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Milo Djukanovic
Milo Djukanovic

In den 17 Jahren seit 1991 war Milo Djukanovic fast durchgehend Montenegros Premierminister, abgesehen von zwei Unterbrechungen: einmal war er Präsident der Republik und das andere Mal - von September 2006 bis Februar 2008 - begnügte er sich mit der Rolle des Vorsitzenden der Regierungspartei. Im post-kommunistischen Europa hat keine andere Partei die politische Entwicklung ihres eigenen Landes so sehr bestimmt wie Montenegros Demokratische Partei der Sozialisten (DPS) und ihr Vorsitzender Milo Djukanovic. Vor kurzem ?bernahm er zum f?nften Mal das Amt des Premierministers, nachdem der vorherige Amtsinhaber aus Krankheitsgründen im Februar 2008 zurücktreten musste.

Nach den ersten Mehrparteienwahlen 1990 trat Djukanovic Anfang 1991, es war sein 29. Geburtstag, das Amt des Premierministers an. Damit war er damals der jüngste Premierminister in Europa. Es war auch seine erste bezahlte Anstellung. Er war in jeder Hinsicht eine herausragende Persönlichkeit - ein 1,90 Meter großer, ehemaliger Basketballspieler, ein in Montenegro sehr beliebter Sport.

Als Slowenien, Kroatien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina 1991 und 1992 ihre Unabh?ngigkeit erklärten, unterstützte Milo Djukanovic, damals noch ein Verbündeter von Slobodan Milosevic, die Entscheidung Montenegros, mit Serbien auch weiterhin in der Jugoslawischen Föderation zu bleiben. Während seiner Amtszeit im Jahr 1991 beteiligten sich montenegrinische Einheiten der Jugoslawischen Armee an der Belagerung und Bombardierung der historischen kroatischen Hafenstadt Dubrovnik und an der Verwüstung ihres Hinterlandes, im sogenannten "Krieg für den Frieden". In den vergangenen Jahren hat sich Djukanovic bei Kroatien für diesen Angriff entschuldigt.

1997 brach Milo Djukanovic mit Slobodan Milosevic und distanzierte sich offen von dessen Politik. In den Präsidentschaftswahlen des gleichen Jahres gelang ihm ein knapper Sieg über den pro-Milosevic gesinnten Amtsinhaber, Momir Bulatovic. Milosevic versuchte, diese Niederlage abzuwenden, indem er Bulatovic dazu brachte, gewalttätige Demonstrationen gegen die Vereidigung Djukanovics zu organisieren. Doch Djukanovic konnte nicht nur die Kontrolle über die regierende Demokratische Partei der Sozialisten und über die Staatsverwaltung bewahren, sondern auch über die Polizei. So hielt er der Herausforderung stand.

Milo Djukanovic zeigte auch zwei Jahre später, im Jahr 1999, politischen Mut. Als die von Milosevic initiierten Gewalttaten im Kosovo zu Luftangriffen der NATO führten, erklärte Djukanovic, dass Montenegro sich an dem Konflikt nicht beteiligen würde. Er ließ Tausende kosovo-albanische Flüchtlinge ins Land. Seine Haltung brachte ihm die Unterstützung der Europäischen Union und der USA. Balkanexperte Misha Glenny bemerkte:

"Djukanovic unterstützte nicht nur die westliche Politik (obwohl sein Land seit 1992 unter den strengen UN-Sanktionen litt), er bot auch Milosevics Gegnern einen sicheren Zufluchtsort. So verhinderte er, dass kritische Stimmen zum Schweigen gebracht wurden. Milosevic drangsalierte und bedrohte Djukanovic, der Montenegriner behielt aber die Nerven, und das erforderte Mut."

Milo Djukanovic erklärte uns, dass jeder Schritt auf dem Weg in die Unabhängigkeit angesichts der Risiken vorsichtig erwägt werden musste:

"Wir haben seinerzeit und in den darauffolgenden Jahren viel riskiert, insbesondere in den Jahren 1997, 1999 und 2000. Mir war bewusst, dass man dieses Risiko eingehen, dabei jedoch sehr vorsichtig vorgehen musste, das heißt, keinen halben Schritt zu viel machen durfte und versuchen musste, Milosevics Rache zu vermeiden. Mit der Zeit schwand auch seine Macht, so dass die Chancen, auch im Falle einer Eskalation Montenegro retten zu können, immer größer wurden. Es war mir aber auch immer sehr klar, dass die Zahl der Opfer im Falle eines Krieges aufgrund der politischen Zweiteilung Montenegros enorm ausfallen könnte.".

"Daher hatte ich immer im Hinterkopf, dass man keinen halben Schritt zu viel machen durfte, Gewalt vermeiden musste und vielleicht etwas langsamer zum Ziel kommen würde, um den Frieden und die Stabilität, Menschenleben und die materiellen Güter Montenegros zu erhalten. Es hat sich gezeigt, dass dies der richtige Weg war. Viele kritisierten uns deswegen. In Montenegros Öffentlichkeit warf man uns vor, dass wir uns viel langsamer als notwendig der Unabhängigkeit näherten. Meine Idee, sich lieber langsam zu bewegen und hier und da einen Ausfallschritt zu machen, wie z.B. das Belgrader Abkommen, dann jedoch die Gewissheit zu haben, Konflikte und Milosevics Aggressionen zu vermeiden und zu unserem Ziel - der Unabhängigkeit - ohne Menschenopfer zu gelangen, hat sich als richtig erwiesen."

Nach dem Sturz Milosevics kam Djukanovic erneut unter Druck, als er dem Westen trotzte und darauf bestand, die Unabhängigkeit Montenegros weiterzuverfolgen. Der Hohe Vertreter der EU, Javier Solana, drängte auf die Aufrechterhaltung des gemeinsamen Staatsverbandes zwischen Serbien und Montenegro. 2002 wurde das Belgrader Abkommen unterzeichnet, demzufolge Montenegro für drei Jahre lang kein Referendum über die Unabhängigkeit abhalten würde.

Der Staatenbund, der bald abschätzig "Solanien" genannt wurde, funktionierte nie wirklich. 2006 rief die montenegrinische Regierung zu einem Referendum auf. Um die Gefahr eines Boykotts durch die proserbische Opposition abzuwenden, forderte die EU als Bedingung eine 55-prozentige Mehrheit für die Unabhängigkeit. Angesichts der in zwei gleiche Teile gespaltenen öffentlichen Meinung war dies eine schwierige Vorgabe.

Am 21. Mai 2006 stimmten 55,5% der Montenegriner für die Unabhängigkeit. Damit wurde die vereinbarte 55 Prozent Hürde mit nur 2000 Stimmen genommen! Die von Djukanovic umworbenen albanischen und bosnischen Volksgruppen waren für die Erreichung des Ziels wesentlich. Am 3. Juni 2006 erklärte das montenegrinische Parlament die Unabhängigkeit der Republik Montenegro.

Unabhängigkeitsfeiern - You Tube - Pro-Unabhängigkeitsreferendumsparty in Cetinje:

"Das Wichtigste ist, dass wir beweisen konnten, was wir uns vorgenommen hatten. Wir haben unsere Unabhängigkeit erlangt und dabei sowohl die hohen europäischen Standards erfüllt als auch die innere Stabilität bewahrt. Auf diese Weise haben wir zur Stärkung der regionalen Stabilität beigetragen. Montenegro konnte in rund einem Jahr beweisen, dass es nicht nur in den Bereichen Politik und Sicherheit, sondern auch in makroökonomischer Hinsicht stabil ist, was das Interesse ausländischer Investoren geweckt hat.

So würde ich das starke Interesse ausländischer Investoren an Montenegro als wichtigstes Ergebnis hervorheben. Bei ausländischen pro-Kopf Investitionen steht Montenegro in unserer Region an erster Stelle und in Europa an dritter. Das ist meiner Meinung nach der wesentliche Punkt. Er garantiert Montenegrinern heute und in Zukunft ein besseres Leben. Selbstverständlich wird dieses Ergebnis - also ein besseres Leben und ein Leben nach europäischen Standards - dazu führen, dass Montenegro in absehbarer Zeit ein vollwertiges Mitglied der Europäischen Union und der NATO wird."

Milo Djukanovic ist stolz auf die religiöse Toleranz und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Volksgruppen in seinem Land:

"Bemerkenswert ist das harmonische Zusammenleben der verschiedenen Religionen und Nationalitäten, das hier seit Jahrhunderten besteht. Diese Harmonie hat Eroberungsversuchen Stand gehalten, die Freiheit Montenegros bewahrt und uns schließlich heute, im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, gegen all diese religiösen und nationalen Konflikte, die um uns loderten, immun gemacht."

April 2008

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