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Radovan, Bozana and Veljko Bojovic
Radovan, Bozana und Veljko Bojovic

Radovan, Bozana und Veljko Bojovic sind Abkömmlinge des Stammes der Bojovic, einst ein mächtiger Clan in den Bergen von Nord-Montenegro.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war die Gesellschaft in Stämmen organisiert, die bestimmte Territorien kontrollierten. Jeder Stamm hatte seinen Anführer und eine Versammlung der Ältesten. Im frühen 17. Jahrhundert bildete sich eine Generalversammlung aller Stämme heraus, die eine Anleitung für das Verhalten zwischen angrenzenden Stämmen geben sollte. Obwohl diese Versammlung keinerlei Herrschafts- oder Gesetzgebungsmacht hatte, blieb sie doch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts praktisch die einzige "Regierungskörperschaft" im Norden Montenegros.

Die Ahnen der Bojovici sind auf dem Friedhof des winzigen Dörfchens Zminjica begraben, wo die Familie seit 350 Jahren lebt. Fast alle Grabsteine tragen den Namen der Bojovici. Ihr Stammbaum - er geht bis in das 15. Jahrhundert zurück - ist aufgeschrieben fast einen Meter lang. Dieser Zweig der Familie Bojovic lebt heute von etwas Landwirtschaft, vom Jagen und vom Tourismus.

Veljko Bojovic, mit 82 das älteste Familienmitglied, ist für seine Jagdkünste weit bekannt - und immer noch geht er auf die Wolfsjagd.

"Ich bin 82 Jahre alt. Ich lebe im Dorf Zminjice, hier wurde ich geboren und so hat mich mein Vater zurückgelassen, damit ich mein Leben leben muss. Mein Bruder ging in die Schule und ich bin hier geblieben. Es gab wirklich schwere Tage. Viel Schnee, Naturgewalten, Leiden, kleine Kinder, dieses und jenes, aber alles wurde gut. Ich habe einst in den Wäldern gearbeitet. Mit dieser Säge habe ich gerodet und das mit meiner Frau. Ich konnte niemand anderen finden und so nahm sie ein Ende und ich ein Ende und so sägten wir.

Später habe ich Wölfe gejagt. Ich und mein Verwandter, der Förster, der heute hier war, wir haben wahrlich mehr als 50 Wölfe gefangen, mit dem Gewehr und mit Gift. Und so haben wir am Abend, in der Nacht gewartet und Wölfe getötet. Auerhähne habe ich getötet, einige habe ich noch als Andenken. So ging ich auf die Jagd.

Gott hat alles gut eingerichtet: Diese drei Söhne arbeiten gut, die Töchter habe ich verheiratet. Sie haben ziemlich viel ausgeliehen, aber Besitz ist nicht alles. Für mich ist das Leben das Wichtigste und wenn es dem Menschen gut geht und er gesund ist, dann hat er alles. Besitz ist vergänglich und ich erinnere mich immer noch gut daran, dass es während des Krieges sehr reiche Bewohner am Durmitor gab, aber sie wurden alle umgebracht und vernichtet. Ihr Besitz hat ihnen das eingebracht, das und die Politik und solche Dinge."

Das nördliche Montenegro ist zu 41 Prozent von Serben besiedelt, und deswegen ist es nicht überraschend, dass 8 der 11 Gemeinden in Nord-Montenegro gegen die Unabhängigkeit stimmten. Veljko Bojovic ist stolz ein Serbe zu sein.

"Nun ja, ich orientierte mich immer an einem gemeinsamen Staat. Für Serbien. Mit Serbien. Dort in Serbien gibt es von uns sicher, auch von uns Bojovics, viele - ungefähr 250,000 Montenegriner. Die hatten leider kein Stimmrecht.

Also nun, ich habe dagegen gestimmt. Die Söhne sind hingegangen, um angeblich für Montenegro zu stimmen, dass wir uns abspalten. Aber davon halte ich nichts. Also, wenn wir Bojovics jetzt auch in Serbien Mönche hätten, könnten die nicht mehr herkommen, um uns zu besuchen. Weil sie Serben sind, deshalb."

F: Das heißt, Sie fühlen sich als Serbe?

"Ja, als Serbe. Mein Vater war Serbe. Mein Vater trug jene Kappe dort. Das ist eine echte montenegrinische Kappe. Mein Vater trug sie 80 Jahre lang und der Großvater und davor der Urgroßvater und jetzt trage ich sie. Und wenn ich sterbe, möchte ich diese hier aufhaben und nicht die Kappe von Milo [Djukanovic] und seiner Gruppe aus Podgorica. Für diese Kappe haben wir gekämpft, sowohl die Serben als auch die Montenegriner, schauen Sie her: 'Samo Sloga Srbina Spasava', das heißt 'Nur Eintracht rettet die Serben'."

Dem Sohn Radovan gehört ein Hotel in Zabljak, einer kleinen Stadt von 2.000 Einwohnern in den Bergen des Durmitor Nationalparks, die sich derzeit in eines der wichtigsten Tourismuszentren des Landes verwandelt, als Alternative zur adriatischen Küste. Obwohl es mangelt an Transportkapazitäten und an touristischer Infrastruktur, verwandeln sich die unverdorbenen Berge des "Wilden Montenegros", die so oft Eindringlinge in die Knie gezwungen haben, jetzt in einen attraktiven Tourismusstandort für Sommerwanderungen und für Wintersport.

April 2008

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