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Prizren
Prizren. Foto: flickr/ettermichaeljackson

Prizren liegt am Fluss Bistrica (Lumbardhi) im Süden des Kosovo. Südlich liegen die Sharr Berge und westlich in der Ferne liegen an der Grenze zu Albanien die Dinarischen Alpen, auch bekannt als die "Verfluchten Berge".

Von allen Städten im Kosovo hat Prizren sicherlich den meisten Charme. Mit den zahlreichen Gebäuden und Moscheen aus der osmanischen Zeit, engen Kopfsteinpflasterstraßen im Stadtzentrum, einer wunderschön geschwungenen Steinbrücke und Geschäften mit traditionellem Handwerk hat es sein osmanisches Flair bestens bewahrt.

Über Jahrhunderte war Prizren eine pulsierende Handelsstadt und ein wichtiges osmanisches Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum. Es gab eine weit zurückreichende Tradition von Handwerkern, insbesondere Gerbern, Waffenschmieden (die Waffen bis nach Ägypten exportierten), Schlossern und Silberdrahtschmieden.

1878 gründete sich in Prizren die erste albanische Nationalbewegung – die "Liga von Prizren". Die Liga versuchte sich mit ihrem Streben nach Erhaltung des osmanischen Reiches und gleichzeitigen Forderungen nach mehr Autonomie in der Quadratur des Kreises. Gegenüber dem Sultan bekundete sie ihre Loyalität, rief aber gleichzeitig nach einem vereinten albanischen Vilayet (einer Verwaltungseinheit im osmanischen Reich) unter Verwaltung albanischer Beamter. Weitere Forderungen waren Schulen in albanischer Sprache und die Anwendung albanischen Gewohnheitsrechts bei den Gerichten. 1880 kontrollierte die Liga für kurze Zeit de facto den Kosovo. 1881 stuften die osmanischen Behörden die Liga als Bedrohung ein und binnen weniger Monate wurden ihre Anführer verhaftet oder zum Tode verurteilt. Übrig blieb die von der Liga von Prizren geprägte Redensart, der einzige Glaube der Albaner sei der Albanismus.

Die 1947 getroffene Entscheidung der kommunistischen Führung, die Hauptstadt von Prizren nach Prishtina zu verlegen, war ein verdeckter Segen für die Stadt. Zwar wurde Prizren in die zweite Reihe verwiesen, doch bedeutete dies gleichzeitig die Erhaltung seines besonderen Charmes und bewahrte es vor den schlimmsten kommunistischen Bauexzessen.

Bis heute ist Prizren die ethnisch gemischteste Gemeinde des Kosovos und Heimstatt von Albanern, Serben, Bosniern, Türken, Roma und Gorani. In vielen Familien wird neben Albanisch und Serbisch auch Türkisch gesprochen.

Zur Überraschung vieler erlebte Prizren einen der schlimmsten Gewaltausbrüche seit dem Krieg in den März-Unruhen von 2004. Eine zornige Menge albanischer Randalierer setzte die serbisch-orthodoxe Kirche im Stadtzentrum sowie 55 serbische Häuser und Wohnungen in Brand. Die in Prizren stationierten deutschen KFOR-Truppen sahen sich nicht in der Lage, die Gewalt unter Kontrolle zu bringen. Mit Unterstützung der kosovarischen Regierung und Spendengeldern werden das historische serbische Viertel und orthodoxe Einrichtungen jetzt wieder aufgebaut.

Jahrzehnte zu geringer Investitionen in Bildung und öffentliche Infrastruktur in Verbindung mit hohem Bevölkerungswachstum und Verstädterung stellen für Prizren ein großes Problem dar, wenn es die nächste Generation angemessen versorgen will. Schulen müssen mit bis zu 50 Kindern pro Klasse in drei Schichten unterrichten. Um mehr Unterrichtsräume zu schaffen, hat das Bildungsministerium ein umfangreiches Schulbauprogramm in Gang gesetzt.

May 2008

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