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Albanian Renaissance
Park der Jugend, Tirana. Foto: Alan Grant

Der Film Slogansaus dem Jahr 2001 beruht auf einer Erzählung von Ylljet Alickaj, und handelt von der wahren Geschichte eines Lehrers, der während des Kommunismus in ein abgelegenes Bergdorf geschickt wird. Der Film beschreibt eine absurde Situation, da Schüler und Lehrer mehr Zeit dafür aufwenden, mit Steinen Parteislogans auf Berghänge zu schreiben, als zu lernen. Es ist eine fesselnde Darstellung von verschwendeten Mühen unter dem Regime von Enver Hoxha.

Slogans ist jedoch auch eine Hinweis darauf, dass sich in Albanien heute Dinge tatsächlich ändern. So schrieb ein Filmkritiker:

"ein albanischer Film, Gjergj Xhuvani's Slogans (2001), wurde ausgewählt und in der sogenannten "Director's Fortnight", zeitgleich neben dem Filmfestival von Cannes, vorgeführt. Es war das erste Mal, dass ein albanischer Film in Cannes gezeigt und von der Kritik gefeiert wurde. … Zur selben Zeit, im August, war Fatmir Koçis Film Tirana Year Zero (2001) in der offiziellen Auswahl in Venedig und gewann Anfang des Monats den internationalen Wettbewerb in Thessaloniki. Nun weiß die Welt, dass Albanien Filme machen kann."

Es ist eine deutliche Veränderung, in der europäischen Kulturszene präsent zu sein. Derselbe Kritiker schrieb über Albanien.

"wir haben uns so daran gewöhnt, von diesem Land bloß im Zusammenhang von Zusammenbruch, Unruhen und Chaos zu hören, nicht nur in den Nachrichten, sondern auch in Filmen wie Wag the Dog (Drehbuch: David Mamets), dass wir Albanien im kollektiven Unterbewusstsein leicht in die Kategorie der unkultivierten, jenseits der Zivilisation liegenden "Dritten Welt" einordneten.

Nach Jahren der Stagnation unter Enver Hoxhas Kommunismus hat Albanien den Isolationismus überwunden und entwickelt sich jetzt mit großer Geschwindigkeit. Die Straßen von Tirana, die vor 15 Jahren noch nahezu autofrei waren, sind jetzt befahren wie die Straßen anderer Hauptstädte. Tirana hat sein Aussehen verändert und macht den Eindruck einer sauberen Stadt.  Leuchtende Fassaden und neu angelegte Parks vermitteln den Menschen den Glauben, dass Veränderung möglich ist. Das Land, das einst die Verbindungen mit dem Rest der Welt abgebrochen hatte, und damit zu einer europäischen Version von Kim Il Sungs Nordkorea geworden war, wurde vor kurzem eingeladen, der NATO beizutreten, und ist bestrebt, eines der nächsten Mitgliedsländer der EU zu werden. Bürgerlicher Aktivismus ist an die Stelle der gewalttätigen Proteste der 1990er getreten. Politiker und Beamte werden immer häufiger von einer jungen und rastlosen Generation, die den Wandel will, aufgefordert, Verantwortung zu beweisen.

Die politische Kultur verändert sich ebenfalls. Albanische Politik zeichnete sich einst durch bittere Konfrontationen aus. Führende Politiker stellten Wahlergebnisse in Frage, beschuldigten ihre Gegner der Korruption und lehnten alle Versuche zum Kompromiss ab. In den letzten Monaten hat es vielversprechende Signale gegeben, dass sich dies nun aendern könnnte. Auf einer Veranstaltung im April 2008 in Brüssel rief Edi Rama, der Bürgermeister von Tirana und Führer der Opposition, zu einem Konsens zwischen Regierung und Opposition auf, um gemeinsam einen Antrag auf EU Mitgliedschaft zu stellen:

Wir werden uns weiterhin über die inneren Angelegenheiten streiten, aber sowohl die Opposition als auch die Regierung werden die Sache vorantreiben und das Risiko eingehen, mutig zu sein und den Antrag auf Aufnahme in die EU vorantreiben. […] Es ist uns gelungen, ein Klima der Zusammenarbeit in Vorbereitung auf die NATO-Integration zu schaffen, […]. Das war eine Herausforderung; und es war das klare Ziel, das uns geholfen hat."

Nur eine Woche zuvor waren Verfassungsänderungen zur proportionalen Vertretung im Parlament beschlossen worden, in seltener Übereinstimmung zwischen der Demokratischen Partei und der sozialistischen Opposition. Dies was nicht nur ein Zeichen der Kooperation: die Wahlreform könnte auch ein Schritt dahin sein, dass die nächsten Wahlen in Albanien zum ersten Mal von allen Seiten als "frei und fair" eingestuft werden.

Teile der albanischen Industrie und Infrastruktur erinnern an die kommunistischen Zeiten fehlender Investitionen und Missmanagements. Doch gibt es jetzt auch neue Projekte, die Symbole einer Modernisierung Albaniens geworden sind. Albaniens neuer internationaler Flughafen, benannt nach Mutter Theresa, ist ein solches Projekt. Im März 2007 wurden die neuen Einrichtungen des Tirana International Airport Nene Tereza eingeweiht, zusammen mit einem neuen Terminal für Fluggäste. Im selben Jahr stieg das Passagiervolumen um 18 Prozent, das Gepäckvolumen sogar um 65 Prozent. (Tirana International Airport). Der Bau der Durres-Prizren-Prishtina Schnellstraße, die im nächten Jahr beendet werden soll, ist ein weiteres ambitioniertes Infrastrukturprojekt.

Seit seinem Übergang vom Kommunismus zur Markwirtschaft ist Albaniens ökonomische Entwicklung beeindruckend. Die Krise nach dem Zusammenbruch des Pyramidensystems war nur eine zeitweise Unterbrechung in einer langen Phase des Wachstums. Ein Arbeitsmarktstudie der Weltbank bemerkt im Jahr 2006: "Albaniens akkumuliertes Wachstum seit dem Übergang war das höchste in der Region. Das Bruttosozialprodukt ist jetzt 35 Prozent höher als im Jahr 1990." Die Weltbank berichtet auch, dass das reale Wachstum des BSP seit dem Zusammenbruch des Pyramidensystems im Jahr 1998 stets zwischen 5 und 10 Prozent lag, fast 8 Prozent im Durchschnitt. Dieses Wachstum hat zu einer Verringerung der Armutsquote beigetragen "von 25,4 Prozent im Jahr 2002 auf 18,5 Prozent im Jahr 2005, womit ungefähr ein Viertel der Armen des Jahres 2002 aus der Armut befreit wurden." (World Bank)

Eine vielversprechende Industrie, die in den letzten Jahren entstand, ist der Tourismus. Ein albanischer Tourismusslogan bewirbt 'Europas letztes Geheimnis'. Doch die Nachricht über dieses Geheimnis verbreitet sich schnell. Inoffizielle Schätzungen der UNDP sprechen von 1,15 Millionen ausländischen Besuchern im Jahr 2006 (UNDP 2007). Viele Besucher der Strände von Vlora und Durres sind Albaner, die im Ausland leben. Angesichts des Investmentbooms, der die anderen Länder entlang der Adriaküste erfasst hat, und angesichts der natürlichen Schönheiten die Albanien zu bieten hat, ist es möglich, dass dieses Geheimnis nicht mehr lange eines bleibt.  

May 2008

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