Zurück Orte: Vitez - Weiter 
Vitez
Vitez

Vitez in Zentralbosnien ist eigentlich die Geschichte von zwei Städten; einmal die eines sozialistischen Zentrums der Waffenproduktion, das inzwischen zusammengebrochen ist, und dann die eines quirligen Handelszentrums mit seiner neuen Gewerbezone PC 96, die sich am Rande der Stadt rasant ausbreitet.

Die Gemeinde Vitez war Schauplatz heftiger Kämpfe während des Krieges – das Massaker von Ahmici wurde hier im alten "Hotel Vitez" geplant. Heute aber sind interethnische Zusammenarbeit in der Gemeinde und kluge Entwicklungsplanung der Schlüssel zum ökonomischen Erfolg.

In den späten 1940er Jahren hatte Marschall Josip Broz Tito das gebirgige und dicht bewaldete Zentralbosnien zum Zentrum der neuen jugoslawischen Militärindustrie erklärt. Die Gegend bot all die Qualitäten einer natürlichen Festung.

In dem Gebiet von Bugojno über Novi Travnik bis nach Vitez wurden zahlreiche Waffenfabriken errichtet, um für die Jugoslawische Volksarmee zu produzieren. Die Errichtung des modernen Vitez fand gleichzeitig mit dem Bau der Slobodan Princip Seljo Schießpulverfabrik – bekannt als Vitezit – statt.

vitez1
"Vitezit" auf seinem Höhepunkt in den 80er Jahren

Der Komplex des alten Vitezit Kombinats erstreckt sich über 240 Hektar. Es besitzt ein internes Straßennetz von 25 Kilometern. Ein Besucher, der diesen riesigen Industriekomplex betritt, wird überrascht sein, Rehwild, Hasen und Dachse vorzufinden. Der Komplex wirkt heute fast mehr wie ein Nationalpark als ein Industriebetrieb.

In Wirklichkeit ist mit dem Stillstand des Kombinats das Rückgrat der Vorkriegsökonomie von Vitez gebrochen, mit dem Resultat, dass es heute kaum wirtschaftliche Aktivitäten gibt.

Während der Krieg in Zentralbosnien tobte, wurden in Vitez 988 Menschen getötet oder verschwanden, davon 550 Bosniaken, 435 Kroaten, 6 Serben und 7 andere. Nachdem die kroatische HVO die Stadt unter ihre Kontrolle brachte, wurden die bosniakischen Einwohner vertrieben. Die einzige Ausnahme war "Stari Vitez" (Alt Vitez), eine bosniakische Enklave, wo 1.300 Menschen von 1993 bis 1994 einer 317-tägigen Belagerung standhielten. Die Frontlinie verlief quer durch die Stadt, und hinterließ ein bitteres Erbe, das nur sehr schwer zu überwinden ist.

Dario Kordic
Dario Kordic

Dario Kordic, der politische Führer der Kroaten in Zentralbosnien, tat alles, um die bosnischen Kroaten und die Muslime zu trennen. Er war ein hochrangiges Mitglied der Partei HDZ und außerdem der Militärkommandeur der HVO. Kordic, sitzt heute eine 25-jährige Haftstrafe für Kriegsverbrechen in einem österreichischen Gefängnis ab. Laura Silber und Alan Little beschrieben ihn sehr eindrücklich in ihrem Buch, "The Death of Yugoslavia":

"Ein von sich überzeugter, junger Journalist, der zum Krieger mutiert war, mit einer unerschütterlichen Überzeugung, dass Bosnien eigentlich Kroatien zugehörte. … Die mittelbosnischen Städte … waren alle, seiner Aussage nach, Teil von Herzeg-Bosna."

(Laura Silber and Alan Little, The Death of Yugoslavia, 1996, p. 327)

Nach dem Krieg aber erlebte Vitez eine überraschende Entwicklung, die Kordics Vision völlig untergräbt. Es sind örtliche kroatische Unternehmer die die heutige Transformation der Stadt vorantreiben. Heute steht der Zerfall der alten Industriebetriebe von Vitez im Gegensatz zum Handels- und Einkaufszentrum, das außerhalb der Stadt im gewerblichen Entwicklungsgebiet mit dem Namen PC 96 entsteht.

Der gesamte Komplex beschäftigt heute über 2.500 Menschen. Er besteht aus großen Supermärkten und Einkaufsläden, Warenhäusern und Parkplätzen. Er erstreckt sich entlang der Hauptstraße, die Sarajewo-Zenica mit Travnik verbindet. Diese Straße ermöglicht den Zugang zu ganz Westbosnien und Dalmatien.

PC96 from air
PC 92 Einkaufszentrum

Im geographischen Zentrum von Bosnien gelegen, wurde Vitez einer der attraktivsten Orte für Einkäufe in ganz Bosnien und Herzegowina. Vitez ist Teil eines neuen ökonomischen Phänomens, das die Föderation erfasst hat: die rapide Entwicklung des Handels- und Einzelhandelssektors.

franjo-38 economy
Franjo Rajkovic - "Economic"

Die Idee einer Einkaufszone auf Gemeindeland außerhalb des Stadtzentrums wurde kurz nach dem Krieg 1996 geboren, als Franjo Rajkovic, ein führender kroatischer Geschäftsmann und Chef des "Economic" Handelsimperiums, Bürgermeister von Vitez war.

Der derzeitige Bürgermeister von Vitez, Vlado Alilovic, ist Teil einer neuen Generation von Führern der HDZ. Er ist voll von Ideen über den Ausbau des neuen Gewerbegebiets von Vitez, um die Stadt noch erreichbarer für ihre neue Kundschaft aus ganz Bosnien zu machen.

9%20Nacelnik%20opcine%20Vitez%20gospodin%20Vlado%20Alilovic%20sa%20novoizabranom%20misicom%20Viteza[1] pero gudelj
Der Bürgermeister von Vitez, Vlado Alilovic – Pero Gudelj

Die Geschichte von Pero Gudelj, dem Eigentümer von FIS und einer der erfolgreichsten Unternehmer des Komplexes, illustriert die dramatischen Veränderungen, die Vitez seit dem Krieg verwandelt haben. Pero Gudelj arbeitet als junger Mann neun Jahre lang in der Vitezit Fabrik. Schon vor dem Krieg spielte er privat auf seinem Akkordeon bei Hochzeiten, eröffnete ein eigenes Café in Vitez' Innenstadt. Später besaß er ein kleines Videogeschäft, und gründete einen eigenen Fernsehsender. Als der Krieg vorbei war, eröffnete er einen Laden und nannte ihn genau wie sein Café "FIS" (wie die Note). FIS expandierte schnell.

Pero Gudelj, ein Kroate, war einer der ersten, der mit der Vergangenheit brach.

You need to upgrade your Flash Player to view this movie properly. Please download it here.

Please also insure that JavaScript is enabled in your browser settings.

Proceed

Vitez. © 2008 pre tv. All rights reserved.

"Es war am Anfang nicht einfach, es passierten viele Dinge, es gab Drohungen, Ermordungen," erzählt er und setzt hinzu:

"Wir haben sofort, zwei Jahre nach dem Krieg, einen Strich gezogen, so dass Menschen aller Nationalitäten hier arbeiten können. Ca. 35%, - 40% der Mitarbeiter sind Angehörige einer anderen Nationalität aus dem Gebiet Bosnien-Herzegowinas".


FIS-Filiale in Vitez

FIS hat seitdem ständig expandiert und Läden überall in Bosnien eröffnet, auch in der Republika Srpska und im Ausland. Heute beschäftigt FIS mehr als 2.000 Menschen in ganz Bosnien. Das bestehende Einkaufszentrum von FIS in Vitez hat insgesamt 75.000 Quadratmeter an Verkaufs- und Produktionsfläche, wo auch Kleidung und Möbel hergestellt werden. Pero Gudelj plant einen weiteren Komplex von 75.000 Quadratmetern im PC 96, wo er hofft weitere 1.500 Angestellte in der Möbelproduktion und in der Herstellung anderer Produkte zu beschäftigen.

Die Veränderungen und Zukunftsaussichten verdankt Vitez der langfristigen Planung, die von der Unternehmerschaft einer mehrheitlich kroatischen Gemeinde in einer mehrheitlich bosniakischen Region in Gang gesetzt wurde.

June 2008

 Zurück Orte: Vitez - Weiter