedschaft.

"Mazedonien sollte als ein Beispiel dafür untersucht werden, wie sich ein Land in nur fünf Jahren von einem Konflikt erholen kann, der fast zu einem Bürgerkrieg geführt hätte, und nun zum Kandidat für die EU-Mitgliedschaft wurde. Dies wäre nicht ohne den gemeinsamen Einsatz der beiden größten Gruppen der politischen Eliten geschehen, die rational agierten und auch erkannten, dass es für Mazedonien keine andere Alternative gab. [Es ist] tatsächlich ein kleines Land, umgeben von Nachbarn, die alle in irgendeiner Weise die Identität des Landes beanstanden, sei es die Kirche, die Sprache, oder den Namen des Landes. Wenn man also von solchen Nachbarn umgeben ist, fragt man sich, welcher Weg führt da hinaus, welche Allianz kann man bilden. Schließlich stellt sich heraus, dass die sicherste Allianz die EU sein würde und natürlich die NATO. Ich persönlich möchte Mazedonien in der EU sehen."

May 2008

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