Zurück Menschen: Marinela Lika - Weiter 
Marinela Lika
Marinela Lika

Marinela (Ina) ist eine von vier jungen Albanern, die MJAFT im Jahr 2003 gründeten:

"Es begann mit einer Diskussion, wie jede andere Diskussion zwischen anderen Gruppen von jungen Leuten: Wir sprachen darüber, wie schlecht es um die Dinge in Albanien stand, wie unverantwortlich sich die Politiker benähmen, wie die Demokratie nicht funktionierte und wir bedauerten die Apathie der Bevölkerung. Aber im Unterschied zu anderen Diskussionen dieser Art war das nicht nur eine einfache Katharsis, die sich ergab, als sie begann, sondern es war der Teil eines Planes - unseres Planes, einen Wechsel zu bewirken, egal auf welcher Ebene. Es war unser kleiner Beitrag, Albanien in ein Land zu verwandeln, in das wir in Zukunft auch investieren könnten."

MJAFT ursprünglich nur als viermonatige Kampagne geplant, die sich auf acht verschiedene Themen konzentrieren sollte, jedes Thema zwei Wochen lang. Ina beschreibt, wie das zum Selbstläufer wurde:

"Von der Organisation her war die Kampagne ein Projekt der zwei Organisationen 'Albanischer Nationaler Debattierverband' [ANDA] und des 'Balkanischen Jugend Links'[BYL], aber am Ende der Kampagne nahmen Tausende an den Veranstaltungen teil und 'Mjaft' war über den kleinen Auftritt, den wir anfangs beabsichtigt hatten, hinausgewachsen und definitiv größer geworden als ANDA und BYL zusammen. MJAFT hatte zu einem eigenen Leben gefunden, aber es gab keine Institution, Organisation, Körperschaft oder ähnliches, was man MJAFT nennen konnte."

Wie auch die anderen Mitbegründer, wurde Marinelas Einstellung, als sie heranwuchs, von den turbulenten Ereignissen in Albanien geformt. Als die Pyramidensysteme zusammenbrachen, verloren viele Albaner ihr Vermögen, und es kam zu Protesten:

"Es war kompletter Wahnsinn! Ich war in Shkodra [Skutari] bei meiner Tante. Eines nachts, ich schlief schon, öffnete sich die Tür und ich sah drei Männer hereinkommen (Verwandte, die ich nicht klar erkennen konnte) und sie schoben zehn Kalaschnikows unter mein Bett. Meine Tante schrie sie an, aber sie erklärten nur, dass das jeder tue und dass wir in Gefahr wären, wenn wir das jetzt nicht auch täten. Ein paar Tage später brachte meine Tante mich nach Hause. Sogar heute kann ich nicht erklären, woher sie den Mut nahm, das ganz allein zu tun. Wir waren in der Nähe von Tirana, als eine Gruppe von Männern, mit einigen Pistolen bewaffnet, unseren Minibus stoppte. Sie versteckte mich zwischen ihren Knien unter ihrem Mantel. Die Männer waren betrunken. Der Fahrer versuchte sie zu überzeugen, uns weiterfahren zu lassen. Einer von ihnen war sehr wütend und begann auf unseren Bus zu schießen. Keiner wurde verletzt. Es machte ihm Spaß, dass wir uns zu Tode fürchteten, bevor er uns weiterließ. Sechs Monate dauerte dieser Horror … "

Dann, im Jahre 1999, kamen mehr als 400.000 Flüchtlinge aus dem Kosovo nach Albanien.

"Das war das Jahr, in dem sich mein Leben veränderte. Das Drama in Kosovo war so herzzerreißend, dass es Dich ganz automatisch zur Reaktion veranlasste. Ich arbeitete freiwillig fßr UNICEF in mehreren Camps, in Tirana und in Kukes. In diesen Camps wurde meine Aktivistenseele geboren. Die meisten Menschen, die jetzt eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen, entweder als Kollegen oder als enge Freunde, habe ich unter diesen schwierigen Umständen kennen gelernt …"

Marinela studierte später Sozialwissenschaften an der Universität von Tirana. Als MJAFT im Jahr 2003 Gestalt annahm, wurde sie die Leiterin in der Verwaltung. Als man einen zentralen Versammlungsort brauchte, mietete das Team eine Wohnung von einem BBC Redakteur im 'Bllok Viertel' im Zentrum von Tirana, für eine sehr niedrige Miete. Hier registrierten sie auch Mitglieder, rekrutierten Freiwillige als Mitglieder, die sich den drei MJAFT Prinzipien verschrieben: die Apathie zu bekämpfen, die Legitimität des Protests zu rehabilitieren und das Ansehen von Albanien in der Welt zu verbessern. Sie nahmen an Versammlungen und Protesten lokaler Abteilungen teil. Die Freiwilligen erhielten konkrete Aufgaben, die von direkten Aktionen wie vom Graffitti-Sprayen, Plakatekleben, Unterschriftensammeln, dem Übergeben von Protestnoten, der Organisation von Kampagnen, der Durchführung von Untersuchungen bis zu öffentlichen Auftritten bei Vorträgen reichten. Im Jahr 2007 entschieden sich Ina und ihre Kollegen zurückzutreten:

"Wir wussten, dass wir nicht für immer bei MJAFT bleiben konnten - wir mussten die ersten sein, die diese Kultur in Albanien veränderten. MJAFT war auf seinem Höhepunkt, war finanziell gesund, und es gab keine vorhersehbaren politischen Geschehnisse in naher Zukunft - eine guter Augenblick, damit eine neue Führung übernehmen und mit neuen Errungenschaften weitermachen konnte."

May 2008

 Zurück Menschen: Marinela Lika - Weiter 
Weitersagen: Was bedeutet das?