Zurück Menschen: Rreze Duli - Weiter 
Rreze Duli
Rreze Duli

Rreze Duli ist Vertreterin einer kosovarischen Generation des Übergangs und eine führende Persönlichkeit der NGO-Gemeinschaft des Kosovos. Sie ist eine unabhängige Frau und lebt mit ihrer Tochter Hana in Prishtina. Es sei hart, unter den wirtschaftlichen Bedingungen des Kosovos eine alleinerziehende Mutter zu sein: "Dies gelingt mir nur, weil ich eine gute Arbeit habe und sehr viel arbeite, von halb acht Uhr morgens bis sechs Uhr abends. Erst dann kann ich mich um meine Tochter kümmern."

Rreze ist ein Kind der 1960er Jahre; sie erlebte die sogenannten "goldenen Jahre des Kosovos" – eine Zeit wirtschaftlicher Entwicklung und tatsächlicher Hoffnungen auf eine Emanzipation der Albaner in Jugoslawien. Als junge Studentin der Ingenieurwissenschaften konnte sie in den 1980er Jahren frei in Jugoslawien und nach Westeuropa reisen. Doch das war vor den Kriegen und bevor die EU-Visumsbeschränkungen die sogenannte "Schengenmauer" errichteten.

Die vielversprechenden 1980er Jahre fanden mit dem Amtsantritt des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic im Jahr 1989 ein jähes Ende. Schätzungsweise 130.000 Kosovoalbaner wurden grundlos entlassen und Menschenrechtsverletzungen nahmen sprunghaft zu. Während der 90er Jahre arbeiteten Rreze und andere aus ihrer Familie für internationale Organisationen. Sie arbeitete für Mercy Corps. Sie sagt, dass "zu dieser Zeit die Lage im Kosovo besonders schwer war. Viele wurden entlassen, ca. 80 Prozent, niemand kennt die genauen Zahlen. Damals begann ich für eine amerikanische Hilfsorganisation zu arbeiten. Ich wollte dem Kosovo helfen; wir verteilten Hilfsgüter, vor allem Mehl, Kochherde und Hygieneartikel."

Als Reaktion auf Milosevics gewalttätiges Vorgehen wurde im Kosovo ein paralleles Bildungs- und Gesundheitssystem geschaffen. Die führende politische Persönlichkeit dieser Zeit war Ibrahim Rugova, der Vorsitzende der Demokratischen Liga des Kosovos (LDK) und Präsident der albanischen Schattenregierung. Rugova sah den Kosovo als unabhängigen, multiethnischen und modernen europäischen Staat. Er vertrat einen gewaltfreien Ansatz und lehnte Vorstellungen ab, wonach sich Kosovo mit Albanien zu einem "Großalbanien" zusammenschließen sollte. Rreze sieht sich selbst als stolze Kosovarin, obgleich ihr Vater in Südserbien geboren wurde, wo es eine beachtliche albanische Gemeinde gibt, und obgleich ihre Mutter aus Mazedonien stammt, wo es ebenfalls eine große albanische Minderheit gibt.

Nach dem Krieg arbeitete Rreze für eine Reihe internationaler Organisationen, darunter UNICEF. Ab März 2003 arbeitete sie für die Lessons Learned and Analysis Unit, ein gemeinsames Projekt von ESI und dem EU Pillar der UNMIK. Bei ESI forschte Rreze zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in den Gemeinden von Viti, Gjilan und Istog, sowie zur politischen Ökonomie der Serben im Kosovo. Die Realitäten, denen sie sich als Teil ihrer Feldforschung gegenübersah, standen in starkem Kontrast zu dem Leben, das sie aus Prishtina kannte.

"Als ich 2003 mit ESI gearbeitet habe, besuchte ich die Dörfer jeden Tag; wir führten intensive Forschungen durch. Es war schockierend für mich zu sehen, wie die Menschen in den Dörfern leben, wie 60 Prozent von ihnen von Angehörigen im Ausland, in westlichen Staaten, abhängig sind."

"Aufgrund der Forschungen, die wir in den Dörfern durchgeführt haben und aufgrund von Berechnungen der Größe der Grundstücke und der Einwohnerzahlen, sehe ich keine Perspektive für die Dorfbewohner, allein vom Erlös ihrer Landwirtschaftsprodukte leben zu können."

Field-research in rural Kosovo
Feldforschung im l?ndlichen Kosovo

Als sie im Jahr 2007 in das Dorf Lubishte, in der Gemeinde Vitia, zurückkehrte, stellte sie fest:

"In Wahrheit hat sich nichts geändert.  Die Lage ist schwieriger als zuvor. Damals gab es Hoffnungen auf einen Aufschwung, doch es hat sich gar nichts in diesem Dorf geändert. Von allen Veränderungsanstößen im Dorf ist lediglich die Schule realisiert worden, an der man vor drei Jahren schon  zu bauen begann. Ich kann nur feststellen, dass die Lage schwieriger ist als je zuvor."

Im Sommer 2004 zählte Rreze zu den Begründern der Iniciativa Kosovare per Stabilitet (der Kosovarischen Stabilitätsinitiative), einem Think Tank mit Sitz in Prishtina. Seit drei Jahren leitet sie das Advocacy Training and Resource Center, ein von USAID finanziertes NGO-Trainingszentrum. So sehr sie auf die Unabhängigkeit Kosovos gehofft hatte, so sehr sorgt sie sich jetzt auch wegen eines möglichen Rückzugs der internationalen Gemeinschaft.

May 2008

 Zurück Menschen: Rreze Duli - Weiter 
Weitersagen: Was bedeutet das?