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Vlora
Vlora. Foto: flickr/-kÇ-

Vlora ist eine Küstenstadt im Südwesten Albaniens. Sie hat 120. 000 Einwohner und besitzt nach Durres den größten Hafen des Landes. Vlora exportiert Petroleum, Früchte, Oliven und Olivenöl. Weitere wichtige Wirtschaftssektoren sind der Fischfang, die Olivenölproduktion, das Mahlen von Reis, Salz, die Tanningewinnung, Zement und die Seifenproduktion. Erst vor kurzem erreichte Vlora internationale Bedeutung als Endpunkt einer Erdölpipeline, die vom Kaukasus nach Europa führt. Der Tourismus spielt eine grosse Rolle in Vloras Wirtschaft, denn die Strände der Stadt ziehen immer mehr Urlauber an.

Vlora wurde im 6. Jahrhundert vor Christus gegründet und hieß ursprünglich Aulon. Der Ort war bekannt für seine Weingärten, Oliven und Salz, und Aulon wurde nach dem Niedergang von Apollonia und Oricum der Haupthafen von Illyrien. Die Stadt wechselte oft seinen Besitzer, und wurde nacheinander von Byzantinern, Normannen, Serben, Venezianern und Türken kontrolliert.

Vlora war auch Sitz der albanischen Nationalversammlung, die November 1912 die Unabhängigkeit des Landes ausrief. Danach war die Stadt erste Hauptstadt des Landes. 1920 schloss die albanische Armee im "Krieg von Vlora" die italienischen Streitkräfte ein, die sich geweigert hatten, aus der Stadt abzuziehen, und zwang sie zum Rückzug. Vlora wurde erneut das Zentrum politischen Wandels, als sich 1924 ein Komitee fuer die Revolution gegen König Zogs Herrschaft bildete und die erste demokratische Regierung von Albanien einrichtete.

Vlora führte 1997 seine lange Tradition des Protests fort, als der Zusammenbruch des Pyramidensystems unter der Regierung von Sali Berisha viele Menschen um ihre ganzen Ersparnisse brachte und das Land in ein wirtschaftliches Chaos stieß. Die Stadt war damals das Zentrum von Demonstrationen und Aufständen, die sich auf die anderen Städte des Landes ausbreiteten. Die Polizei- und Militärdepots wurden von der Menge geplündert, die darauf bewaffnete lokale Milizen bildeten.

James Pettifer und Miranda Vickers beschreiben die Lage auf dem Höhepunkt der Krise:

"In Vlora waren jetzt geschätzte 15. 000 Männer unter Waffen und die militärische Initiative lag wieder bei den Rebellen, nachdem die vorigen zwei Wochen eine relative Stabilisierung zugunsten der Regierung gezeigt hatten. In einem verzweifelten Versuch, den Ansturm der Rebellen gegen die Regierung einzudämmen, konzentrierten sich Soldaten nördlich der Mündung der Vjosa, um dort die Strasse zu halten. Sie wurden aber angegriffen und von einer Miliz der Aufständischen aus Vlora unter der Leitung von Zani Causi abgedrängt. Dies war ein Führer der Paramilitärs, der aus einer wohlbekannten Familie von Kriminellen aus dem Cole Bezirk der Stadt stammte.

('The Albanian Question, Reshaping the Balkans', Miranda Vickers/ James Pettifer, 2007)

Geschätzte 2. 000 Menschen verloren ihre Leben inmitten dieser Anarchie und Gewalt, die in einen Bürgerkrieg umzuschlagen drohte, und dann letztendlich zur Abwahl der Regierung führte.

Beach in Vlora
Strand in Vlora

In den späten 90er Jahren und den Jahren nach 2000 trat Vlora als Knotenpunkt von Menschenhandels und Schmugglernetzwerken in Erscheinung. Die Schlepper machten enorme Gewinne, nach Schätzungen der albanischen Polizei sogar 1300 bis 1500 Euros von Emigranten, die die Meerenge nach Italien überwinden wollten. Diese Menschen wurden dann in Schnellboote gequetscht und in der Nacht über die Adria verbracht. Viele ertranken. Ein Artikel von Neil Barnett aus dem Jahr 2004 gibt einen Einblick in das Schnellbootgeschäft in Vlora:

"Die Schmuggler setzen in Nächten mit rauher See über, und wenn die See dann hochschäumt, sind die Boote praktisch unsichtbar für Radar und für das blosse Auge", sagte Ilir Manco, [der Kommandeur des Vlora Seedistrikts]. "Sogar wenn die Boote ausgemacht werden, dann bewegen sie sich mit 35 bis 70 Knoten pro Stunde, was schneller ist als die meisten Boote. Manchmal hängen sie sogar Helikopter ab. " […]

"Bis die Regierung dann im Jahr 2003 zuschlug, warteten diese Schnellboote im Hafen wie Taxis. "

"Mangel an Ressourcen ist nicht der einzige Grund, der die Behörden davon abhält, die Schlepper zu fangen. Korrupte Beamte drücken an Grenzübergaengen ein Auge zu. Die Explosion von schicken leeren Wohnungen, die entlang Vloras heruntergekommenen Strassen aus dem Boden schießen, weist darauf hin, dass einige Leute große Summen Bargeld haben, die sie waschen müssen. Ebenso die neuen BMWs und Mercedes, die mit abgedunkelten Fensterscheiben die schmutzigen Boulevards entlangfahren. "

(Neil Barnett, IWPR, Traffickers risk death on Albania's high seas)

Bald begannen Vloras Schnellboote sowohl Drogen als auch Menschen zu transportieren. Illegale Migranten aus Griechenland, Mazedonien und Montenegro uebertrafen die Zahl der albanischen Flüchtlinge. Ein Artikel der Al-Ahram Weekly zitierte einen "Bericht der italienischen Polizei, der zeigte, dass nur 7. 000 von 49. 000 illegalen Einwanderern, die aufgegriffen werden, Albaner sind. "Sogar die besser ausgerüstete italienische Polizei erwies sich als unfähig, die Schnellbootschmuggler effektiv zu bekämpfen.

"Manchmal mache ich den dreistündigen Trip dreimal pro Tag, sagt ein Schnellbootfahrer, der schon sechs Jahre in diesem Geschäft tätig ist. `Aber wir sind Gefahren ausgesetzt, vor allem von der italienischen Finanzpolizei, die die Gewässer patroulliert. Einige unserer Boote haben mehr als einen Motor, und so können sie den Italienern davonfahren. Er behauptet, dass es zwischen 70 und 80 Schnellbootfahrer gibt. "

(Zeina Takieddine, Al-Ahram Weekly)

Unter dem Druck Italiens wurden im April 2006 von der albanischen Regierung Schnellboote verboten. Einige lokale Beobachter behaupten, dass die Schmuggler ihren Profit inzwischen in legale Geschäfte wie Hotels, Restaurants und Immobilienhandel investiert haben.

May 2008

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