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Toni Kitanovski
Arabati Baba Tekie in Tetovo. Foto: Alan Grant

Tetovo ist die inoffizielle Hauptstadt der albanischen Gemeinschaft. Die Stadt liegt im Nordwesten Mazedoniens, nahe der Grenze zum Kosovo. Während des Konflikts von 2001 war das Gebiet einer der Unruheherde. Das Hauptquartier von Ali Ahmeti, des Führers der Rebellenkräfte, war in Sipkovica, einem Bergdorf, das nur 10km von Tetovo entfernt liegt.

Mittlerweile ist Tetovo ein Zentrum der Hochschulbildung in Mazedonien geworden, vor allem für die albanische Gemeinschaft. Das Ziel der Staatsuniversität Tetovo und der neu gegründeten Südosteuropäischen Universität (South East European University, SEEU), bei der Vorlesungen auf Englisch, Albanisch und Mazedonisch abgehalten werden, war es, das Problem des ungleichen Zugangs zur höherer Bildung zu lösen, das eine andauernde Quelle ethnischer Spannungen war.

Wie Mazedonien war Tetovo jahrhundertelang Teil des osmanischen Reiches. Obwohl es ursprünglich ein orthodoxes Dorf war, das um eine orthodoxe Kirche herum gebaut wurde, kam es ab dem 14. Jahrhundert unter islamischen Einfluss und wurde unter dem türkischen Namen Kalkandelen bekannt. Die Moschee Sarena Dzamija (bunte Moschee), die 1459 mit von zwei Frauen gespendeten Mitteln gebaut wurde, ist eines der berühmtesten Beispiele islamischer Baukunst in der Region. Tetovo ist auch der Sitz der Baba Arabati Tekke, einer Unterkunft für die Derwische der Bektaschi-Sekte. Einst spielten Sufismus und Derwisch-Orden für die Albaner eine wichtige Rolle bei der Praktizierung des Islams. Herbert Vivian, ein englischer Reisender, der Anfang des 20. Jahrhunderts über die Region schrieb, beschrieb die osmanische Stadt folgendermaßen:

"Kalkandele ist sogar noch schöner als die meisten türkischen Städte. Jedes Haus hat einen Garten mit einem plätschernden Bach, hohe Pappeln und Zypressen erheben sich neben schimmernden Minaretten in die Höhe, Storchennester balancieren auf Schornsteinen, die Schwere wettergegerbter hölzerner Behausungen in allen möglichen wunderbaren Formen wird durch die fröhliche und immer kunstvolle Anordnung türkischer Geschäfte ausgeglichen, und die Frauen gehören zu den am besten gekleideten in ganz Mazedonien."

(Herbert Vivian, "The Servian Tragedy", 1904, S. 294)

Heute ist Tetovo eine multiethnische Stadt mit einer klaren albanischen Mehrheit. Im Jahr 2002 hatte Tetovo eine Bevölkerung von 86.580 Menschen, von denen 60.886 Albaner und 20.053 Mazedonier waren. Den Rest machten kleine Gemeinschaften von Roma, Türken, Bosniaken und Walachen aus (Volkszählung 2002).

Vor dem Konflikt von 2001 beklagte sich die albanische Minderheit in Mazedonien viele Jahre lang, dass sie in bezug auf Hochschulbildung diskriminiert wurde und in diesem Bereich unterrepräsentiert war. Die Verfassung sah vor, dass höhere Bildung nur in der Staatssprache Mazedonisch, angeboten werden sollte. 2001 machten Albaner nur 4,9 Prozent der immatrikulierten Studenten aus (OECD). Bis zu den frühen 90er Jahren besuchten viele mazedonische Albaner die zweisprachige Universität von Pristina im Kosovo. Als das Milosevic-Regime die albanisch-sprachigen Abteilungen der Universität schloss, halfen ehemalige Angestellte der Universität von Pristina beim Aufbau der Universität von Tetovo. Sie sollte Mazedoniens dritte Staatsuniversität und die erste, in der auf Albanisch gelehrt würde, werden. Doch die Regierung erklärte die Hochschule für illegal und versuchte – erfolglos –, sie mit Gewalt zu schließen. Dies hatte gewaltsame Proteste der albanischen Minderheit zur Folge.

Die Südosteuropäische Universität (South East European University, SEEU) wurde zur Lösung des Konflikts geschaffen: eine private, mehrsprachige und multiethnische Institution in Tetovo. Mit Unterstützung von OSZE, Europarat, USAID und internationalen Geldgebern öffnete die SEEU im Oktober 2001, kurz nach der Beendigung des Aufstands. In den vergangenen sieben Jahren ist sie stetig gewachsen. Sie hat Verbindungen zu anderen Universitäten in der Welt hergestellt und versucht, europäische Standards zu erreichen. Die akademischen Schwerpunkte liegen auf Jura, Betriebswirtschaft, Sozialwissenschaften, Computerwissenschaften und Programmen zur Lehrerausbildung. Während das ursprüngliche Ziel war, Albanern die Möglichkeit zum Studieren zu geben, waren bereits im akademischen Jahr 2003/04 mehr als ein Viertel der sich neu eingeschriebenen Studenten ethnische Mazedonier (OECD). Heute hat die Hochschule über 7.000 Studenten.

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Die südosteuropäische Universität von Tetovo. © 2008 pre tv. All rights reserved.

Außerdem erkannte die mazedonische Regierung die Universität von Tetovo als eine Staatsuniversität an. Als ein Symbol des albanischen Kampfes für gleiche Rechte war der Status der Hochschule jahrelang ein umstrittenes Thema in der mazedonischen Politik gewesen. Während die DUI, die größte albanische Partei, auf der staatlichen Anerkennung bestand, stellten andere die Ausbildungsstandards in Frage und waren der Ansicht, dass die Hochschule zur ethnischen Segregation beitrug. An der Universität sind derzeit 12.036 Studenten, davon 1.100 Ausländer, eingeschrieben (SUT). Die Lehrsprache ist überwiegend Albanisch. Die Hochschule hat Fakultäten für Naturwissenschaften, Wirtschaft, Polytechnik, die Künste und Jura.

Tetovos Universitäten haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der Anteil der Albaner unter den Studenten in Mazedonien erhöht hat. Von 4,9 Prozent im Jahr 2001 ist er auf 14,9 Prozent im Jahr 2004 gestiegen (SEEU).

May 2008

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