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The Name Issue
Der Namensstreit mit Griechenland. Foto: peshkupauje.com

Der Streit über Mazedoniens Staatsnamen geht auf die Unabhängigkeitserklärung der Republik Mazedonien im Jahr 1991 zurück.

Griechenland argumentiert, dass der Begriff Mazedonien aus der Zeit des historischen Königreichs Makedonien stammt, und dass seine Verwendung im Namen eines Nachbarlandes eine widerrechtliche Aneignung eines wesentlichen Teils ausschließlich "griechischer" Kultur und Geschichte darstellen würde. Es führt auch aus, die Verwendung des Namens Mazedonien impliziere territoriale Ansprüche auf die nordgriechische Provinz desselben Namens. Der Anthropologieprofessor Loring M. Danforth beschreibt die griechische Sicht wie folgt:

"Aus der nationalistischen griechischen Perspektive stellt die Verwendung des Namens 'Mazedonien' durch die 'Slawen aus Skopje' eine 'Niedertracht', einen 'Diebstahl geistigen Eigentums' am griechischen Volk dar. Indem sie sich 'Mazedonier' nennen 'stehlen' die Slawen einen griechischen Namen; sie veruntreuen das griechische kulturelle Erbe; sie 'fälschen' griechische Geschichte. Evangelos Kofos, ein am griechischen Außenministerium angestellter Historiker sagte einem ausländischen Journalisten: 'Es ist, als ob ein Dieb in mein Haus käme und meine wertvollsten Juwelen stähle – meine Geschichte, meine Kultur, meine Identität'(The Boston Globe Jan. 5, 1993, S.9)."

(Loring M. Danforth "How can a Woman give birth to one Greek and one Macedonian?")

Nach der Unabhängigkeitserklärung der Republik Mazedonien im Jahr 1991 verzögerte Griechenlands energischer Widerstand gegen die Aufnahme des Wortes "Mazedonien" in den Landesnamen die Anerkennung durch die internationale Gemeinschaft und die Aufnahme in die Vereinten Nationen. Weniger als offizieller Staatsname, sondern als vorläufige Bezeichnung wurde die Kompromissformel "Former Yugoslav Republic of Macedonia" (FYROM) gefunden ("Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien"). Im April 1993 Mazedonien trat den Vereinten Nationen unter diesem Titel bei. Andere internationale Organisationen wie der IWF und die Weltbank übernahmen die UN-Terminologie und viele Länder erkannten das Land als EJR Mazedonien. Anfänglich erkannte Griechenland Mazedonien nicht an und verhängte ein Handelsembargo über das Land. Das Embargo hatte bis 1995 Bestand und erwies sich insbesondere für die mazedonische Wirtschaft als schädlich; als Binnenstaat war es auf Zugang zu griechischen Häfen angewiesen.

Ein Interimabkommen aus dem Jahr 1995, das keines der beiden Länder mit Namen nennt, führte zu einer weitgehenden Normalisierung der Beziehungen. Die Republik Mazedonien erklärte sich zur Änderung ihrer Flagge bereit und entfernte die Vergina-Sonne. Dieses Symbol findet sich in den Gräbern der antiken Könige Makedoniens und wurde 1993 vom griechischen Parlament zu einem nationalen Symbol erklärt. Mazedonien verabschiedete einen Verfassungszusatz, in dem es explizit jeglichen Anspruch auf griechisches Territorium ausschloss. Griechenland erklärte sich bereit, den Beitritt Mazedoniens zu internationalen Organisationen, in denen es selbst Mitglied war, nicht zu blockieren; vorausgesetzt, Mazedonien trete unter dem Namen "Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien" bei und nicht unter dem in seiner Verfassung festgeschriebenen Namen. Seitdem hat sich Griechenland zu einem der engsten Wirtschaftspartner Mazedoniens entwickelt und ist der größte Auslandsinvestor im Land.

Der Namensstreit konnte bislang jedoch trotz UN-Vermittlung nicht beigelegt werden. In den vergangenen Jahren enthielten die mazedonischen Vorschläge meist eine "Doppelnamenformel", wonach das Land von allen Staaten der Welt gemäß seinem in der Verfassung festgeschriebenen Namen genannt werden würde, während Griechenland einen anderen Namen verwenden würde. Griechenland wies diese Vorstellung zurück und schlug stattdessen einen zusammengesetzten Namen wie Obermazedonien oder Mazedonien-Skopje vor.

Das Finden einer Übereinkunft wird durch die öffentliche Meinung in Griechenland und Mazedonien erschwert. Zum Kompromiss bereite Unterhändler sahen sich heimischem Widerstand aus den Reihen der Hardliner gegenüber. Eine Meinungsumfrage in der Athener Zeitung Kathimerini ergab, dass sich 84 Prozent der Griechen für ein Veto gegen einen mazedonischen NATO-Beitritt aussprachen, falls der Namensstreit nicht beigelegt werden kann (IHT). Eine weitere Umfrage vom März 2008 ergab, dass sich 83 Prozent der Mazedonier gegen einen Namensänderung zur Sicherung der NATO-Mitgliedschaft aussprachen (CRPM).

In den letzten zwei Jahren hat sich die Debatte wieder verschärft, wobei Griechenland seine Haltung verschärfte. Die im Dezember 2006 von den mazedonischen Behörden vorgenommene Umbenennung des Flughafens von Skopje nach Alexander dem Großen trug auf griechischer Seite nicht zu mehr Verständnis für die mazedonische Position bei.

Im April 2008 brachte der mazedonische Premierminister Nikola Gruevski seine Frustration über die unveränderte griechische Position zum Ausdruck:

"Griechenland hat angekündigt, dass es während des NATO-Gipfels von seinem Vetorecht Gebrauch machen, und dass Mazedonien keine Einladung erhalten wird, wenn es seinen Namen nicht ändert. Unsere Bürger sind von dieser Erpressung etwas frustriert und nicht bereit zu weiteren Änderungen. Wir sind bereit, das Problem zu überwinden, doch die Bürger sind nicht bereit, unseren Namen und unsere Identität völlig zu ändern.

[… ] Uns ist bewusst, dass Griechenland unsere NATO-Mitgliedschaft blockieren kann. Und wenn sie schon in der NATO diese Macht haben, sind sie in der EU noch zehn Mal stärker, da dort das Prinzip der Solidarität herrscht … Ausländische Investoren kommen ins Land, aber mir ist bewusst, dass es ohne diesen Streit mehr wären, sie würden weniger zögern, denn oft sagen sie 'oh, sie haben nicht die Unterstützung Griechenlands, was wird passieren' und so weiter."

Mittlerweile haben über 120 Länder, darunter drei der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, die USA, China und Russland, Mazedonien unter seinem Staatsnamen anerkannt. Der Konflikt erreichte auf dem NATO Gipfel in Bukarest im April 2008 einen neuen Höhepunkt. Griechenland legte sein Veto gegen den mazedonischen Beitritt ein und wies alle Vorschläge Mazedoniens und des UN-Vermittlers Matthew Nimetz zurück, darunter auch die Formel "Republik Mazedonien (Skopje)". Da Mazedonien aber auch bereit gewesen wäre, unter dem Namen "Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien" beizutreten, handelt es sich hier um einen klaren Verstoß gegen das Interimabkommen von 1995.

Dies führte nicht nur zu vorgezogenen Parlamentswahlen, sondern wirft auch einen Schatten auf Mazedoniens Bestrebungen, möglichst bald EU-Beitrittsverhandlungen aufzunehmen, da es unwahrscheinlich ist, dass Griechenland seine Haltung ändern wird. Die Verhandlungen wurden im Juli 2008 in New York wiederaufgenommen.

July 2008

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