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Kotor
Kotor. Foto: Stevan Kordic

Kotor war lange Zeit Montenegros wichtigstes Tor zur Welt; von 1420 bis 1797 wurde die Stadt von den Venezianern regiert. Sie waren es auch, die Montenegro seinen Namen gaben. Kotor war eine Handelsstadt, in der viele Geschäfte mit den benachbarten montenegrinischen Stämmen abgewickelt wurden, die sich wiederum oft im Krieg mit den Osmanen befanden. "Die Bergbewohner verließen sich grundsätzlich auf die Küstenbewohner bei der Versorgung mit wichtigen Waren wie Textilien, Keramikgütern und vor allem Waffen," schreibt die Historikerin Elizabeth Roberts über Montenegro. "Tatsächlich war der Handel für beide Seiten lebenswichtig, weil Kotor, vor allem in Zeiten der Belagerung sehr abhängig war von einer Grundversorgung mit Trockenfleisch, Häuten, Käse, Honig, Wachs und Holz, welches aus Montenegro herbeigeschafft wurde. Die Verbindungen waren auch so eng, weil viele Montenegriner in den Häusern der Adeligen von Kotor eine Arbeit als Haushaltskräfte oder als Wachm?nner fanden. Eine Anzahl von Frauen, die hierher kamen, um Handel zu treiben oder als Diener zu arbeiten, blieben, um zu heiraten, und wurden Katholikinnen."

In Kotor sind noch viele Anzeichen der Koexistenz von katholischer und orthodoxer Glaubensrichtung zu finden:

"In Kotor ist die St. Luka Kirche besonders interessant," sagt Stevan Kordic. "Über eine lange Zeit hatte sie zwei Altare: einen katholischen und einen orthodoxen Altar. Es gab mehrere Kirchen solcher Art in dieser Region. Sogar heute gibt es noch zwei, in der Nähe von Bar, glaube ich. Sie haben zwei Altäre und diese einfache Tatsache zeigt doch, dass das Leben hier anderen Regeln folgt. Das sind Regeln, die vielleicht nicht strikt mit dem kanonischen Recht übereinstimmen, die aber eindeutig zum Zusammenleben von katholischen und orthodoxen Christen beigetragen haben. Und als Ergebnis ist das Verhältnis dieser Gruppen hier ganz unterschiedlich von dem, was man es in anderen Gegenden beobachten kann."

Obwohl viele Katholiken in den letzten 100 Jahren ausgewandert sind, besitzt Kotor noch heute eine nicht vernachlässigbare katholische Bevölkerung (12 Prozent). Traditionell nehmen neben den Katholiken auch die orthodoxen Kotoraner jedes Jahr am 3. Februar an den Feierlichkeiten und Prozessionen zum Tag des Heiligen Tryphon teil, dem katholischen Schutzpatron der Stadt.

Die Beziehung zwischen den Kirchen hat in letzter Zeit unter den politischen Umständen der montenegrinischen Unabhängigkeit gelitten. Die Katholiken beschweren sich über die öffentliche politische Rolle der Serbisch Orthodoxen Kirche und über ihren Nationalismus; die Orthodoxen nahmen Anstoß daran, dass die Katholiken nach der Erklärung der Unabhängigkeit durch das montenegrinische Parlament die Kirchenglocken geläutet haben.

Trotzdem meint Stevan Kordic, dies sei nicht das erste Mal, dass die Beziehung der beiden Kirchen in mehreren Jahrhunderten des Zusammenlebens angespannt sei. "Manchmal sind die Beziehungen sehr gut, manchmal gibt es Probleme, wie in einer Ehe." Kordic, der Sohn eines orthodoxen Vaters und einer katholischen Mutter, sagt: "Ich glaube an die Einheit von Ost und West. Ich fühle mich in Rom und in Istanbul zuhause."

April 2008

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