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Stip
Stip

Die Stadt Stip wird manchmal als das mazedonische Manchester bezeichnet. Seit Jahrzehnten ist sie das Zentrum der mazedonischen Textilindustrie. Mit 48.000 Einwohnern ist Stip die größte Stadt in Ostmazedonien. Die Region ist landesweit für eine pizza-ähnliche Spezialität, pastrmajlija, bekannt.

Dank der rasanten Entwicklung der Bekleidungsindustrie in den vergangenen Jahren ist Stip von einem Zustand hoher Arbeitslosigkeit in einen von Arbeitskräftemangel geprägten Zustand geraten. Als ein heller Punkt in Mazedoniens ansonsten schwerfälliger Wirtschaft kann die Stadt als ein Beispiel für die Entwicklung eines erfolgreichen Privatsektors gelten.

Stip wurde bereits im 19. Jahrhundert, als es sich noch unter osmanischer Herrschaft befand, ein regionales Handelszentrum. Der Handel mit Thessaloniki, bei dem die jüdische Gemeinschaft Stips eine aktive Rolle spielte, trug zum Wachstum der Stadt bei. Von 1797 an, als Stips Bevölkerung zwischen 3.000 und 4.000 Einwohner betrug, wuchs die Stadt rapide, bis sie 1899 20.900 Einwohner zählte. In dieser Zeit war die Stadt ethnisch gemischt. In ihr lebten 10.900 Mazedonier, 8.700 Türken, 800 Juden und 500 Roma (CRPM).

Die Ereignisse des 20. Jahrhundert veränderten Stips multiethnischen Charakter. Während des Zweiten Weltkriegs, als sich die Stadt unter bulgarischer Besatzung befand, wurde ihre fast gesamte jüdische Bevölkerung in das Konzentrationslager Treblinka deportiert. Heute lebt in Stip nur noch eine jüdische Familie (CRPM). In den 50er Jahren, als das sozialistische Jugoslawien ein Abkommen über die Abwanderung von Türken (und in der Praxis auch von Albanern) in die Türkei abschloss, verließen mehrere Tausend Türken Stip. Laut der Volkszählung von 2002 sind heute 87 Prozent der Einwohner von Stip ethnische Mazedonier. Dazu gibt es noch 1.272 Türken, 2.195 Roma und 2.074 Walachen.

Stips Industrialisierung nach dem Zweiten Weltkrieg hat ihre Spuren hinterlassen. Die meisten Häuser und Wohngebäude stammen aus der frühen sozialistischen Ära (1950-1975), aber es gibt auch einige Hinweise auf die ältere Geschichte der Stadt: Stip hat ein Kloster aus dem 14. Jahrhundert und eine mittelalterliche Festung auf dem Isar-Hügel. Der alte überdachte osmanische Basar, der Bezisten, befindet sich direkt neben Stips größtem Hotel, der "Oaza" (Oase) aus der sozialistischen Periode. Die riesigen Textilfabriken "Makedonka" und "Astibo", die einst den Kern von Stips Industrie darstellten, sind beide vor einigen Jahren bankrott gegangen, aber nicht von der Bildfläche verschwunden. Makedonka stellte 2002 alle Tätigkeiten ein:

"Heute verfällt der Komplex, der Eisenbahnschranken ist geschlossen, schon verrostet. Instandhaltung hat es in den vergangenen zehn Jahren kaum gegeben. Man kann das daran erkennen, dass viele Fenster zerbrochen sind, die Wände bröckeln und das Gras im Park schon seit einiger Zeit wild wächst. Im Komplex liegt eine Menge alter Maschinen herum und rostet aufgrund des Regens und der Zeit. Es gibt nur noch die alte Flagge der Fabrik, die beständig im Wind flattert, der im Stip-Gebiet so stark ist."

(Mazedonische Kleidung für Europa, CRPM)

Der Niedergang der größten Unternehmen der Stadt verursachte einen drastischen Schwund von Arbeitsplätzen. 2002 waren beim örtlichen Arbeitsamt 11.700 Arbeitslose gemeldet.

Doch das rasante Wachstum der privaten Textilhersteller hat den Bekleidungssektor und die Wirtschaft der Stadt seitdem verjüngt. Ein ganzer Schwarm kleiner Firmen hat den Platz der sozialistischen Giganten eingenommen. Viele von ihnen werden von ehemaligen Managern von "Makedonka" und "Astibo" geleitet. Bis 2006 entstanden in Stip 70 Textil- und Bekleidungsfirmen mit 7.000 Angestellten. Die Zahl der Arbeitsplätze wuchs von 2002 bis 2006 um mehr als 3.000. Ein weiterer Anstieg um 1.600 wurde bis Sommer 2007 erwartet. In einer Stadt, die noch 2002 unter hoher Arbeitslosigkeit litt, klagen Firmendirektoren wie Sasko Mladinov nun über Arbeitskräftemangel. Der lokale Fernsehsender veröffentlicht ständig Stellenangebote.

Stips blühender Textilsektor hat Investoren aus Griechenland, der Türkei, Deutschland und der Schweiz angelockt. Neue Firmen sind entstanden, um zwischen europäischen Bekleidungsfirmen und mazedonischen Zulieferern zu vermitteln. Die Gehälter in Stip betragen um die €150 pro Monat – deutlich weniger, als Textilarbeiter in sozialistischen Zeiten verdienten. Doch die Schaffung von Arbeitsplätzen an sich ist eine Leistung. Falls einige von Stips Firmen den Schritt von Teilstückfertigung zur Herstellung eigener Markenkleidung schaffen, wird das besser ausgebildete Arbeitskräfte und höhere Löhne bringen.

May 2008

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