Back The Nura family, Kosovo - Next 
The Nura family
The Nura family

Die Familie Nura ist ein typisches Beispiel für eine große patriarchale Familie im ländlichen Kosovo. Die gesamte ausgedehnte Verwandtschaft der Familie Nura besteht aus 20 Haushalten mit insgesamt 182 Familienmitgliedern.

Zwei Drittel der gesamten Familie lebt noch heute in Lubishte, einem kleinen Dorf im Südwesten des Kosovos, aber über die Jahre sind ein Drittel nach Europa ausgewandert. Heute leben 31 in der Schweiz, 6 in Österreich und 2 Familienmitglieder in Deutschland.

Der Haushalt der siebzigjährigen Nure Nura ist mit 32 Familienmitgliedern gleichzeitig auch der größte Haushalt in ganz Lubishte. Sechs Söhne und ihre sechs Frauen, eine unverheiratete Tochter und 17 Enkel teilen sich zum Leben zwei Häuser. Mit nur 3 Hektar Land für 32 Familienmitglieder ist die Auswanderung die einzige Möglichkeit. Zwei der Söhne, Nefali und Faruk, haben Lubishte 1986 verlassen, als sie in ihren Zwanzigern waren. Sie fanden Arbeit in Österreich.

Das Bargeld, über das die Familie verfügt, kommt jetzt ausschließlich von den beiden Brüdern. Die vier im Dorf gebliebenen Brüder sind arbeitslos und bearbeiten das Land, um Lebensmittel für den Familienbedarf zu produzieren. Die Ehefrauen der beiden Brüder im Ausland leben mit ihren Kindern ebenfalls im Haushalt in Lubishte. Während der Abwesenheit ihre Ehemänner haben sie die Entscheidungen des ältesten Bruders in Lubishte zu befolgen.

Nurë Nuras Haushalt ist nicht der einzige mit einer Migrationsgeschichte. Die Familie von Naile Nura, 82, ist ein anderes Beispiel. Doch hier ist die patriarchale Familie bereits in Auflösung begriffen. Naila ist auch Witwe. Ihre fünf Söhne haben vier neue Häuser gebaut. Sie lebt in dem, welches ihr Mann noch gebaut hat, mit ihrem ältesten Sohn Adem, 56, und seiner Frau Fatime und deren drei erwachsenen Söhnen sowie zwei jungen, unverheirateten Töchtern.

Ihr Sohn Muharem lebt mit seiner Frau Fatime und ihren drei Kindern in der Schweiz. Er emigrierte 1976 und seine Frau folgte im 1985. Naila’s jüngerer Sohn Tefik folgte Muharem 1980 in die Schweiz. Er heiratete 1987 und nahm auch seine Frau zu sich in die Schweiz. Rrahim und Muhamet, die jüngsten von Nailes Söhnen, sind zu Hause geblieben. Die fünf Brüder teilten nach dem Tod des Vaters das Land unter sich auf. Neben dem Haus des Vaters bauten sie dann gemeinsam vier zusätzliche Häuser, für jede Familie eines. Durch den Bau eigener Häuser wird der Haushalt aufgegliedert und die frühere Verpflichtung, das Geld aus dem Ausland miteinander zu teilen, wird abgeschwächt.

Adem Nura
Adem Nura

Adem Nura erklärt, wie der Tod des Vaters den Zusammenhalt der Familie beeinflusst hat, wie sie auseinanderfiel und wie sie jetzt vom guten Willen ihrer Brüder abhängig sind.

Jetzt entscheidet jeder für sich alleine, jeder Bruder trifft seine Entscheidungen. Als wir zusammen waren, hat unser Vater entschieden, danach, als er krank wurde, habe ich entschieden. Jetzt entscheidet jeder für sich alleine. Jeder macht was er will, geht wohin er will, baut was er will, er kann auch sein Grundstück verkaufen und ins Ausland gehen, all das sind normale Sachen.

Ja, es ist besser, getrennt zu leben, weil 30, 40 Leute zu viel sind und Sie werden keinenvon ihnen richtig hören. So ist es besser, für 4-5 oder 8 Leute zu entscheiden. Besser, man hat einfach mehr Ruhe im Kopf. Denn wenn der Bienenkorb sich ausfüllt, sagen die Älteren, wenn der Bienenkorb sich ausfüllt, dann muss man die Bienen trennen, weil sie nicht mehr zusammen bleiben können. So.

Ja, es hat sich geändert, wir bekommen von denen [von den Brüder in der Schweiz] manchmal Unterstützung, weil wir hier nur für das Essen arbeiten, ansonsten haben wir nicht genug zum Essen.

Als wir noch zusammen waren mit denen dort [in der Schweiz], haben wir zusammen das gesamte Geld in Grundstücke investiert. Alle haben gearbeitet. Jetzt sind wir getrennt, die beiden haben die Kinder und ihre Familien dort, und wenn sie wollen, schicken sie uns Geld, wenn nicht, dann eben nicht. Etwas anderes haben wir nicht.

May 2008
ESI

 Back The Nura family, Kosovo - Next 
Weitersagen: Was bedeutet das?