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Via Egnatia
Via Egnatia. Foto: flickr/israelhurtado

Die Via Egnatia ist die alte römische Straße, die bereits im 2. Jahrhundert vor Christus gebaut wurde und nach Gnaeus Egnatius, Prokonsul von Mazedonien, benannt wurde. Sie führt von Durres, am östlichen Strand der Adria gelegen, über den Balkan bis nach Konstantinopel. Die Via Egnatia ist ein offensichtlicher Beleg für die Bedeutung der Region des Westlichen Balkans in der Antike. Die Straße, die durch das heutige Albanien, über Mazedonien, Griechenland bis in die Türkei führt, diente einst als Hauptverbindung zwischen Griechenland und Rom, der Hauptstadt des Reiches. Auch im Byzantinischen Reich diente sie als wichtige Verbindung zwischen West- und Osteuropa.

Während der Herrschaft Roms marschierten die Heere von Julius Caesar, Pompei, Mark Antonius, Oktavian, Cassius und Brutus entlang der Via Egnatia, im Mittelalter die Heerscharren der Kreuzritter auf ihrem Weg nach Konstantinopel und ins Heilige Land.

In Albanien verbindet die Via Egnatia die bedeutsamen Städte Durres und Apollonia. Die Hafenstadt Durres liegt gegenüber von Brindisi an der westlichen Adriaküste, eine Entfernung, die mit Booten leicht zu passieren war. Von Brindisi aus fuehrte eine direkte Verbindung entlang der berühmten Via Appia nach Rom. Die Via Egnatia sicherte also die direkte Verbindung nach Rom, und der Hafen von Durres war das Verbindungsglied zwischen Italien und dem Balkan.

In den 90er Jahren machte Albanien Schlagzeilen mit Auswanderern, die versuchten das Land zu verlassen. Die Meerenge zwischen Bari und Albanien war überschwemmt mit Flüchtlingen aus Albanien, Migranten und Drogen aus anderen Ländern des Balkans. Eine Beschreibung der Via Egnatia aus dem Mittelalter bestätigt, dass die Migration entlang der Via Egnatia kein neues Phänomen war:

"Auf den Spuren der antiken Via Egnata trifft man auf Hausierer, Händler, Dorfbewohner oder Arbeiter aus dem westlichen Mazedonien, aus Epirus, Thessaly usw. , die alle auf der Suche nach einem besseren Leben sind. Dabei findet man auch Bauarbeiter die in Gruppen reisen, mit dabei Steinmetze und Holzfäller. In diesem Gemenge kann man sowohl die Saisonarbeiter erkennen, wie auch professionelle Bettler und die berüchtigten Cravarites"

(Egnatia Odos Project)

Vor kurzem hat auch die Europäische Union die Bedeutung dieser Verbindung zwischen der Adria und dem Schwarzen Meer erkannt. Als Teil des Transeuropaeischen Transport Netzwerks (TEN-T) sollen auch zehn trans-europäische Straßen- und Zugverkehrskorridore erweitert werden. Einer von diesen, Korridor 8, folgt den Spuren der historischen Via Egnatia. Über 960km führt er von Albanien, über Mazedonien und Bulgarien und verbindet die Hauptstädte Tirana, Skopje und Sofia. Im Zuge dieses Projektes soll die Landverbindung zwischen den italienischen und albanischen Hafenstädten Bari, Durres und Vlora an der Adriaküste, mit den Bulgarischen Schwarzmeerhäfen Varna und Burgas verbessert werden. In einem optimistischen Artikel, der 2005 erschien, beschreibt Tommaso Merlo die großen Vorteile, die dadurch für Albanien entstehen:

"Korridor 8 wird Albanien mit den östlichen Europäischen Märkten verbinden, aber das ist noch nicht alles. Die geplanten Verbesserungen der Straßen- und Zugverbindungen, der Häfen, und der gesamten logistischen Infrastruktur und die damit verbundenden Serviceleistungen, werden enorme Investitionen aus dem Westen sichern. Es gibt bereits Interesse an dem Management der Gas und Wasserleitungen die vom Kaspischen Meer bis an die Albanische Küste reichen. Abgesehen davon, das es sich hier kurzfristig um ein gutes Geschäft handelt, sichert der Korridor durch die internationale Präsenz und die Verbesserung der Transportverbindungen und Serviceleistungen strukturelle wirtschaftliche Vorteile. Die enormen wirtschaftlichen Verbesserungen durch den Korridor und die dadurch entstehende neue politische Landschaft zeugen davon, dass Tirana noch einmal Geschichte schreiben wird. "

(Tommaso Merlo, Corridoio 8: il sogno albanese)

In "Corridor 8", einem Film des Bulgarischen Filmemachers Boris Despodov, trifft das Projekt auf Skepsis und Zynismus. Der Film, der 2008 bei dem Internationalen Film Festival in Berlin mit einem Preis ausgezeichnet wurde, handelt von einer Reise von Burgas bis Durres, entlang der noch nicht existierenden Autobahn die im Ten-T Projekt vorgesehen ist.

"Despodov, auf seiner Reise vom Bulgarischen Burgas nach Durres in Albanien, beschreibt Menschen die ihren eigenen Nachbarn nicht trauen und sich nicht beindrucken lassen von großen Versprechungen lokaler oder Europäischen Politiker. Ein perfektes Beispiel dafür sind die Zuggeleise im bulgarischen Gyueshevo, an der Grenze zu Mazedonien. Es fehlen weniger als 550 Yard Gleise um das Dorf mit dem Nachbardorf auf der anderen Seite der Grenze zu verbinden, aber der unvollendete Tunnel, der bereits 1941 von den deutschen Besatzern gebaut wurde, wird weiterhin zum Anbau von Champignons und als Kühlraum für Käse verwendet. Eine Delegation nach der anderen kommt, mit großen Sprüchen und Versprechungen, aber es ist weiterhin unmöglich von Bulgarien mit dem Zug nach Mazedonien zu reisen. "

(Jay Weissberg, review at the Berlinale 2008)

May 2008

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