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Slavko Lovric
Slavko Lovric

Slavko Lovric ist der Chef der Polizei in Travnik. Er arbeitet im Herzen der Altstadt in der Hauptpolizeidienststelle. Lovric ist bosnischer Kroate und hat 146 Beamte unter seinem Kommando, die meisten von ihnen sind Bosniaken, was der ethnischen Verteilung der Gemeinde entspricht.

Travniks Polizei ist heute ethnisch gemischt, doch dies war nicht immer so. Zu Ende des Krieges gab es im Kanton zwei Polizeitruppen, eine bosniakische und eine kroatische, mit eigenen Uniformen, Rangabzeichen, Büros, Budgets und Kommandostrukturen. Sie waren in den Gebieten aktiv, die von "ihren" jeweiligen Armeen am Ende des Krieges kontrolliert wurden. Die Bürger hatten an ihren Autos entweder "bosniakische" oder "kroatische" Autokennzeichen. Die Bewegungsfreiheit in den jeweiligen "anderen" Gebieten war eingeschränkt, und in der ersten Nachkriegszeit war es gefährlich, in die Gebiete zu fahren, die von der anderen ethnischen Gruppe kontrolliert wurde.

In den Jahren 1997 und 1998 wurden 13 Rückkehrer in der Gemeinde Travnik getötet. Deshalb war die Vereinigung der Polizei auch äußerst umstritten. Anfänglich gab es ernsthafte Probleme. 1998 wurden zwei kroatische Polizisten in Travnik umgebracht und 1999 wurde ein weiterer durch eine Autobombe schwer verwundet. Die Situation hat sich aber seit damals dramatisch verbessert.

Heute ist Zentralbosnien sehr sicher. Im gesamten Kanton gab es 2005 und 2006 nur sieben Morde, alle Fälle wurden gelöst. Keiner davon war ethnisch motiviert. Es gibt praktisch keine ethnisch motivierten Verbrechen mehr: 2006 wurden nur drei Fälle von "Provokation rassisch und ethnisch motivierten Hasses" registriert, 2005 waren es zwei.

Travnik - fortress and old town - Alan Grant
Festung und Altstadt von Travnik. Foto: Alan Grant

Lovric beteuert, das größte Sicherheitsproblem sei derzeit Autodiebstahl. Die Probleme häuften sich besonders nach dem Jahr 2000.

"Damals hatten wir kaum Informationssysteme für Kontrollen, heute funktioniert das viel besser, da wir eine sehr gute Zusammenarbeit mit INTERPOL und mit der Polizei in der Republika Srpska haben. Aber es ist immer noch problematisch."

Dennoch scheint dieses Problem kontrollierbar. 2006 gab es im Kanton insgesamt 210 Fälle von Autodiebstahl, im Vergleich zu 239 im Vorjahr.

Die allgemeine Aufklärungsrate für Verbrechen liegt bei 65%, was im internationalen Vergleich ein gutes Ergebnis ist.

Während Polizeistreifen seit 1997 ethnisch gemischt waren, um den normalen Bürgern zu helfen, wieder Vertrauen in die Polizei aufzubauen, lockerte die Polizei in Travnik im letzten Jahr diese Praxis. Slavko Lovric erklärt dies:

"Wir sehen nicht mehr, dass die Menschen die Polizei von einer nationalen Perspektive betrachten. Wir haben keine Beschwerden aufgrund ethnisch motivierter Diskriminierung."

June 2008
ESI

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