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Pero Gudelj
Pero Gudelj

Pero Gudelj ist einer der erfolgreichsten Unternehmer Zentralbosniens. Seine Firma "Fis" wandelte sich von einem Cafe und Video-Club in ein großes Handelsunternehmen, das alles von Audio- und Video Equipment, über Textilien und Schuhe, bis hin zu Möbeln und Nahrungsmitteln verkauft.

Pero Gudelj ist ein echter Selfmademan. Er begann seine berufliche Karriere bereits als Schuljunge. Er erinnert sich:

"Ich begann mit meinem Beruf, eigentlich Handel, während der fünften Klasse. Die Schule in Vitez war 8 km von zu Hause entfernt. Natürlich wurde man hungrig auf dem Schulweg. Alle anderen Kinder hatten Geld für Sandwiches oder andere gute Sachen zu Essen dabei, aber ich hatte kein Geld. Meine Eltern waren sehr arm. Allerdings hatte ich eine Idee: Ich brachte Walnüsse, Birnen und Haselnüsse von zu Hause – alles, was unser Dorf zu Hause zu bieten hatte. Ich sammelte die Nüsse, verkaufte sie an die Kinder und verdiente zwischen drei und fünf Mark. Damit kam ich für ein paar Tage aus: eine halbe Mark pro Tag für Gebäck oder Sandwiches."

Seine Geschäftsambitionen entwickelten sich und wurden immer anspruchsvoller:

"Als ich im Gymnasium war, fuhren viele nach Triest, um dort Textilien zu kaufen. Ich war damals noch ein Jugendlicher, sparte 300 Mark, fuhr nach Triest und kaufte Textilien. Die Hälfte verkaufte ich, den Rest behielt ich für mich. Einmal sah ich in Triest große Kisten mit der Aufschrift 'Made in China', 'Made in Taiwan', 'Made in Hong Kong'. Und da sagte ich zu mir selber: 'Eines Tages werde ich Zugang zu den Quellen der billigsten Waren finden, zu den Orten, wo im Moment die ganze Welt kauft.'"

Acht Jahre lang arbeitete er in der Slobodan-Princip-Seljo-Fabrik, einer der größten Sprengstofffabriken, die Tito in der gebirgigen Gegend Zentralbosniens errichten ließ. Nebenbei verdiente er sich auf Festen und Hochzeiten mit Akkordeonspielen Geld.

Nach dem Washingtoner Abkommen, das 1994 den Konflikt zwischen Bosniaken und Kroaten beendete, begann er, Kleidung und Schuhe aus Triest zu importieren. Zuerst fuhr er selber in einem Minibus mit seiner Frau Snezana. Ihr Familienhaus war gleichzeitig ihr Geschäft.

"Unsere Hochzeitsreise war unsere erste gemeinsame Geschäftsreise. Unser Schlafzimmer war unser Büro", erinnert sich Snezana Gudelj. Die Nachfrage war groß und ihre Strategie, billig zu verkaufen, führte zu einem raschen Umsatzwachstum. Bald konnten sie größere Mengen kaufen, zuerst aus Triest, später dann aus Istanbul, und schließlich direkt aus China.

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Pero Gudelj. © 2008 pre tv. All rights reserved.

Als das Haus zu eng wurde, traf Pero Gudelj eine äußerst wichtige Geschäftsentscheidung. Er war der erste, der ein neues Gebäude auf dem Gelände der "Gewerbezone1996" (PC-96) errichtete. Damals war das ganze eine ehrgeizige Idee: eine große grüne Fläche außerhalb der kleinen Stadt Vitez. Die Gudeljs mussten finanzielle Hilfe von ihren Verwandten in Deutschland in Anspruch nehmen. Schließlich eröffneten sie im April 1997 ihr neues "Shopping Center".

Das Zentrum begann bald, viele Kunden aus der Region anzulocken, und wuchs weiter. Heute haben sich in der Gewerbezone eine Hand voll Einkaufszentren und ein Dutzend anderer Handelsbetriebe niedergelassen. Immer mehr lokale Geschäftsleute wenden sich auch der Produktion zu. "FIS" ist bei weitem das größte Unternehmen mit 1.800 Angestellten, davon 700 in Vitez selbst. Pero Gudelj ist ethnischer Kroate, doch 40% seiner Belegschaft in verschiedenen Orten Bosniens haben einen anderen ethnischen Hintergrund.

June 2008

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