Zurück Themen: Rückkehr - Weiter 
Returnee
"Es war schwer zurückzukommen"

Laut dem bosnischen Ministerium für Menschenrechte und Flüchtlinge flohen während des Krieges 2,2 Millionen Menschen oder wurden vertrieben. 1,2 Millionen suchten in über 100 Ländern um den Status als Flüchtling nach. Die übrige Million Menschen wurde innerhalb des Landes vertrieben.

Die Rückkehr von Flüchtlingen und intern Vertriebener ist einer der großen Erfolge seit dem Krieg. Dieser Prozess lief ernsthaft 1999 an, als das OHR Arbeitsgruppen für die Flüchtlingsrückkehr im ganzen Land einrichtete, mit Geldgebern zusammenarbeitete und Flüchtlingsgruppen organisierte. 1999 wurde zu dem Jahr, in dem die Rückkehr von Minderheiten in ganz Bosnien und Herzegowina zu einer Realität wurde. Dieser Erfolg sollte der Obstruktion der nationalistischen Parteien Bosniens entgegen wirken.

Die Rückkehr von Bürgern an einen Ort, an dem ihre nationale Gruppe nicht in der Mehrheit war, erwies sich als besonders schwierig. Bis 1999 waren nationalistische Führer davon überzeugt, dass sie die Rückkehr ehemaliger Bewohner verhindern konnten. In vielen Fällen wurden Rückkehrer eingeschüchtert.

Die Zahlen zu den Vertriebenen sind ungenau, da sie häufig in ihre Häuser zurückkehren, ohne sich im vorherigen Aufenthaltsort abzumelden. 2005 führte eine erneute Registrierung zu einer Reduzierung der Zahl der verbliebenen Vertriebenen auf 187.000. Diese Zahl nimmt jährlich weiter ab. Die Rückkehr aus dem Ausland ist mittlerweile aber selten geworden.


Flüchtlinge in Novi Travnik 1993. Foto: James Mason

Einer der großen Erfolge der Nachkriegszeit ist Rückgabe von Eigentum an die rechtmäßigen Inhaber. In den ersten Jahren nach dem Dayton-Abkommen hinderten nationalistische Behörden Eigentümer an der Rückerlangung ihres Besitzes. Dies führte zu einem konzertierten Plan unter Einbeziehung des OHR, des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) und der OSZE Mission im Oktober 1999. Ziel war die Schaffung eines rechtlichen Verfahrens, um direkten Druck und Anreize auf die Gemeinden und andere verantwortliche Akteure auszuüben, und sie zum Handeln zu bewegen.

Eine Methode war es, die Gemeinden für Eigentumsfragen rechenschaftspflichtig zu machen. Der neue Umsetzungsplan für das Gesetz über Eigentum (Property Law Implementation Plan, kurz: PLIP) machte die jeweilige Gemeinde eines Rückkehrers für die Regelung von Eigentumsansprüchen und die Vereinfachung der Rückgabe von Eigentum verantwortlich. Die Anzahl rechtmäßig umgesetzter Eigentumsrückgaben wurde durch die monatliche Veröffentlichung der PLIP-Liste in ganz Bosnien bekannt gemacht.

In vielen Fällen wurde die Eigentumsrückgabe durch Mietverträge oder Eigentumsverkäufe abgewickelt. Sogar Vertriebene, die nicht zurückkehren wollten, gerieten in beiden Entitäten unter Druck, ihre Eigentumsverhältnisse zu klären.

Bereits Anfang 2004 konnten das OHR und die Missionen der UN und OSZE bekanntgeben, dass:

"die Implementierungsquote des Gesetzes über die Eigentumsrückgabe zum 31. Januar 2004 93 Prozent erreicht hat… Die örtlichen Wohnungsbehörden haben 201.417 von insgesamt 216.904 registrierten Eigentumsansprüchen bearbeitet und 99 Prozent der Entscheidungen in erster Instanz getroffen. Von diesen waren nahezu 93 Prozent positive Entscheidungen."

Im Jahr 2006 stellte das OHR die Veröffentlichung der PLIP-Liste ein, da nur noch eine kleine Zahl von Fällen verblieb. Das Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) schrieb in diesem Jahr:

"Mehrere Faktoren scheinen darauf hinzuweisen, dass Rückkehr in Bosnien nun ein Restprozess ist. Er betrifft Gegenden, in denen sich die Rückkehr besonders schwierig gestaltet und die verbleibenden Kandidaten für eine Rückkehr zu den am sozial gefährdetsten gehören (Bewohner von Wohnheimen, alte Menschen, weibliche Haushaltsvorstände, traumatisierte Personen), denen die Entscheidung mit Blick auf die aktuellen Hindernisse für eine dauerhafte Rückkehr schwerer fällt."

(The Internal Displacement Monitoring Centre, 25. Oktober 2006)

June 2008

 Zurück Themen: Rückkehr - Weiter