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Radmila Sekerinska
Radmila Sekerinska

Bis vor kurzem war Radmila Sekerinska die Vorsitzende der wichtigsten Oppositionspartei Mazedoniens, der Sozialistischen Demokratischen Allianz Mazedoniens (SDSM). Sie war die erste Frau, die einer politischen Partei in Mazedonien vorstand, trat jedoch nach einer eindeutigen Wahlniederlage bei der vorgezogenen Parlamentswahl im Juni 2008 zurück.

Als sich die ersten Anzeichen eines direkten Konfliktes zwischen albanischen Rebellen und den mazedonischen Sicherheitskräften im Januar 2001 abzeichneten, war die damals 29-jährige Sekerinska Oppositionsmitglied im Parlament.

"Die Vorfälle in Mazedonien machten mir Angst: Der plötzliche Anstieg des Nationalismus, bewaffnete Auseinandersetzungen und extremer Populismus. Wir behaupteten, das Land unserer Bürger zu sein, unabhängig ihrer ethnischen Herkunft. Mazedonien war das einzige Land des ehemaligen Jugoslawiens, das sowohl Grundschulbildung als auch weiterführende Schulbildung in allen Sprachen ihrer Minderheiten gewährleistete. Albanisch war bereits auf lokaler Ebene offizielle Sprache. Wir dachten, dadurch, dass wir die ersten waren würden die Konflikte aufhören, wir würden Zeit gewinnen und manche Probleme in der Zukunft lösen."

Sie erinnert sich an die Reaktion der mazedonischen Bevölkerung nach den ersten gewalttätigen Auseinandersetzungen.

"Man könnte glauben, dass Panik ausbrechen würde, aber im Gegenteil, tatsächlich herrschte das allgemeine Gefühl, dass die Probleme irgendwie verschwinden, nur eine Woche andauern würden und außerdem weit weg wären. Und ich habe diese Einstellungen der Mehrheit der Bürger Mazedoniens verglichen mit Kroatien und Bosnien und erkannt, dass dies tatsächlich ein typisches Verhaltensmuster ist. Die Menschen passen sich dem Konflikt an und denken, dass ihr tägliches Leben irgendwie nicht davon betroffen ist. Wir dachten, 'oh, das ist ja nur die Gegend neben dem Kosovo' und nur deshalb sei es zu den Problemen gekommen.

Als sich der Konflikt nach Tetovo ausweitete, etwa 40km von Skopje entfernt, dachten wir immer noch, dass es sich um einen abgegrenzten Konflikt handelte; es gab Probleme, Schießereien ... aber es würde vorübergehen. Doch es näherte sich immer mehr der Hauptstadt Skopje, schließlich nach Arachinovo, das auf der Strecke zwischen Skopje und dem Flughafen von Skopje liegt. Immer noch verließen Menschen Skopje auf dem Weg in den Urlaub nach Griechenland oder nach Ohrid."

Während die Spannungen anhielten und Arachinovo bombardiert wurde, kam es bereits zu geheimen Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien.

"Jeder wollte das Ende der Feindseligkeiten, aber niemand war bereit, den politischen Preis dafür zu bezahlen. Politiker hielten daran fest, dass wir nicht mit den Rebellen, Terroristen oder Kämpfern in Verhandlungen treten sollten. Manche Leute glaubten, wir würden bereits Verrat begehen, sobald wir uns nur an den Tisch setzten und zwischen vier politischen Parteien und dem Präsidenten verhandeln würden."

Die Verhandlungen im Vorfeld des Abkommens von Ohrid dauerten bis August 2001. Nachdem die Regierung der Allparteienkoalition, die während der Krise eingesetzt worden war, zerfiel, gewannen die Sozialdemokraten die Wahlen im Herbst 2002. Sie hatten nun die Aufgabe, das Ohrid-Abkommen, das bei vielen Mazedoniern sehr umstritten war, umzusetzen.

"Die Leute sagten, dass all die Dinge des Ohrid-Abkommens zwar nicht abgelehnt werden sollten, aber hätten wir sie wirklich unter Androhung von Waffengewalt verhandeln müssen? Vielleicht hätten wir dieselbe Entscheidung auch ohne die Opfer erreicht. Diese Gefühl ist sehr stark unter den ethnischen Mazedoniern, dass sie dazu gezwungen wurden, einem Abkommen zuzustimmen, das nicht fair war."

Als Vize-Premierminister, verantwortlich für Europäische Integration, organisierte Sekerinska wichtige Schritte auf dem Weg zur EU Mitgliedschaft. Während dieser Zeit beantragte Mazedonien die Mitgliedschaft in der EU und im Dezember 2005 wurde dem Land der offizielle EU-Kandidatenstatus vom Europäischen Rat verliehen. Damit zeigte das Land, dass es vielen seiner Nachbarländer voraus war. So erklärt Sekerinska:

"Mazedonien ist ein lebendiges Beispiel dafür, was möglich ist: wenn man etwas fördert, gibt es Fortschritt … wenn es einen komplizierten ethnischen Mix gibt, bedeutet das nicht, dass man zum Konflikt verdammt ist." (IHT 2005)

July 2008

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