Kosovo - Das gekappte Rettungsseil

Kosovo - Das gekappte Rettungsseil

Mit der Unabhängigkeitserklärung Kosovos am 17. Februar 2008 rückt der Konflikt zwischen Serben und Kosovoalbanern neuerlich in den Mittelpunkt medialer Berichterstattung. Mit Sorge blickt die Welt erneut auf die Krisenregion, deren relative Ruhe in den letzten Jahren durch den massiven Einsatz von KFOR und UNO-Polizeitruppen gesichert wurde.

Was bedeutet die Unabhängigkeit für die Stabilität Kosovos? Welche Zukunft steht dem Land bevor? Vor welchen Aufgaben wird die künftige EU-Mission stehen, um die Probleme des Landes zu lösen? Die Dokumentation nähert sich diesen Fragen an, indem sie eines der zentralsten Probleme Kosovos in den Mittelpunkt rückt - die katastrophale wirtschaftliche Lage mit den höchsten Arbeitslosenraten, vor allem für Junge und Frauen, in Europa.

In der Vergangenheit war es der Zusammenhalt der traditionellen Großfamilie, die das Überleben im traditionell armen Kosovo sicherte. Der Besuch einer Kulla - dem wehrhaften Steinhaus albanischer Familien, in dem einst oft 60 und mehr Mitglieder in weitgehend autarker Selbstversorgerwirtschaft, sogenanter Subsistenzwirtschaft, lebten - gibt einen Einblick in die alten familiären Strukturen. Doch auch heute noch bietet die Großfamilie den einzigen wirklichen Rückhalt für die meisten Kosovaren.

Doch dieses gesellschaftliche Gefüge gerät zunehmend ins Wanken. Jährlich drängen Tausende Jugendliche auf einen Arbeitsmarkt, den es nicht gibt. Selbst mit guter Ausbildung hat man wenig Aussicht auf einen Job. Die erzwungene Untätigkeit erzeugt besonders unter Jugendlichen in den Städten große Frustration - und Konfliktpotential.

Der Film sucht Familien auf und zeigt anhand ihrer Schicksale die dringliche Notwendigkeit zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Ohne staatliche Sozialleistungen bleibt den Menschen nichts anderes übrig, als in den großfamiliären Strukturen zu verharren. Dies bedeutet vor allem für Frauen, ihre traditionelle Rolle weiterhin erfüllen zu müssen. In vielen Fällen sind die Menschen von Familienmitgliedern, die in der Diaspora als Gastarbeiter leben, finanziell völlig abhängig.

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Was kommt nach der Unabhängigkeit? © 2008 pre tv. All rights reserved.

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Migration und Auslandsüberweisungen © 2008 pre tv. All rights reserved.

Der gesamte Film ist online auf ESIs Youtube-Seite verfügbar.

Gleichzeitig ist das Vertrauen der Menschen in den Staat und seine Institutionen gering. Die Unabhängigkeitsbewegung Vetëvendosje! ("Selbstbestimmung!") unter ihrem Führer Albin Kurti fordert sogar vehement den Abzug der Internationalen Gemeinschaft. Aber auch hochrangigen internationalen Beamten wie dem Leiter der UN-Verwaltung im Kosovo, Joachim Rücker, oder Ben Crampton, der am Aufbau der EU-Mission mitarbeitete, ist bewusst, dass es zu ihren vorrangigsten Aufgaben zählt, das Land beim Aufbau einer funktionierenden Wirtschaft zu unterstützen. Und dass dies derzeit nicht ausreichend passiert.


"Neugeboren"

Interviews mit Kosovos Unterrichtsminister Enver Hoxhaj, dem Schriftsteller Migjen Kelmendi, der Besuch bei KFOR-Truppen und in der serbischen Enklave Gracanica nahe der Hauptstadt Prishtina zeigen die Bedeutung der wirtschaftlichen Probleme für die Stabilität Kosovos. Von ihrer Lösung - darunter fällt auch die Aufhebung der Isolation des Landes - wird die Zukunft von Europas jüngstem Staat stark abhängen.

Weitersagen: Was bedeutet das?