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Entrepreneur of the year 2007
Mazedoniens "Unternehmer des Jahres 2007". Foto: Regierung von Mazedonien

Die Leistung der mazedonischen Wirtschaft war seit dem Übergang vom Sozialismus nicht beeindruckend. Über Jahre zeigte Mazedonien ein langsameres Wachstum, höhere offizielle Arbeitslosigkeit und weniger Fremdinvestitionen als seine Nachbarn. Der Aufstand von 2001 führte das Land an den Rand eines Bürgerkrieges und stürzte die Wirtschaft in eine Rezession. Das Bruttosozialprodukt (BSP) sank 2001 um 4,5 Prozent. In den Jahren seit dem Konflikt ist das BSP zwar gewachsen, aber nur langsam. Erst vor kurzem hat sich diese Situation begonnen zu verbessern.

Die schwache Leistung der mazedonischen Wirtschaft ist stark mit dem sozialistischen Erbe verbunden. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebiet der heutigen Republik Mazedonien sehr rückständig, ländlich und arm. Zwei Balkankriege und zwei Weltkriege hatten das Land zerstört. Mazedonien verwandelte sich erst unter kommunistischer Führung in eine Industriegesellschaft, was die Ökonomie bis heute prägt.

Die Schaffung städtischer industrieller Zentren führte zu einer einschneidenden demographischen Verschiebung, als die Bevölkerung die ländlichen Gebiete verließ und Arbeit in den Städten aufnahm. Die wichtigsten Industriezweige waren Metallverarbeitung, Textilproduktion, Nahrungsmittelverarbeitung und Chemie (Economist Intelligence Unit). Bis zum Zusammenbruch Jugoslawiens, konnten diese Industrien dank der äußeren Marktabschottung und dem Fehlen aller Handelsbarrieren innerhalb Jugoslawiens überleben. Trotzdem gehörte Mazedonien zu den ärmsten Gebieten des sozialistischen Jugoslawiens.

Nachdem aber Jugoslawien auseinanderbrach, zeigten sich die sozialistischen Industrien Mazedoniens als ineffizient und von zu hoher Beschäftigung belastet. Doch ein Privatsektor mit Unternehmen, die die industrielle Entwicklung hätten weiter voranbringen können, bildete sich nicht heraus. Zwischen 1990 und 2006 sank der Anteil der Industrie am Bruttosozialprodukt von 45 auf 28 Prozent (EIU). Die De-Industrialisierung führte zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. In der Region Kumanovo zum Beispiel waren 1990 noch 18.000 Menschen im industriellen Sektor beschäftigt; 2003 waren davon nur noch 7.000 Arbeitsplätze vorhanden und die Hälfte weiterhin bedroht. In Kicevo sank zwischen 1989 und 2005 die Anzahl der Arbeitsplätze in der Industrie von 6.600 auf 2.800. Landesweit erreichte die offizielle Arbeitslosigkeit in der ersten Hälfte des Jahres 2007 36 Prozent, darunter waren besonders viele junge Menschen betroffen.

Die Auslandsinvestitionen in Mazedonien waren in den Jahren von 2002 bis 2005 die niedrigsten in der gesamten Region (CRPM). 2005 zog das Land lediglich ein Prozent aller Auslandsinvestitionen in allen südosteuropäischen Ländern an (ICEG EC). Die Zahl ist besonders auffällig, weil Mazedonien verglichen mit den anderen Ländern der Region Fortschritte bei seinem Antrag auf EU-Beitritt vorzuweisen hat.

Private Investitionen sind ebenfalls niedrig. Ein Bericht des Weltwährungsfonds aus dem Jahr 2006 stellt fest, dass die private Kapitalakkumulation die geringste in der gesamten Region ist. Das Prinzip der Insider-Privatisierung, mit der in Mazedonien viele sozialistische Firmen privatisiert wurden, generierte einfach kein neues Kapital. Der Transfer von Eigentum zu den bestehenden Managern und Arbeitern verhinderte gleichzeitig die Restrukturierung, weil den Teilhabern jeder Anreiz fehlte, Menschen zu entlassen.

Auslandsüberweisungen spielen eine wichtige Rolle in Mazedoniens Wirtschaft. Schätzungen über Auslandsüberweisungen legen nahe, dass sich das Volumen zwischen 2000 und 2005 verdoppelt hat und im Jahr 2005 um die 18 Prozent des Bruttosozialproduktes erreichte (IWF). Migration und Auslandsüberweisungen sind besonders stark bei der albanischen Minderheit. Für Jahrzehnte hatten Albaner mehr Schwierigkeiten, Jobs im öffentlichen Sektor und in der Industrie zu finden als Mazedonier, weswegen sie nach Westeuropa und in die Vereinigten Staaten auswanderten.

Als ein Land ohne eigenen Zugang zu Seewegen ist Mazedonien vom Handel mit seinen Nachbarn und dem Zugang zu ihren Seehäfen abhängig. Als Griechenland im andauernden Streit um Mazedoniens Namen ein Handelsembargo gegen das Land verhängte, war Mazedonien von den griechischen Häfen abgeschlossen, durch die ein Großteil seines Handels lief. 1997 wurde das Land von der Krise in Albanien erschüttert und danach 1999 vom Krieg im Kosovo, in dem Mazedonien über 300.000 Flüchtlinge aufnahm. Wenn man betrachtet, wie wichtig regionale Stabilität, niedrige Handelsbarrieren und gutnachbarschaftliche Beziehungen für Mazedonien sind, erscheinen die wirtschaftlichen Vorteile einer EU Mitgliedschaft für das Land noch einmal so hoch.

Im September 2006, verkündete der Premierminister von Mazedonien, Nikola Gruevski:

"Es wird Zeit, dass Mazedonien ein neuer ökonomischer Tiger wird, der in die Fußstapfen von Irland und der Slowakei tritt. Dieses Land ist bemüht, alle Sektoren unserer Gesellschaft zu unterstützen." (News, Regierung der Republik Mazedonien)

Tatsächlich hat sich die wirtschaftliche Leistung in der letzten Zeit verbessert. Das Wachstum des Bruttosozialproduktes im Jahr 2007 wird auf 5,1 Prozent geschätzt (CIA World Factbook). Mazedoniens Regierung prognostiziert, dass sich dieser graduelle Anstieg im Jahr 2008 fortsetzen wird, und erwartet ein Wachstum von 6,1 Prozent. Die Industrieproduktion ist im Zeitraum Januar-Februar 2008 um 10 Prozent gewachsen (US Botschaft). Ein ermutigendes Beispiel ist die industrielle Entwicklung hinsichtlich Wachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen im Textilsektor.

Schlüsselfakten der mazedonischen Wirtschaft

Wachstum BSP (2007)

5,1%

Pro-Kopf-BSP (2006)

7.500 US-Dollar

Inflation (2007)

2.3%

Bevölkerung unterhalb der Armutslinie (2006)

29.8%

Offizielle Arbeitslosenrate (2007)

34.8%

Offizielle Beschäftigungsrate (2007)

36.4%

BSP nach Sektoren (Beschäftigung pro Sektor) (2007)

 

Landwirtschaft

10,3% (19,6%)

Industrieproduktion

28,1% (30,4%)

Dienstleistungen

61,6% (50,0%)

Auslandsinvestitionen Nettoeingang (2007)

330 Mio. US-Dollar

Exporte (2007)

3.356 Mio. US-Dollar

Importe (2007

5.228 Mio. US-Dollar

Quellen: Weltbank, CIA World Factbook, Economist Intelligence Unit, US Botschaft Mazedonien

May 2008

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