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Image of Alia Izetbegovic on a poster
Bild von Alia Izetbegovic auf einem Poster

Die muslimische Bevölkerung Bosniens ist seit langem eine der säkularsten auf dem Balkan, auch wenn in kommunistischen Zeiten der spätere Präsident Alija Izetbegovic 1983 wegen "Pan-Islamismus" angeklagt wurde und wegen "Angriffen gegen den Sozialismus und für die Bereitschaft, in Bosnien einen islamischen Staat zu schaffen" zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

1990 war Izetbegovic einer der Gründer der SDA. 1991 wurde er Präsident von Bosnien-Herzegowina und unterzeichnete 1995 das Dayton Abkommen. Während des Krieges hat er an seiner Vision festgehalten, ein multinationales und ungeteiltes Bosnien und Herzegowina zu schaffen. Trotzdem wurde er beschuldigt, persönlich muslimische Söldner – Mudschahidin – nach Bosnien eingeladen zu haben. Es ist nicht genau bekannt, wie viele dieser Kämpfer in Bosnien gekämpft haben. Die Schätzungen gehen von einigen Hundert bis zu einigen Tausenden. Stephen Schwarz, Direktor des Zentrums für Islamischen Pluralismus schrieb:

"Von Saudi-Arabien unterstützter Wahabismus wurde erstmals in Bosnien während des Krieges 1992-95 sichtbar, als bis zu 6000 "arabisch-afghanische" Freiwillige ins Land kamen und sich zum Krieg meldeten. Während Bin Ladens Propagandisten und westliche Journalisten viel über das Thema bosnischer "Mudschahidin" geschrieben haben, spielten sie in Wirklichkeit im Krieg kaum eine Rolle. Die Armee der Republik Bosnien-Herzegowina, die die Verteidigung der bosnischen Unabhängigkeit gegen die Serben und untergeordnet auch gegen die Kroaten übernahm, war eine reguläre Armee von Hunderttausenden, die multikulturell im Sinne von Titos Partisanen organisiert waren. Auch wenn muslimische Brigaden und Mujaheddin-Einheiten existierten, entschieden letztere nie den Ausgang irgendeiner der wichtigen Kämpfe."

In jüngerer Zeit hat das Phänomen "Wahabismus" bei Bosniaken Besorgnis erregt. Sie erklärenihn mit der Anwesenheit kapitalkräftiger Spendenorganisationen aus Saudi-Arabien, die frommes Verhalten und die Einhaltung strikter islamischer Kleiderordnung finanziell belohnen. Wahabismus steht in Konkurrenz zur islamischen Gemeinschaft in Bosnien. Der Imam von Travnik erinnert sich an einen Fall in Gornji Vakuf in Zentralbosnien, wo zwei Imame den Wahabismus angenommen hatten.

"Der Haupt-Mufti fuhr dorthin und bat alle Imame, ein Dokument zu unterschreiben, dass sie einen Islam praktizierten, der in Einklang mit den Regeln der Islamischen Gemeinschaft von Bosnien-Herzegowina steht. Alle haben unterschrieben, bis auf diese zwei, die anschließend von ihren Ämtern zurückgetreten sind."

Islamisten haben es nicht geschafft, einen bedeutenden Einfluss auf die muslimische Bevölkerung Bosniens aufzubauen. Ein Muslimischer Kongress hat 1994 entschieden, die nationale Identität von "Muslim" in Bosnien in den Begriff "Bosniake" zu ändern. Die Mehrheit der bosnischen Muslime hat diesen nationalen Ausdruck begrüßt und die alte Bezeichnung "Muslim" abgelegt. Stephen Schwarz schrieb dazu:

"Die bosnische Ulema oder muslimischen Gelehrten werden von dem pro-amerikanischen Reis-ul-Ulema, dem höchstem geistlichen Gelehrten, Mustafa Ceric, angeführt, der früher der Imam der bosnischen Muslime in Chicago war und ein Absolvent der Universität Chicago ist. Ceric hat mehrmals erklärt, dass sich der bosnische Islam hauptsächlich an der westlichen Zivilisation orientiert und den USA für die Rettung des Landes dankbar ist."


Höchster muslimischer Geistlicher, (reis-ul-ulema) Mustafa Ceric

Die große Mehrheit der bosnischen Muslime steht der Ausbreitung orthodoxen Verhaltens durch saudi-arabische Spendenorganisationen misstrauisch gegenüber. Ein weit verbreiteter Witz beschreibt diese Situation gut:

Ein Imam betritt eine Moschee, um das Gebet zu sprechen. Er richtet sich mit den folgenden Worten an die Gemeinde.

"Die in der dritten Reihe und weiter weg begrüße ich mit "Salam (Frieden) Brüder", die in der zweiten Reihe mit "Guten Morgen"; und die in der ersten Reihe mit "Hallo, Genossen".

June 2008

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