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Lubishte
Lubishte. Foto: ESI

Das Dorf Lubishte liegt abseits am Fuß der Karadag-Berge im Südosten des Kosovos. Über Jahrhunderte bestand die Dorfökonomie im Wesentlichen aus Schaftierhaltung und Subsistenzwirtschaft. Die Dorfbewohner verbrachten mehrere Monate im Jahr auf den Weidegründen der Karadag-Berge. Bis in die 1970er Jahre gab es keinen elektrischen Strom. Erst 1976 erhielt Lubishte in Form einer Asphaltstraße Anschluss an die Außenwelt. Bis heute beziehen die meisten Häuser fließendes Wasser aus häuslichen Brunnen und Quellen.

Die meisten der 227 Familien Lubishtes leben von landwirtschaftlicher Subsistenzwirtschaft. Bei einer durchschnittlichen Ackerfläche von einem Hektar wirft die Landwirtschaft kaum genügend ab, um die eigene Familie zu ernähren. Seit Jahrzehnten muss Lubishte deshalb seine Arbeitskraft exportieren, um über die Runden zu kommen. Die ersten Arbeitsmigranten verließen das Dorf in den frühen 70er Jahren. In den 90ern verließen 242 Dorfbewohner Lubishte, um wirtschaftlicher Not und politischer Unterdrückung zu entkommen. Heute lebt ein Viertel von Lubishtes 2.234 Einwohnern – 572 Personen insgesamt – im Ausland, hauptsächlich in der Schweiz. Das Geld, das sie ihren Familien schicken, macht 60 Prozent aller Einkommen im Dorf aus. Das bedeutet, dass mehr Geld im Ausland als in Lubishte selbst verdient wird.

Ohne Arbeitsmigration gäbe es heute kaum Autos, Traktoren oder neue Häuser im Dorf. Mindestens 118 Häuser und 91 der 97 Traktoren wurden mit im Ausland verdientem Geld finanziert. Von den 147 Haushalten mit einem Auto kauften es 137 mit Geld, das sie aus dem Ausland erhielten.

Die Arbeitsmigration brachte zwar Satellitenschüsseln und Modernität nach Lubishte; die Auslandseinkommen trugen aber auch zur Bewahrung traditioneller Familienstrukturen bei. Der durchschnittliche Haushalt in Lubishte hat 9,5 Mitglieder. Die meisten Entscheidungen werden noch immer vom männlichen Haushaltsvorstand getroffen, der auch über das Familienbudget entscheidet. Nur zwei Frauen in Lubishte haben eine feste Anstellung außerhalb ihres Hauses. Weil nur wenige Mädchen die Möglichkeit erhalten, eine weiterführende Schule zu besuchen, wird sich dies auch so schnell nicht ändern.

In Lubishte und anderswo im Kosovo stellt die Arbeitsmigration ein wichtiges wirtschaftliches Sicherheitsnetz dar, doch kann sie nachhaltiges Wachstum nicht ersetzen. Nur 16 Prozent der Dorfbewohner im arbeitsfähigen Alter beziehen ein Einkommen aus regelmäßiger Arbeit. 45 Prozent der Dorfbewohner sind jünger als 15 Jahre alt. Für diese Generation ist das Tor nach Europa weitgehend verschlossen. Seit 1999 stellt der Familiennachzug die einzig legale Möglichkeit der Auswanderung dar. Nur wer bereits enge Verwandte im Ausland hat, kann ausreisen.

May 2008

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