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People from Crna Gora (Montenegro), 1910
Menschen aus Crna Gora (Montenegro), 1910

Montenegro befindet sich auf einer der Scheidelinien des von Samuel Huntington bezeichneten Zivilisationskonfliktes: "Auf dem Balkan fällt diese Linie natürlich mit der historischen Konfrontation zwischen dem österreichisch-ungarischen und dem osmanischen Reich zusammen. Sie ist die kulturelle Grenze Europas." Diese Grenze existiert seit 2.000 Jahren. Das Gebiet des heutigen Montenegros wurde von den Römern und den Griechen umkämpft. Als sich das römische Reich im 4. Jahrhundert nach Christus in zwei Teile teilte, verlief die Grenze zwischen Rom und Konstantinopel durch Montenegro. Nach der Kirchenspaltung 1054 (dem Schisma) wurde es zum Grenzgebiet zwischen Orthodoxie und Katholizismus.

Der Aufstieg des osmanischen Reiches im 14. Jahrhundert brachte den Islam in die Region. Die Häfen an den Küsten waren Brennpunkte der sich bekämpfenden Mächte: Das muslimische osmanische Reich und das katholische Venedig beziehungsweise später das österreichische Kaiserreich. Der französische Kaiser Napoleon, die Italiener und die Deutschen, die Russen und auch die Briten haben sich alle zu verschiedenen Zeiten hier eingemischt.

Montenegro vereint heute die Städte der adriatischen Küste, die Bergregionen im Norden Montenegros (Alt-Montenegro) - die Brda, die Hochebene und die Gebiete rund um den Skutari See.

Wenn die Montenegriner ihre nationale Identität beschreiben sollen, betonen sie die Autonomie von Küstenstädten wie Kotor, die über Jahrhunderte andauerte, die bselbstverwaltende Rolle der Stammesverbände, und die Rolle des 'Fürstbischofs' (Vladika), eine einmalige montenegrinische Institution. Der erste montenegrinische Staat entstand 1481, als der osmanische Sultan Beyazid II dem montenegrinischen Stammesoberhaupt Ivan Crnojevic gestattete, für sich einen kleinen Landstrich zu besetzen. Um sich vor weiteren osmanischen Angriffen zu schützen, nahm Ivan Crnojevic einen abgelegenen Landstrich am Fuß des Berges Lovcen für seine künftige 'königliche' Stadt Cetinje in Besitz. Er brachte seine Mönche hierher und erteilte den Auftrag zum Bau eines Hofes und eines Klosters für die zukünftige 'Hauptstadt'. Als die Kirche 1485 fertiggestellt war, wurde der Metropolit von Zeta nach Cetinje geholt, um dort eine neue Diözese zu gründen.

Die Diözese selbst sollte sich als die einzige lang andauernde und zentrale Institution im zukünftigen Montenegro erweisen. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts blieb die kleine Provinz Bestandteil des osmanischen Reiches und wurde von den orthodoxen Vladikas ('Fürstbischöfe') regiert.

Die Küstenregionen des heutigen Montenegros allerdings waren bis zum Zerfall der Republik Venedig 1797 unter deren Herrschaft. 1815 wurden sie Teil des Habsburgerreiches. Der letzte König Montenegros, Nikola I. musste zugunsten einer pro-serbischen Regierung abdanken.

Im Friedensvertrag von Versailles 1919 wurde Montenegro mit Serbien zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, einem Staat unter der Regierung der serbischen königlichen Familie, vereint. 1929 wurde das Königreich in das Königreich der Südslaven - daher der Name Jugoslawien - umgewandelt. Im zweiten Weltkrieg wurde das Königreich von Italienern und Deutschen besetzt, und damit Schauplatz schwerer Kämpfe. Nach dem Krieg wurde Montenegro eine von sechs Teilrepubliken der sozialistischen Republik Jugoslawiens unter dem Präsidenten Josip Tito.

"Wer sind die Montenegriner?" fragt Elizabeth Roberts zu Beginn ihres Buches über Montenegro. "Montenegriner sind weder eine Mischung von Serben aus den Bergen noch sind sie 'reine' Montenegriner. Identitäten sind weder ursprünglich noch unveränderbar, wie es die Nationalisten gerne glauben machen möchten. Stattdessen sind sie fließend und opportunistisch; sie verändern sich mit der Zeit." Von den 672.000 Bewohnern Montenegros gehören 26% Minderheiten an - Albaner, slawische Muslime, Kroaten, Roma, die, so Roberts, alle 'Montenegriner' im politischen Sinne sind, als Bürger eines Territoriums.' Innerhalb der orthodoxen Mehrheit findet man allerdings einen Zwiespalt im Kampf um die Identität:

"Wenn sich Kroaten als Kroaten und Serben als Serben definieren, warum dann nicht auch Montenegriner? Die häufigste Erklärung ist, dass sich das Gefühl der gemeinsamen serbisch-montenegrinischen Identität, geprägt durch Religion und Sprache - starke Indizien von Identität im Balkan - im Fall Montenegros durch die politische Entwicklung in den letzten Jahren verändert hat.

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Identität im post-modernen Montenegro. © 2008 pre tv. All rights reserved.

April 2008

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