Albanien - Traum und Wirklichkeit

Albanien - Traum und Wirklichkeit

Das kommunistische Albanien unter Enver Hoxha war ein totalitärer Überwachungsstaat, der überall Feinde witterte. Es gab regelmäßige Säuberungen, die Todesstrafe fand Anwendung und es gab eine große Zahl politischer Gefangener. Tausende politischer Gegner und Antikommunisten wurden hingerichtet. Die Albaner hatten bis Mai 1990 kein Recht auf einen Reisepass.

Zwei Jahrzehnte später hat Albanien einen dramatischen Wandel hinter sich gebracht. Und doch werden wenige Länder so wenig verstanden wie diese Adriarepublik. Grundlose Gewalt, organisiertes Verbrechen, Menschenschmuggel, Blutrache und erdrückende Armut sind die Assoziationen, die als erstes mit diesem Land verbunden werden. Dies ist nicht nur auf die besondere Grausamkeit des Hoxha-Regimes zurückzuführen. Das erste postkommunistische Jahrzehnt hat ebenfalls für einen Gutteil negativer Bilder gesorgt, die in der Anarchie von 1997 gipfelten. Es ist dieses dunkle und schwere Erbe, das die Geschichte des jüngsten Wandels Albaniens umso bemerkenswerter macht.

Im Mittelpunkt des Films stehen gewöhnliche Menschen mit ihren eigenen Lösungen: in den Bergen Nordalbaniens, in den neuen Vororten von Tirana oder Bergarbeiter, die unter schweren Arbeitsbedingungen leiden. Der Film erzählt auch die Geschichte von MJAFT! ("Genug!"), einer 2002 gegründeten Jugendorganisation, die schnell zu einer der meistvertrauten Institutionen des Landes avancierte. MJAFT! versucht, die Albaner aus ihrer Apathie aufzurütteln und eine Kultur friedlichen Protestes und bürgerschaftlichen Engagements zu etablieren. Dies ist in einem eindrucksvollen Ausmaß gelungen.

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Der Protest der Bergarbeiter. © 2008 pre tv. All rights reserved.

Der gesamte Film ist online auf ESIs Youtube-Seite verfügbar.

Zitate:

"2002 waren wir an Weihnachten über die Feiertage alle zu Hause. Wir trafen uns in einem Cafe, nachdem wir alle mehrere Jahre im Ausland verbracht hatten. Irgendwann platzte die 1-Millionen-Dollar-Frage aus uns heraus: 'Was stimmt mit diesem Land eigentlich nicht? Warum hat es sich in der Transformation verloren und warum wird es von inkompetenten Politikern geführt?' Unsere Verwandten schoben die Schuld auf 500 Jahre osmanischer Herrschaft, andere auf die Kommunisten. Doch uns war klar, dass wir in einigen Jahren selbst Kinder haben würden, und dass wir die Schuld für ihre kaputten Schulen und Krankenhäuser nicht auf die Türken und Kommunisten würden schieben können. Wir mussten bessere Antworten finden. Es musste etwas geben, das wir tun konnten."

Erion Veliaj

"In Albanien bedeutete Protest entweder die Forderung nach Sturz des Regimes oder der Regierung. Oft genug äußerte er sich gewaltsam. Protest war auch ‚totalitär‘ – die Leute kamen nur in riesigen Mengen auf die Straße und forderten die vollständige Lösung ihrer Probleme. MJAFT! hat den Wandel dieser Mentalität beeinflusst: hin zu friedlichen, oft lustigen oder sarkastischen Protesten zu konkreten Themen. Die Bedeutung der Botschaft ersetzte die Bedeutung von Menschenmengen."

Arbjan Mazniku

MJAFT activists
MJAFT! Aktivisten in Tirana