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Machine in Stanari coal mine
Kohlebagger in der Mine von Stanari

Zu kommunistischen Zeiten zogen die Manager von Bergwerken vor, ihre finanziellen Ressourcen in eine hohe Beschäftigtenzahl zu stecken, statt in die Ausrüstung von Minen zu investieren. Ein Ergebnis davon war, dass die Produktivität gering blieb. Die Weltbank hat geschätzt, dass die staatliche bosnische Kohleindustrie, um wettbewerbsfähig zu bleiben, ihre Beschäftigtenzahl von 15.000 auf 3.000 Minenarbeiter reduzieren müsste.

Der Aufschwung der Stanari-Kohlemine in der Gemeinde Doboj, Republika Srpska nach ihrer Privatisierung ist ein Beispiel dafür, wie die Kohleindustrie auf dem Balkan umgewandelt werden könnte. Stanari ist die erste Kohlemine, die nicht nur in Bosnien sondern sogar auf dem gesamten Balkan privatisiert wurde. 2004 war sie am Rande des Bankrotts mit Schulden von 5,6 Millionen Euro, als sie vom Energy Financing Team (EFT) gekauft wurde.

2006 konnte die Mine bereits 1.600 Tonnen Kohle pro Arbeiter fördern, verglichen mit durchschnittlich 500 Tonnen pro Arbeiter in anderen bosnischen Kohleminen. 2007 wurden bereits wieder 800.000 Tonnen Kohle gefördert. Bis 2011 ist eine Fördermengen von jährlich 3 Millionen Tonnen geplant, mit nur 600 Arbeitern.


Vuk Hamovic

Vuk Hamovic, der Aufsichtsratsvorsitzende, von EFT erklärt:

"Mit relativ geringen Investitionen und relativ einfachen Schritten haben wir die Situation in einer Mine geändert, die über Jahre nicht gut gearbeitet hat und für kurze Zeit sogar vollständig still stand. Jetzt haben wir 400 Arbeiter, die das Doppelte eines bosnischen Durchschnittslohns verdienen. Das ist eine win-win Situation, die für alle gut ausgegangen ist."

Die größten staatlichen Käufer der Kohle aus Stanari sind Bosniens größtes thermische Kraftwerk in Tuzla, 80 km von Stanari entfernt, und das lokale Heizwerk in Doboj. Stanari kann auch in kritischen Wintermonaten die Lücke im Markt füllen, wenn die staatlichen Kohleminen ihre Fördermenge nicht mehr erhöhen können. Weitere große Privatkunden sind der Papierproduzent Natron-Hayat in Maglaj, 30 km südlich von Doboj, und Sisecam, das Rohmaterial zur Glasproduktion in der Nähe von Tuzla herstellt. Beide Firmen wurden kürzlich von türkischen Investoren gekauft.

Die Mine bietet auch Verdienstmöglichkeiten für viele kleine Unternehmen. Hunderte von Lastwagen, die privaten Händlern aus ganz Bosnien und Kroatien gehören, kommen direkt nach Stanari, um Kohle zu kaufen. Die Lage der Kohlemine an der Entitätsgrenze (zu Kriegszeiten die Frontlinie) innerhalb der Republika Srspka stellt dabei kein Hindernis mehr dar.

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Kohleabbau in Stanari. © 2008 pre tv. All rights reserved.

Stanari ist aber auch Teil einer Strategie, sich die wachsenden Möglichkeiten auf dem Energiemarkt der Region zu Nutze zu machen. EFT plant, ein kohlebetriebenes thermisches Kraftwerkin Stanari zu bauen, das von der Kohlemine gespeist werden soll. Das Kraftwerk soll 2011 fertig gestellt sein. Vuk Hamovic (LINK) erklärt:

"Das Kraftwerk, von dem wir hier sprechen, wird 400 Megawatt Strom produzieren. Das bedeutet eine Investition von 700 bis 800 Millionen Euro. Das wird die größte ausländische Direktinvestition in Bosnien. 3.000 Arbeitsplätze in der Bauphase und 800 Arbeitsplätze, wenn das Kraftwerk arbeitet, bedeuten einen wirklichen Aufschwung für die gesamte Region."

Schon heute sind neue Geschäfte und Restaurants in Stanari, Banken und ein neuer Basketballplatz, Zeichen eines lokalen Booms.

Im Allgemeinen war die Schwerindustrie in Bosniens sozialistischer Zeit der größte Energiekonsument. Ihr Zusammenbruch hat jetzt die Möglichkeiten geschaffen, Elektrizität zu exportieren. Bosniens Energieverbrauch pro Kopf beträgt heute nur etwa 20 Prozent des westeuropäischen Durchschnitts. Bosnien hat mit seiner zentralen geografischen Lage im westlichen Balkans ideale Voraussetzungen, um aus seinen Kohlreserven und Wasserressourcen große Mengen an thermischer und hydro-elektrischer Energie zu gewinnen und in den gesamten Balkan zu exportieren. Das Potential des Landes, seine heimische Energieproduktion dramatisch auszubauen, macht es zu einem zentralen Akteur in der Energieplanung Südosteuropas.

Als Ergebnis ausländischer Hilfen und der Reform der drei ethnisch-basierten Energieversorgungsbetriebe und des Versorgungsnetzes, übertraf der bosnische Energiesektor bereits 2002 die Produktionsleistung der Vorkriegszeit. Bosnien hat 11 große und zahlreiche kleinere Wasserkraftwerke neben den bestehenden vier Kohlekraftwerken.

Der Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Umspannwerke im Westen des Landes, in der Herzegowina, und im benachbarten Kroatien hat im Jahr 2004, die Wiederanbindung des Stromsystems des Balkans an das europäische System (UCTE) ermöglicht. 2004 exportierte Bosnien mehr als 2.000 GWh, 17 Prozent seiner Gesamtproduktion und damit den höchsten Anteil aller Länder der Region. 2006 machten Exporte bereits 2.500 GWh aus. Bosnien ist zusammen mit Rumänien und Bulgarien eines der drei energieexportierenden Ländern der Region.

Stanari coal mine
Kohlegrube von Stanari

Alle anderen Länder Südosteuropas hängen von Stromimporten ab. 2004 importierte Mazedonien 16 Prozent seines Energiebedarfs, Kroatien sogar 23 Prozent. Ein Bericht der Weltbank über den Energiehandel in Südosteuropa beschreibt die "Energielücke" in der Region:

"Investitionen in den vergangenen 10-15 Jahren waren begrenzt. Das Durchschnittsalter der Kraftwerke übersteigt heutzutage 30 Jahre, einige Kraftwerke sind sogar älter als 40 Jahre. Der Kapazitätsauslastungsgrad ist gering im Vergleich mit internationalen Standards und die Betriebssicherheit nimmt ab. In wasserarmen Jahren können Teile der Region ihren Energiebedarf nicht mehr decken."

Stanari ist keinesfalls die einzige größere geplante Investition in den Energiesektor. Der spezialisierte Newsletter "Energie in Osteuropa" erwähnt nicht weniger als 28 eingeleitet oder potentielle Energieprojekte in Bosnien. Beteiligte Investoren kommen aus Österreich, Deutschland, Slowenien und der Tschechischen Republik.

Bosnien ist auch Mitglied der "Energiegemeinschaft Südosteuropa", die 2006 ins Leben gerufen wurde. Ihr Ziel ist es, "eine Region mit einheitlicher Regulierung für Handel in der Netzwerk-Energie" zu schaffen. Dies beinhaltet einen detaillierten Plan für die Umsetzung der EU-Richtlinien und Regularien für einen liberalisierten Energiemarkt und grenzüberschreitenden Netzwerk-Zugang auf dem Balkan. Ein liberalisierter Markt für alle Konsumenten außer der Privathaushalte trat bereits am 1. Januar 2008 in Bosnien in Kraft. Die Vision, dass bosnische Energie einen wichtigen Beitrag zum regionalen Wachstum leisten wird, ist immer wahrscheinlicher.

June 2008

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