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Don't forget
Mostar - Don't forget. Foto: Alan Grant

Im letzten Jahrzehnt war Bosnien-Herzegowina der Schauplatz eines bemerkenswerten Projektes von "political engineering", in dem internationale und lokale Akteure versuchen, ein verwüstetes, ethnisch geteiltes Territorium in einen multi-ethnischen, demokratischen und wirtschaftlich überlebensfähigen Staat zu verwandeln.

Bosnien-Herzegowinas derzeitige Gliederung ist eine Folge der Streitigkeiten, die zum bitteren Krieg von 1992-1995 führten, der durch zwei Friedensabkommen beendet wurde.

Die erste Teilung Bosnien-Herzegowinas erfolgte, als die in Bosnien lebenden Serben 1991 ihre Autonomie ausriefen. Sie sahen, dass Bosnien dabei war, Slowenien und Kroatien auf dem Weg in die Unabhängigkeit zu folgen, und wollten keine Minderheit in einem unabhängigen Bosnien werden. Der Krieg brach am 6. April 1992 aus, nach einem Referendum, in dem sich praktisch alle Bosniaken und Kroaten (über 60% der Bevölkerung) für die Unabhängigkeit erklärt hatten und diese von der Regierung ausgerufen und international anerkannt wurde. Die bosnischen Serben umzingelten die Hauptstadt Sarajevo und belagerten sie für die nächsten dreieinhalb Jahre. Mit militärischer Unterstützung aus Serbien konnten die bosnischen Serben in kurzer Zeit zwei Drittel des Staatsgebietes Bosnien-Herzegowinas unter ihre Kontrolle bringen. Die bosnischen Kroaten, die kleinste der drei wichtigsten ethnischen Gruppen im Land, schufen daraufhin ihren eigenen Mini-Staat. Mit Unterstützung aus Kroatien übernahm die bosnisch-kroatische Armee im Jahr 1993 in bitteren Gefechten mit der Armee Bosnien-Herzegowinas Gebiete, in denen Kroaten eine Mehrheit bildeten. Im August 1993 riefen die bosnischen Kroaten formell ihre eigene "Kroatische Republik Herceg-Bosna" aus.

Mehrere Versuche der internationalen Gemeinschaft, ein Friedensabkommen auszuhandeln, scheiterten. Der erste Erfolg bestand in der Beendigung des kroatisch-bosniakischen Konfliktes. Unter deutschem und amerikanischem Druck wurde im sogenannten Washington Agreement vom März 1994 in aller Eile eine "kroatisch-bosniakische Föderation" geschaffen. Um den Interessen der bosnischen Kroaten, die ihr Streben nach einer eigenen Republik aufgeben mussten, entgegenzukommen, wurden in der Föderation 10 Kantone mit eigenen Regierungen gebildet.

Die erneuerte Allianz hatte direkten Einfluss auf den Verlauf des Krieges. Nach zahlreichen Vormärschen der (bosnisch)-kroatischen und bosniakischen Streitkräfte waren die bosnischen Serben im September 1995 einer Niederlage nahe. Auch die NATO intervenierte, um ein Ende der Belagerung von Sarajevo zu erzwingen, und bombardierte bosnisch-serbische Stellungen. Diese Intervention war durch den Schock und das Entsetzen über das Massaker an tausenden Bosniaken durch bosnisch-serbische Truppen in Srebrenica im Juli 1995 hervorgerufen.

Als die bosnischen Serben sich schon in der Defensive befanden, berief US-Präsident Bill Clinton eine Friedenskonferenz auf dem Wright-Patterson-Luftwaffenstützpunkt in Dayton, Ohio, ein. Der serbische Präsident Slobodan Milosevic vertrat die bosnischen Serben, weil die Vereinigten Staaten den bosnisch-serbischen Führer Radovan Karadzic, der mittlerweile als Kriegsverbrecher angeklagt worden war, von den Friedensverhandlungen absichtlich ausschlossen. Der kroatische Präsident Franjo Tudjman repräsentierte die bosnischen Kroaten. Der einzige hochrangige Vertreter aus Bosnien, der das Abkommen unterschrieb, war Präsident Alija Izetbegovic.


Unterzeichnung des Friedensabkommen von Dayton in Paris, 14. Dezember 1995.
Erste Reihe von links: Slobodan Milosevic, Franjo Tudjman und Alija Izetbegovic.
Hintere Reihe von links: Felipe Gonzalez (Spanien), Bill Clinton (USA),
Jacques Chirac (Frankreich), Helmut Kohl (Deutschland), John Major (Großbritannien) and Viktor Chernomyrdin (Russland).

Das in Dayton im November 1995 ausgehandelte und in Paris am 14. Dezember 1995 unterzeichnete Abkommen teilte Bosnien in zwei Einheiten mit hoher Autonomie auf, die einfach “Entitäten” genannt wurden, um Diskussionen über ihren exakten Status zu vermeiden. Die serbische Entität, die den Kriegsnamen Republika Srpska beibehalten durfte, bekam 49% des Territoriums zugesprochen, was bedeutete, dass die bosnisch-serbischen Streitkräfte sich aus weiten Teilen des Landes zurückziehen müssten. Die übrigen 51% gingen an die 1994 geschaffene Föderation der Kroaten und Bosniaken. Die schon existierende Struktur der Föderation mit 10 Kantonen blieb erhalten.

Auf der gesamtstaatlichen Ebene wurde nur eine schwache Struktur geschaffen. Sie beinhaltet eine gemeinsame Präsidentschaft mit drei direkt gewählten Mitgliedern von jeweils einer der drei Hauptvolksgruppen und ein Parlament, das wiederum die (schwache) Zentralregierung ernennt.

June 2008

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