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Elisa Spiropali
Elisa Spiropali

Elisa Spiropali schloss sich MJAFT 2006 an. Sie stammt aus der zweiten Generation von MJAFT seit dem Abschied der Gründungsmitglieder 2007 und ist inzwischen Leiterin der Politikabteilung. Wie andere MJAFT-Aktivisten hat sie studiert und auch im Ausland gearbeitet. Sie studierte am Mount Holyoke College in Massachusetts, wo sie mit einem Bachelor in Politikwissenschaften und Ökonomie abschloss. Derzeit arbeitet sie an ihrem Master-Abschluss and der Universität von Sussex.

In New York arbeitete Elisa für eine Anwaltsfirma des �ffentlichen Rechts, die auf dem Gebiet der Bürgerrechte tätig war und die Reform des Pflegewesens unterstützte. Sie arbeitete auch einen zeitlang als Analyst für den Think Tank "Iniciativa Kosovare Per Stabilitet" (IKS) in Prishtina. 2004 arbeitete sie für das Zentrum für Sozial- und Rechtsstudien in Buenos Aires, wo sie Interviews mit Überlebenden der Militärdiktatur durchführte.

Im Jahr 2007 brachen Proteste und Streiks in der Bulqiza Mine im Nordosten Albaniens aus. Die Arbeiter der Eisenchromminen streikten, um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne zu erreichen. Die Situation verschärfte sich, als zwei der Minenarbeiter, Hysni Lezi und Avni Durici, bei einem Unfall am 11. Juni ihre Leben verloren. Dies war kein Einzelfall. Die Balkan Times berichtete noch im Februar 2008, dass in den vergangenen Tagen acht Minenarbeiter in der Mine umgekommen sind. Am 25. Juni 2007 begannen 21 Bergarbeiter einen Hungerstreik. MJAFT! Erkannte die missliche Lage der Minenarbeiter und begann, sie aktiv mit Demonstrationen in Tirana zu unterstützen.

Elisa Spiropali
Elisa Spiropali in Bulqiza

Elisa beschreibt das Engagement von MJAFT:

"Wir hörten von dem Bergarbeiterprotest, der am 1. Juni beschlossen worden war, und dann natürlich auch vom tragischen Tod der beiden Minenarbeiter: Die Arbeiter beendeten ihren Protest und gingen, ich glaube am 11. Juni, wieder an die Arbeit in der Mine.

Das erregte die Emotionen bei den MJAFT-Mitarbeitern, aber wir waren nicht gut über die Situation informiert. Wir hatten keinen Kontakt zu diesen Leuten … und deshalb beschlossen wir, nach Bulqiza zu fahren, und uns ein Bild über die Bedingungen der Bergarbeiter vor Ort zu machen, zu erfahren, wogegen eigentlich protestiert wurde, was ihre Forderungen waren und warum sie niemand hörte. Als wir dort ankamen, fanden wir eine wirklich sehr, sehr traurige Situation von schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen vor. Wir trafen auf Minenarbeiter, die im siebzehnten Untergeschoss der Mine arbeiteten und, verglichen mit dem Chrompreis und ihrer Arbeitsleistung, nach unserer Einschätzung ein lächerliches Gehalt erhielten.

Wir sahen ihre Lebensbedingungen und waren nicht nur betroffen, sondern fanden, dass hier die Dinge wirklich schief liefen. Irgendetwas stimmte nicht mit der Konzession, mit dem Unternehmen und auch mit den Regierungsstellen, die eigentlich sowohl für die Arbeitsbedingungen aber auch als Repräsentanten der Arbeiter und der Gewerkschaften für die Lohnverhandlungen mit verantwortlich waren.

Elisa Spiropali
Elisa Spiropali in Bulqiza

Deshalb beschlossen wir, bei der Organisation und der Planung des Protestes die Minenarbeiter voll zu unterstützen. Die Bergarbeiter hatten sich schon vorher organisiert, aber ihre Stimmen waren verhallt und in Tirana nicht gehört worden. Wir entschlossen uns, ihnen Gehör zu verschaffen.

Wir mussten auch zweimal zurückkehren, wisst Ihr, um überhaupt das Vertrauen der Minenarbeiter zu gewinnen, damit sie überhaupt nach Tirana kamen. Außerdem gab es da logistische Probleme, es gab finanzielle Probleme. Viele der Minenarbeiter mussten sich verschulden oder Geld beschaffen, um überhaupt nach Tirana kommen zu können. Wir haben drei Busse für sie umsonst organisiert, die nach Bulqiza fuhren, die Minenarbieter abholten und nach Tirana brachten. Wir mussten mit ihrem Verband, der sie unterstützte, alles planen, und mussten die Institutionen kontaktieren, wo sie protestieren wollten: das Wirtschaftsministerium, das Arbeitsministerium, das Sozialministerium und das Amt des Premierministers.

Die Bergarbeiter schliefen zwei Nächte in Tirana auf der Strasse und wir organisierten die Camps für sie, die Schlafplätze. Es war ziemlich schwer, Bergarbeiter ohne jede Unterstützung und ohne Hotels in Tirana zu versorgen. Wir blieben mit ihnen zusammen, wisst ihr, während des Abends, die Nacht hindurch und organisierten ihre Campingplätze. Und während der ganzen Zeit haben wir dann ständig die Medien und das Fernsehen angerufen, damit sie das Ereignis in die Nachrichten brachten. Das machte die öffentliche Stimme stärker, dadurch konnte die öffentliche Stimme und auch unsere Meinung sehr verstärkt werden. Der Bergarbeiterprotest fiel mit den Präsidentschaftswahlen zusammen, bzw. mit den Verhandlungen über die Präsidentschaftswahlen. Deshalb war es schwierig, die öffentliche Aufmerksamkeit zu mobilisieren.

Das war zuerst ein Problem. Aber dann, als die Regierung, die Politiker und das Unternehmen sahen, dass die Bergarbeiter absolut gewillt waren, ihren Protest bis zu Ende zu führen, und dass auch wir bereit waren, sie bis zum Ende zu unterstützen, denke ich, veränderte sich die öffentliche Meinung, und wir bekamen mehr Aufmerksamkeit. Und ganz plötzlich gab es nicht mehr nur das Thema, wie die Politiker ihren Präsidenten auswählen, sondern auch ein wirkliches Thema, das gelöst werden musste, für eine ganz bestimmte Gruppe von Leuten mit ganz speziellen Bedürfnissen, die unter harten Lebensbedingungen lebten.

Am Ende konnten die Bergarbeiter dann endlich mit ihrer Firma verhandeln … und ich bin glücklich, dass ich bei den Verhandlungen dabei sein konnte, weil es eine wichtige Zeit war, ein wichtiger Moment, wo die Themen wirklich auf die Tagesordnung kamen. Sie konnten dann ihre Probleme der Verwaltung und den Eigentümern der Mine klarmachen.

Elisa Spiropali
Elisa Spiropali in Bulqiza

Aber so eine schnelle Reaktion und dass man das Thema gleich da vor Ort lösen konnte und den Spielraum für Verhandlungen schaffen konnte, war nicht alles. Die Arbeiter müssen ihre Gewerkschaft organisieren und ihren Kampf fortsetzen, mit ihrer Firma verhandeln, um zu dem Punkt zu kommen, dass sie das Gefühl kommen, dass die Kommunikation überhaupt eingesetzt hat. Vorher war da überhaupt keine Kommunikation und die Bergarbeiter wurden niemals angehört. Das hat etwas verändert, wisst ihr, es hat ihr Selbstbewusstsein gestärkt, und es hat nicht nur ihren Wunsch, sondern auch ihre Möglichkeiten vergrößert, die Dinge in der Zukunft zu verändern.

Das war sehr emotional für uns alle, für die MJAFT Mitglieder. Wir gingen aus …, die Leute waren so glücklich, wir hatten eine Feier in den MJAFT Räumen. Und wir haben Getränke gebracht und saäen draußen, während die Leute uns filmten. Es gab dieses starke, enge Verbundenheitsgefühl zwischen den Bergarbeitern und der MJAFT Bewegung. Natürlich gab es auch Kritiker, es gibt sie immer, aber am Ende, denke ich, wurde das Selbstbewusstsein gestärkt und das ist doch das Wichtigste."

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Elisa Spiropali auf dem "Talking Balkans" Symposium in Wien vom 3.-4. April 2008 © 2008 ERSTE Foundation/Igor Bararon. All rights reserved.

May 2008
ESI

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