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Bitola - Shirok Sokak Street
Shirok Sokak Straße in Bitola. Foto: Alan Grant

Als geographische Bezeichnung ist der Ausdruck "Mazedonien" sehr alt und geht fast 3.000 Jahre zurück. Die mazedonische nationale Identität hingegen gehört zu den jüngsten in Europa. Sie entstand hautsächlich erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Der Name "Mazedonien" führt ins antike Griechenland zurück und zum Königreich Mazedonien, das im 8. oder frühen 7. Jahrhundert vor Christus entstand. Dieses ist jedem aufgrund seines berühmten Königs Alexander dem Großen, der 336 bis 323 regierte, ein Begriff. Machtkämpfe nach seinem Tod führten zur Fragmentierung des riesigen Reiches.

Das geographische Gebiet Mazedonien umfasst Teile des heutigen nördlichen Griechenlands, Westbulgariens, Ostalbaniens und die heutige Republik Mazedonien. Es war eine Provinz sowohl des römischen als auch des byzantinischen Reiches. Beginnend mit dem 6. und 7. Jahrhundert haben sich slawische Stämme auf der Balkanhalbinsel angesiedelt. Zu manchen ihrer – eher kurzlebigen – mittelalterlichen Balkanstaaten gehörte auch Mazedonien (oder Teile davon).

Nachdem die Osmanen Mazedonien eroberten, wurde es in mehrere Provinzen geteilt. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde das geographische Gebiet Mazedonien dann das zentrale Objekt einer Serie territorialer Streitigkeiten, die als "Mazedonische Frage" in die Geschichte eingingen. Die neuen Balkanstaaten Bulgarien, Serbien und Griechenland hatten alle Ansprüche auf die Region erhoben und waren in stetem Wettbewerb um Einfluss sowohl durch politische als später auch durch militärische Mittel. Bewaffnete Gruppen in Bulgarien und innerhalb Mazedoniens, wie die Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation (VMRO-DPMNE), konspirierten gegen die osmanische Herrschaft und strebten entweder nach einem unabhängigen Staat oder einer Union mit Bulgarien. Alle diese Versuche, auch der Ilinden-Aufstand von 1903, wurden jedoch von den Ottomanischen Streitkräften niedergeschlagen.

1912 gründeten Serbien, Griechenland, Montenegro und Bulgarien zusammen den "Balkanbund" und erklärten dem osmanischen Reich den Krieg. Erfolgreich drängten sie die Osmanen aus fast allen Teilen der Balkanhalbinsel, auch aus Mazedonien. Während die Serben und Griechen relativ leicht große Landzüge besetzen konnten, wurden die Bulgaren durch osmanischen Widerstand, insbesondere bei der Burg von Adrianopel (Edirne), aufgehalten. Obwohl sie mit größtem Einsatz kämpften und schwerwiegende Verluste erlitten, konnten die Bulgarien nur kleine Landgewinne verzeichnen. Das verleitete Bulgarien, im Jahr 1913 Serbien und Griechenland anzugreifen, wodurch es jedoch eine erniedrigende und fürchterliche Niederlage erlitt. Der Vertrag von Bukarest, der diesem zweiten Balkankrieg folgte, führte zu einer permanenten Teilung der Region Mazedonien. Die südlichen Teile gingen an Griechenland, ein kleiner Teil im Osten an Bulgarien und das Gebiet, das heute die Republik Mazedonien ausmacht, wurde Teil Serbiens. Die serbischen Behörden schlossen alle bulgarischen Schulen und zwangen die slawische Bevölkerung, ihre Namen zu "serbisieren".

Im Ersten Weltkrieg wurde Mazedonien von den Zentralmächten besetzt, aber nach ihrer Niederlage an Serbien zurückgegeben. In den nachfolgenden Jahren weitete die serbische Führung ihre Politik der "Serbifizierung" aus, indem sie in "Südserbien" Bauern aus Serbien und Montenegro ansiedelte. Serbische Kulturinstitutionen und Zeitungen wurden gegründet, mit der Absicht, diese Politik zu unterstützen. Anders als andere Minderheiten wurden die lokal ansässigen mazedonischen Slawen, die sich selbst als Bulgaren sahen, als Serben klassifiziert.

Im Zweiten Weltkrieg gelangte Mazedonien und Skopje wieder unter bulgarische Besatzung. Nun wurden alle Lehrer gezwungen, Bulgarisch zu lernen. Eine bulgarische Universität wurde gegründet, wie auch bulgarische Schulen, ein Nationaltheater und ein Museum. 1944 konnte die kommunistische Partisanenbewegung, die die bulgarische Besetzung bekämpfte, die Kontrolle über das Gebiet gewinnen.

Als Teil von Titos Versuchen, die serbische Bevölkerungsmehrheit im Land auszugleichen, wurde Mazedonien zu einer von sechs konstituierenden Republiken des sozialistischen Jugoslawiens erklärt. Mazedonier wurden als eine der konstituierenden Völker des jugoslawischen Staates anerkannt. Unter den Kommunisten wurde die mazedonische Sprache (linguistisch sowohl dem Bulgarischen als auch dem Serbischen nahe) standardisiert und eine eigenständige Mazedonische Orthodoxe Kirche ausgründet (obwohl diese nie vom orthodoxen Patriarchat in Istanbul und den wichtigen orthodoxen Kirchen anerkannt wurde).

Als die jugoslawische Föderation in den frühen 1990er Jahren zerfiel, war Mazedonien die einzige der Republiken, die friedlich unabhängig wurde. Die Bevölkerung Mazedoniens entschied sich in einem Referendum am 8. September 1991 für die Unabhängigkeit. Fast alle Nachbarstaaten jedoch hatten Vorbehalte gegenüber einem unabhängigen Mazedonien.

"Die Mehrheit der Bulgaren sehen die slawischen Bewohner Mazedoniens weiterhin als Bulgaren und glauben, dass die mazedonische Sprache ein Dialekt des Bulgarischen ist. Auch eine Mehrheit der Griechen betrachten die Ausdrücke 'Mazedonien' und 'mazedonisch' einzig als griechischen Besitz. Sie sehen die Verwendung dieser Worte von ihren nördlichen Nachbarn um ihren Staat, ihr Volk und ihre Sprache zu beschreiben als eine Kombination von nationalem Diebstahl, historischer Beleidigung und Irredentismus gegen ihre nordgriechische Provinz (die auch Mazedonien heißt). Wie diese rigiden Mehrheitshaltung unter den Bulgaren und Griechen, so gibt es auch eine kleine Zahl von extrem nationalistischen Serben, die die Existenz einer eigenen slawischen Nation der Mazedonier verneinen… "

(Hugh Poulton, 'Who are the Macedonians?')

Am wichtigsten waren und sind die griechischen Bedenken. Mazedoniens Anerkennung als unabhängiger Staat und sein Beitritt zu internationalen Organisationen wurde durch einen – noch immer anhaltenden – Namensstreit mit Griechenland verschoben. 1993 wurde Mazedonien schließlich Mitglied der Vereinten Nationen und anderer internationalen Organisationen, allerdings unter dem Namen "Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien" (FYROM). Das sollte ein Provisorium sein, bis eine Lösung für die Namensfrage gefunden würde. Dazu kam es aber bis heute nicht.

Trotz (oder vielleicht gerade wegen) seiner friedlichen Abspaltung brauchten die ethnischen Mazedonier eine gewisse Zeit, um zu begreifen, dass ihr neues Land nicht ein klassischer Nationalstaat, sondern ein multi-ethnischer Staat ist. Zusätzlich zur Mehrheit der ethnischen Mazedonier (64 Prozent) und der größten Minderheit, der Albaner (25 Prozent), ist das Land noch Heimat für beträchtliche Gruppen von Türken, Roma, Wlachen, Serben und Bosniaken. Die Vernachlässigung der Interessen der Minderheiten, insbesondere von Mazedoniens Albanern, war einer der Gründe für den Konflikt von 2001.

Bevölkerung nach ethnischer Zugehörigkeit

Ethnische Gruppe

Bevölkerung

Prozent

Ethnische Mazedonier

1.297.981

64,18

Albaner

509.083

25,17

Türken

77.959

3,85

Roma

53.879

2,66

Vlachen

35.939

1,78

Bosniaken

17.018

0,84

Andere

30.688

1,52

Gesamt

2.022.547

100,00

Quelle: Volkszählung von 2002

May 2008

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