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Suljo Mustafic
Suljo Mustafic

Suljo Mustafic ist Journalist und Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft in Bar. Drei Kulturen vermischen sich hier; neben der Orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche gibt es auch das lebendige Erbe des Islams.

Suljo Mustafic ist Bosniake - ein muslimischer Slave. Seine Familie lebt seit vielen Generationen in Bar. Nach dem Zusammenbruch der osmanischen Herrschaft wurde Stari Bar (der alte Hafen von Bar) auf dem Berliner Kongress von 1878 zu einem Teil von Montenegro erklärt. Suljo sagt: "Für mich ist dies der schönste Ort der Welt. Die Altstadt ist ein Teil von mir, ein ganz wesentlicher Teil."

Suljo erinnert sich an seinen ersten Besuch in der Moschee, an die Gebete und an das erste Mal, als er die Türme der Katholischen Kirche erblickte. Er erzählt:

"Damals wusste ich nicht, dass es eine katholische Kirche war. Ich wusste nur, dass der Turm anders war. Denn in unserer Familie war uns nicht beigebracht worden, zwischen den Religionen zu unterscheiden. Wir unterscheiden uns nur durch die Feier unterschiedlicher Feiertage. Hier sind Religionen, Kulturen, Traditionen und Menschen so vermischt, dass keiner von uns nur eine einzige Identität hat. Da gibt es jeweils mehrere Schichten von Identitäten in jeder Person."

Am muslimischen Feiertag des Bajram nehmen in Bar Menschen aller Religionen teil, so wie auch bei anderen religiösen Feiertagen.

"Bei uns wird Bajram so gefeiert, weil wir hier in einer Gemeinschaft mit mehreren Nationen und Religionen zusammenleben. Schon am ersten Tag kommen die Nachbarn und die Freunde aus anderen Religionsgemeinschaften, also Menschen katholischen, orthodoxen Glaubens, was hier vollkommen normal ist und nichts besonderes darstellt und worüber man sich in dieser Gemeinschaft auch nicht wundert.

Für den Bajram spezifisch ist, dass er eine Tradition der Versöhnung der Menschen darstellt. Also, wenn sich einige Menschen gestritten haben, und es gab sogar Fälle von Streit und Konflikten mit tödlichem Ausgang, dann gehört das in die Vergangenheit und dann versöhnen sich die Menschen zum Bajram. Das ist die Pflicht eines Moslems, dass er sich mit seinem Nachbarn versöhnt, mit dem Freund oder mit jemandem aus der Familie."

"Dies ist der Balkan in einem Mikrokosmos", sagt Suljo. "Alles was man in Bar findet, gibt es überall im Balkan. Und glücklicherweise sind es jetzt fast eintausend Jahres, seit es keinen Konflikt unter den Einwohnern von Bar mehr gegeben hat."

April 2008

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