Montenegro - Wildes, schönes Land

Montenegro - Wildes, schönes Land

Mit seinem gebirgigen Relief und seiner turbulenten Geschichte ist Montenegro ein kleiner Balkan für sich. In seiner gesamten Geschichte war Montenegro in Europa für seine wilden Stämme und Blutfehden bekannt. Über Jahrhunderte standen sich muslimische (die Osmanen) und katholische (Venedig und Österreich) Reiche in diesem Land gegenüber. Doch in den vergangenen Jahren überraschte Montenegro all jene, die erwartet hatten, Montenegro würde an inneren Konflikten zerbrechen.

Das Land ist Europas zweitjüngster Staat, der im Sommer 2006 seine Unabhängigkeit erlangte. Seitdem verschwand es weitgehend aus den Nachrichten. Das an sich ist schon bemerkenswert für ein Land, von dem vor kurzem noch befürchtet wurde, es werde zu einem 'failed state' in einer problembeladenen Region.

Montenegro war die einzige der sechs ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken, der es seit 1989 gelang, jeglichen gewaltsamen Konflikt auf ihrem Territorium zu vermeiden. Es ist ein Land ohne ethnische Mehrheit, mit zwei orthodoxen Kirchen und dem Euro als nationaler Währung. Seine 620.000 Bürger sind orthodoxe Montenegriner und orthodoxe Serben, muslimische Bosniaken, katholische und muslimische Albaner sowie einige Kroaten und andere Minderheiten.

1993 versuchte Samuel Huntington in seinem Aufsatz über den "clash of civilisations" (unter anderem) die Wurzel gewaltsamer Konflikte auf dem Balkan zu erklären:

"Die große seit Jahrhunderten existierende historische Scheidelinie, die die westlichen, christlichen Völker von den muslimischen und orthodoxen trennte… besteht nun seit wenigstens 500 Jahren… Auf dem Balkan füllt diese Linie natürlich mit der historischen Konfrontation zwischen dem österreichisch-ungarischen und dem osmanischen Reich zusammen. Sie ist die kulturelle Grenze Europas."

Als im vierten Jahrhundert das römische Reich in West- und Ostreich mit den Zentren Rom und Konstantinopel zerbrach, verlief die Grenze durch das heutige Montenegro. Das Kirchenschisma von 1054 machte das Land zur Scheidelinie der Einflussbereiche von Orthodoxie und Katholizismus. Die Osmanen brachten schließlich den Islam in die Region.

Diese Geschichte ist natürlich typisch für den Balkan. Weniger typisch ist die Tatsache, dass Montenegro trotz zahlreicher Kriege und Wellen ethnischer Säuberungen vom 18. Jahrhundert bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts bis heute ein ethnisch stark gemischtes Land geblieben ist. Diese Vielfalt nahm mit dem Anstieg der Zahlen der Serben in den letzten Jahren sogar noch zu. Und doch gelang es dieser Gesellschaft - entgegen der Analyse Huntingtons - interne Zusammenstöße zu vermeiden.

Mit der Wiedererlangung der eigenen Staatlichkeit reduzierte Montenegro den Umfang seiner aus dem gemeinsamen Staat mit Serbien hervorgegangen Armee drastisch auf 2.500 Mann und zerstörte alle 62 Panzer bis auf einen. Das Adjektiv "wild" dient nicht mehr der Abschreckung möglicher Eroberer sondern der Werbung um Touristen.

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Annäherung an Montenegro. © 2008 pre tv. All rights reserved.

Der gesamte Film ist auf ESIs Youtube-Seite verfügbar.

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